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Är Dienstag den 16. Oktober l88S-

Wchener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Bureau: Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

47,476 A 74 , /n s

4. Bekanntmachung, die Ergebnisse der Verwaltung der Großh. Brand- versicherungtzkasse vom Jahre 1880 betreffend,

5. Ordensverleihungen: _ 0T

Se Königs. Hoheit der Großherzog haben Allergnadrgst geruht: Am 12 Septbr Sr Erlaucht dem Herrn Grafen Eberhard zu Erbach-Erbach das Comthurkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, am 26. Septbr Sr Erlaucht dem Herrn Grafen zu Stolberg-Roßla das Großkreuz und Sr. Durchl. dem Prinzen Lothar zu Ysenburg und Büdmgen das Com- thmkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

6. Namensveränderungen.

7. Concurrenzeröffnungen: z r j .

Erledigt sind: Eine mit einer kath. Lehrerm zu besetzende Stelle an der Gemeindejchule zu Ober-Roden mit einem nach dem Dienstalter der betreffenden Lehrerin sich bemessenden Gehalt von 900 bis 1000 A Gine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Lampertheim mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemeffenden Gehalt von 1000 bis 1400 A

Darmstadt, 12. October. Der Finanzausschuß zweiter Kammer halt am 15. d Mts wieder Sitzung zur Besprechung mit Großh. Negierung über die künftige Dotirung einer Reihe von Realschulen des Landes. Dann folgt Beschlußfassung über die Beschlüsse erster Ständekammer zum Gutachten der Mainzer Rhein-Commission. r ,

Berlin, 12. October. Das kaiserliche Patentamt hat gestern in einer hoch­interessanten Patentstreitsache eine Entscheidung getroffen, die für die ganze deutsche Papierindustrie voraussichtlich von den allerwichttgsten Folgen begleitet sein wird.

Seitdem der Vavterkonsum so ungeahnte Ausdehnung genommen hat und in Folge dessen ^der Vorrctth von Hadern, die früher den Rohstoff für dte Fabrikation bildeten, det Weitem nicht mehr ausreichte, hat es dte Wissenschaft als ein Problem angesehen, Ersatz und Surrogate zu finden- Einem deutichen E-finder (Keller im Königreich Sachsen) gebührt das Verdienst, zuerst auf dte Verwendbarkeit des Holzes zu diesem Zwecke hmgewtesen zu haben.

Nachdem durch dte Praxis mehrere Methoden für dte Gewinnung des Holzstoffs auf mechanischem und auf chemischem Wege bereits emgesührt waren, nahm der Amerikaner T-lghman schon vor etwa 20 Jahren in England Patente für ein von ihm nL erfundenes Verfahren zur Gewinnung von Faserstoff mUtels Behandlung des Holzes unter Mitbenutzung von schweflig-sauren Salzen. Diese Patente kamen derartig

Diese Entscheidung wird !n den Kreisen der deutschen Papierfadrikanten die leb­hafteste Befriedigung Hervorrufen und die Beseitigung dieses Patents gleich des finanziellen Drucks, der auf den Fabrikanten lastete, und die W'ederhei- stellung der Freiheit der intellektuellen Bewegung, welche bte Beseitigung des Patents im Gefolge hat, werden dahin führen, daß diese Erfindung vervollkommnet und zu einem Gemeingut der ganzen deutschen Papt^rfabrikation werden wird.

Diese Beseitigung wird auch für die deutschen Waldbefitzer von großem Dorther! fein, da voraussichtlich durch bie Ausb-Hnung der Fabrikation und des Exports b e Nachfrage nach den geeigneten Holzern wachse« und dadurch auch den Forstbefitzern eine »ermebrfe Einnahme zufließen mlrb.

Berlin, 13. October. DerRordd. Allg. Ztg." zufolge sind die Ar- beüen an dem Auswanderungs-Gesetzentwurf nicht eingestellt, sondern werden ^^Baden-Baden, 13. October. Die Abreife des Kaisers ist auf Sonntag den 21. October festgesetzt; die Ankunft in Berlin wird Montag früh erfolgen.

Hefterrelch.

Wien, 12. October. Eine komische Sache ist die diesjährige feierliche Einführung des Rectors der Universität. Der abtretende Rector Dr. Maaßen bat sich durch die Parteinahme für die czechischen Studenten dergestalt verhasst gemacht, daß mit voller Sicherheit Kundgebungen der Studenten bet der Heber» nabe des Rectorats vorauszusehen sind. Nach vergeblichen anderweitigen Be- mühungen ist das Ministerium auf den Gedanken verfallen, daß die Aula die Menge von Menschen nicht fassen könne und daher aus polizeilichen Gründen die Feierlichkeit unterbleiben müsse. Zur Entlohnung soll, wie es heißt, Herr Maaßen in das Herrenhaus berufen werden. Seme Wahl zum Mitgliede des Reichsgerichts hat er sich im Beginn dieses Jahres durch Ablegung eines Glaubensbekenntnisses imVaterland" verdient. Ist es nicht eigenthumlich daß sein geborener Mecklenburger im deutschen Wien als Hauptbekampfer der deut­schen Studenten es erleben muß, daß mit wenigen Ausnahmen, zu denen leider der Germanist Dr. Heinrich Siegel, geborener Badenser, gehört alle ordentlichen Professoren in einem Schreiben an ihn als Rector feine Handlungs­weise verurteilen und er nun ohne Sang und Klang abtreten muß? Viel Glück dazu. DasVaterland" leitartikelte einmal wieder am October über den österreichischen Staatsgedanken, den es in der Aufgabe steht, den slawischen Osten katholisch zu machen. Oesterreich kann sich gratuliren, daß zwei conver- tirte Mecklenburger dieser Artikel ist von Herrn v. Vogelsang ihm end­lich seine Ausgabe klar machen. «.Köln, dtg.j

Kmnkreich.

Paris, 13. October. Kasimir Perier ist zum Unterstaatssecretär im Kriegsministerium ernannt worden. Die Ernennung PonbeLs rum Seme- präfekten wurde bestätigt. DerSoir" meldet, daß der Anttprufsten aus Ver­langen Campenon's suspendirt wurde. , , .

Maris 13 Oktober Mehrere Abendzeitungen veröffentlichen den Wo.tlaut des

lebt. Dte Franzosen befefc n aU§ 2onfli ng zurück und g'bt den Man-

Küste von Hue. Slnam fern ^Peber etniUnebmen, erklärt dte Häfen Turann dartmn in Tongkingi auf ihre W j r J und errichtet auf der großen Route und Sontoy off n'ür den Hand aller ütat.dnen n^^^ Siädt-N Tongkings

von Hanoi nach Saigoni etnebete» Controte anamitifche Mandarinen werden französisch-i Residentene ngesitzy um Residenten sich mit den Einzelheiten bte innere Verwaltung fortsühren, oyne vuv ' v sranrösiscken Behörden bet Verwaltung zu b-fosstn r°uchen^ Au^V-rlang-n

können die Mandarinen abgesegt > rciMtroihmifi nnb Rerwenduna der Steuern Äon^Än 8ÄÄ Die ftaÄen uÄn

unb französische Beamten fb unb ihres Eig nthums in ganz Tongking

Auoms eben o alle Auslänber, welche französischen Schutz iS bte ungefröite Csieulation aus dem roihen Fluß, übet« "ft4',' die vollständige Integrität Anams, beschützt den König gegen

ff®",? 9 ufien unb aeßen all-inneren Aufstände und unterstützt den König ; «'Ä1n (.®fle0nftrembe. Frankreich vertreibt allein dieschwarzen , ^Mao-n^ mödr?bie Sichkrhest°unb Freiheit des Handels auf dem rothen Flusse und st llt dem Könige di-dnöthigen Ingenieure. Gelehrten unb Osstciere. Fernere Con- serenzen wkrben die jährliche Quote festsetzen, welche die Regierung von Anam auB den

Ieutschtrmd.

Darmstadt, 12. October. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei- * Bekann!machung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsfchreiber und Gerichtsvoll, zjcher ^Eandgerichtsrath bei dem Landgerichte der Provinz Oberheffen Karl Wiener ist an Stelle des zum Oberlandesgerichtsrath ernannten Landgerichtsraths Mannmüller zum Mitglied der Commission zur Prüfung der Aspiranten zum Gerichtsschreiber- und Gerichtsvollzieherdienste am Sitze des Landgerichts der Provinz Oberheffen bestellt worden. .

2. Bekanntmachung Großh. Provinzial-Drrectwn Rhemhefien, die Eröffnung der Schifffahrt durch den Rhein-Durchstich am oberen Busch betreffend .

3. Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe des Universi- Wssonds zu Mainz für das Jahr 1881/82. ,

I. Die Einnahme beträgt: A. Ordentliche: 1) Von Gebäuden und Grund­stücken 79,073 M. 76 H, 2) Kapitalzinsen 104,870 M. 88 3/ Ertrag des

Waldes 3985 M. 51 $i, 4) Jagdpacht 500 ^., 5) Zuschüsse aus anderen Kassen 584 Jl. 15 Sx, 6) Andere Einnahmen 1201 M. 19 9\. B. Außer- «rdentliche: 7) Kassevorrath 51,115 .A 1 L,, 8) Ausstande aus vorderen Jahren 2222 A 52 9) Zurückempfangene Kapitalien 235,173 ^. 21

10'1 Verkauf von Häusern und Gütern 6866 A 7 zulammen 295,376 A 81 H. Gesammtsumme aller Einnahmen 485,592 A 30 II. ^gabe. A. Ordentliche: 1) Beiträge zu öffentlichen Lasten 12,365 A 74 aus Stiftungen 70 A 28 3) Gerichts- und andere Kosten 10-^ 17

y Localvergütung und Rechnungsführung 5008 ^ 2 A, o) ^on^rL^' lchnunaen, Taggelder und Reisekosten 196 A 30 6) Botenlohn, Postgeld,

Berkündigungs- und Versteigerungs-Kosten 145 A 75 X der Ge­

bäude 2260 A 59 $i, 8) Kosten der Grundstücke 1404 J-L. 91 Ä, 9 , Kosten des Waldes 2171 Jt. 20 S\, 10) Pensionen und ständige Unterstützungen 12,308 85 S\, 11) Zuschuß in anvere Kassen: § 1. Beitrag zum Gym­

nasium in Mainz 46,056 M. 35 H, § 2. Beitrag zum Pensionat am Gym­nasium zu Mainz 2815 M. 86 H, § 3. Beitrag zur Realschule in Mainz 31 002 Jh. 84 § 4. Beitrag zur Entbindungsanstalt in Mamz 901 Jl. 17

S 5. Beitrag zur Landes-Universität Gießen 16,800 Jb., § 6. Beitrag an die rheinisch-naturforfchende Gesellschaft in Mainz 3200 Jb., § 7. Beitrag an den Verein zur Erforschung rheinischer Geschichte und Alterthümer in Mamz 1685 71 a s 8. Beitrag an den Localgewerbverein in Mainz 6000 A § 9. Bei­trag an das römisch-germanische Central-A^useum in Mainz 1200 A §10. Bei­trag an die Stadtbibliothek von Mainz 1371 «X 43 A § 11. Sterbquartale an die Großh. Civildiener-Wittwenkaffe in Darmstadt 1120 A zus. 112,153 A 36 A 12) Nachlässe und uneinbringliche Posten 334 A 65 13) Andere

tegaben 4528 U 60 H, zus. 152,958 M. 42 Ä. B. Außerorbeutstche: 14) Neu ausgeliehene Kapitalien 285,157 M. 14 Gesammtsumme aller Ausgaben 438,115 Jb. 56 Vergleichung : Dre Emnahme betragt 48o,592 A 30 , die Ausgabe beträgt 438,115 A. 56 , verglichen, bleibt Rest

in Vergrssenhett, daß, als vor einigen Jahren Herr Professor Mücherlich in Minden um ein Patent für die gleiche Methode der Herstellung von Cellulose nachsuchte, dem­selben das Vatent ohne Weiteres erth-ilt wurde. m . r

Herr Professor MUcherlich bat sich von jebem Fabrikanten, ber fein Verfahren ausnutzen wollte auf eine Reihe von Jahren unb zwar über die eigentliche Gültigkeit seines Patents hinaus, pro 100 Silo ber sabricirten Cellulose 2 Abgabe ausbebungen unb sich baburch eine Rente zugesichert, bte schon circa '/r Million * IflbrB<6 6ef08- Es finb in Deutschlanb 32 Lizenzen vergeben unb für i-de Lizenz hat ber Fabrikan eine Minimalfumme von circa 15,000 M lährl ch 0aranttrt Diese Belastung zu Gunsten eines Einzelnen brückte natürlich bie ganze beutsche Pap^^ustrie und er­schwerte ben Export, auf ben bei b>r Entwickelung unseres gewerblichen Ledens ,eber Industriezweig mehr ober weniger angewiesen ist.

Nachbem inzwischen auch in andern Ländern, besonders in Schweben, bas gleiche Berfahren auf Grunb des Tilghman'fchen Patents sich ^''^rend^Üs

auch in Deutschland aus dasselbe aufmerkmm und Herrn Fabrtkb.fitze. Behrend aus Varfin gebührt das Verdienst, daß er zuerst aus die Gleichartig,kett oeider Erfindungen, der Tilghman'fchen und der Mitcherlich'schen hingewiesen und das Nlchtkgkeitsverfahren aeaen das Patent des Letzteren etngelettet hat. Das Patentamt hat fich in seiner gestrigen Sitzung den Ausführungen des Klägers vollständig ongeschlossen und schon nach kurzer Berathung die Nichtigkeit des Mttcherltch ichen Cellulose-Patents