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Nr. LS Freitag den 19. Januar 1883.

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Hieß en er Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau r Schulftraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. writ Bringerlohr..

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark oO Pt.

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Die Vorstände.

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Amtlicher Hhei 1.

Wr. 1 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 10. L M., enthält:

(Nr. 1483.) Verordnung, betreffend den Verkehr mit Honigpräparaten.

Gießen, am 17. Januar 1883. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boe kmann.

Bekanntmachung.

Johanne- Möser von hier, Dienstmann mit der Dienstnummer 15, ist gestorben. Es werden hiermit alle Diejenigen, welche etwa Anspruch an die von dem Verstorbenen bei uns hinterlegte Caution aus ihm ertheilten Aufträgen geltend niachen zu können glauben, ausgefordert, solche binnen 3 Tagen bei uns anzumelden, widrigenfalls die Caution an die sich legitimirenden Erben verabfolgt werden wird.

Gießen, den 17! Januar 1882. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Politische Ueberfkcht.

Gtesten, 18. Januar.

Am kaiserlichen Hofe fand am vergangenen Sonntag das diesjährige Krönung«- und Ordensfest des Ordens vom Rothen Adler statt. Die glänzende Feier verlief in der üblichen Weise; auch diesmal knüpfte sich eine größere Ver­leihung von Orden an das Fest.

Der Bundesrath hat seine Thätigkeit noch nicht wieder ausgenommen, auch in den Ausschüssen haben noch keine Sitzungen stattgefllnden, obwohl es dort an Material nicht fehlt. Zweifellos ist dies auf die Krankheit des Secre- tärs im Neichsamt des Innern, Herrn v. Bötticher, zurückzuführen, welchem feit Uebernahme seines jetzigen PosttnS die Leitung der Geschäfte des Bundeü- ratheS oblag.

Unsere parlamentarische Maschinerie functionirt gegenwärtig mit recht bedenklichen Unterbrechungen, was sich aus dem Zusammentagen des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses erklärt. Da eine größere Anzahl von den Diitgliebeni des letzteren auch dem Reichstage angehört, so sind beide parlamentarische Körperschaften genöthigt, hieraus Rücksicht zu nehmen und abwechselnd zu Gunsten des andern einen oder auch mehrere Tage zu pausiren. Jetzt ist wieder der Reichstag genöthigt gewesen, eine derartige drei­tägige Kunstpause zu machen, denn er nimmt erst diesen Donnerstag, den 18. Januar, seine Verhandlungen mit der ersten Lesung des Wedell-Malchow'- schen Antrages auf Einführung einer procentualen Börsensteuer wieder auf, um in der Zwischenzeit dem preußischen Abbgeordnetenhause die Erledigung der Rothstandsvorlage und anderer Angelegenheiten zu ermöglichen. Wie weit sich die Verhandlungen beider Parlamente auüdehnen werden, läßt sich unter solchen Umständen noch gar nicht ermessen.

Im preußischen Abgeordneten Hause fand am Montag die erste und zweite Lesung der Rothstandsvorlage statt, welche den durch die Ueber- schwemmungen am Rhein Geschädigten eine Staatübeihülfe von drei Mill. JL gewährt. Gegen die Vorlage meldete sich Niemand zum Wort, während für dieselbe 14 Redner eingetragen waren, ein, leider, sehr seltener Beweis von voll­ständiger Uebereinstimmung zwischen Negierung und Abgeordnetenhaus. Den meisten der Redner war die ausgeworfene Summe sogar noch zu gering, ebenso wurde von verschiedenen Rednern darauf hingewiesen, daß die im Gesetz ä Fonds perdu auSgeworsene Summe von 1,200,000 Jl. ebenfalls zu niedrig gegriffen sei; außerdem wurden auch die Ursachen dieser immer wiederkehrenden Ueberschwemmungen in die Debatte gezogen. Der Minister des Innern, v. Puttkamer, bat, aus diese nicht im Rahmen des Gesetzes liegenden Ursachen dieser Calamität nicht näher einzugehen und befürwortete außerdem die An­nahme der von der Vorlage vorgeschlagenen Summe von drei Mill. J(., da diese nach möglichst genauen Erhebungen festgestellt sei. Ebenso hielt der Mini- fter den als a Fonds perdu ausgeworfenen Betrag für genügend, um die Bevöl­kerung in ihrer Selbstthätigkeit zur Linderung der Roth nicht zu beschränken. Das Gesetz wurde hierauf unverändert angenommen, ebenso wurde eine. Reso­lution des Abg. Prinz v. Arenberg, in welcher die Negierung zur Ermittelung und Abstellung der Nothlage speciell m einigen Eifelkreifen aufgesordert wird, angenommen. Hieraus begann die Generaldiscussion über die VerwaltungS- gesetze, welche am Dienstag fortgesetzt wurde.

Der Landes-Ausschuß von Elsaß-Lothringen ist am Montag durch den Staatsminister v. Hofmann eröffnet worden; zum Präsidenten wurde Schlumberger miedergewählt.

Der österreichische Reichs rat h hat Anfangs dieser Woche seine Thätigkeit wieder ausgenommen. In Lemberg wurde die Jesuitenkirche wegen eines von den Socialisten angeblich geplanten Attentates auf einige Tage geschlossen.

In Frankreich erscheint vor Allem die egyptische Frage wieder auf der Tagesordnung; die hierauf bezügliche englische Circularnote ist jetzt glücklich den Mächten übergeben worden; auch gelangte in der französischen Deputirten- kammer am Montag bas Gelbbuch über Egypten zur Vertheilung. An der Hand desselben gab Ministerpräsident Duclerc eine eingehende Darstellung der französisch-englischen Verhandlungen über Egypten, an deren Schluß der Minister- präsident erklärte, daß die Haltung Englands Frankreich nöthige, seine Actions- irviheit in Egypten sich zu wahren. Die Spannung zwischen den Westmächten bezüglich der egyptischen Angelegenheiten wird demnach weiterbestehen. Das

Amt des Vorsitzenden im Anarchisten-Processe zu Lyon scheint kein sehr ange­nehmes zu sein; wenigstens hat derselbe schon 19 Drohbriefe aus Frankreich wie aus dem Auslande erhalten.

Die längst angekündigte englische Circularnote bezüglich Egyptens ist endlich vom Stapel gelaufen. Die Rote hebt zunächst den Wunsch der englischen Regierung hervor, die Occupations-Truppen so lange in Egypten zu belassen, bis ausreichende Mittel zur Aufrechterhaltung der Autorität des Khedive organisirt worden seien. Dann empftehlt die Rote eine internationale Uebereinkunft für die freie Durchfahrt von Schiffen durch den Suez-Kanal, nur soll in Kriegszeiten die Zeitdauer der Anwesenheit von Kriegsschissen einer krieg- fichrenden Macht beschränkt, auch die Einschiffung von Truppen und Munition nicht gestattet werden. Fenier schlägt die Note Ersparnisse in der egyptischen Verwaltung, sowie gleichniäßige Besteuerung der Europäer und der Eingeborenen vor. Außerdem empfiehlt die Note die Besetzung der höheren Stellen in der egyptischen Armee durch englische Officiere, die Ernennung eines europäischen finanziellen Rathgebers des Khedive an Stelle der bisherigen Controle und mehrere andere administrative Resonnen. Aus dein Vorschläge, die Occuoations- Truppen noch länger in Egypten zu belassen, ergiebt sich deutlich die Absicht Englands, das Pharaonenland auch ferner in seinen Händen zu halten und die Mächte werden, vielleicht mit Auöiiahme der ohnmächtigen Türkei, schwerlich hiergegen Protest erheben; ebenso dürsten die übrigen Punkte die Zustimmung der meisten Cabinete finden. Vielleicht wird nur Frankreich Schwierigkeiten machen, aber seine Stellung am Nil ist eine zu prekäre, als daß es seinen Ein­sprüchen den gehörigen Flachdruck verleihen könnte.

Das Staatsbudget Rußlands für 1 883 ist jetzt veröffentlicht worden. Dasselbe läßt die Finanzen des russischen Reiches in einem verhältniß- mäßig günstigen Lichte erscheinen, doch dürfte hierbei wohl etwas Schönfärberei mit unterlaufen. Ausgaben und Einnahmen balanciren mit 778'/z Millionen; der zum Budget erstattete Ministerialbericht svricht die Erwartung aus, daß die Einnahmequellen hinreichen würden, uni eine Anleihe für das laufende Etatjahr überflüssig zu machen; sogar Steuerreforme werden angekündigt. Eine dauernde Besserung der russischen Finanzlage stellt jedoch der Bericht selbst vorläufig noch als ein schwierig zu lösendes Problem hin.

Die unverkennbare Energie, mit welcher die italienische Regie­rung dem Treiben der Irredentisten entgegentritt, wird im Lager dieser Herren natürlich sehr mißfällig bemerkt. Die irredentistischen Organe erheben jetzt ein großes Geschrei über die reactionären Tendenzen der italienischen Regierung und drohen sogar in nur schlecht verhüllter Weise mit offener Empörung. Glücklicher Weise ist das Häuflein derer, die sich von den irredentistischen Phrasen blenden lassen, nur ein kleines.

A u ü K a i r o w i r d gemeldet, daß Cherif Pascha, der egyptische Con­seilpräsident, den französischen Generalconsul benachrichtigte, daß, nachdem Eng­land von der Controle zurückgetreten sei, die egyptische Regierung sich freuen würde, die Ansichten der übrigen Rtächte über diesen Schritt zu vernehmen. Die Antwort des Vertreters der französischen Regierung in Kairo ist noch nicht bekannt.

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Ieulschülttd.

Tnnnihibt, 17. Januar. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 11. Januar dem am 11. Decbr. 1882 durch die Stadtverordneten zu Offenbach zum Bürgermeister der Stadt Offenbach gewählten seitherigen Stadtrath zu Plauen, int Voigllande, Wilhelm Brink, die Bestätigung zu ertheilen. n

Darmstadt, 17. Januar. Se. Kömgl. Hoheit der Großherzog empsin- gen heute den Generallieutenaut v. Woyiia, Gouverneur von Mainz, den Obersten und Commandeur des 2. Großh. Jnsanterie-Regiments (Großherzog) N'r. 116, Baron v. Collas, den Obersteii und Commandeur des 2. Großh. Dragoner- Regiments (Leib-Dragoner-Reginientsl Nr. 24, v. Dresky, die Ntajore Kroll und v. Schönfeldt vom 4. Großh. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118 aus Mainz, den Frhrn. Franz v. Wambolt ans Groß-Umstadt, den Oberhof­prediger Bender; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck.

Darmstadt, 15. Januar. Da« Grotchrrzoliltdrc Ministerium de« Jnnci , und der Justiz nat nunmehr an die Glotzhn zogiichcn Kreisämtcr Benedei:. G»oh-Oerau, Mainz, Oppenhctm und Woim« die in dem Rcscript vom 5. d W