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Nx. «8. Dienstag den 20. März 1888.

Weßener Anzeiger

Amts- und

für den Kreis Gießen.

Brrreaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Msnla-K.

Amtlicher Hheil.

PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Vom 2.

Vom 3.

6. März

(Nr. 1486.) (Nr. 1487.) März 1883. (Nr. 1488.) März 1883.

(Nr. 1489.)

Nr. 3 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 13. l. M., enthält:

Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts-Etats für das Etatsjahr 1883/84. Vom 2. März 1883.

Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichseisenbahnen.

Gesetz, betreffend die Controle des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für das Etatsjahr 1882/83.

Nr. 4 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 14. l. M., enthält:

Verordnung, betreffend das Verbot der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten amerikanischen Ursprungs. Vom

1883.

Gießen, den 17. März 1883.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. I>r. Boekmann.

Deutschland.

Darmstadt, 17. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom heutigen Tage zu ernennen geruht:

Den Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Starkenburg, Otto Pistor, zum Ober-Landesgerichtsrath bei dem Ober-Landes­gerichte ;

den Oberamtsrichter bei dem Amtsgerichte Darmstadt I, Johann Heß, zum Landgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Starkenburg;

den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Darmstadt II, Christoph Arnold, zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgerichte Darmstadt I;

den Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Lorsch, Dr. Karl Zimmermann, zum Amtsrichter bei dem Amtsgerichte Darmstadt II und

den Gerichts-Accessisten Hermann Lorenz aus Münzenberg zum Arnts- richter bei dem Amtsgerichte Lorsch.

Se. Durchl. der Prinz Ludwig von Battenberg tritt heute von hier aus eine Reise nach Sofia an.

Der Herzog und die Herzogin von Connaught sind heute Abend um 63/4 Uhr nach Berlin abgereist.

Mainz, 18. März. Eene auf heute anberaumte Volksversammlung, in welcher Abgeordneter Vollmar über dieSozialreform" sprechen wollte, wurde aus Grund des Soc'alistenaeretz"s verboten. (ft- 8.)

Berlin, 15. März. DasMarine-Verordnungsblatt" veröffentlicht Folgendes:

Ich habe beschlossen, Meinem im Jahre 1852 errichteten See-Bataillon nunmehr eine Fahne zu verleihen. Ich erwarte zuversichtlich, daß dasselbe dieses von Mir ihm anvertraute Feldzeichen unverbrüchlich in Ehren zu halten und allezeit zu seinem und der ganzen Marine Ruhm und zum Wohle des Vaterlandes führen werde. Die feierliche Nagelung und Weihe dieser Fahne soll am 19. d. Mts. in Meinem hiesigen Palais resp. in Kiel nach den von Mir getroffenen befördern Bestimmungen erfolgen und find zu ersterer und zur Uebernahme der Fahne die Commandenre des qu. Bataillons, sowie 1 Hauptmann, 1 Premier-, 1 Seconde-Lieutenant und 1 Feldwebel desselben hierher zu beor­dern. Ich beauftrage Sie, diese Meine Ordre der Marine bekannt zu machen und das weiter Erforderliche zu veranlassen.

Berlin, den 6. März 1883. Wilhelm.

An den Chef der Admiralität.

Berkin, 16. März. DieBerl. Polit. Nachr." schreiben: Je mehr die Besorgniß schwindet, daß dem europäischen Frieden eine Gefahr Seitens der Negierenden drohen könnte, desto eifriger arbeiten die Maulwürfe der inter­nationalen Revolution an der Beunruhigung von Staat und Gesellschaft. Ein Ungefähr hat, zu früh für die Wünsche und Berechnungen des unterirdisch wühlenden Anarchismus, dessen geheime Minen und Gänge auf dem südspani­schen Schauplatze seiner Thätigkeit bloSgelegt, und so jedenfalls einer plötzlichen Ueberrumpelung des legitimen Negierungssystems vorgebeugt. In Frankreich brauchten die Verkündiger extremer Doctrinen sich ungleich weniger zu geniren; sie machen von den republikanischen Freiheiten den weitestgehenden Gebrauch, indem sie ganz offen und ungescheut den Angriff auf das Bestehende organiflren. Ein Glück, daß der Fanatismus die dortigen Rothen jeder nüchternen Erwägung unzugänglich macht, und sie also nicht gewahr werden, daß das durch särnrnt- liche Klassen der Gesellschaft gehende tiefe Ruhebedürfniß allen Urnsturz-Bestre- bungen ein absolutes Fiasko in Bereitschaft hält. Dagegen ist London durch eine neue Unthat, die man mit Recht auf das Conto der Fenier setzt, gestern in argen Schrecken gejagt worden. Es handelt fick um eine im Ministerium des Local Gouvernment explodirte Dynamit-Bombe, die großen baulichen Scha­den angerichtet und die Polizei zu umfassenden Schutzvorkehrungen für alle bedeutsamen Staatsinstitute veranlaßt hat.

Berlin, 17. März. Anläßlich der Vorfeier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers prangen unter den Linden und in den angrenzenden Straßen viele Häuser im Flaggenschmuck. Zur Paroleattsgabe bei der Köntgswache erschienen die Osficiere im Paradeanzug. Die sämmtlichen Schulen feierten durch festliche Akte den Geburtstag des geliebten Kaisers. Mittags ertönte Festmusik vom Rathhaus hernieder und später vereinte ein feierliches Banket die Väter der Stadt in den inneren Räumen desselben. Zahllos sind die Diners vnd festlichen Versammlungen am späten Nachntittag und Abends, durch welche die verschiedenen Klassen der Bevölkerung: Behörden, Beamte, Osficiere, Sol­daten, Vereine u. f. w. ihrer Freude unb Verehrung Ausdruck geben.

Zum heutigen officiellen Festdiner beim Reichskanzler waren särnmt- liche Botschafter, Gesandte, Geschäftsträger, Militärbevollmächtigte, sowie alle nichtpreußischen Mitglieder des Bundesrathes resp. deren Stellvertreter geladen. Der Finanzminister' hatte, außer den Räthen seines Ressorts, in Vertretung des Ministers v. Bötticher auch Mitglieder des Reichsamtes des Innern zum Festmahl versammelt.

Berlin, 17. März. DerNat.-Ztg." zufolge dürfte das Entlassungsgesuch des Chefs der Admiralität v. Stosch mit Rücksicht auf seine Begründung zunächst dem Reichskanzler zur Meinungsäußerung zugegangen sein. Nach demDeutschen Tage­blatt" tritt der deutsche Gesandte in China, Brand, am 1.April einen sechsmonatlichen Urlaub an, um sich nach Deutschlund zu begeben. Der Mörder des Geldbrieflragers Koffath heißt Graf und ist Sander sihr ähnlich. Graf wohnte in der Stallschreiber­ftraße, seine Braut und sein Koffer befinden sich bereits in Händen der Polizei. Graf soll noch hier weilen und wird hoffentlich alsbald aufgegriffen werden.

Nach derNordd. Allg. Ztg." sind dem Handelsminister, nachdem das Abgeordnetenhaus die als Bewilligung für den Volkswirthschaftsrath geforberhn 16000 <A abgelehnt hat, zur Deckung der Ausgaben dem Letzeren von Privatpersonen bereits namhafte Beträge zur Verfügung gestellt worden. Nach der Höhe der ersten Zeichnungen läßt sich die Deckung des vollen Bedarfs nvt Sicherheit voraussehen, so­bald die zunächst von den landwirthschaftlichen Kreisen genommene Initiative öffentlich kf.nnt geworden sein wird. DieLiberale Correspondenz" thrilt mit, der Reichs­kanzler habe in einem an den Kaiser gerichteten Memorandum über die Verwaltung des Chefs der Admiralität v. Stosch zu erkennen gegeben, daß er für die Zukunft die Verantwortlichke t für dieselbe ablebnen müsse Nach derVossischen Zeitung" wünscht man tn Marinerreisen als Nachfolger Stosch's einen Marineosficier zu sehen. Wenn ein solcher an die Spitze der Admiralität berufen wird, so wird allgemein an­genommen, daß dies der Viceadmiral Bätsch sein wird. Derselbe ist 1831 geboren und hat seinen Weg vom Schiffsjungen bis zum Admiral gemacht. DieNordd. Allg. Zig." registrirt die Nachrichten, daß der Kaiser Stosch's Entlassungsgesuch angenommen habe. Als Nachfolger für den General Tümpling, der wegen Krankheit fein Abschieds­gesuch eingereicht hat, wird als Commandeur des 6. Armeekorps General v. Kameke, der frühere Kriegsminister, bezeichnet.

München, 17. März. Bei einem Einbrüche im hiesigen königlichen Residenzschlosse wurden aus der Tageskasse des Hofmarschallamtes mehrere Tausend Mark geraubt.

Karlsruhe, 17. März. Der Bahnverkehr Freiburg-Hugstetten-Breisach ist gestern Nachmittag wieder eröffnet. Die Wiedereröffnung der Linie Triberg- Sommerau erfolgt voraussichtlich heute.

Kefterreich.

Pest, 17. März. Abgeordnetenhaus. (Mittelschuldebatte.) Nach der Schlußrede des Referenten und des Antragstellers ergriff der Unterrichtsmimster Trefort das Wort und führte aus, die Vorlage schädige weder die Confession noch die Autonomie, sie taste auch die Schulfreiheit nicht an, wolle nur die nothwendige Staatsmspection einführen und verlange die Erlernung der Staatssprache. Gegenüber den Klagen der Sachsen bezüglich des Sprachenzwangs weift der Minister auf die den Sachsen untergeordneten Klrch.ngemeinden hin, die zum Gebrauch der deutschen Sprache gezwungen worden seien. Auf den Vorwurf, die Vorlage sei nach deutscher Schablone entworfen, entgegnet Trefort, auch das Protestantenthum entstamme Deutschland, nicht die Provenienz, sondern die Güte der Sache entscheide bei der Anwendung. Der Minister empfiehlt schließlich nochmals unter lebhaftem Beifall die Annahme der Vorlage. Bei der darauf folgenden Abstimmung wird die Vorlage mit überwiegender Majorität als Basis der Specialverhandlung angenommen. Für dieselbe stimmten die liberale Partei und d e gemäßigte Opposition, gegen dieselbe die Sachsen und die Unabyangigkeitspartei. Die Specialverhandlung findet erst nach den Osterferien statt.

Arankreich.

Pari«, 15. März. Im Lycäe Louis le Grand spukt es immer noch; gestern fuhr der Geist der Empörung in die Schuler der mittleren Ablheuung, die in ihrem Hofe meuterische Ruse ausgestoßen und zu zischen begannen. Darauf war aber die Direction schon gefaßt- Sie pflückte fogleid; ~~ ber tollsten Schreier aus der Mitte ihrer Kameraden und wies ihnen die Dynr. - Was die 270 Ausgewiesenen von vorgestern betrifft, so haben viele von ihnen ihre Uebereilung schon bereut und melden stch nun selbst oder schicken ihre Eltern und Beschützer, um Verzeihung zu erwirken. Der Prov sor Gidel hat aber streng verboten, irgend Jemand bei ihm vorzulaffen und besteht daran, daß die Schuldigen schonungslos bestraft werden. Das übrige Olrections- Personal von Louis le Grand stimmt mit .hm hierin überein und soll erklärt haben, es trete zurück, wenn einer der Rädelsführer wieder ausgenommen werde. Es versteht sich von selbst, daß die Reaetion den Handel gegen die Regierung und das revublikanische Regime im Allgemeinen auszubeuten sucht. Der?fran<

ZZn so weit, über dieSchule ohne Gott" und ihre Reful. täte zu jammern, und vergaß dabei gänzlich, daß das Lycse Louis le Grand noch seinen Caplan hat. C5r* Journ.)