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Nr. 16<* Donnerstag den 19. Juli 188S

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

' - PreiS vrertetjährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlotzw

: Schutstraße 7. Erscheint tätzttch mit Aufnahme des VrEag»- Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pz.

Amtlicher Höei l.

Betreffend: Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen. Gießen, am 17. Juli 1883.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commissim Gießen

nt Frau.

e, sowie der so ligen Schrvchm' Mn Söhnchens, ^streichen Worte

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i wir hiermit schmerzliche Uhr erfolgten

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir erinnern diejenigen Schulvorstände, welche rubr. Nachweisungen noch nicht eingesandt haben, an sofortige Erlegung unserer Verfügung vom 25. Juni im Gießener Anzeiger. Zugleich verweisen wir dabei auf unsere nachträglichen Ausschreiben in Nr. 153 und 156 desselben Blattes.

I. V.: Dr. Hoffmann, Regierungsrath.

Politische Uedersicht.

Gießen, 18. Juli.

Kaiser Wilhelm hatte seine Abreise von Mainau verschoben und ist erst am Montag Morgen von der anmuthigen Bodensee-Jnsel nach Wildbad Gastein abgereist. Die Reise erfolgte über Rosenheim, Kufstein, Wörgl und Lend, wo der Kaiser dann mittelst Extrapost weiter nach Gastein fuhr und am Dienstag Nachmittag daselbst eintraf.

Im weiteren Verfolge der bereits verordneten Quarantänemaßregeln in deutschen Seehäfen gegen die Choleragefahr sind nunmehr auch imReichs- Anzeiger" sorgfältige Instructionen über die Desinfection von Seeschiffen be­kannt gegeben worden. An dieser Stelle bemerken wir auch, daß Geh. Rath Dr. v. Pettenkofer in München, eine Autorität auf dem Gebiete der Ansteckungs- Krankbeiten, die Gefahr der Verschleppung der Cholera nach Deutschland in diesem Jahre für sehr gering hält, da auf Seeschiffen nur in den seltensten Fällen Die Cholera stark' austritt und die Weiterverbreitung derselben auch nicht direcl von einem Menschen auf den andern, sondern nur in der Weise stattstnde, wenn die Cholera-Miasmen, sei es im Boden, sei es in der Luft, die Bedin­gungen für ihre Weiterentwickelung und Reife fänden. Dagegen existire aber ein örtlicher und zeitlicher Schutz, der in sehr vielen Fällen gegen die Weiter­verbreitung der Cholera einwirke, wie die wissenschaftlich-statistischen Beobach­tungen gezeigt hatten. Jedenfalls geht aber aus diesen Auslassungen Petten- kofer's hervor, daß eine strenge und auf die genügende Anzahl von Tagen ausgedehnte Quarantäne der wirksamste Schutz gegen die Weiterverbreitung der Cholera ist und die europäischen Negierungen haben recht gethan, die Quaran­täne einzuführen und wünschenswerth märe es auch, England durch außerordent­liche Repressalien zur Einhaltung der Quarantäne in seinen Häsen zu nöthigen, Denn in der Cholerafrage geht den Engländern der ungehinderte Verkehrs- und Handelsgewinn noch immer über den Schutz von Menschenleben.

Für die hohe Vertrauensstellung des Berliner Polizeipräsidiums soll an Stelle des in seiner Gesundheit erschütterten Herrn v. Madai der Reichs­tagsabgeordnete und frühere Landrath Herr v. Colmar-Meyenburg designirt sein. Herr v. Colmar-Meyenburg gilt als einer der befähigsten Verwaltungs­beamten und ist am Berliner Hofe persona grata.

Aus Rom wird gemeldet, daß der preußische Gesandte beim päpst­lichen Stuhle, Herr v. Schlözer, mit dem Cardinal-Staatssecretär am 15. Juli eine Unterredung hatte, welche sich zweifelsohne auf den Stand der Kirchen­frage bezogen hat. Merkwürdiger Weise hält auch jetzt dasJourn. de Rome" eine friedliche Lösung des Kirchenstreites für sehr wahrscheinlich und meint, die Verhandlungen zwischen Rom unb Berlin könnten aus Grund gegenseitiger Con- j cessionen wieder ausgenommen werden.

Im Interesse der durch die Trunksucht bedrohten öffentlichen Wohlfahrt wird von den deutschen Negierungen eine Statistik der Gewohnheits- Trinker und derjenigen Individuen, welche in Folge der Trunksucht irrsinnig wurden und deshalb in eine Irren-Anstalt ausgenommen werden mußten, geplant.

Im Tyroler Landtage haben 36 conservative Abgeordnete einen energischen Protest gegen die Bildung altkatholischer und protestantischer Ge­meinden und gegen den Bau einer protestantischen Kirche in Meran erhoben. Tyrol sei nur stark, so lange es einig sei im Glauben, auch sei den Protestanten und Altkatholiken nicht verwehrt, nach Tyrol zu kommen und dort ihren Got­tesdienst abzuhalten; die Bildung von anderen als katholischen Gemeinden und besonders der Bau einer protestantischen Kirche sei aber in Tyrol ungesetzlich. Intolerant ist diese Anschauungsweise aber auch und so gut wie in anderen österreichischen Ländern Katholiken und Protestanten friedlich nebeneinander leben, ebenso kann es wohl auch in Tyrol geschehen. Aus Wien wird von einer Episode von weittragender politischer Bedeutung für die Gestaltung der Dinge auf der Balkan-Halbinsel berichtet. Der von einem Diner in der russischen Botschaft in Wien in weinseliger Laune nt sein Hotel zurückgekehrte Fürst von Montenegro fand dort bei seinem Minister Petrowitsch den serbischen Finanz­minister Mijalowitsch zu Besuch und fing sofort an, Letzterem gegenüber auf Serbien zu schimpfen und sich als den Vertreter der ferbischen Sache hmzu- stellen. König Milan werde dies auch bald sehen, denn er, der Fürst von Mon­tenegro, habe seine Tochter mit dem Prinzen Karageorgewitsch, dem Erben der gestürzten serbischen Königäsamilie verlobt.

Ueber die große Parade, welche am Tage des französischen Natio­nalfestes aus dem Longchamps bei Paris stattsand, wird nur Rühmliches be­richtet. Einen ganz vorzüglichen Eindruck haben die Artillerie und die Jäger- Bataillone gemacht und auch die übrigen Truppenkörper zeigten Fortschritte in

ihrer Ausbildung. Außer dem Präsidenten Grövy empfing daher auch der Kriegsminister Thibaudin die Hochrufe der Volksmaffen, die über die Parade entzückt waren. Das Nationalfest ist überhaupt befriedigend und ohne beson­dere Zwischenfälle verlaufen, nur in Roubaix veranlaßten die Anarchisten eine Zusammenrottung, um gegen die Ablehnung der weiteren Begnadigung der noch gefangen gehaltenen Communisten zu protestiren. Die Ruhestörer wurden aber bald durch Polizisten auseinandergetrieben.

Der englische Premierminister Gladstone hat mit dem Suez­kanal-Arrangement in ein wahres Wespennest gestochen. Der Widerstand gegen die Vereinbarung mit Herrn v. Lesseps ist im ganzen Lande noch stetig im Wachsen. Die betheiligten Kreise sind einstimmig in einer unüberwindlichen Feindseligkeit gegen das Arrangement. Die Regierung will in Folge dessen an­geblich das Project zurückziehen. Dagegen erklärte Herr v. Lesseps in bündig­ster Form, es sei ihm gleichgiltig, wenn die Engländer das Arrangement mcht wollen; er betont, daß Gladstone sein ausschließliches Privilegium anerkannt habe; eine andere Suezkanal-Compagnie zu gründen, wäre ein Diebstahl Das englische Unterhaus hat einen Antrag angenommen, die Einfuhr von leben­dem Vieh aus verseuchten Ländern zu verhindern, aber es stimmt anderersetts der Erklärung der Regierung zu, daß sie gegen aus dem Choleragebiete kom­mende Passagierschiffe keine Quarantäne einzuführen beabsichtige. Der Wider- s^ruch ist zu lächerlich. Es wird nun bestätigt, daß die französische Regierung in London die Erklärung abgegeben hat, daß sie nach der Erklärung der engli­schen Regierung im Parlament sich gezwungen sehen werde, alle, aus britischen Häfen kommenden Schiffe unter Quarantäne zu stellen. Die spanische Regierung hat das Gleiche gethan und es wäre zu wünschen, daß die übrigen europäi­schen Regierungen sich diesem Schritte anschließen.

Die Balkan-Halbinsel soll, wie es schemt, noch für lange Zett die politische Hexenküche Europas bleiben. Wenn nicht alle Anzeichen dafür trügen, arbeiten die Panflavisten daran, Serbien von seinem Anschlüsse an Oesterreich loszureißen und den russischen Einfluß auf dem Balkan dominirend zu machen. Es bestätigt sich nämlich, was Fürst Nikita von Montenegro nt Wien bereits in der Weinlaune verrathen hat. Seine Tochter, Prinzessin Zorka, hat sich mit dem serbischen Kronprätendenten Fürsten Peter Karageorgewttsch verlobt und soll die Vermählung bereits im September vollzogen werden. Fürst Karageorgewitsch war im vergangenen Frühjahre längere Zett in Cettinje und gab sein Besuch am Hofe des Fürsten von Montenegro Belgrader und Wiener Politikern Anlaß zu weitgehenden politischen Conjecturen. Das Verhältniß zwi­schen Serbien und Montenegro, das seit lange kein besonders freundbHes ift, wird durch die verwandtschaftliche Verbindung der Häuser Petrowitsch-Njegusch und Karageorgewitsch jedenfalls noch gespannter werden; denn König Dlilan rotr fortan in Cettinje den Herd der gegen seinen Thron gerichteten Jntnguen zu suchen haben. Diese Vermählung findet unter den Auspizien des Kaisers Alexander III. statt und der König von Serbien mag darin die,Folgen seiner Hinneigung zu Oesterreich erblicken. .... .

Nachrichten aus New-York melden, daß große Regengüße und Nordmest-Stürme in mehreren westlichen Staaten der Union, nament.ich in Missouri, bedeutende Verheerungen angerichtet haben. Doch sollen trotzdemine Ernteaussichten in den Vereinigten Staaten noch mcht ivesentlich beemtrach- tigt sein.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'ö telegr. Correspondenz-Bureau.

^ofrrastein, 17. Juli. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm traf heute Nachmittag 4 Uhr mittelst kaiserlicher Equipage von! Lendhwic ein un wun e von dem Badecommissar und den Honorattonen des Kurortes ^^s ^'an9en- Nack hinein Auientbalte setzte Se. Majestät die Fahrt nach Bad Gastem fort, wo die Ankün^t gegen 5 Uhr erfolgt. Se. Majestät nimmt un Badeschlosse abftaflguattar. Deutschs Reichs-Anz." veröffentlicht das vom

Kaiser am 11 '^uli aus der Insel Mainau genehmigte Kirchengesetz.

Kaiser am 11. ^ulraus vc Posener Tageblatt" erfährt, ist dl- von dem

Posen, 17. 3ult. Wi: DMftu'mg Po,en an S-. Maj-stöt ben König ge- 212».^.c0mnillll:Clnbt ,«»nb,hmtauna bc50@ntn>urf6 einer einheitlichen Organisation der nlh!bWnenb "ef1«ben worben mit b-m Bemerken, ba6 prooinjlalfianbtfdienJBawoltun ( ber $roDln3 Posen, in ben Vorschlögen eine

roCs8:nt* e\ emürKft* für dne ben provinziellen unb allgemeinen atntltdfcn 3n, t-r-sfm^ äl- ^M SgUch-°Entwick-Iung ber Provinz unb ihrer Einrichtungen Nicht erbttck" werdentönn? und d-ßhald in gegenwärtiger Zeit dl- Genehmigung einer fo tiesgre senden A-nd-rmig erheblichen Bedenken unterliegen müsse.