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Samstag den 18. August

1883

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Erschemt täglich mit Ausnahme des Montags.

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I im: Collegien, durch wclche die Senatoren gewählt werden, einen großen inora- Win Einfluß aus und dieser wird natürlich hauptsächlich den republikanischen 77t*,OB «Wirten zu Gute kommen. An demselben Tage, an welchem die General- VwH Mwahlen stattfanden, am 12. August, vollzog sich auch in Pans die Em- ,7 6 «Hung des Denkmals, welches zur Erinnerung an die Vertherdigung von

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Preis vierieljührlich 2 M«rk 20 Pf. mit Bringerlshn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Kurie zu betrachten ist.

(DieNordd. Allgem. Ztg." dementirt in ihrer heutigen Ausgabe ganz schieden, daß Fürst Bismarck mit dem Cardinal Howard eine Besprechung in Kissingen gehabt. Siehe diesbezügl. Depesche in heutiger Nummer.)

Die Polizei-Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, Qerm v. Wolff, über die strengere Heilighaltung der Sonn- und Festtage ist, naijbem sie über ein halbes Jahr bestanden, nunmehr definitiv zurückgezogen morden. Die Verordnung, welche durch die Bestimmung, daß am Sonntag nach 1 Uhr alle Läden geschloffen sein sollten, so empfindlich in das Verkehrsleben iinzriff, hat in der Provinz Sachsen bekanntlich große Erregung hervorgerufen, mit sie andererseits auch zahlreiche gerichtliche Verhandlungen zur Folge hatte, schließlich gelangte die Frage an das Kammergericht in Verlm, welches als Revisions-Instanz einen freisprechenden Ausspruch abgegeben und hierdurch Herrn v. Wolff zur Zurücknahme seiner vielgehabten Verordnung bewogen hat.

Die günstigen Erfahrungen, welche die chinesische Regierung mit der deutschen Schiffsbaukunst bei Erbauung desTing-Auen" gemacht hat, dewegen China augenscheinlich zu weiteren Bestellungen in Deutschland. Auf tzc Howaldt'schen Werft in Kiel wird demnächst der Bau zweier großer, beson­ders schneller Dampf-Corvetten für die chinesische Regierung in Angriff genom­men werden. Die chinesische Regierung soll einen bekannten höheren deutschen Acine-Ossicier außer Dienst mit der Leitung des Baues beauftragt haben.

einer entscheidenden Wendung gebracht werden dürfte. Nach den jüngsten Mitthellungen aus Frohsdorf ist an der baldigen Auflösung des Grafen Cham-, bord, der sich in einem Zustande der äußersten Schwäche befindet, kaum mehr zu zweifeln.

Aus dem CZarenreiche ist in letzter Zeit nur wenig zu berichten gewesen und dieses wenige war nicht einmal etwas Erfreuliches. Die Ermor­dung des Barons v. Nolde in Kurland und die antijüdischen Exceffe in Jeka- terinoslaw zeigen, daß der Fanatismus der russischen Bevölkerung gegen die deutschen wie gegen die jüdischen Mitbürger im Wachsen begriffen ist und wohin die Zustände in Rußland allmälig treiben. Wie Petersburger Blätter melden, wird die Commission für Regelung der Judensrage in der zweiten Hälfte, des September ihre Thätigkeit beginnen und liefern die Exceffe in Jekaterinoslaw der Commission wiederum einen neuen Beitrag zu dem ihr vorliegenden ohnehin schon reichlichen Material.

Der Auf st and in Spanien ist, wenn man den officiösen Depeschen der spanischen Regierung Glauben schenken soll, nun wirklich und wahrhaftig unterdrückt. Private Meldungen wissen freilich zu berichten, daß die Kämpfe auf verschiedenen Punkten Spaniens noch fortdauern und daß in gewissen Pro­vinzen noch große Erregung herrsche. Am Hofe von Madrid scheint man aber in der That der Meinung zu sein, daß der Aufstand als niedergeworfen zu betrachten ist, denn König Alfonso wird, nach einer Rundreise durch das nörd­liche Spanien, nun doch seine projectirte Reise nach Deutschland und Oesterreich antreten und sich zu diesem Zweck in Coruna nach Havre einschiffen. Am Dienstag enipfing er eine große Anzahl von Senatoren und Deputirten, welche gekommen waren, den König ihrer treuen Ergebenheit zu versichern. An dem­selben Tage fand auch ein Ministerrath statt; in Folge der hierbei stattgehabten Erörterungen hätte der Kriegsminister Martinez Campos die Absicht ausge­sprochen, zu demisstoniren.

Ein für Egypten sehr wichtiges Ereigniß, das Steigen des Nils, tritt jetzt ein. Um das Steigen des Stromes überwachen zu können, hat dir» egyptische Regierung zwei der eingeborenen Bevölkerung angehörige Jnspec- toren eingesetzt.

Cetewayo, der todtgesagte Zulukönig, lebt, denn er ist, wie zu­verlässige Berichte melden, in dem sog. reservirten Territorium des Zululandes wieder ausgetaucht. Er sammelt hier seine Getreuen, um einem nochmaligen Angriff auf seinen Hauptgegner Usibepu zu machen.

Politische Ueberficht.

Gießen, 17. August.

Kaiser Wilhelm widmet sich seit der Rückkehr von seinen Badereisen wieder in regelmäßiger Weise den Regierungsgeschäften; das Befinden des hohen Herrn ist andauernd ein günstiges, so daß er auch täglich die gewohnten Aus­fahrten unternehmen kann. Jeden Tag stattet die Kaiserin ihrem erlauchten Gemahl auf Schloß Babelsberg einen längeren Besuch ab, von welchem sie erst gegen Abend nach dem Stadtjchlosse zurückzukehren pflegt.

Das Central-Comits für die Opfer Ischias hat nach Auf- sorderung des Kronprinzen-Paares einen Aufruf zur Bildung von Local-Comitös in ganz Deutschland erlassen behuss Veranstaltung von Sammlungen. Alle

I Reichspoststellen und Reichsbankstellen find zur Annahme von Beiträgen ermäch- | tigt, welche an die Reichsbank gehen.

Die Monotonie, welche der Hochsommer in unsere innere

frris °im ^^7g^x)orl^l87o77i errichtet worden ist. Die Feier verlief in Buchaus würdiger Weise und enthielten sich die Festredner in tactvoller Weste ta Angriffe auf Deutschland. Was die auswärtige französische Politik anbe- lönigt, so tritt hier nur die Tongking-Affaire hervor, die durch den bevorstehen- iiiu Sturm der Franzosen auf Hue, die Hauptstadt von Anam, vorläufig zu

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Eorrespondenz-Bureau

Wien, 16. August. Die elektrische Ausstellung wurde heute Vormittag um 11 Uhr durch den Kronprinzen eröffnet. Die Mitglieder des Kaiserhauses, das diplo

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An leitender Stelle in Wien scheint man doch zn der Eckenntniß jt(angt zu sein, daß es nolhwendig ist, die üppig wuchernden Ranken des öfter» mchischen PolenthumS etwas zu beschneiden. Für diese Annahme spricht wenig­es der Umstand, daß an Stelle des bisherigen, jetzt aber zurückgetretenen Statthalters van Galizien, Grasen Potocki, welcher der extremen Richtung der lülnischen Partei in Österreich angehörte, Hofrath Zaleski, mit der galizischen «tatthalterwürde bekleidet worden ist. Zaleski vertritt, obwohl Pole, durchaus Mäßigte Anschauungen und ist weniger Politiker, als vielmehr ein erfahrener üeroaltungsbeamter, so daß er jedenfalls nicht mehr und nicht weniger als ein »chliger Administrator an der Spitze ver galizischen Statthalterei fein wird. Unter Potocki hat sich Galizien so selbstständig entwickelt, daß es mit dem öfter» mchischen Gesammtstaat durch wenig mehr als durch Personal-Union verbunden "scheint; hoffentlich wird durch die Ernennung Zaleski's den weiteren foderalt- Imen Bestrebungen der polnischen Partei ein Riegel vorgeschoben.

Die französische Republik hat durch den Ausfall der jüngsten 8emralrathswahlen eine weitere Kräftigung erfahren. Im Ganzen haben tue AeMblikaner aller Schattirungen ca. 110 Sitze gewonnen, doch ist noch nicht kfamnt, in welcher Weife die einzelnen repulikanifchen Gruppen an dem Gewinn taheiligt sind. Dieser Wahlsieg eröffnet auch für die bevorstehenden Erneue- "mzswahlen zum Senat für die republikanische Sache eine günstige Perspective, hu die Mitglieder der Generalräthe üben aus jene Gemeinde-Delegirten in

Berlin, 14. August. Die Erfahrungen des letzten Sommers haben, so schreiben dieBert. Potit. Nachr.", die Frage der Regultrung der nicht schiffbaren Flüsse und zwar bis in ihren oberen Lauf in Erinnerung gebracht. In Schlesien scheint derselben zunächst praktisch näher getreten werden zu sollen. Für die Glatzer Neisse, welche unlängst die Kreise Habelschwerdt, Glotz, Frankenstein, Grottkau und Neisse arg schädigte, sind die Vorbereitungen zur Regultrung auf genossenschaftlichem Wege und Mit Staatsbeihülfe ziemlich wett vorgeschritten. Aber auch für den Bober, welcher einen erheblichen Thetl des Liegwtzer Regierungsbezirks von dem Riesengebtrge bis zur brandenburgischen Grenze durchfließt und wiederholt auf wetten Strecken verheert hat, werden Vorrichtungen nach dieser Hinsicht getroffen und man darf hoffen, daß unter dem Eindruck der jetzigen Mißstände und mit der Aussicht auf Staatsbeihülfe die früher wiederholt mißlungenen Versuche jetzt von Erfolg gekrönt sein werden. Die Zerstörungen an Brücken und Communicattonswegen hofft man in Schlesien unter Beihülfe der Kreise und der Provmz beseitigen zu können; dagegen werden, wenngleich die Be­schädigungen an Feld und Feldsrüchtcn zu einem erheblichen Theile die Großgrund­besitzer trafen, doch auch Kleingrundbesitzer in einiger Zahl so hart betroffen sein, daß sie ohne eine Beihülfe aus öffentlichen Mitteln schwer sich in wirtschaftlich gedeihliche Zustände hineinarbettcn können.

Ein zwar nur in bescheidenen Grenzen sich bewegender, aber darum nicht minder seinen Mann lohnender Erwerbszweig tft die in einzelnen Gegenden Deuffch- lands betriebene Kanarienvögelzucht- Dieselbe btet t namentlich ber auf 9atte ^k'ste^- bedtngungen angewiesenen Bevölkerung des Oberharzes eine in wirthschaftlicher Hinsicht nicht gering anzuschlagende Verdienstgelegenheit. Welchen Umfang die Kanarienzucht überhaupt gewonnen hat und wie der Harz in erster Linie betheiligt ist, wird man daraus entnehmen können, daß im vorigen Jahre die in Norddeutschland gezüchteten Kanar.enhähne auf 200,000 Stück geschätzt werden, wovon etwa 18s,000 Stück im Aus-

t ^bracht^sind peinigten Staaten von Nordamerika ^xportirende

Geschäfte dürfte die Mittheilung von Interesse sein, daß njabrenb

Verpackung und für den Transport nach den betreffenden Exporthafen entstandenen Kosten bei der Verzollung am amerikanischen Bestimmungsort im auf den Preis der tmportirten Waare geschlagen worden sind, nun durch eine des Finanz-

Departements in Washington bestimmt worden ist, daß diese^Betrügvon der Ver­zollung in Amerika nicht mehr betroffen werden, was eine Koftenverminderung von 5-25 Dollars für die Sendung zu Gunsten der Hemden Importeure bildet.

München, 14. August. Die heute Mittag eingetroffene Entscheidung des Cultus- Ministeriums über die Beschwerde ves Magistrats gegen die oberboyerispe Kreis- reaieruna weist den Antrag des Magistrats auf Aufhebung sammtlicher Simultan­schulen ab, gibt jedock der eventuellen Beschwerdebitte um Aufhebung eines Theils derselben in der Art statt, daß die Stmultanschule 1 (Rosenthal) und Simultanschule 2 (Luisenstraße) in katholische Confession^schulen umgewandelt werden. DieNeuesten Nachrichte n" bemerfen bani: T waren feit Wochen auf diese Entscheidung vor­bereitet, gleichwohl verzeichnen wir dieselbe mit einem Gefühl schmerzlicher Beschämung für unsere Stadt für unser ganzes Land. Wir verlieren die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht denn ein srffcher Hauch wird dereinst alle diese Mißgeburten einer charakterlosen Schaukelpolitik hinwegfegen " ______

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! Politik gebracht hat, wird durch eine aus Kissingen kommende Nachricht in überraschender Weise unterbrochen. Dort ist bereits in voriger Woche der ! Cardinal Edward Howard eingetroffen. Wenn man diese Nachricht mit der | anderweitigen Meldung in Verbindung bringt, daß man in diesen Tagen auch der. Besuch des preußischen Cultusministers v. Goßler in dem fränkischen Bade­orte erwartet, so lassen sich hieraus sehr naheliegende Schlußsolgerungen ziehen. Zwar meint dieGermania", daß der Cardinal Howard keinen diplomatischen Auftrag habe, aber diese Auffassung möchten wir denn doch bezweifeln. In Wngen sind schon mehr als einmal mährend der Anwesenheit des Reichs- lauzlers die zerrissenen Fäden der Verhandlungen zwischen Preußen und dem Milan wieder angeknüpjt worden und es liegt deshalb die Annahme nahe, daß Cardinal Howard als ein außerordentlicher Unterhändler Seitens der römischen

Kießmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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