sucht den Vater am Arme zurückzuhalten, ein zweites streckt ihm bittend die Arme entgegen und der kleine Kunde hält ihn fest an der Hand. Das Relief war einige Tage am Bahnhose zu sehen und manche Thräne ist beim Beschauen dieser ergreifenden Abschtedsscenen geflossen. Täglich wanderten Hunderte von Fremden nach dem Denkmale und alle sind voll des Lobes über das nun halb vollendete Kunstwerk. Unsere renommirte Gasthöfe, die Wagen- und Pferdebesitzer haben vollauf zu thun und täglich treffen in den Gasthöfen schon Bestellungen ein für Logis an dem Enl- hüllungstage.
München, 14. August. Heber einen Skandal während einer Trauung wird von hier berichtet: Als am vorigen Freitag in der Bontfacmskirche ein Paar getraut wurde, erschien eine Frauensperson mit zwei Knaben, von denen der ältere 8 Jahre alt fein mochte, in der Kirche und stieß laute Verwünschungen gegen den Bräutigam, den Vater dieser Kinder, aus. Der ältere Knabe hatte in feinen Taschen Steine mtt- gebracht, die er auf seinen Vater zu werfen drohte. Es wurde ein Gendarm geholt, der sie aus der Kirche entfernte. Das Hochzeitspaar entfernte sich durch eine Seiten- thüre. — In der Au wurden bis gestern Nachmittag 37 Brandbriefe gelegt; es herrscht eine förmliche Panik unter den Leuten, denen diefelbeu zugestellt wurden und es trauen sich Viele, welche in der Stadt ihre Beschäftigung haben, nicht aus dem Hause, aus Furcht, es könne in ihrer Abwesenheit die Drohung wahr gemacht werden.
Norderney, 12. August. Wie dem „Berl. Tagebl." telegraphirt wird, herrscht unter den Badegästen Aufregung in Folge etne9 Unglücksfalls, der das Leben eines Badegastes gefordert. Während der Ebbe ertrank heute früh Herr Siegfried Kohn aus Thorn.
London, 14. August. Drei große Feuersbrünste haben gestern in London und Umgebung gewüthet. Die eine zerstörte die Firniß- und Lackfabrik der Herren Noble und Hoare in Lambeth, die zweite das Hanf- und Jute-Waarenhaus von Cook u. Co, ebenfalls im Süden der Stadt — in beiden Fällen erwiesen sich selbst die neuen Darnpf- feuerspritzen als machtlos — und die dritte endlich vernichtete Dr. Boyd's Prioat- heilanstalt für Geisteskranke in Ealing bei London. Hier war das Feuer um 2 Uhr Morgens im Untergeschoß ausgebrochen und man sah an den Fenstern der oberen Stockwerke die Irren händeringend stehen und hörte ihre verzweiflungsoollen Hilferufe, ohne ihnen beispringen zu können. Einige liefen mit brennenden Nachtgewändern in den Zimmern umher und sprangen endlich aus den Fenstern, was für die Meisten jedoch ziemlich glücklich ablief. Die Feuerwehr war nach längeren Bemühungen endlich im Stande, mit der Herausholung der vom Feuer bedrohten Personen zu beginnen und hatte schon glücklich an zwölf Personen in Sicherheit gebracht, als plötzlich das Dach einstürzte und alles tn dem Feuermeere begrub, was noch innerhalb der vier Mauern des brennenden Hauses lebte. Wie bisher festgestellt worden ist, sind Dr. Boyd, sein Sohn, zwei Patienten und die Köchin des Etablissements in den Flammen umgekommen. Man glaubt jedoch, daß noch eine Dame, welche gleichfalls in der Heilanstalt untergebracht war, ihr Leben eingebüßt hat. Die Geretteten haben zumeist furchtbare Brandwunden erlitten.
New-York, 12. August. In Atlanta, Georgia, ist eine ganze Anzahl Hauser mit Einschluß verschiedener Banken und dem Kimbal Hotel niedergebrannt. Der Schaden wird auf 1 Million Dollar geschätzt. Auch m Winegarn Haven, Massachusetts, hat ein großes Feuer gewüthet. Schaden 250,0(0 Dollars.
— sDie verwechselten Liebesbriefes Herr Eduard Lang in Wien ist Friseur von Metier und am Volkert in der Leopoldstadt eine bekannte Persönlichkeit. So oft er, der kleine Mann mit dem etwas verwildert aussehenden rothen Vollbart, dem durchlöcherten Hute und den abgetretenen Stiefelabsätz n, auf der Gasse erscheint, gesellt sich zu ihm eine Schaar junger Mägde und der stets hilfsbereite Mann von der Feder, wie Herr Lang sich mit Vorliebe nennt, kennt im nächsten Momente die Herzensgeheimnisse feiner Klientinnen, denen er nach Empfangnahme eines kleinen Trinkgeldes mit Rath und That zur Seite steht. Leider ist Herr Lang manchmal etwas zerstreut und diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß er sich bemüßigt sah, bei dem Bezirksgerichte Leopoldstadt eine Reparatur feiner Ehre anzustreben, welche durch die Köchinnen Anna Koller, Josephine PÜchler und Marie Horak angegriffen wurde. „Fräulein Anna Koller hat mich," so heißt es in der Ehrenbeleidigungs-Klage des Herrn Lang, „einen „Bamschabel" genannt, Fräulein Josephine PÜchler schimpfte mich ^coram populus“ einen „verhatschten Doctor" und Fräulein Marie Horak einen „rothen Maikäfer." — Richter (zu den angeklagten Köchinnen): Sie haben die Anklage gehört, sehen Sie Ihr Unrecht ein? Wollen Sie Herrn Lang um Verzeihung bitten? — Angeklagte Anna Koller: Um Verzeihung bitten? Fällt mir gar nicht ein, kaiserlicher Herr Rath. Herr Friftur Eduard Lang soll uns um Verzeihung bitten, er hält' ja uns drei bald unglücklich machen können. Stellen Sie sich vor, kaiserlicher Herr Rath, ich sag' dem Herrn Lang, er soll meinem Geliebten schreiben, daß meine Gnädige am Sonntag Gäst' haben wird und daß ich nicht ausgehen kann. Mein Geliebter läßt sich, nachdem er den Bries bekommen hat, vierzehn Tag nicht mehr blicken, bis ich endlich die Ursache erfahr. (Die Angeklagte überreicht dem Richter einen Brief.) Da schaun's her, kaiserlicher Herr Rath, was er ihm geschrieben hat. Richter: Die Verlesung dieses Briefes wird wohl nicht nothwendig sein? — Angekl.: Oh ja, kaiserlicher Herr Naty, ich bitt' schön. — Richter: Nun denn, wir wollen sehen (lieft den Brief): „Falscher Schmetterling! Du hast mir unendliches Weh bereitet, du haft mich ver- rathen und mein Herz gebrochen. Du bist ein Bösewicht und nicht werth, daß ich dich länger liebe und darum sage ich dir Adieu! auf immer. Lebe wohl und fei glücklich mit der böhmischen Kathi Deine gewesene Geliebte Anna Koller. — Angekl.: Jetzt frag' ich, kaiserlicher Herr Rath, ob so a Mensch, der so was schreibt, nit a Bamschabel ist? (Heiterkeit.) — Richter: Es ist zwar unbegreiflich, wie Herr Lang dazu kam, einen solchen Brief zu schreiben, aber deshalb sind Sie doch nicht berechtigt, ihn zu beschimpfen. Und Sie, Angeklagte Josephine PÜchler, sind Sie Ihrerseits zu einer Abbitte bereit? — Angekl. (einen Bries dem Richter übergebend): Da, Herr Richter, das ist meine Verthettngung. Der Richter verliest unter schallender Heiterkeit des Auditoriums folgenden Brief: „Geliebter meines Herzens! Morgen Sonntag, Nachmittags um 4 Uhr stehen dir die Pforten des Paradieses offen. Ich, dein Engel, bin befreit in dieser Stunde aus dem Fegfeuer und werde geläutert in deine Arme sinken, wenn du kommen wirst. Meine Gnädige, der Teufel, dem ich mich verschrieben habe, ist um 4 Uhr im Bockkeller mit ihrem Manne. Und ich habe zu Hause eine halbe Gans. Du bringst süßen Necktar, den Liter um 60 fr., mit und wir Zwei werden bei der Gans und dem Weine vergessen, daß wir irdische Wesen sind. Geliebter! mein Herz schlägt bei dem Gedanken an das uns bevorstehende Glück so stark, daß ich mir vorkomme wie eine lebendige Trommel. Also, Geliebter meines Herzens! eile am Sonntag um 4 Uhr tn die Arme deiner Josephine und vergiß den Wein nicht." — Richter: Ich habe den Brief verlesen und möchte Sie nun fragen, was es mit demselben für eine Bewandtniß hat. — Angekl.: So? Nun ja, kaiserlicher Herr Rath, das können Sie freilich nicht wissen. Ich hab' Herrn Lang g'sagt, er soll mein Geliebten
schreiben, daß er mich um 4 Uhr am Sonntag an der Ecke der Darwinist- Taborstraße ermatten soll. Ich wart' und matt’, unb wer ntot tommt mar Geliebter. Acht Tag später ersaht' ich von Ihm, daß er um 4 Uhr bei mir mit h™ Flasche Wein mar. (Sckall-Nd- Heiterkeit.) - Richter: Und deshalb bab n Sie einen «verhatschten Doctor" genannt? — Angekl.: Schauen S' ihn nur an talMI*” Herr Rath, er ist doch verhatscht. - Ankläger (mit Pathos) Ich b"n Dbilosoob wenn ich unter das Volk hinabsteige, dann gebe td) auf mein Aeußeres Nickis I amter: SRun Sie erscheinen ja auch hier in keiner @™Ion=Zoitette momit l^abti« burdjau? keinen Vorwurf machen will. - Ankläger: Ich bin ein Mann von ber sS und manchmal etwas zerstreut. - Richtet: Wie kamen Sie dazu, diese Bries schreiben? - Ankläger : In die Ueberslllle meiner Gedanken mengte sich das GeipeM Zerstreutheit und richtete ungeheuren Schaden an. — Richter • Werden Sie mir™ poetisch! Sie befassen sich, wie ich sehe, damit, den Köchinnen Secretärdienste zu leiste haben aber es nun erfahren, daß Sie den Angeklagten keine guten Dienste aelS haben. Diese Thatsache sollte Sie zur Versöhnlichkeit bestimmen - Ank äa r. Ä schabe!!" mir, der ich in die feinsten Häuser komme. - Angekl. Josephin - Bück.ff. Machen S' nur kan Pflanz mit wissen schon, was das für Damen sind , dsi L frtsiren. - Ankläger: O, ich bitte, bei diesen Damen, die ich sriflre, hole ich mir $! Sl'st^ung die mein zweiter Beruf die Dichtkunst, erfordert. Erst friftre ich und den, schreibe ich den Köchinnen thre Briefe. - Richter: Lossen Sie jetzt diese Großsvreckmi beiseite und erklären Eie sich kurz: wollen Sie sich m t einer Ehrenerklärung zufriedtm geben? — Ankläger: Aber, hohes Gericht, ich wurde ja auch ein „rother Moikäier' genannt. - Angeklagte Marie Horak: Bitt’ ich, kaiserlicher Herr Rath, hab' ich a„4 Br est Hat schreiben füllen der Herr Lang Abschied mein' Geliebten, derweil hot ita bestellt daß füllt er warten auf mich in Darwingosi'l bei dem Taborstroß'I. fßetterfeltl - »: Also da sehen Sie, was Sie wieder für ein neues Unheil mit Jhrer Pv angestiftet haben - Ankläger: Ich soll mich also „Bamschabel". „verhalf»,er Doeio ■ und „rother Maikäfer" nennen lassen? — Richter: Die Angeklagten werden hier er klaren, daß sie es bedauern, Sie so genannt zu haben. - Ankläger (zu den gingeflaatin gewendet): Den Worten des Richters schenke ich willig Gehör und verzeihe euch idt schlimmen Magde. Nie mehr aber werde ich euch meine Feder leihen. — Richter Es wird dies auch hoffentlich nicht mehr nothwendig sein. Die Angeklagten elniaeii fid) zu dem von dem Richter proponirten Ausgleiche. Herr Lang findet, daß dm» diesen Ausgleich feine angegriffene Ehre reparirt sei und verläßt unter tiefen Südllnaen den Verhcmdlungssaal. B
„ . — [Chemiker und Theolog dazu ) Bei der letzten Preisvertheilung an der Berliner Universität erregte es nicht geringes Aufsehen, daß einem Chemiker der Preis für Löfuna einer theologischen Aufgabe zuerkannt wurde. Das Thema der Pretsaufgabe war Die Ziele des Mohamedanismus. Der Rector, Professor Dubois-Raymond, zögkitr einen Augenblick mit der Verlesung des Namens und des Berufs des Prämtirten, bo er einen Jrrthum vermuthete.
— Die Perlenfischeret im Golf von Mexiko scheint die größten Erwartungen übertreffm zu wollen. Die meisten Muscheln, die aus der Meerestiefe herooraeholi werden, führen Perlen und an den Gestaden des Golfs herrscht eine Aufregung, die nur mit jener bet Entdeckung neuer Goldftlder verglichen werden kann. Die Perlen sind oft von ungewöhnlicher Größe und Reinheit. Im December o. I. wurde eint Perle aufgefifcht, die 75 Karat wog und an Ort und Stelle — weit unter dem wahren Werthe — um 14,000 Dollars verkauft wurde; zwei andere Perlen wogen je 47 und 40 Karat und find jetzt tn La Paz ausgestellt-
- [(Sin amerikanisches Pensionat.) Eine ziemlich gemischte Gesellschaft finde! sich in der neuen Welt zusammen. In Newyork besteht ein deutsch-englisches Knabcn- pensionat, dessen Director ein ehemaliger Offizier des österreichischen Gentecorps iß, der Schreib- und Zeichnenlehrer war tn einer süddeutschen Stadt — Buchhalter, der Turnlehrer war In Europa — Hausknecht, der Reitlehrer gehörte vor genau 10 Ja bm der Wiener Sportswelt an, ein Aufseher war in Prag Uhrmacher, versah nach btm Zusammenbruch seines Geschäftes tn der neuen Welt die Dienste eines Kassenbotm, Kellners und Nachtwächters, der Hausknecht, welcher Schuhe und Kleider der Zöglirgr reinigt, besaß von 1868 bis zum Krach tn Wien eine — Wechselstube. Den Aesthiti!- und Literatur-Professor will man tn Louisoille vor Jahren als Mitglied eines - reisenden Circus gesehen haben.
— [Eine eigenthümliche Sparbüchse.) Aus einem Briefe aus Cochinchina afrb dem Temps folgende wie ein Märchen klingende Geschichte mttgetheilt: „Als dir annamitische Consul Im Juni aus Saigon ausgewiesen wurde, mußte er in der Geschwindigkeit feine Habseligkeiten, feinen Wagen, feinen Hausroth u. s. w. verkaften. Eines aber brachte ihn in große Verlegenheit, denn der Dampfer, auf dem er sich fchiffte, weigerte sich, es an Bord zu nehmen und ebensowenig wollte einer seiner Nachbarn sich damit befassen. Es waren dies 15 lebendige Krokodille, die er für Dm König gekauft hatte und Seiner Majestät als Separatsendung hätte zukommen laHtN sollen. Wie es scheint, hat der König eine Vorliebe für diese Amphibien. Und bum knüpft sich daran eine Legende: es heißt, in dem Innern des Palastes sei ein grcßls Wasserbecken angelegt, in welches der Herrscher von Zeit zu Zett ausgrhöhltt Bam- stämme, die mit Gold ober Silber angefüllt sind, werfen läßt. Es ist dies derResem- schatz, an dem nur im Falle äußerster Noth gerührt weiden darf. Um die Diebe abzuschrecken und sich selbst vor der Versuchung zu bewahren, ohne Nothwendigkeit nrä dem Schatze zu schöpfen, werden in dem Becken Krokodille gehegt, von denen ein je>tr,f der Geld haben wollte, unerbittlich gefressen würde. Eine so eigenthümliche SM- büchse sieht man nicht jeden Tag. Wer durchaus Geld haben will, muß sie zerbrecten, d. h. er muß die Krokodille tobten, was nicht ohne gewaltigen Lärm möglich ist, btin sie haben ein zähes Leben. Außerdem könnte der Erleger wähnen, er hätte sie rlltS gelobtet und dann doch noch eines, sei es in einer Höhle, sei es in einem Boumstamrrnu übrig bleiben, so daß des Schatzmeisters, der seine Kaffen erschließen wollte, gering# Vergnügen harren würde "
— [Eine Erdbeben-Katastrophe in Amerika.) Die Insel Ometepee im See Nicaragua wurde durch einen vulkanischen Ausbruch gänzlich von einigen ßmfirontr überfluthet, der ganze Thäler aussüllte und unter feiner feurigen Masse alle SV siedelungen, große Viehheerden und die särnnttlichen fruchtbaren Ländereien begrit Der Ausbruch begann am 19 Juni, wo sich ein neuer Krater öffnete, dem unter ot ständigem Erdbeben ein Lavastrom entquoll, welcher sich gegen Las Pilas wanttt Zwei Tage später barsten mehrere Berge; die Lava strömte überall hervor unt>bi< entsetzten Bewohner der unglücklichen Insel wandten sich zur Flucht. Von Gran cd-. Riva und anderen Städten holte man sie mit Booten ab; einige Landleute flüchte sich unglücklicher Weise auf einen Hügel, der bald wie eine Insel aus dem ßaDanre« hervorragte. An eine Rettung war nicht zu denken und die armen Leute gingen iwj elend zu Grunde. Die ganze Insel gleicht heute einem glühenden Lavahaufen untnü gänzlich unbewohnbar geworden.
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