Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondem-Brrreau.
Szegedin. 14. October. Anläßlich der Vollendung des Wiederaufbaues der Stadt ist der Kaiser Franz Josef, begleitet von dem Ministerpräsidenten Tisza, dem Minister für Landesvertheidigung, Baron Orczy, dem königlichen Commissar für den Wiederaufbau der Stadt, Ludwig Tisza, und zahlreichem Gefolge, heute Vormittag 11 Uhr hier eingetroffen, von dem Bürgermeister empfangen und von zahlreichen Deputationen und einer großen Volksmenge jubelnd begrübt worden. Die Stadt ist prachtvoll geschmückt. Der Kaiser wird drei Tage hier bleiben, um die neuerbaute Stadt eingehend besichtigen zu können.
London, 14. October. Der chinesische Gesandte, Marquis Tseng empfing gestern in Falmouth eine Adresse des dortigen Stadtraths und sagte in seiner Erividerung, er hoffe noch, daß durch gegenseitige Concessionen eine befriedigende Lösung der großen, ihn beschäftigenden Frage erfolgen werde. Seine Pflicht und seine Neigung entsprächen einer solchen Lösung; es würde daher nicht seine Schuld sein, wenn dieselbe als unmöglich befunden werden sollte
— (Telegramm des „Reuter'schen Bureaus.") Wie aus Hongkong gemeldet wird, sollen auf der Insel Hainan Plakate verbreitet sein, in welchen den Europäern und Mandarinen mit dem Tode gedroht wird; die fremden Jtoegstöiffe seien um Schutz angerufen worden. In Futschau habe ein ernstlicher Krawall stattgefunden, wobei der französische Consul intervenirte.^ , ,.j
— Aus Alexandrien wird berichtet, daß in der letzten Woche "daselbst keine Cholera-Sterbefälle mehr vorgekommen feien, es seien überhaupt nur noch einige Fälle in Ober-Egypten constatirt worden.
Handel und Verkehr.
Muchtpreise.) Weizen M. 20.20, Korn at 18.00, Gerste 14.60, Hafer M. ll.oO, Erbsen M 18.04, Lein M. 00.00, Samen JL 00 00 Kartoffeln o.UU. '
u 3 dem heutigen Markt kostete der CentnerHer
3.50—3 7.9 f^troh ^3.00—6.50, Eier das Hundert 6 00—7.00, Stück 7 Butter 1. Qualität jt 1.40, 2. Qualität JL. 1.20, Kartoffeln per Eentner 2 00__2 50
Kohlrabi 4-6H per Stück, Erbsen per Pfd. 00—00^>, Nothkraut per St 12 30 A Poularden JL 0-0, Huhn^L 1.50-2.20 1 Ente JL 2.0000 1Sauhe öfelol Hahn JL. 0.75-1.30, Gans JL 5-8.00, Welsche ^8-9' 50-60^
Zoll- und Telegraph-nerträgn ss-n In Anam, den Steuern und Zöllen in Tonaktna au3 Monopolen und Unternehmungen erhölt.
England.
London, 13. October. Einer Depesche drs ^Lloyd" zufolge ist in Port-au-Prince eine Revolution ausgebrochen. Die Stadt wurde geplündert, die Hälfte der Häuser durch Brandstiftung und Beschießung zerstört; viele Personen sind tobt. Im Hafen liegen fünf fremde Kriegsschiffe.
— Der „Pall Mall Gazette" zufolge würden alsbald nach der Rückkehr General Wood's nach Egypten 3 von den dort stehenden 6 englischen Regimentern nach England zurückkehren, über die Zurückziehung des Restes des englischen Occupalions-Corps aus Egypten werde voraussichtlich im November d. Js. Entschließung gefaßt werden.
— Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Zanzibar von heute gemeldet, das englische Kriegsschiff „Osprey" sei dort, von Madagaskar kommend, eingetroffen und habe die Nachricht gebracht, daß Admiral Galibert in Tamatave angelangt sei und daß die Situation auf Madagaskar sich nicht verändert habe. Berichten aus Kanton zufolge füllen aus Furcht vor einer etwaigen Blokade Kantons durch die Franzosen die Handelsstockungen daselbst zunehmen.
Repertoir der vereinigten Stadttheater;u Frankfurt a. M.
u _ Opernhaus.
Dienstag den 16. October: Hugenotten.
bm 17. October: Volksvorstellung bei ermäßigten Eintrittspreisen. Die lustigen Weiber von Windsor. Außer Abonnement.
Donnerstag dm 18. October: Marth a.
Freitag den 19. October geschlossen.
Samstag den 20. October: Tell.
Sonntag ben 21. October: Zauber flöte.
_. Schauspielhaus.
Dienstag dm 16. October: Die Rantzau.
Mittwoch den 17. October: Krisen.
Donnerstag den 18. October geschlossen.
Freitag den 19. October: Die Wtderspänftige. Vorher: Die Versuch er rn.
Samstag den 20. October: Zum ersten Male: Elfe. Schauspiel in 3 Aufzügen von A- Th. Edgren-Lcffler. Nach dem Schwedischen von Emil Ionas.
Sonntag den 21. October: DonCarlos.
ordentlich und pünkMch gewesen. Der Knecht klagte auf Kost und Lohn wegen unbegründeter Entlassung und legte des Herrn Zeugn h vor. Das Gericht erkannte - Der Herr könne sich auf die angebliche Pflechtwidrtgkest des Knechtls nicht m°h? bttufm wenn er ihm im Abgangszeugnisse wider besseres Wissen bereuat berfelhefo?* und Pünktlich gewesen. Eine solche Bezeugung
klärung der Verzeihung der geschehenen Pflichtwidrigkeit- 0 0 UD 0,c
Nr. 276 der Trterschen Zeitung" enihäll folgenden Artikel den wir uir gefälligen Beachiung an dieser Stelle zum Abdruck bringen. Derselbe lautet einer Zeit, in welcher der Deutschenhaß der Franzosen töglich tollere B ütb n treibt in we cher langjähriger geschäftsmäßiger Verkehr mit Deutschland von Paris n M selten in der provocirendsten Weise abgebrochen wird, wagen es mehrere der Variier großen Magazine (Bon march6, Printemps :c.), das gutmüthige Deuischland mit snL 'p--t-n. Preislisten und Offerten zu überschwemmen. WeFBe ® b« sM? was von der Seme kommt, für eleganter, schöner und besser zu halten als das Etnheimische, tft Mar schon etwas zurückgedrängt, aber es extsttren dennoch namentlick m der Damenwelt, Tausende, welche am liebsten ihren Bedarf von Parts besteben. ?" ""serer Stadt stnd in den letzten Tagen Dutzende der genannten Circulare abae- ID?rbenAF.*3ßesnn ” anben§ davon abhalten sollte, Kunde der großen Baraks Win™ LmrÖJe c§ ?er letzten Vorgänge das patriotische Gefühl sein. Eine ^L°.n' die sich unausgesetzt in den gröbsten Insulten gegen alles, was deutsch heißt gefallt, darf unter keinen Umstanden von uns materiell unterstützt roerbem W einzelne aus dem deutschen Reiche nach Parts geschickte Kaufordre bedeutet eine Selbst- b^drtgung und ein vollständiges Verkennen der thatsächlichen Verhältnisse dte der vicht andern kann. Wir wollen hoffen, daß das Gefühl des deutschen Stolzes allenthalben in unserem Vaterlande stark genug sein wird um den Sirenengesang der Pariser Geschäftsleute zu einem vergeblichen zu machen;' dte Lust am Prospeeteschicken wird ihnen dann schon von selbst vergehen. So lange in Frank- reich das deutschwüthtge Delirium herrscht und sich auch geschäftlich äußert darf und Deutschen die größte Zurückhaltung behauptet werden. Nach Wieder- ernUn* r o n Gegenseitigkeit beruhender Geschäftsverkehr von selbst wieder machen. Zu besserer Einsicht werden die Franzosen erst kommen wenn ®d,.ab.c,n' bcn ihnen ihr Revanchegeschrei einbringt, aus ihren Geschäftsbüchern entgegentritt, bann werben vielleicht ruhig benkenbe Franzosen selbst bem wüsten Chauvinismus ihrer Lanbsleute entgegentreten. * 3 '
m ~ ^Fortschritte ber Lebensversicherung in Deutschland.! Aus einer kürzlich im i^^r Hanbelsblatt" veröffentlichten etngehenben statistischen Arbeit entnehmen wir, Z^^^ öegenwarttg beftehenden 48 beutschen Lebensversicherungsanftalten, von benen ^"lschen Reiche, 11 in Deutsch-Oesterreich unb 2 in der deutschen Schweiz ihren Sitz ^ben, im Jahre IM wieder 101045 Personen neu betgetreten sind und damit ihren Angehörigen Erbschaften im Betrage von 340 287 238 JL begründet haben. Im Ivqtaq snafCn Schluffe des vorigen Jahres bet den gedachten 48 Anstalten zusammen 2 913 056 207 auf den Todesfall versichert, wovon auf dte Lebensversicherungsbank für Deutschland tn Gotha 415458 000 JL, auf dte „Germama in Stettin 241455 052 v*L, auf dte Stuttgarter Lebensoetsicherunas- ori1 iP^nrntJbanft 20V91 uuf die Leipziger Lebensversicherungsgesellschch
181011150 ^ auf die Concordia" in Köln 149 397 708 «X, auf die Karlsruher ^0bwetne VerforgungsanstaH 126905128 X, auf die Lübecker Gesellschaft 119 884 059 A n-/ nr!! k?bueralt M Triest 117 880 427 JL, auf die Berlinische Lebensverstcherungs- entfielen. Bei den ebengenannten 9 größten deutschen Lebensversicherungsanstalten, von denen jede mehr als 100 Millionen Mark Versicherungs- versicher?^ zusammen mehr als die Hälfte des gesummten Bestandes
48 Sterbefälle und sonstigen Abgänge ergab sich bei den fSmmts
156 404^0 J ^eine reine Zunahme des Versicherungsbestandes UM
156 404 360 Den stärksten Antheil an diesem Zuwachs hatte dte Gothaer Lebens- verstcherungsbank mit 20 893 700 Retnzuwuchs.
gestorbene Versicherte wurden tm Laufe des vorigen Jahres 42 340 507 JL Sn if ^n? 2lu§3aOIun0 gebracht. Gewiß sind viele Taufende' von Wlttwen und babur(b”0r.91016 bra>a6i't worden und segnen das Andenken derer, welche noch über den Tod hinaus für sie gesorgt haben.
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige In eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition -von MAAS ENSTE IN * VOGLER in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hmsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Witterungskunde.')
. Dienstag. Mittags und Nachts windig, stellenweise, zumal an den Küsten stürmisch, frühmorgens und Abends windstill; frühmorgens vielfach klar Nachis^Niederschlüg-wo ' Nachmittags bis zum Abend ausgebeffert, Mittagsund . D'e Ntedersch'iäge dürften namentlich in England, Frankreich und Italien bt> deutend sein. Es konnte sogar, wenn tch auf Analogteen gestützt, Ausnahmen machen ? J3 ai)nC' Jn ^olge der im Westen und Süden stürmischen Witterung für Deutschland der 16. oder 17. October mehr trocken bis meist heiter und blau werben. Sortgefcfete ©fubien müssen derartige Unregelmäßigkeiten, wie st- fast jeden Monat in ber Nahe ber Sturmtage auftreten, ursächlich ergrünben helfen-
17- October. Mittwoch. Vormittags unb Mittags veränberlich mit brohenbeu Schauern;^ Aufheiterungsperioden frühmorgens bis Morgens unb Abenbs, NachtS ?Ae^r^l?0e- Allgemeinen veränderlich, windig und mäßig kühl, am Tage 10 bis 14o C-, wahrend das nächtliche Mmtmum zwischen 4 unb 7° C. schwankt. "
vr. L.Overzier's Wetter-Prognose für ben Monat October abgeschlossen am 20. September lVerlag ber M. Lengfelb'schen Buchhanblung tn Kölr, Preis 1 JLY — Nachbruck verboten.
& Lokales.
QX, . Gieße«, 14. October. sT Heaters Die Erwartungen, mit benen wir heute lux Aufführung ber Jacobsohn'schen Posse „Der Mann tm ^ube« betraten, Haden sich vollauf erfüllt. Es wurde gelacht" viel und herzlich Herzen gönnen ® rect on ^atte mteber einmal ein gefülltes HauZ7 was wir ihr von Herr Jacobsohn reiht Unsinn an Unsinn, er überschüttet das Publikum mit Kalauern gröbsten Kalibers und ist zufrieden, wenn auch eine große Anzahl derselben wirkungslos verpufft; viele zünden doch, und die Zuhörer sind ja so dankbar, wenn man ihnen eine heitere Unterhaltung bietet. Von einer regelrechten Handlung, von ^nem Versuche zur Zeichnung von Charakteren ist gar keine Rede; eine Unmasse von nm?0^Euatiomen, Couplets unb Scherzworten ist mechanisch in 5 Ab-
.ÄÄÄWÄb’teÄ K^uer schlimmster Sorte etnzunehmen, einigermaßen ab, aber dte Actschlüsse brachten ^£6BergnmÜ8II4erbStfmtnffungUnb f° b°nn das Publikum schli-ßl.ch das Th-ai°r Herr Brautlecht war als bedrängter mit fünf hetrathsfähigen Töchtern ge- !Mbter Famtltenvater urkomisch. Fräulein Hoffmann gab die weibliche Hauptrolle (Wera) mit prächtiger Laune, voll quecksilberner Lebendigkeit. Ob der schlesische D.alect dessen sie sich stellenweise bediente, von einem echten Schlesier anerkannt werden würde' mochten wir bezwetfeln. Von den übrigen Mttwtrkenden erwähnen wir Fräulein E°m"Lus?und^11^-H-rr-n Schölermann, Voigt und P-ters, fte fptelten
ft „Durch Spielen mit einem geladenen Revolver wurde
Öer e ^^oster Arnsburg ein Knabe von 15 Jahren lebensgefährlich verwundet. Es wird uns der Fall folgendermaßen geschildert: Eine in Gießen ^o^enbe Wtttwe ging mit ihrem 15iährigen Sohne unb dem gleichalterigen Sohne eines hiesigen Beamten zum Besuche nach Kloster Arnsburg. Auf der Mühle dortfelbsi fanden die beiden Jungen einen an ber Wanb hängenden geladenen Revolver. Beim Hantiren mit demselben ging dte Waffe los und dem einen Knaben ber Schuß in die Dm Schreck und Schmerz der hier wohnenden Eltern des Verletztm läßt sich fmmrCIrf?tIbern- bfc8 wiederum erne Warnung, baß man geladene Waffen untA Verschluß halten solle. Wie leicht ist ein Unglück geschehen. K Unter
Vermischtes.
«i 1 bem Kahlgrunde, 9. October. Laut Bekanntmachung des Könialtck.en Bezirks-Bergamts Bayreuth hat kürzlich der Großh. hessische Rechtsanwalt Karl Dorn- selff zu Nlbda gegen 2220 Hektar umfassende Bergwerke tm Kahlgrunde behufs Ke- winnung von E sen- und Manganerzen käuflich an sich gebracht, welcher Kauf jebenf^ls burch bie günstigen Aussichten, bte unserem Bahnproject in ber neuesten Reit blühen veranlaßt würbe. Dte erwähnten Bergwerke liegen auf ben Markungen von 8 zum Bezirksamt Alzenau gehörigen Gemeinden. (H q } 3
— sAus Liebe zu Fritzi In einem böhmischen Städtchen trat kürzlich eine junfle Jüdin, um bte Schwierigkeit ihrer Verhetrathung mit einem Christen aus bem Wege zu raumen, zum Chriftenthum über. Bei ber Taufe sagte der Pfarrer bem Worte vor: ^Jch trete aus Liebe zu Gott zum Chriftenthume über" „3^ trete au? Öicbe zu Fritz zum Chriftenthum über" uariirte ber Täufling mit einem Etlichen Blick auf ben Bräutigam bie Formel. In ber Meinung, daß bte iunae ®ame in ber Zerstreutheit ben Namen ihres Bräutigams bem Namen Gottes fnh- stituirt habe wtederholie der Pfarrer nochmals mit starker Betonung bte ooraeschriebene Formel. Aber zum zweitenmale erklärte die wahrheitsliebende Braut, „daß sie aus L^ebe zu Fritz ben Glaubenswechsel vornehme. Erst, als sie barauf aufmerksam ae» macht wurde, baß von bem Nachsprechen ber Formel ohne jebe Aenderung ihre Aui- Liebe^zu^Goit „^^olische Ktrche abhängig sei, fügte sie sich und sagte enblich: „Aus
Potsdam. Zur Warnung für Herrschaften, welche es mit der Ausstelluna ^on Zeugmffen für abgehend? Dienstboten noch immer zu leicht nehmen, mag folgende gerichtliche Entscheidung mitgetheilt werben: Ein Dienstherr hatte seinen Kneckt wahrend der Dienstzeit entlassen, weil derselbe ohne Erlaubniß über Nacht aus dem Hause geblieben war, demselben aber ein Zeugniß ausgestellt, daß er im Dienste
L Ach beendigte iiiif dem Sand über Kartoffel.Erni Ägert werden.
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ä 1 Secreta jMgennntSche^ nndlM Keßen, den 15.
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