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Petersburg, 14. Mai. DerRegier.-Anz." veröffentlicht das Cere- moniell des feierlichen Einzuges der Majestäten in Moskau. An dem dazu fest­gesetzten Tage werden sich in bem Petrow'schen Palais zu Moskau zu bestimmter Stunde alle Personen versammeln, die an dem Einzuge theilnehmen. Die Zug­ordnung des Festzuges ist die folgende: Der Polizeimeister und 12 Gensd'armen, der eigene Convoi des Kaisers, die Leib-Eskadron und die Leibgarde der Kosaken und eine Eskadron der Moskauer Leibdragoner, die Deputirten der asiatischen Völkerschaften zu Pferde, die Deputirten der Kosakenregimenter, der hohe Adel zu Pferde, die Kammerfouriere, die Hoflakaien, Läufer und Mohren, alle paar­weise, die Leibjäger und Jäger, der Oberpiqueur und der Ches der kaiserlichen Jagd, dann in offenem Phaeton zwei KrönungS- und Oberceremonienmeister mit den Stäben, ebenso mit seinem Stab der oberste Ceremonienmeister, 24 Kam­merjunker, beritten und paarweise, vor denselben ein Ceremonienmeister zu Pferde, 12 Kammerherren, beritten und paarweise, vor ihnen gleichfalls ein berittener Ceremonienmeister, dann ein Marstallosficier mit zwei berittenen Gehülfen, die zweiten Hofchargen in viersitzigem vergoldetem Wagen, die Hofkavaliere der aus­ländischen Prinzen in viersitzigen vergoldeten Wagen, der Hofmarschall mit seinem Stabe in offenem Phaeton, dann die ersten Hoschargen in viersitzigen vergoldeten Wagen, die Mitglieder des Reichsraths in gleichen Wagen. Der Oberhosmar- schall mit seinem Stabe in offenem Phaeton, die Leib-Eskadronen, die Chevalier­garde und Leibgarde zu Pferde, daraus der Kaiser zu Pferde, gefolgt von dein Minister des kaiserlichen Hofes, dem Kriegsminister, dem Commandaten des Hauptquartiers, dem dejourirenden Generaladjutanten und Generalmajor ä la suite. Es folgen sodann sämmtliche Großfürsten, die Prinzen der fremden regierenden Häuser, die Herzöge von Leuchtenberg, die Prinzen von Oldenburg und die Her­zöge von Mecklenburg, die Generaladjutanten und Generalmajore ä la suite, die Flügeladjutanten, Generale und Adjutanten der Großfürsten, das Militärgefolge der ausländischen Prinzen, dann die Kaiserin mit der Großfürstin Xenia in achtspännigem vergoldetem Paradewagen, begleitet von dem Oberstallmeister, dem Stallmeister, den Pagen und Kammerlakaien, dann die Großfürstinnen ebenfalls in vergoldeten Wagen, darauf die Leib-Eskadronen der beiden Leib-Kürassier- regimenter, dann die Staatsdamen und Hofsräulein der Kaiserin, sowie die Hof- metsterinnen und Hofsräulein der Großfürstinnen und die Hofdamen der aus­ländischen Prinzessinnen in vierspännigen vergoldeten Wagen, dann die Leibschwa­dronen, die Leibgarde der Husaren und die Leibgarde der Ulanen. Beim Eintritt in die Stadt werden 71 Kanonenschüsse gelöst und erfolgt dieBegrüßung Seitens des Generalgouverneurs von Moskau. Aus dem weiteren Wege des Zuges werden die Begrüßungen des Moskauer Stadthaupts, der Stadtverordneten, der Mitglieder der Stadtverwaltung, der Kleinbürger, Handwerker und Zechenverwaltungen mit ihren Abzeichen entgegengenommen. Darauf folgen die Begrüßungen Seitens des Präsidenten und der Mitglieder der Moskauer Landschaft, des Adels des Gouvernements Moskau, des Gouverneurs von Moskau und der Beamten des Gouvernements, der Verwaltungs- und Gerichtsbehörden. Bei dem Mos- kresensky-Thor steigen der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Großfürsten und die Großfürstinnen vom Pferde und resp. aus dem Wagen und bezeigen dem Bllde der ibirijchen Gottesmutter ihre Ehrfurcht. Während dieser Zeit hält der Zug. Auf dem ganzen Wege des Zuges bis zum Kreml bildet Militär Spalier. Beim Eintritt in den Kreml, welcher bei den Pforten zwischen der Jwan-WeMj- unb der Archangel-Kaihedrale erfolgt, steigen der Kaiser und die Kaiserin, die Großfürsten und Großfürstinnen ab resp. verlassen die Wagen und begeben sich mit Gefolge unter Vorantritt der Krönungshoschargen in die Uspenskp-Kathedrale und werden Hierselbst von der heiligen Spnobe und der Geistlichkeit mit Kreuz und Weihwasser empfangen. Zugleich werden 85 Kanonenschüsse gelöst. 'Nach einem föaufgotteöbienfte4 und Bittgebet bewegt sich der Zug von hier zunächst nach der Archangel-Kathedrale, daraus nach der Verkündigungs-Kathedrale und hierauf zur rothen Treppe des Kremlpalais. Der Kaiser und die Kaiserin begeben sich nunmehr in die inneren Gemächer. Der Eintritt in den Kreml wird von 101 Kanonenschüssen begleitet.

DerRegierungsanzeiger" veröffentlicht ferner das Ceremoniale für die Verkündigung des Krönungstages und die Krönung selbst. An den drei Tagen vor der Krönung wird dieselbe dem Volke öffentlich durch Herolde angezeigt und an bestimmten Plätzen der Stadt verlesen, andere Herolde vertheilen gedruckte Exemplare der bezüglichen kaiserlichen Botschaft. Trompeter, die National-Hpmne blasend, begleiten die Herolde. Den Botschaftern und Gesandten der fremden Mächte wird der Krönungstag durch den Ceremonienmeister in vergoldetem Wagen resp. durch Beamte des Ceremonialamts mitgetheilt. Am Vorabende der Krönung findet in allen Kirchen Abendgottesdienst statt, welchem der Kaiser, die Kaiserin, die Großfürsten und Großfürstinnen in der Spaßky- Kirche beiwohnen. An diesem Vorabend werden auch die Regalien aus der Orusheinaja Palata in den Thronsaal übergeführt. Am Krönungstage Morgens 7 Uhr werden 21 Kanonenschüsse gelöst und wird zur Messe in der Uspensky- Kathedrale geläutet. Um 872 Uhr nimmt, das diplomatische Corps seine Plätze in der Kathedrale ein. Auf dem Wege vom Thron bis zur Kathedrale bildet Militär Spalier. Rach geschehener Melbung, daß der Gottesdienst eingeleitet sei, begibt sich der Thronfolger, begleitet von denjenigen Mitgliebern des kaiser­lichen Hauses, welche sich nicht in dem Gefolge des Kaisers befinden, sowie von den fremden Fürstlichkeiten, den Staatsdamen und Hofmeisterinnen, in die Kathedrale. Bevor der Kaiser und die Kaiserin den Gang zur Kirche antreten, besprengt ein Geistlicher den Weg mit Weihwasser. Auf die Meldung, daß Alles bereit, begeben sich der Kaiser und die Kaiserin in den Thronsaal und besteigen den Thron. Hierauf setzt sich die Procession in Bewegung. Dieselbe wird eröffnet durch einen Zug Chevaliergardisten. Hieran schließen sich die Pagen, der Ceremonienmeister, Dorfälteste, polnische Gemeindeälteste,'die Stadt- Häupter, finnische Deputirte, die Vorsitzenden der Landschaftsämter und ver­schiedener anderer Aemter und Verwaltungen, die Repräsentanten der Staats­institute, Deputationen des Kosakenheeres, die Gouvernements-Adelsmarschälle, der Oberprokurator des ersten Departements des Senats, die Generalgouver­neure, der Oberprokurator des Synods, Herolde mit den kaiserlichen Regalien und der oberste Marschall. Hierauf folgen der Kaiser und die Kaiserin unter einem Baldachin, getragen von 16 Generaladjutanten, denen andere 16 General­adjutanten assistiren, ferner die übrigen Generaladjutanten des Kaisers, die Staatsdamen, der hohe russische Adel, Manusacturisten und Fabrikanten. Ein Zug Chevaliergardisten beschließt den Zug. Der Metropolit von Moskau wird die Majestäten in der Vorhalle der Kirche mit einer Rede empfangen, der Metropolit von Nowgorod dieselben mit dem Kreuze segnen und der Metropolit von Kiew sie mit Weihwasser besprengen. Nach Betretung des Tempels werden er tarier und die Kaiserin sich vor dem Czarenthor dreimal verbeugen, die

Gottesbilder küssen und alsdann ihre Sitze auf den Thronen von Michae Fedorowitsch und Alexei Michallowitsch einnehmen. Am Fuße der Throne werden die Reichsregalien niedergelegt. Der Obermarschall, der Cerenwnien- meister und andere Würdenträger nehmen hinter den Thronen Aufstellung, der Commandeur des Chevalier-Garderegiments mit gezogenem Schwerte. Auf Einladung des Metropoliten von Nowgorod wird der Kaiser das Glaubens- bekenntniß verlesen. Hierauf beginnt die Krönung. Der Kaiser legt sich den Purpurmantel an, setzt sich die Krone auss Haupt, nimmt das Scepter in die rechte, den Reichsapfel in die linke Hand und setzt sich auf den Thron. Bald darauf beide Regalien auf dazu bestimmte Kissen niederlegend, ruft der Kaiser die Kaiserin herbei, welche vor ihm niederkniet. Der Monarch nimmt die Krone ab, berührt damit das Haupt der Kaiserin, setzt sich die Krone wieder auf und krönt die Kaiserin mit einer kleineren Krone. Nachdem die Kaiserin sich mit dem Purpurmantel bekleidet und die Kette des Andreasordens angelegt hat, nimmt dieselbe wieder ihren Sitz auf dem Throne ein und der Kaiser ergreift wiederum Scepter und Reichsapfel. Hierauf erfolgt die Absingung des Gebetes:Langes Leben den Majestäten", begleitet von Glockengeläute und 101 Kanonenschüssen. Die Anwesenden beglückwünschen die Gekrönten durch dreifaches Verbeugen. Die Großfürsten besteigen dazu die Stufen des Thrones. Nach der Liturgie erfolgt die Salbung. Der Metropolit von Nowgorod salbt dem Kaiser Stirn, Augen, Nasenlöcher, Mund, Ohren, Brust und Hände; unterdessen Glockengeläute und 101 Kanonenschüsse. Sodann salbt der Metropolit von Nowgorod der Kaiserin die Stirn. Der Akt der Salbung erfolgt vor dem Czarenthor. Hierauf begibt sich der Kaiser durch den Czareneingang in das Innere des Altars und nimmt daselbst das Abendmahl nach czarischem Ritus, besonders Brod, besonders Wein, wie die Geistlichen es nehmen. Die Kaiserin nimmt hierauf das Abendmahl in gewöhnlicher Weise, Brod in Wein getaucht. Beide Majestäten besteigen nach der Communion wiederum den Thron und empfangen hiernächst die Gratulationen aller Geistlichen und Würdenträger als die Gekrönten und Gesalbten. Die Rückkehr des Zuges erfolgt sodann durch die Archangel- und die Blagowestschensky'sche Kathedrale zum Palais. Der Krönung folgt ein Diner in der Granovita Palata, wobei der Kaiser und die Kaiserin an einem besonderen Tische diniren. Das diplo­matische Corps, sowie diejenigen Personen, welche nicht in der Granovita Palate verbleiben, verlassen dieselbe, indem sie rückwärts gehen. Die Geist­lichkeit und die zwei ersten Rangklassen nehmen au den Speisetischen Platz, das diplomatische Corps fährt nach Hause. Die Personen der dritten und vierten Rangklassen, die Adelsmarschälle, der russische Adel, die Generale, die Flügeladjutanten, die Staatssecretäre und Hofcavaliere speisen in Zellen aus dem Hofe des Kremlpatais. Nach Beendigung des Diners begeben sich der Kaiser und die Kaiserin in die inneren Gemächer. Während der drei ersten Tage nach der Krönung findet Glockengeläute und Illumination statt.

Aegypten.

Kairo, 13. Mai. Meldung desNeuter'schen Bureau's: Die von der egyptischen Regierung befragten Rechtsverstänöigen geben ihr Gutachten dahin ab, daß die ursprüngliche Concessiou der Suezkanal-Compagnie zwar ein Monopol verleihe, dasselbe könne aber nicht fortbestehen, falls die Compagnie außer Stande fei, den Verkehr zu bewältigen. In diplomatischen Kreisen wird obigem Rechtsgutachten gegenüber hervorgehoben, daß die Frage enbgittig nur burch internationale Tribunale entschieben werben könne.

Telegraphische Depeschen.

Wolsf's telegr. Correspondenz-Bureair.

Berlin, 15. Mal. Seine Majestät der Kaiser besuchte heute Vormittag die Hyzieine^AussteUung. Bei der Unterhaltung mit einigen Mitgliedern des Ausschusses wie-Ä Se. Majestät daraus hin, wie bet seiner letzten Anwesenheit an dieser Stelle alles ui Flammen gestanden habe; er dankte dem Comite für die bewiesene Energie in huld­vollster Weise und sprach bit der weiteren Besichtigung der einzelnen Anlagen noch m chreren der bei dem Bau wie bet der Ausstellung von Gegenständen Bethetligten seine hohe Befriedigung aus. Unter Führung des Vorsitzenden und der übrigen Mitglieder des Ausschusses machte Seine Majestät einen andctthalbstündigen Rundgang durch die Ausstellung.

Köln, 15. Mai. Heute früh 2 Uhr brach in ber Artillerie-Kaserne Feuer aus, burch welches der Dachstuhl unb bas obere Stockwerk, sowie ein Theil der Montirungskammern zerstört wurden. Die Höhe des Schabens ist noch nicht feftgefteüt, ebensowenig bie Ursache bes BranbeS. Menschenleben finb nicht zu beklagen.'

Durch ben bereits gemelbeten Brand ber Artillerie-Kaserne würben bie Montirungskammern zweier Compagnieen unb diejenige einer Compagnie theilweise zerstört. Von ben Bataillons- unb Regimentskammern der Fußartillerie wurden sieben durch das Feuer vernichtet. Der Schaden wird auf circa 200,000 JL geschätzt.

Eine Wanderung durch die Hygieine-Ausstellung.

Von Paul Lindenberg.

(Nachdruck verboten.)

II

Wenn man je auf eine Ausstellung das jetzt oft genug falsch angewandte und citirte Wortoriginell" anwenden darf, so darf man es bet der Hygietne-Ausstellung thun. Sie kann mit vollem Recht eineeigenartige" genannt werden und das will ge­wiß viel sagen in unserem Zeitalter der Ausstellungen, wo jede Stadt und jedes Ge­werbe, jedes L ind und jede Kunst ihre Separat-AuSstellung mit tausend Mühen und Umstänoen und so und so vielem 5)tficU haben will. Charakteristisch war die obige Ausstellung von ihrem Beginn, ihrer ersten Jnscentrung an und sie ist es bis zu ihrer doppelten E-öffnung geblieben. Dieses letztere Faktum dürfte jedenfalls das nicht am wenigsten merkwürdige an ihr sein und hat jedenfalls den problematischen Vorzug der Neuheit für sich. Am Donnerstag ist die Ausstellung für das Publikum programm­mäßig geöffnet worden und trotzdem ging die eigentliche Feierlichkeit erst am Samstag im Beisein des Kronprinzen vor sich; die Besucher befanden sich daher in jenen Tagen in einer ziemlich merkwürdigen Lage: standen sie einer wirklich abgeschlossenen Auf­führung oder gewissermaßen nur einer Generalprobe gegenüber? Als Grund dieser sonderbaren Einrichtung hat man angegeben, daß sich die Beamten und Bediensteten der Ausstellung erst allmälig an die voraussichtlich bedeutende Frequenz gewöhnen sollen, ganz schön, aber es haben wohl schon verschiedene größere Ausstellungen statt­gefunden, bet denen eine solche Anordnung durchaus nicht nöthig war und wo trotzdem Alles seinen geregelten Gang ging.

Doch sei es, wie es sei; Fehlgriffe kommen überall vor und das Comtte hat seine vollste Pflicht und Schuldigkeit und noch mehr wie dteS gethan. Die Ausstellung vräsentirt sich im allergünsttgsten Lichte und darf in jeder Weise vollauf gelobt werden. Vor Allem sind die vorher vielfach laut gewordenen Befürchtungen, daß sie etwaS ein­seitig ausfallen könnte, vollständig geschwunden. Ja, das Gegenthetl ist eingetteten, mit größerem Interesse wie je in einer anderen Ausstellung betrachten wir die tausend

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