Ausgabe 
18.2.1883 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ganz besonder- der allen andern Beleuchtungsarten gegenüber bedeutenden Verminderung der ^euergefahrl'chkeit bietet. Die gut funktiontrende Einrichtung ist durch die Firma Pfannkuchen u. Re nhardl in Köln bergcstellt worden, welche sich sveciell mit Anlaaen zur elektrischen Beleuchtung beschäftigt.

Schlettstadt, 12. Februar. Eine 92jährige diesige Bettlerin lMarie Salomea Kempf, Wittwe von Johann Rohmer) ist vor einigen Tagen todt in ihrem Bett auf­gefunden worden. Sie hinterläßt, wie derMetzer Ztg .* mttgetbeilt wird, Seiten­verwandte, wovon einige im Auslande wohnen. Man fand in einem Kleiderschrank zum größten Erstaunen drei Säckchen mit französischen Goldstücken zu 40, 20, 10 und 5 Franc« im Gesammtbetrage von 22,0(>0 Francs vor. Wieviel Jahre mag wobl diese Summe unverzinslich gelegen haben? Dieser Fall zeigt wieder so recht, wie unnötbtaer Weise oft g bettelt wird.

Die Stubenbockeret der deutschen Jugend in den Städten ist in einem Vor­trage, welchen der Turnlehrer Wortmann in diesen Tagen in Leipzig hielt, wieder ein mal recht lebhaft zu Tage getreten. Nach Wortmann entfallen auf die ganze Schulzeit eines deutschen Knaben 650 officielle Turnstunden, auf die eines französischen 1300 und auf die eines englischen 4500 Stunden für Körperübungen. Dazu kommt, daß der Schulunterricht tn Deutschland mit dem 6- Jahre beginnt, in Frankreich nicht vor dem 8. Jahre und in England selten vor dem 10. Jahre. Diese Zahlen reden so eindring­lich, daß man endlich an's Werk gehen sollte, die Gesundheit unserer Jugend bener -u kultiviren, als es seither geschehen ist. Mögen zunächst die städtischen Schuldchorden Wandel schaffen durch Einrichtung von Bewegungssp elen im Freien.

lEin Kuhschwanzfälscher vor Gerichts Eine für Landwirthe interessante Entscheidung wurde am 24 Januar vom Landgerichte zu Leipzig gefällt. Ein Mann batte von einem Viehhändler eine Kuh für 257 JL g-kausl, die, wie sich später herauö- c*nen sogenannten Rattenschwanz, das heißt in Ermangelung eines eigenen Püschels ein m-t Pech angeheftetes Püschel trug. Obgleich die Angeklagten der Dieb- händler und sein Hausgenosse, der die Kleberei besorgt hatte, darauf binwtesen daß solche Rattenschwänze den Werth der Kuh nicht verm'nderten, erkannte doch das Gericht auf eme Geldstrafe von 120 «x, bezw. 40 JL, indem es außer der Täuschung noch nach Aus,age des Sachverständigen, annahm, daß sich durch diesen Schönheitsfehler der Werth einer Stallkuh um 30 JL, der einer Zugkuh um 45 JL vermindere.

~ Unbemittelten Inhabern des eisernen KreuzeS dürfte die Nachricht von Jn- teresse fein, daß aus den am 1. Januar d. I. fällig gewordenen Zinsen der Stiftung zum Besten unbemittelter Inhaber des eisernen Kreuzes (vom Feldwebel abwärts) durch den Kaiser auf den Vorschlag des Kriegsministers zwanzig unbemittelte Jnbaver mit einem Geschenk von je 60 JL bedacht werden sollen. Anträge auf Berücksichtigung bei dieser Unterstützung müssen unter Beibringung der auf die Verleihung des O-dens bezüglichen Dokumente ungesäumt bet den zuständigen Civil- und Militärbehörden an­gebracht werden.

Aus einem Nachbarstädtchen in nächster Nähe von Greiz wird folgende« amüsante Geschichtchen gemeldet, welches wir, ohne für die Glaubwürdigkeit desielben irgendwie einzutreten, hier veröffentlichen: In der Nacht vom Sonntag zum Montag gelang cs Dieben, die Werkstatt eines Färbers vom Hofe aus zu erbrechen und schon hatten sie aus den zum The'l noch nassen Zeugen sich einen ansehnlichen Packen zurecht gemacht, als der Färber, von dem Geräusch erwacht, mit einem Doppelgewehr bewaffnet

entgegentrat. In der mondscheinbellen Nacht gewahrte er zwei Gestalten, die sich der seinem Herannahen rückwärts zu concentriren versuchten. Auf den Ruf- Steht, oder ich gebe Feuer-, sprangen beide wie auf Eommando in den großen', beinahe gefüllten Jndigobott'ch und baten flehend um ihr Leben. Der Färber aber der sich an der Angst der Dicbe weidete, feuerte nun sein Gewehr in die Luft ab, was zur Folge hatte, daß beide Spitzbuben untertauchten. Dies gefiel d-m'ber so wohl datz er die Herren Spitzbuben dieses Kunststück dreimal wiederholen lieh Gehörig gefärbt und durchttankt entließ er dann die Geängstigten, von einer Anzeige Abstand nehmend. Die also Gekennzeichneten dürften d'e Spuren dieses Abenteuers noch längere Zett mit sich herumtragen, denn der Indigo war eckt.

. Mainz, 13 Februar. Heute Morgen wurde die Betonirung des 4. Strom- pfeilers der fqten Rhembrücke vollendet und wird nunmehr mit der Ausrammung des Pfetters begonnen. Die hierzu nöthigen Steine sind bereits per Schiff von Ludwigs­hafen kommend hier erngetroffen. Zwischen der Brückenbaugesellschaft und den Vertretern der Direction der Köln Düsseldorfer Dampfschifffahrts Gesellschaft ist nun eine Vereinbarung dahingehend getroffen worden, daß die Landungsbrücken der Damvf- boote nicht oberhalb der Schiffbrücke verleat werden müssen. Eine Verlegung oberhalb ?^./^Eeren wäre sowohl für den öffentlichen Verkehr als auch für die Gesellschaft selbst mit Schwierigkeiten verknüpft gewesen, da bei jedem rheinabwärts gehenden Dampfer vorerst die Schiffbrücke hätte geöffnet werden müssen. Die Landungsbrücken werden nunmehr eine kleine Strecke rbeinaufwärts gelegt.

i l Air? dem Kreise Rotenburg, 12.Februar. Von einem mysteriösen Vorfall wird aus dem benachbarten E- berichtet. Vor kurzer Zett starb dortselbst eine alte Flau und wurde dann, wie dies immer geschieht, In der Stube auf die Erde gelegt.

»..TmDcrnmnbkr der Verstorbenen hatte in dem Zimmer etwas zu thun. Jedoch welcher Anblick bot sich hier dem Eintretenden 1 Die schon Todtgeglaubte saß auf­recht mit aufgekratzter Brust und ausgerauftem Haar. Außer sich vor Angst stürzte der so Ueberraschte zu den übrigen Anwesenden und erzählte hier das Geschehen-', das allgemeine Bestürzung hervorrief. Keiner wagte, sich von der Wahrheit zu überzeugen nnd so griff man denn seine Zuflucht zu dem Leichenbeschauer. Mit zitternden Gliedern ging derselbe zu der Scheintodren. Wie die Anverwandte derselben geschildert hatte, so fand er es auch, ja noch viel grausiger. Leider kam man aber zu spät, die nöthigen schritt- zu thun, um die Alic am Heben zu erhallen. Sie war zum zweiten, aber auch zum letztenmal gestorben. Aber auch auf den Leichenbeschauer machte dieser Vor­gang einen mächtigen Eindruck. Der Gang zu der Scheintodten sollte sein Todesgang sein, er starb bald darauf an einer Nervenerschütterung.

Ein trauriges Nachspiel zur Cimbria-Katastrophe fand am Sonntag Morgen lna1! l der Fehrbelliner Straße In Berlin statt. Eine der klelnen Hoiwohnungen daselbst hatte bis vor Kurzem die H . . . 'sche Familie inne. Der Mann war Cigarren- macher di- erwerbslose Zett Hefe auch bei ihm die Noih -inkehren, wozu sich schliefel^ch noch eine langwierige Krankheit seines siebenjährigen Töchterchens gesellte. Seit dem Sonntag ist dieses kranke Kind eine Waise. Der Vatcr raffte die letzten Habseligkeiten zusammen und trat die Reise übers Meer mit der Cimbria an, um drüben sein Heil zu versuchen. Er wurde ein Opfer der Katastiophe. Das Mafe des Unglücks inUJ fr? e öu viel gewesen sein. Am Sonntag machte die Unglückliche mittelst Oleum (Schwefelsäure) ihrem Lebm ein Ende. In wenigen Worten ein er­schütterndes Drama.

~ (Schach.) In der Guildhall in Winchester wurde dieser Tage für einen wohlthatigen Zweck eine Partie Schach mit lebenden Figuren gespielt. Ein Flächen­raum von 5/6 Fuß auf dem Fußboden der großen Halle, bedeckt mit Feldern aus schwarzem und weißem Tuche, bildete das Schachbrett und auf beiden Seiten desselben waren Sitzplätze für die Zuschauer errichtet. Zur anberaumten Zeit marschirten die Figuren in den Saal und nahmen die ihnen angewiesenen Plätze auf dem Brette ein. Die Bauern, in <.udorhüten, gepufften Wamsen in verschiedenen Farben und langen iaibigen Hosen waren nach Art der Pagen im Mittelalter gekleidet. Eine Hälfte trug weiße, die andere schwarze Schuhe. Die Könige trugen lange Sammetmäntel. Die "er erschienen in Sturmhauben und Brustschildern. Die Bischöfe auf der einen Seite des Bretts trugen Chorröcke und Mützen aus weißer, reich mit Gold gestickter und die andern Röcke und Barette autz kardinalrothem Sammt- Die Thürme trugen als Kopfbedeckung Burgen aus Pappendeckeln. Die Spieler, welche die Be­wegungen leiteten saß.n an einem kleinen Tische auf einer Estrade an einem Ende der 4)011? und die Züge, welche sie auf dem gewöhnlichen Schachbrette machten, wurden von Herolden ausgerufen. Die Figuren waren so wohl gedrillt worden, daß sie während der langen Pausen iwischer. den Zügen wie festgemauert dastanden m dluS Brünn wird derDeutsch. Ztg." in Wien berichtet: Vor dem städtischen Bezirksgerichte kam nachfolgender, gewiß nicht uninteressanter Fall zur Verhandlung: (Jn hiesiger namhafter^ Zahnarzt hatte der nunmehr verstorbenen Frau eines den besseren Standen angehörenden Mannes einige falsche Zähne eingesetzt und klagte nach erfolgten Mahnungen, ohne sich um die Hinterlassenschaft der Frau zu kümmern, den Mann aus B-zahlung deS Honorars für die obengenannte zahnärztliche Operation, r I ne <?eI7?M0un0 dieser Klage stützte der Klager auf die Bestimmung des büraer-

lichen Rechts wonach der Mann seiner Ehegattin denanständigen Unterhalt" zu geben ^erl^klogte bestritt die Verpflichtung des Mannes, sich um die k nJt? . &Qltun~? des Gebißes seiner Fran zu kümmern und widersprach insbesondere, daß falsche Zahne zumanständigen Unterhalte" der Frau gehören. Der Mann sei wohl verpflichtet, den Arzt zu bezahlen, der seiner Frau in einer Krankheit Hülfe leistet, doch keineswegs den Zahnarzt, dessen Thätigkett in diesem Falle keine klinische, sondern crne rem technische war.

Der Richter verkündete nach durchgeführter Verhandlung das Urtheil, wonach der geklagte Ehemann veruriheilt wurde, die Zahne seiner Frau zu bezahlen. Denn "° v?, t8 den Urtheilsgründen) es kann nicht geleugnet werden, daß das Einsctz.n der Zahne nicht blos wegen der Eitelkeit, sondern auch deshalb geschieht, um die mangelhaften Kauwerkzeuge zu ersetzen; es bilden dann eingesetzte Zahne ein Mittel zur Erhaltung der Gesundheit und der Zahnarzt ist dann nicht blos Techniker, sondern auch Kliniker. Für's Zweite war beim Alter der betreffenden Frau (30 Jahre) loroie mit Rücksicht auf ihre sociale Stellung ein gutes Gebiß das nothwendige Erforderniß einer anständigen Repräsentantin und diese gehört mit zu dem a.2?7VrP "verhalte, zu dessen Beschaffung für die Frau der Mann gesetzlich ver­pflichtet ist.

Allgemeiner Anzeiger.

C. Slückralli N

Wirel- X Poisterwaaren Fabrik

empfiehlt ihr reichhaltiges Lager in

Möbeln aller Art

zu billigst gestellten Preisen und jahrelanger Garantie. 792

Mainzer Kirchenbaulotterie

4 Klassen.

Mark 337,980 Gesammtwerth

Gewinne in ungeprägtem Golde und Silber, Brillanten, sowie Industrie- und Kunst-Gegenständen.

Haupttreffer:

Mart 100,000, 25,000, 20,000, 15,000, 12,000, 10,000, 5000, 3000, 2000, 1000 u. f. f.

Loose für nächste Ziehung ~....... 2 Mark ~ 1

Generaldebit der Mainzer Kirchenbaulotterie

1054 Moritz Strauß junior in Mainz.

Gänzlicher Ausverkauf

Alirch Sterbsall meines Mannes bin ich in die Lage gekommen, mein Geschäft aufgeben ;u müssen und verkaufe ich deshalb sämintliche Artikel rum Einkaufspreis.

Gleichzeitig ist der Laden mit Wohnung durch mich anderweit zu vermiethen. 688 Timm, Bahnhofstraße 12.

Die

Thon- und (fhamottriuaarfn-^abrik ,,Metlerau" von Kormann Sz Wilkens in Bad Nauheim

empfiehlt

Verblendsteine m schönster Färbe.

Lager in

(1!t <i m o fies lein en

am hiesigen Platze bei Herrn L. Benner, Nordanlage 6.

Nähere Auskunft ertheilt gern der Agent Carl Straub. 847

Wer auf billige und solide

Schuhwaaren

reflectirt, wende sich an die

Filiale der mechan. Schuhfabrik

von

tirünebaeim,

Kirchenplatz.

GOLDENE

WMTWWMM

Vorzügliche Qualität Garantie für Reinheit

E O. MOSER ä 0IE STUTTGART

B0NB0X8-&GM0G0MDE-FÄBRIK

«>en bei den Herren H. Kinkel, CHr.Kraemer, Hoflieferant, Ed. Linv, ab in Gretzen. 479

Dulchinttzl Länge nnt

38 geringe R 6,Öd iN- I 71 gtiid stärkt

Spanen m I eignet, I 150 cliid stark«

2« Lnslmg r borgens prä< TW ,^U2 Wftäbten, ar: .1 llhr in to. Ilotbir unöJi Biciü Dbdemp.

-Mrkt wird n. hm- uns ikifi Districl J lÄizAirsnchohm! peter" lagen. I Hohenjolms, N I Wiche Cberj [11082 Törmr,

künftig«"

ü «n«yirl ° ,2 Jhntr. ®

'M 9imtr. x® 3100 $*n toi 1170 .

Hchkri

Donnerstag

von M» i in hent. ! E, Tismct i: i te*-,

V"« k..7e -

3< ' :12

00D-H.

ff* 9tt61CUf,

106

I 29(10

I ?4 '» EOOQfcf - 1500

25 , Ä Oiö 47 Cr

|(|ll N, 23 190

jo Uhu.

.. N, 95 "

« 6?

«.S, 10,1 l!,