rmrlhk haben gehörig gestempelte FlüssigkeitSmaße von einem zur Prüfung Ihrer Schank- aifäl geeigneten Einzel- oder Gesamrnllnhatt bereit zu halten ihre Schankgefätze vor deren Gebrauch damit zu untersuchen, auch die Ihren Gästen und Kunden verabretchten Quantitäten nachzumessen, Im Falle dies verlangt wird Vom 1. Januar 1884 an muü mindestens alle 2 Jahre In jeder Gemeinde -in- polizeiliche Prüsung sämmtl ch-r zur Verabreichung von Wein, Obstwein, Most ober Bier In Gast- und Schank«trth- schasten dienenden Schankgesätze vorgenommen werden. Die Prüsung Ist mittels eines aus zwei Meßg-läb-n bestehenden Apparates, welcher in einer von ber Großherzogl, E chungS-Jnspektion zu -rlass-nb-n Bekanntmachung b-schr eb-n werden wird vor- zunebmen In denj-ntg-n Gemeinden, welche den Apparat anschaffen, wird die Prüfung durch die Localpolizeibehörde vorgenommen oder-ng-ordn-t. In denjenigen Gemeinden, welche den Apparat nicht anschaffen ober in welchen ble Localpolizetbehorben bie Vornahme ober Anorbnung ber Prüfung unterlassen, kann baS Kretsamt burch ble Per- nrtttlung des ElchamtsvorstanbeS ble Eichmesser mit der Prüfung aus Kosten der be- treffenden Gemeinden beauftragen.
— Der „Times- wird aus Philadelphia berichtet, daß chinesische Agenten in den Unionsstaten Kriegsmumtion kaufen; es seien bereits eine Million Patronen und eine große Anzahl Gewehre angekauft. x
Petersburg, 14 Juni. Der Minister des Auswärtigen, v. Giers, hat am 9, d. ein Circular an die Vertreter Rußlands im Auslande erlassen: Der Kaiser hatte befohlen, daß seine Repräsentanten den Monarchen und Staatschess, bet den sie beglaubigt sind, den Dank aussprechen sollten für die dargethanen Sympathien und für die Absendung von Specialgesandten zum Krönungsfesle. Das russische Volk, mit seinem Herrscher unzertrennlich religiös und monarchisch verbunden, sei hocherfreut über die seinem Herrscher barg-brachten Achtungsbewetse. Der Kaiser, auf die Gefühle der Nation gestützt, habe mit tiefer Befriedigung die Freundschaftsbeweise seitens der Monarchen und Staatschefs empfangen und betrachte dieselben als em neues Pfand der Eintracht und des Friedens, dessen Erhaltung mit den eigenen friedlichen Absichten des Kaisers überetnsttmme. _______
Ü d f o~l e ••
England.
London. Na-bb-rn ble Mürber vom Phönixpark ihr Verbrechen mit dem Tob burch ben Strang gesühnt haben, nimmt in England ein anderer großer Proeeß bie öffentliche Aufm-rkfamkeit in Anspruch, Vor bem Centralgerichtshos in stonbon begannen am 11. Juni ble V-rhanblung-n gegen bi- sechs in London unb Birmingham verhafteten Dpnamilv-rschwor-r, bereu rechtzeitige Aufhebung bie englische Haupistabi allem Anscheine nach vor einer großen Gefahr bewahrte. Während ber Gebaut- ber blutigen That Bradp's und K-lly's auf irischem Boben entsprungen unb gegen bestimmte mißilebig- Persönlichkeiten gerichtet war, haben mir es bet blefer Dy.iamit- verschwörung mit einem Ausfluss- bes Hasse« ber in Amerika lebenben Fenier gegen bie ganze englische Gesellschaft zu thun. Wie ble Entdeckung ber con Whit-h-ab in Birmingham schwungvoll betriebenen Dpnamitsadrik beweist, sollte ba« Morb- unb fterstörungsgeschLft im Großen betrieben werben, ein Vorgehen, bas ber hirnverbrannte O'Donovan Rossa in seiner Irish Worlb ,-hon längst empfohlen hatte. Die wichtigsten unter ben sechs Angeklagten stab bie G-brüber Gallagher unb ber Dynamltsabrikant Whttehead. Als Kronzeuge wird ihnen jener Joseph Lynch, genannt Norman, gegen- überaestellt welcher bet dem Transport der ersten Sendung Dynamit von Birmingham nach'London in die Hände der Polizei fiel und augenscheinlich nur ein willenloses Werkzeug in den Händen des Dr. Thomas Gallagher, b.§ Leiters der ganzen Verschwörung, war. Die Verhandlungen werden mehrere Tage in Anspruch n^me«onbon, 12. Juni. Bei dem heute fortgesetzten-Processe gegen die Dynamit- Verschwörer wurden die Kaufleute verhört, welche Whitehrnd und den Uebrigen Glycerin, Oel und Gummischläuche verkauft; die Eisenbahn-Lastträger, welche die gefüllten Koffer auf die Wagen luden; die Gasthofbesitzer und Kellner, welche die Angeklagten gesehen, bie Schiffsbeamten und Passagiere, welche mit ihnen die Reise nach Amerika gemacht u. s. w, — Vor dem parlamentarischen Ausschuß zur Begutachtung des Canaltunnels gab heute der Oberstcommandirende der Armee, der Herzog von Cambridge seine Meinung ab. Er bekämpfte den Tunnel vom militärischen Standpunkte aus in jeder Beziehung. Zum Schutze seiner englischen Ausmündung sei eine Festung ersten Ranges nöthig mit 10,000 Mann Besatzung; Dover müsse daher mit großen Kosten erst in Stand gesetzt werden, die Dienste einer solchen Festung zu leisten. Aber auch dann werde der Tunnel dem Lande Verwickelungen zuziehen, denn keine Regierung würde gern das Odium auf sich nehmen, den Tunnel bet Kriegsgefahr zu schließen, einerseits, um nicht durch dieses Mißtrauensvotum den Krieg zu beschleunigen, anderer, seits, um nicht die Handelsinteressen zu verletzen, denen der Tunnel doch seine Entstehung verdanke. Das Scklußergebntß seiner Aussagen ist, daß die Sicherheit des Landes die Anlage des Tunnels geradezu verbiete.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S teUfttv Correspondenz-Bureau. , >, .
Berlin, 14. Juni. Die kirchenpolitische Commission genehmigte heute den Art. 1 der Regierungsvorlage mit 17 gegen 4 Stimmen, den Art. 2 mit 15 gegen 6 Stimmen und den Art. 3 nach dem Antrag Bruel, wonach der Oberpräsident anstatt der Staatsregierung Einspruch erhebt. Art. 4 wurde gegen die Stimmen der Nationalliberalen, Freiconservatlven und Secejsioniflen abgelehnt.
— Se. MaMt der Kaiser reist am 15. Juni, Abends 103/4 Uhr via Magdeburg, Boersum, Kreiensen, Göttingen, Gießen und Wiesbaden, wo Se. Majestät von 10V2 Uhr Vormittags bis 2'/2 Uhr Nachmittags bleibt, nach Ems, wo die Ankunst am 16. Juni, Nachmittags 41/2 Uhr, erfolgt. In Begleitung des Kaisers befinden sich u. A. der Haus- und Hofmarschall Graf v. Perponcher - Sedlitzky, General ä la suite Gras v. Lehndorf, Generalstabsarzt v. Lauer, die Flügeladjutanten Major v. Brösigke unb Major v. Messen, der Generalarzt Dr. Leuthold, der Geh. Hosarzt Borck, der Chef des Civil- Cabinets v. Wilmowski, der Ches des Militär-Cabinets Generallieutenant v. Albedyll und der Wirkt. Geh. Legationsrath v. Bülow.
Berlin, 14. Juni. Der „Reichsanzeiger" thetlt die Anerbietungen der Staatsregierung an mehrere Privatbahnen behufs weiterer Durchführung des Staatsbahnsystems mit. Danach sind geboten: der Oberschlesischen für Stammaktien aller Kategorien eine feste Jahresrente vou IOV2 vCt. und eine baare Zuzahlung von 15 pro Aktie, der Berlin-Hamburger eine feste Jahresrente von W/z pCt. und eine baare Zuzahlung von 60 pro Aktie; der Altona-Kieler eine feste Jahresrente von 91/5 pCt. und eine baare Zuzahlung von 13Vz<X pro Aktie; der Breslau-Schweidnitz-Fretburger eine feste Jahresrente von 4'/r pCt. und eine baare Zuzahlung von 30 Jl. pro Aktie; der rechten Oderufer-Bahn für Stammaktien und Prtoritälsstammaktten eine feste Jahresrente von 72/5 pCt- und eine baare Zuzahlung von 30 «X pro Aktie; den Aktionären der Posen-Kreuzburger Bahn ist für je drei Stammaktien eine Staatsschuldoerschreibung im Nennwerth von 300 X vom 1. Juli 1884 an verzinslich angeboten, für eine Prioritätsstammaktie L 600 JL eine Staatsschuldenverschretbung tm Nenn'werthe von 600 M., von Neujahr 1884 ab verzinslich. Die Annahme der Offerten muß bis zum 15. Oktober erfolgen, eine Erhöhung der Offerten wird als ausgeschlossen bezeichnet.
Posen, 14. Juni. Die „Posener Zeitung" therlt einen Circular-Erlaß der Regierung an die Kreitzschul-Jnspectoren mit, wonach auf Veranlassung des Cultusministers die Rücknahme aller auf Grund der Verfügungen vom 7. und 27. April getroffenen Anordnungen betreffs der Ertheilung des katholischen Religionsunterrichtes in deutscher Sprache angeordnet wird.
Koblenz, 14. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin unternahm gestern zum ersten Mal eine Fahrt durch die gesammten Nheinanlagen und nahm die nach dem letzten Hochwasser des Rheins ausgeführten Renovationen in Augenschein ; von Ihrer Majestät wurden dabei mehrere neue Verschönerungen angeordnet.
Pariö, 14. Juni. Die Unterwerfung Sr Slunan s wird bestätigt. Er befindet sich in der marokkanischen Provinz Tasilet und erwartet dort die Befehle Ordöga's, des französischen Vertreters in Marokko, er schickte seinen Sohn als Geißel und wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit Ordöga nach Paris gehen.
- Telgramm der „Agence Havas." Bei dem Kriegsministerium eingegangene Meldungen bestätigen, daß die Unterhandlungen zwischen Tricon und Liang-Chang einen guten Fortgang nehmen. Gleichzeitig werden die Gerüchte von Kriegsvorbereitungen Seitens Chinas für unbegründet erklärt.
Bonbon, 14. Juni. Dem „Standard" wird aus Shanghai gemeldet, in der Umgegend der Stadt und in dem von den Eingeborenen bewohnten Viertel würden grotze chinesische Truppenabthetlungen concentrtrf.
Gießen, 15 Juni. Beim Aufstellen der Turnfesthalle in Oswald's Garten verunglückte am Mittwoch ein Zimmermann, indem er mit einem Bein zwischen die Hölzer kam und ihm das Kniegelenk auseinandergerenkt wurde.
— Nach uns gemachter Mittheilung hat der Stadtvorstand nach Schluß seiner gestrigen Sitzung in Betreff der Ausdünstungen aus dem Schoorgraben eine Besichtigung der Vertheilungsschleuße an der Benner'schen Schanze vorgenommen und wegen Ver- thrilung der aus der Lahn zufließenden allerdings geringen Wasserquantitäten Anordnungen getroffen, welche einen reichlicheren Wasserzufluß nach dem Wallthor, Neuenweg und Seltersweg ermöglichen und damit eine Beseitigung der Ausdünstungen aus dem Schoorgraben an den bezeichneten Stadtthetlen erhoffen lassen. Leider liegt die Schuld an diesen üblen Ausdünstungen zum größten Thetl an ber fortwährenden Verunreinigung des Schoorgrabens durch Ausflüsse aus industriellen Etablissements rc.
— In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde beschlossen, in Anbetracht der vorzüglichen Leistungen bet dem Brande des Mayer'schen Lumpenmagazins ben beiden hiesigen Feuerwehren, sowie den Mannschaften des Regiments den Dank der Stadt auszusprechen und wird den betr. Mannschaften solcher schriftlich mitgethetlt werden.
— In einer eben unter den Colonialwaarenhändlern zur Unterschrift ctrculirenden Liste streben dieselben an, Sonntag Nachmittags ihre Läden zu schließen, um sich und ihrem Personal den halben freien Tag zu sichern. Wenn die Herren einig find und bleiben, ließe sich das Vorgehen nur begrüßen Unsere Hausfrauen werden sich ja den Vormittag noch mit dem Nothwendigen versorgen können.
— Wie unsere geschätzten Leser und Leserinnen aus dem Jnseratentheile unseres Blattes gesehen haben, findet am kommenden Sonntag das von uns schon früher erwähnte Gleibergfest statt, und glauben wir keine Indiskretion zu begehen, wenn wir einiges, was wir über dasselbe gehört haben, in die Oeffentlichkeit bringen. — Wenngleich es zu bedauern bleibt, daß das projectirte Festspiel wegen der baulichen Verhältnisse des Saales unterbleiben muß, so dürften doch verschiedene dramatische ©eenen, sowie mancherlei Spiele und Vergnügungen, streng in dem Rahmen des Mittelalters gehalten, einen annähernden Ersatz dafür bieten. Wohl etwas contrastiren mit diesen Darstellungen aus früheren Zeitaltern mag das von der ganzen hiesigen Regtments- musik ausgeführte Concert, sowie die geplante großartige Beleuchtung der Burgruine, Feuerwerk von Vidaccovtch rc. rc., allein es läßt sich tm großen Ganzen wohl mit Bestimmtheit voraussetzen, daß den Besuchern des Festes ein genußreicher Tag bevorsteht. — So wollen wir denn nur wünschen, daß der Himmel ein freundliches Gesicht an dem Tage macht und daß das Comit6 für seine vielen Mühen einen hübschen klingenden Erfolg zu Gunsten der Gletbergkasse zu verzeichnen hat. —t.
— Der Dieb, welcher gelegentlich des Mayer'schen Brandes gerettete Gegenstände entwendete, wurde gestern zu 4 Wochen Gefängniß verurtheilt.
— Am 1. d- Mts. wurde dahier eine silb rne Cylinderuhr gestohlen, die Diebe wurden in ber Person zweier sechsjähriger Buben ermittelt und dir Uhr zur Stelle gebracht.
— Zwischen hier unb Butzbach fiel am Mittwoch Nachmittag ein hier wohnender Schaffner während ber Fahrt vom Eisenbahnzuge. Er erlitt eine Verletzung an der Hand und am Rücken, jedoch nicht lebensgefährlich.
Vermisch les.
Berlin 12. Juni. Ernst Sobbe, ehemaliger Handlungscommis, welcher laut Erkenntniß vom 30. April dss. Js. wegen des an dem Briefträger Cossäth am 12. März b. I. verübten Raubmordes zum Tode verurtheilt wurde, ist heute Morgen 6 Uhr hingerichtet worden. Der Mörder war seit seiner Verhaftung im Untersuchungs- Gesängniß des Crimlnalgerichts-Gebäudes zu Ali-Moabit und se't seiner Verurtheiluna ebendaselbst in einer sogenannten „schweren Zelle" bettntrt. Es ist bekannt, daß Sobbe nach seiner Einlieferung von Magdeburg dem Untersuchungsrichter ein umfassendes Geständniß ablcgte und von dieser Zeit an ein reumüthtges stilles Benehmen an ben Tag legte. Gestern Vormittag IV/z Uhr würbe ihm in einem besonderen V-r- hörzimmer vom Staatsanwalt Simon von Zastrow in Gegenwart bes Staatsanwalts Dr. Thielmann, bes Untersuchungsrichters Landgerichtsraths Johl, sowie bes Directors und Arztes der Anstalt v. Bornstedt und Dr. Levin das Urthcll verkündet, dahin lautend, baß ber Kaiser sich entschieden habe, von dem Recht ber Gnabe keinen Gebrauch zu machen, vielmehr der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Sobbe nahm die Publikation mit Gelassenheit auf und beschäftigte sich nach Rückkehr in seine Zelle mit Schreiben. Vor der Ueberführung in das Zellengefängniß, welche Nachmittags 5 Uhr tm grünen, von Schutzleuten escortirten Wagen erfolgte, erbat er sich Kaffee unb Cigarren. Im Flügel ä. I in der sogenannten Todeszelle, in der zuletzt Conrad tnterntrt gewesen, verbrachte Sobbe die Nacht, nunmehr seiner Fesseln entledigt- Zwei Aufseher blieben zur Bewachung in der Helle, während der Geistliche des Untersuchungsgefängnisses, Pastor Heinicke, und dessen Amtsbruder vom Zellengefängniß, Pastor Wiesner, den Abend und die Nacht bei ihm verbrachten, um ihm ber Tröstungen der Religion theilhaftig werden zu lassen. Butterbrod und Bier war die von Sobbe verlangte Abendmahlzeit. Heute früh war es schon vor 6 Uhr in der Nähe des Zellengefängnisses lebendig geworden. Schutzleute hielten die Zugänge zu demselben adgesperrt unb ließen nur die mit Erlaubmßkarten versehenen Personen passiren- Diesmal war die Anzahl derselben eine bei Weitem größere, als bei ber Hinrichtung Conrad's, so daß ber Vorhof des Gefängnisses vollständig gefüllt war. Unter den zahlreich erschienenen Privatpersonen bemerkte man heute viele Officiere. Als Vertreter des Polizeipräsidium» war Geh. Ober-Regierungsrath v. Heppe zugegen, Magistrat unb Stadtverordnete waren durch Deputate in der Amtstracht vertreten. Wenige Minuten vor 6 Uhr begab sich die ganze Versammlung in den Hinrtchtungsraum unb stellte sich in einem Halbkreise um bas Schaffst. Demselben gegenüber ber Ober-StaatSanwalt v. Luo, bie Staatsanwälte Simon v. Zastrow unb Dr. Thielmann, bie Lunbgertchtsräthe Johl unb Brausewetter, welch Letzterer bie Schwurgerichtsverhanblung gegen Sobbe geleitet hatte, unb ber Protokollführer. Auf ein Zeichen bes Ober-Staatsanwalis begann mit bem Glockenschlage bie Armensünberglocke zu läuten, bie aus dem Flügel A in ben Nichthof münbende Thür öffnete sich und ber Delinquent erschien, begleitet von ben beiden obengenannten Geistlichen unb zwei Wärtern. Sobbe trug die blaue Gefangeneri- kleidung, jedoch ohne Halstuch; auf Haar unb Schnurrbart schien er besondere Sorgfalt verwendet zu haben, Beides erschien glänzend und wohlgepflegt; seine Gesichtsfarbe war gesund und die Züge ohne jede Spur von Erregung, aber auch ohne jeden Ausdruck von Trotz. Mit einem Taschentuch strich er sich wiederholt über den Mund, was als einziges Zeichen von innerer Unruhe gelten konnte. Nach dem Delinquenten betraten auch ber Gefängnißbirector v. Falkenstein, ber Inspektor unb anbere Anstalts- beamtc ben Raum. Staatsanwalt Simon v. Zastrow begann nun die Verlesung des Urtheils — das Armensünderglöckchen schwieg so lange — welches die Verurtheilung Sobbe's zum Tode aussprach, sowie die königl. Bestätigung, hielt dem Delinquenten die Unterschritt des Königs zur Anerkennung vor, welche dieser mit einem lauten „Ja bestätigte, und wandte sich dann an den Scharfrichter mit ben Worten: „Herr Krauts, ich übergebe Ihnen hiermit ben Delinquenten zur Vollstreckung des Urtheils." Sobbe hatte auch hier die Verlesung des Staatsanwalts mit vollkommener Ruhe angehort, nur hie und da ging es wie ein nervöses Zucken Über die Augen unb Stirn und wall er bann scheue Blicke auf bas Publikum. Nun gab der Scharfrichter Krauts den harrenden Gehülsen einen Wink und trat an Sobbe heran. Dieser aber stieg hastigen Schrittes die Stufen zum Schaffot hinauf, zog fick mit einer raschen Bewegung, kaum unterstützt von den Gehülsen, den Rock aus, entblößte sich eigenhändig den Oberkörper und legte mit den laut gerufenen Worten: „Nu man recht flink!" den Kopf auf vw
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