Ausgabe 
18.2.1883 Erstes Blatt
 
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1883

Ar fearr r Echulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Preis vierteljährlich 2 M^rk 20 Pf. Bringerlohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.

ZU nehmen; die Leiche wird morgen Nachmittag von Venedig abgehen und dürfte Sonntag Abend hier eintreffen.

Bayreuth, 16. Februar. Die Leiche Richard Wagner's, welche am Sonnabend von Venedig abgehen soll, wird am -Sonntag Abend hier erwartet. Am Montag soll, soweit bis jetzt bestimmt, die Leiche vom Bahnhofe nach der Villa Wahnfried in solenner Weise überführt werden. Ueber die weiteren Be­stattungs-Feierlichkeiten sind noch keine Bestimmungen getroffen.

Dortmund, 16. Februar. Heute Vormittag fand auf der Zeche Borussia" bei Marten in Flötz 11 eine Explosion schlagender Wetter statt, durch welche, wie dieWestfäl. Ztg." meldet, 4 Personen getödtet und 3 ver­wundet wurden; zwei Mann sind noch verschüttet. Der Grubenbetrieb ist nicht gestört.

Paris, 16. Febr. Senat. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erstattete Allon Namens der Commission alsbald Bericht. In dem Bericht wird con- statirt, daß der neue von der Kammer genehmigte Gesetzentwurf eine Art von Zugeständniß an die Gefühle des Senats und eine Abschwächung der heftigen Aeußerungen sei, welche der Senat vergessen wolle. Das Zugeständniß sei iedoch ein mehr scheinbares, als wirkliches, denn der neue Gesetzentwurf repro- ducirte die alte Vorlage der Kammer und heiße das willkürliche Ermessen der Regierung gut. Die Commission beantrage daher die einfache Ablehnung der­selben. Die Berathung wurde auf morgen vertagt.

Venedig, 16. Februar. Die Leiche Richard Wagner's ist einbalsamirt und in einen Metallsarg gelegt worden und sollte heute Nachmittag nach dein Bahnhofe übergeführt werden. Der Bildhauer Benvenuti hat einen Gypsabguß von dem Gesichte Wagner's genommen. Die Municipalität hat einen Kranz auf den Sarg niederlegen lassen. Eine religiöse Trauerfeier findet hier nicht statt.

Ncw-Uork, 16. Febr. Der Ohiofluß soll wieder zu fallen begonnen haben. Unterstützungen für die Ueberschwemrnten fließen von allen Seiten reich­lich zu, doch wird der Gesundheitszustand in den von der Ueberschwernrnung heimgesuchten Gegenden als ein unbefriedigender geschildert und der Ausbruch einer Fieber-Epidemie befürchtet, es ist daher die Bildung von Sanitäts-Com­missionen in Angriff genommen worden.

DeutsHland.

Berlin, 15. Februar. Die Reichstags-Abgeordneten aus den durch die letzten Hochwasser geschädigten Bezirken hielten heute abermals eine Besprechung ab, um sich über die Vertheilung der noch zur Verfügung stehenden Geldspen­den zu verständigen. Von den bei dem Präsidium des Reichstags eingegangenen Beträgen wurden 307,000 JL an die Rhein- und Maingegenden und Württem­berg vertheilt, 35,000 Jl. nach der Eifelgegend gesandt. " Es sind nun noch 266,000 disponibel und es wurde beschlossen, 91,000 in Reserve zu behalten und 175,000 sofort zu vertheilen und zwar nach folgendem Modus: Hessen 20 pCt., Unterfranken 20 pCt., die Pfalz 20 pCt., die Rheinprovinz 15 pCt., Baden 10 pCt., die Donaugegend 5 pCt., Wiesbaden 5 pCt., Würt­temberg 21/2 pCt. und Elsaß-Lothrirgen 2'/^ pCt.

Im Besitz des Herrn Reichskanzlers befinden sich noch cn. 111,000 JL, Zum größten Theil aus Amerika kommend, und hat sich der Reichskanzler über den Vertheilungs-Modus Vorschläge von Seiten der Abgeordneten erbeten.

Amerika.

New-Nork, 15. Februar. Der Wafferstand des Ohio ist schwankend, doch glaubt man, daß derselbe seinen höchsten Punkt erreicht hat. Die Regen­güsse dauern fort, auch haben die Überschwemmungen noch nicht nachgelassen. Im ganzen Lande sind Sammlungen veranstaltet worden, welche, wie versichert wird, ungerechnet des in Cincinnatt gesammelten Betrages, bereits 50,000 Doll, ergeben haben. Lawrenceburg ist vollständig zerstört, Die Einwohner sind ohne Lebensrnittel.

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Telegraphische Depeschen.

Wolff s lelegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 16. Februar. Reichstag. Der Präsident tbellte mit, daß bei dem Relchstuge für die durch die Ueberschwernrnung Heimgesuchtin im Ganzen 610,112 JL eingegangen sind, davon aus Amerika 588,110 Ji. 342 000 «X sind bereits zur Ver- 5 .jung gelangt, der Rest soll in Kurzem veriheilt werden. Bornuth bittet unter dem ^ifall des Hauses, die Gefühle des Dankes des Reichstages für die reichen Spenden auszudrücken. Der Präsident nimmt den lebhaften Beifall als den Ausdruck des Dankes Der Antrag des Reichskanzlers auf Vertagung des Reichstages vom 17. b. Ihö zum 3. April ist nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt.

Bet der fortgesetzten Berathung des Etat« wiederholt Sonnemann bet dem Post- etat d'e Klage über das Weglassen der Wortzahl bet den Telegrammen. Der Bundes- comnnssar Mteßner erwidert, die Versetzung der Wortzahl habe eine unnütze Erschwerung und Verzögerung des Betriebs zur Folge. Lingens wünscht eine durchsichtigere Auf­stellung des Postetats und größere Sonntagsruhe für die Postbeamten. Der Staats- entgegnete, eine radikale Durchführung der von Lingens geäußerten Wünsche würde Zustande he» betführen, für welche die Verwaltung keine Verantwortung übernehmen könne. Hanel fragt an, weshalb das Telegramm an das Amsterdamer Handelsblatt am 10 Februar über die Erschütterung der Stellung des ©taatSfecrctär Stephan nicht befördert worden. Der Staatssecretär Stephan erwiderte, es sei dem Postbeamten nicht zu verdenken, wenn er ein Telegramm abweise, welches die unver- schamte Lüge enthalte, sein Chef müsse wegen entdeckter Unregelmäßigkeiten zurücktreten. Hänel und Richter bringen gleichfalls Klagen über beanstandete Telegramm vor Im Eien Verlaufe der Sitzung wurde der Pouetat nach den Beschlüssen der zwetlen Lesung erledigt und eine Resolution angenommen, nach welcher die Gewährung von Darlehen an die Erbauer von Postdtenstgebäuden von der vorherigen Zustlmmuna des Reichstages abhängig gemacht wird.

Fortsetzung in der auf heute Abend anberaumten Sitzung.

Dir frühere Minister von Jtzenplitz ist gestorben.

- Die h efigen Königlichen Theater werden bei der Leichenfeier Richard Wagncr'S ttt'ch b»n Dir-c>or ©trantz ueitrcttii sein.

München, 16. Februar. Das Central-CoinitS für die hier projedirte internationale Ikunstausstellung empfing ein Schreiben des General-Jnspcetars der Kunstausstellungen in Frankreich, Lasenestre, dein infolge di- französische Negierung sich bereit erklärt, die Ausstellung zu beschicken. Auch ans Pariser Privatkreiseu sind weitgehende Zusicherungen eingctroffcn. DieSocieta di aqua- rellisti in Nom verlangte behufs Insccntrung ihrer Ausstellung einen grüße« ren Raum.

Der Hofsccretär, Ministerialrath v. Biirkel, und der Hofkapellmeister bevp begeben sich, wie jetzt bestimmt verlautet, im Auftrage de« König« heute Abend nach Innsbruck, um die Leiche lllichard Wagner's daselbst in Empfang

ichener Anzeiger

Aults- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Erstes Blatt. Sonntag den 18. Februar

.iA(T®^e.50?[^e\inJfter^^eäo3nrnern und der Justiz hat dem Stadtverordneten Carl'G raeff und Genossen zu Darmstadt gestattet, zu Gunsten ^r, Wafferbeschadrgten außer den 30,000 Loosen a aO Pf., wofür bereits Erlaubniß ertheilt war, weitere 5000 Loose a 50 Pf für eine Lotterie von Gebrauchs- und Kunstgegenständen auszugeben. 1 UUH

Gießen, den 15. Februar 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________________ Br. Boekmann.

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Bekanntmachung.

Gefunden. 1 Taschentuch, 1 Stauchen, 1 Handschuh, 1 Uhrkette, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken Zugelaufen: 1 schwarz und weiß gefleckter Pinscherhund.

Gießen, den 17. Februar 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

_ Fresenius.

^tzeigen.

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X X Bach's Matthäus Passion.

(Vorbcricht)

..Es ist wabrlich keines der kleinsten Verdienste Felix Mendelssohn's, das Verständniß für den in seiner Jugend fast verschollenen großen Meister der Kirchen­musik, Job. Seb. Bach, durch die Aufführung von dessen Matthäus Passion am I I. März 1829 zu Berlin wieder erschlossen zu haben. Gerade 100 Jahre waren seit dem ersten Erscheinen der Passion (am Charsreitag des Jahres 1729 in der Leipziger Thomaskirche) vergangen; der Name Bach's, dessen Partituren in den Bibliotheken weniger Sammler vergessen und unbeachtet begraben lagen, war beinahe verklungen; kaum daß der Ruf seiner erstaunlichen Productivität und feiner unübertrefflichen Fertig­keit im Fugenmachen noch im Gedächtniß der Nachwelt fortlebte. Ja, der alte, würdige Ibomas-Eantor war ziemlich verrufen als trockener, nüchterner, unverständlicher Mnsiker, dessen gekünstelte Werke der großen Dttihe einer Wiederbelebung nicht werth seien. Daher hatte denn der junge Ntcndelssobn in Gemeinschaft mit seinem Freunde Devrieut mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, um diese scheinbar unfruchtbare Aufgabe zu lösen lind seine Aufführung ins Werk zu setzen. Hatte ilnn doch selbst sein Lehrer Zelter, der Dirigent der Singakademie,die borstigen Stticke des alten Sebastian" als in unserer Seit ..unmögliche" bezeichnet. Ihn so überraschender war aber dann der Erfolg der "ersten Aufführnng; das großartige Werk erregte wahre Sensation. Wie mit einem Zanberfchlage machte die seitherige geringfchatzige Beur- theilung der größten Bewunderung Platz: nach und nach hat von da an Bach sich die Stelle in unserem musikalischen Leben wieder erobert, die ihm, wie wenig andern, in so vollem Vtaße gebührt. x .

Bach hat die Passionsgeschichte aller vier Evangelisten zn Oratorien verwendet; jedoch ist außer der Nkatthäus Passion nur noch das nach dem Evangelium des Johannes erhalten, welches sich indessen trotz gar mancher Schönheiten mit dem ersteren nicht messen kann lleberhanpt steht die Matthäns-Passion neben Bach's ll-n^.ii-Messe und Beethove n's Missa soiomnis nnln'fhitten als das größte und bedeutendste Erzeug niß der Kirchenmusik, als die höchste Bollenduug der deutschen Oratorienform da. Sie ist auf Beraulassuug des Leipziger Professors und Snperintendeuten Dreuling entstanden, welcher die Unzulänglichkeit der seither in der heiligen Woche beim Gottes­dienste üblichen musikalischen Aufführungen sehr nnangeuehm empfand und deßhalb eine würdigere Ausstattung an deren Stelle zu haben wünschte. Er setzte sich zn diesem Zwecke mit Bach in Verbindung lind gab demselben gewisse Vorschriften betreffs der ällßeren Gestaltung beo Werkes, so B. die Verbindung -der Ehöre durch Reei taiive, welche die Passiondgeschichte erzählen sollten, Einfügung von Ehorälen und