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8S. Donnerstag den 19. Aprll 1888,

iehener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Bureaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher HHei l.

Betreffend: Den im März 1883 vorzunehmenden Wiesengang. Gießen, am 15. April 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, wiederholt an Erledigung unserer Verfügung vom 15. Februar 1883 binnen acht Tage Anzeiger Nr. 43.

Dr. Boekmann.

Politische Ueberficht.

GteHen, 1,8. April.

Der Tod hat plötzlich eine schmerzliche Lücke in den Kreis der regie­renden Fürsten Deutschlands gerissen. Großherzog Friedrich Franz von Mecklen­burg-Schwerin ist am Sonntag Vormittag nach kurzem Krankenlager sanft verschieden. Der verewigte Großherzog war am 26. Februar 1823 geboren und trat die Negierung am 7. März 1842 an. In der preußischen Armee bekleidete er den seltenen Rang eines General-Obersten der Infanterie und außerdem war er General-Jnspecteur der 2. Jnspection des Neichsheeres, welche Ranggrade dem Verblichenen wegen stiner hohen militärischen Verdienste verliehen wurden. In ernster Stunde hat Großherzog Friedrich Franz treu zu Preußen und Deutschland gestanden und sich im deutsch - französischen Kriege würdig den für Deutschlands Ehre und Machtstellung kämpfenden Heerführern angereiht. Namentlich im Schooße unseres erhabenen Kaiserhauses wird das Hinscheiden des Großherzogs tiesschmerzliche Theilnahme erregen, da derselbe der Neffe Kaiser Wilhelms war.

Die kaiserliche Botschaft, welche in der Sonnabend-Sitzung des Reichstages zur Verlesung gelangte, hat allgemeines Aufsehen erregt, und zwar umsomehr, je unerwarteter sie gekommen ist. In richtigem Tacte hat es der Reichstag abgelehnt, sich alsbald in eine längere Besprechung der durch diese Botschaft angeregten Fra gen einzulassen und kann auch natürlich im Aügenvlick noch nicht angegeben werden, wie sich die Parteien zu diesen Fragen stellen werden. Die Angelegenheit ist um so delicater, als der Kaiser die Erledigung des Reichshaushalts-Etats pro 1884/85 wünscht, während der Reichstag es doch wiederholt abgelehnt hat, sich in dieser Session auch noch mit dem Etat pro 1884,-85 zu beschäftigen. Die ungewöhnlich feierliche Form der kaiserlichen Verkündigung beweist, mit welchem Ernst und welcher Energie die Negierung an die Wetterführung und Erfüllung ihres socialpolitischen Programms zu gehen entschlossen ist, als dessen weiterer Besiandtheil jetzt die Alters- und Jnvaliden-Versorgung der Arbeiter in nächste Nähe rückt. Aus der bisherigen Behandlung der socialpolitischen Vorlagen Seitens des Reichstages und seiner Haltung zu denselben wird man nicht entnehm en können, daß er diesem Gegen­stand geringeren Ernst und Eifer entgegenbringt, als die Regierung; jedenfalls wird das Haus, soweit es irgendwie durchführbar, bestrebt sein, die Absichten, welche die kaiserliche Botschaft ausdrückt, zu fördern.

Nachzutragen ist aus der Reichstags-Sitzung vom Sonn­abend , daß das Haus den Antrag auf Einführung der obligatorischen Arbeits­bücher abgelehnt hat. Die nächste Sitzung findet morgen, Donnerstag, statt, an welchem Tage das Haus in die zweite Lesung des Krankenkassen- Gesetzes tritt.

In München hat am vergangenen Sonnabend die Vermählung des Herzogs von Genua mit der Prinzessin Isabella von Bayern durch den Erz­bischof von München stattgefunden. Von fremden Fürstlichkeiten, welche bei dem feierlichen Acte anwesend waren, erwähnen wir den König von Sachsen und den Herzog von Aosta, Bruder des Königs von Italien.

Im österreichischen Abgeordneten hause hat am Sonnabend die Debatte über die Schulgesetz-Novelle begonnen. Ueber die eventuelle Ent­scheidung läßt sich nur das Eine sagen, daß, falls die Novelle angenommen werden sollte, dies nur mit wenigen Stimmen Majorität geschehen wird. An­hänger hat dieselbe eigentlich nur im klerikalen Club und was die andern Fraktionen der Rechten anbelangt, so werden dieselben nur unter gewissen Be­dingungen für dies Schmerzenskind der Negierung emtreten. Charakteristisch für die Stimmung im Reiche gegenüber der Schulgesetz-Novelle ist es übrigens, daß nicht weniger als 341 Petitionen um Ablehnung derselben im Abgeord­netenhaus eingelaufen sind.

DieTongking-Frage" ist für Frankreich durch die Abreise des französischen Gesandten beim Kaiser von Anam aus dessen Residenzstadt Hue in ein neues Stadium getreten. Die französische Regierung will nunmehr ihre Ansprüche auf Tongking mit allem Nachdrucke geltend machen und hat deshalb der Fregatten-Capitän Kergarader Auftrag erhalten, dem Kaiser von Anam einen neuen, die Rechte Frankreichs genauer präcisirenden Vertrag zu überreichen. Wenn der Kaiser denselben nicht annimmt, so sollenwirksame Maßregeln" zur Ausführung des Vertrages ergriffen werden, so daß kriegerische Verwickelungen zwischen Frankreich und Anam nicht ausgeschlossen erscheinen. Auch die Beziehungen zwischen Frankreich und China scheinen zur Zeit nicht die allerbesten zu sein; wenigstens steht die Abberufung Bourrö's, des französi­schen Gesandten in Peking, in Aussicht, da die französische Regierung den von Bourrv unter eigener Verantwortlichkeit mit China abgeschlossenen Vertrag nicht genehmigt hat.

Die Londoner Jury hat in dem gegen den bekannten Deputirten Bradlaugh wegen Gotteslästerung angestrengten Processe ihr Verbiet auf Nichtschuldig"' abgegeben. Ob sich nunmehr dem radikalen Abgeordneten für Notthingham die Pforten des Unterhauses, welche ihm wegen seiner Eides- Affaire verschlossen worden waren, öffnen werden, bleibt jedoch abzuwarten. Aus Belgien ist der englischen Polizei die Abfahrt eines Dampfers, welcher eine große Menge Dynamit an Bord führt, signalisirt worden.

Das italienische Cabinet de Pretis hat in der Sitzung der Deputirtenkammer vom vergangenen Sonnabend einen entschiedenen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Der Minister-Präsident erklärte bei Berathung des Marine- Budgets , bei welcher die Opposition heftige Angriffe auf den Marineminister oft wiederholt unternommen hatte, daß das Cabinet sich mit dem Marine­minister in voller Übereinstimmung befinde und daß daher ein dem Letzteren etwa ertheiltes Mißtrauensvotum auch als gegen das Gesammt-Cabinet gerichtet betrachtet würde. Der Deputirte Delvecchio schlug hierauf eine motivirte Tagesordnung vor, welche das Ministerium bereits vorher acceptirt hatte und die auch von der Kammer mit 168 gegen 54 Stimmen angenommen wurde. 51 Deputirte enthielten sich der Abstimmung, ein großer Theil der viele oppo­sitionelle Elemente enthaltenden Rechten stimmte sogar für die Regierung. König Humbert hat dem bayerischen Gesandten beim Quirwal anläß­lich der Vermählung des Herzogs von Genua mit Prinzessin Isabella von Bayern den Großcordon des Ordens der italienischen Krone verliehen und den Legationssecretär Brohm zum Osficier desselben Ordens ernannt.

In Dänemark besteht, ganz wie in Norwegen, seit mehr als Jah­resfrist anläßlich verschiedener Fragen ein scharfer Verfassungs-Conflict, welcher jetzt eine akute Wendung angenommen hat. Das Folkething hat nämlich die Adresse an den König, in welcher dem gegenwärtigen Ministerium das Miß­trauen des Folkething ausgesprochen wird, mit 72 gegen 20 Stimmen geneh­migt. Die Adresse wird von den Präsidenten und Vicepräsidenten überreicht werden. Da das rebellische Folkething bereits dreimal aufgelöst worden ist, ohne daß die Neuwahlen der Regierung eine Majorität gebracht hätten, so würde eine vierte Auflösung der Regierung auch nichts nützen und somit dürste dem Ministerium nichts als seine Demission übrig bleiben.

Deutschland.

Darmstadt, 16. April. Wegen des Ablebens Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Friedrich Franz 11. von Mecklenburg-Schwerin ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis einschließlich den 29. l. Mts. ange­ordnet worden.

Schwerin, 16. April. In der durch das Staatsministerium ad man- datum speciell erlassenen Proklamation, durch welche der Großherzog Friedrich Franz Hl. die Regierung antritt, heißt es u. A.: Sehr schwer sind Wir und Unser Haus getroffen, unersetzlich ist der Verlust für Uns _ und das gejammte Vaterland, das einen väterlichen Fürsten mit stets liebevoll sorgenden Gesinnun­gen für jeden seiner Unterthanen verloren hat. Wir erkennen den schweren Beruf, der Uns überkommen ist, und werden unablässig bestrebt sein, seinen hohen Anforderungen zur Beförderung der Wohlfahrt Unserer geliebten Unter­thanen zu entsprechen. Möge Gott Uns dazu Beistand verleihen. So dürfen Wir hoffen, auch in der Liebe und Treue Erbe zu weHen, die Unserem ver­klärten Herrn Vater in so hohem Grade zu Theil ward.

Kramireich.

- In Marseille scheint es etwas besser zu gehen, wenn es sich bestätigt daß 400 Arbeiter, allerdings unter dem Schutze der Gensdarmerie, die ^^it wieder auf­nahmen; die Strikenden wurden vom Militär zersprengt. Man ^fürchtet, d^ auch die Schlffsarbetter feiern werden. DieFrance" me bet, M W>et

die in Marseille auszuladen begonnen hatten, mit ihrer Stacht ^M^ren B**10*^* waren und nach Genüa eilten, also nach bem^öuptconcurren3baf^

Blatt meldet ferner, daß Genua einen regelmäßigen Dampfpacketdienst nach Barcelona einrtchtet.Der Dienst wird wöchentlich sein und zielt daraus ab, zu Marseilles Schaden den Transithandel nad)Spanien unb 1

bei bisher über Marseille ging". DerNa aU, ber gestern UU Mamille

Australien unb Nevcalebonien abfafcren foUte, mußte U

ebne ßabuna abaeben unb ließ an ben Marseiller Quais noch 800 Tonnen 36 aare, die von verschiedenen Punkten Frankreichs zur Beförderung durch denNatal' eingclroffen waren Der Tage" d°r wie derNatal" den Marine-Messageri-n gehört ging in denselben NerKältniss n nach der Levante; auch dieTransatlantische Compagnie" konnte ihre Schiffe nicht b rachten Auf den Quais und in den Lagerhäusern herrscht -ine hM°n. V-rw"r?ung und U-b-rfüllung. so daß. selbst wenn die im Hafen Legenden Schiffe auslüden könnten, augenblicklich kein Platz mehr für ihre Maaren wäre. Die ffroncc" klagt daß die Noty der französischen Hafenorte darin bestände, daß die Deutschen Italiener, Belgier, Schweizer und Oesterreicher billiger arbeiten als die Franzosen, und nun verlangen die französischen Hafenarbeiter noch Lohnerhöhung. Das Ist allerdings tragisch für Frankreich, aber doch kein Grund, daß Marseille alle Mittel-