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Briefkasten.
Or. P. Anonyme Eins'ndungen bl ib<*n unbeachtet.
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Petersburg, 13. März, lieber sensationelle Selbstmorde in Petersburg I egen folgende Mttheilungcn vor: Gestern durchkreuzte die Stadt das Gerücht von einem Selbstmordversuch des D'rectors des Postdiparttmenls Geheimeraths P rfili^ff. lieber die Gründe verlautet Folgend-s: Perfilteff war 1879 Kanzliidirector im Ministerium des Innern unter Minister Makofs. Damals spendete die Landschaft von Samara 30,(XX) Rubel für die Hinterbliebenen gefallener Krieger. Eine Deputation der Stadt übergab das Geld an Makoff, dieser übergab dasselbe in Gegenwart der Deputation an Perftlieff. Ta d e Landschaft über die Verwendung des Geldes fpäteibht nichts in Erfahrung bringen konnte, wandle sich btefdbc kürzlich dieserhalb an den Mm ist er d s Innern Grafen Tolstoi. Der Graf ließ im Oekonomie-Departcment nachforschrn. Das Ergebniß war, daß die 30,000 Rubel damals n'cht gebucht waren; sie waren oerr ichwunden. Weitere Nachforschungen beim Postdepartement ergaben, daß neuerdings auch dort 15,000 Rubel, welche eingegangen waren, ungebucht geblieben und verschwunden sind. Es verlautet nunmehr, daß auf d rech'§ Befragen des Grafen Tolstoi sich Perfilieff schuldig bekannt und die Summen sofort ersetzt habe. Tolstoi meldete die ganze Sache dem Kaiser, der sofort befahl, Perfilteff dem S^nat zur strengsten Ab- urtheilung zu übergeben. Sobald Peifilieff die Entscheidung des Kaisers erfuhr, machte er angeblich nut einem Dolch einen allerdings ungefährlichen Selbstmordversuch. — lieber den Selbstmord Makoff's bringt das „Berl. Tagebl." folgende Mathe lung: Am Sonntag Vormittag war Gehe>mrath Makoff noch in der Postkirche zum Gottesdienst, Tags über zeigte er sich munter und Abends war eine kleine Gesellschaft bet 'hm, um Mitternacht waren die Gäste fortgegangen. Frau Makoff, eine Tochter und der kleine achtjährige Sohn waren verreist und befanden sich auf der Besitzung Makoff's :m Gouvernement Minsk; eine erwachsene Tochter ist hier. Diese zog sich mit dem Vater zugleich zurück ihr Zimmer ist durch ein Zwischenzimmer getrennt von dem seinen. Makoff brachte in seinem Arbeitszimmer, nachdem er den Scklafrock ang zcgen alle Papiere in Ordnung, schrieb bann einen Brief an seine älteste Tochter, einige Rathschläge in Familien-Angelegenheiten ertheilend und angeblich schließend: „Jetzt weiß ich, daß man auch ohne Schuld schuldig sein kann". Er erschoß sich bann, indem er den Revolver in den Mund hielt, wahrscheinlich um 4 Uhr Morgens; nach einer Nachricht in seinem anstoßenden Toilettenzimmer, nach einer andern vor seinem Schreibtisch sitzend; die Kugel ist im Gehirn stecken geblieben. D'e Leiche wurde gegen 8 Uhr mit dem Gesicht auf brr Erde liegend gefunden, den Schuß hat Niemand gehört. Gerichtspersonen und ein Arzt waren gleich darauf zur Stelle. Angeblich sind nech drei andere Briefe Makoff's, einen an den Polizei-Pristaw, zwei an sehr hochstehende Persönlichkeiten adressirt, oorgefunden worden- Wie verlautet, war am vortaen Donnerstag eine Revision der Kanzlei des Ministeriums des Innern behufs Durchsicht der Mchc der letzten zehn Jahre angeordnet. Man fand auf Makoff's Schreibtisch ehr aufgeschlagene Bibel.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs tekflr. Eorrespondcnr-Bureau.
Berlin, 14. März. Der Reichskanzler hat ein Schreiben an den Bundesrath gerichtet, worin er zur Verhinderung der Umgehung des Einfuhrverbotes für Schweine u. s. ro. aus Amerika empfiehlt, die Einfuhr dieser Objekte auch aus anderen Ländern, als aus Amerika künftig nur zuzulassen, wenn durch behördliche Atteste nachgewiesen wird, daß die Gegenstände nicht amerikanischen Ursprungs find.
Dresden, 14. März. Das Eis der Elbe ist an der böhmischen Grenze zum Stehen gekommen, die Schifffahrt ist eingestellt.
Bremerhaven, 14. März. An Bord der Barke „Anna" brach Feuer aus und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit. Personen sind glücklicherweise nicht verunglückt. Die Ladung bestand in Asphalt und Petroleum - Barrels. Das Schiff wurde in die Mitte des Hafens geholt, um angebohrt zu werden.
BZien, 14. März. Der Unterrichtsminister brachte in dem Abgeordne- tenhaufc einen Gesetzentwurf, betr. einen Rachtrags-Credit für die medicinische Fakultät der böhmischen Universität, ein.
Paris, 14. März. Die wegen der Kundgebungen Verhafteten fremder Rationalitäten werden nach der Strafverbüßung ausgewiesen. Ein badischer Manifestant wurde heute zu einmonatlichem Gefängniß verurthellt. — In der zweiten Abtheilung des Lyceums Louis le Grand kamen heute neue Symptome der Auflehnung vor. 40 Zöglinge wurden ausgewiesen. Die Rechte der Kammer beschloß, wegen der Unruhen im Lyceum zu interpelliren; sie wird sich bemühen, nachzuweisen, daß sie ein Resultat der Laienerziehung seien. — Die Linke billigte den Jnterpellations - Entwurf des Intransigenten Lefevre bezüglich der Lage der Bergwerkarbeiter. Die Interpellation wird am Sonnabend einge- b rächt werden.
London, 14. März. Unterhaus. Parnell beantragt die zweite Lesung seiner Bill, betreffend Aenderung der Landakte, und sagt, die irische Boden- srage werde nicht eher gelöst sein, als bis die Hauptpunkte seiner Bill angenommen seien. Bis dahin aber werde die Agitation der Pächter noch immer wachsen. Chaplin beantragt Verwerfung der Bill. Der Premierminister Gladstone erklärt, er könne weder in eine thatsächliche Reconstruktion der Landakte willigen, noch auch eine Verrückung ihrer fundamentalen Elemente zulasten. Derselbe hofft, Parnell werde, nachdem er einen neuen Kreuzzug angekündigt habe, das Versprechen abgeben, daß er sich innerhalb der Grenzen der Gesetzlichkeit und der Redefreiheit halten und nicht denjenigen Vorschub leisten werde, welche versuchen könnten, den Frieden zu stören und den Gesetzen den Gehorsam zu versagen. Die Regierung könne auch betreffs sekundärer Details der Landakte weder die Vorlegung einer Regierungs-Bill noch auch die Unterstützung einer aus parlamentarischer Initiative hervorgegangenen Bill versprechen.__
Schwarze Gachemire
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ben Truppen eine Begeisterung entflammt, welche wohl geeignet war, unter der französischen Grenzbevölkerung eine Panik h rvorzmufen, umsomehr, al8 nach bem nunmehr vollzogenen Aufmarsch ber einzelnen Armee-Corps fämmtlidh* Ortschaften der ganzen Gegcnb mit Truppen aller Waffengattungen wahrhaft Übeifluthet wurden.
Von Forbach rückte die Div.sion um 12. August nach St. Avolb. bem Hauptquartier Sr- Maj. des Kaisers vor, um am 13. August in bem erwähnten Faulquernont (jetzt Falkenberg) Cantonnementsquarticr zu beziehen. Dieser Ort, welcher schon durch bte französischen Truppen gelitten hatte, zahlt etwa 2000 Seelen und war bet bem Eintreffen ber Division fast vollständig von den Einwohnern verlassen, so daß die nun in Maffenquartieren untergebrachten Mannschaften, ermattet durch die Strapazen und Entbehrungen der letzten Tage und noch ungewohnt des Verkehrs mii Leuten, deren Sprache sie nicht verstanden und deren Gesinnungen sich keineswegs als freundliche zeigten, mehr oder weniger auf sich selbst angewiesen waren. Da nun in Faulquernont oft 30—40 Soldaten in einem kleinen verlassenen Häuschen untergebracht werden mußten, so war es unter diesen Umftänbcn selbstverständlich, daß dieselben sich zu helfen suchten, so gut es ging und da, wie überall, auch bet den Soldaten im Felde der Magen ein Wort mitzusprechen hat, so darf es wohl nicht Wunder nehmen, wenn noth- flebrungen in Abwesenheit des Etgenthümers da und dort ein Behälter gewaltsam geöffnet wurde, in welchem man Nahrungsmittel vermuthete, deren geregelte Herbeischaffung bei bem raschen Vormarsch im Augenblick nicht möglich war. Diese jedenfalls nur vereinzelten Vorgänge werben nu in besagtem Artikel alß „Plünderung durch Banditen" bezeichnet, welche Aeußerung mit gebührender Verachtung zmückzuweisen ist. Daß Faulquernont die Tausende darin untergebrachten Soldaten nicht in regelmäßiger Weise verpflegen konnte, umfomebr, als der Bü> germeister vollständig den Kopf verloren hatte und die Einwohner größrentheils geflohen waren, nachdem sie vorher Alles, was an Nahrung und Futter vorhanden war, verborgen hatten, erscheint begreiflich und so mußte denn durch Requisition das Allernothwendigste zum Unterhalt für Mannschaft und Pferde beschafft werden. Wie groß damals der Mangel an Lebensmittel war, mag u. A daraus hervorgehen, daß der 5 Tage später gefallene Premierlieutenant v. G von der rettenben Batterie mit der Hacke in der Hand auf einem nahen Felde Kartoffeln ausmachte, um solche unter seine Mannschaft zu vertheilen. Nach dieser Klarstellung des Sachverhalts schließt auch E nsender sich bem Wunsche an, daß von kompetenter Seite geeignete Schritte geschehen, um derartige Verunglimpfungen des hessischen Namens gebührend zurückzuweisen. Bedauerlich bleibt cs jedenfalls, daß ein deutsches Blatt sich dazu hergegeben hat, derartige Schmähungen zu verbreiten, welche unseren Nachbarn hinter den Vogesen allerdings keine geringe Freude machen werden. (Darmst. Tägl Anz)
Berlin, 13. März. ES heißt heute, daß der Kaiser das Entlassungßgesuch des Herrn v. Stosch annehmen werde, falls er es nicht bereits angenommen haben sollte und daß dasselbe noch langer Erwägung und in Uebereinftimmung mit ben nächsten Freunden und Gönnern des Herrn v. Stosch, an deren Vorstellungen seine früheren ähnlichen Absichten gescheitert waren, eingereicht worben fei. Heber die Gründe zu diesem auffallenden Schritt sind die verschiedensten Angaben verbreitet, doch ist keine derselben auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Sicher ist und bekannt, daß seit längerer Zeit Reibungen zwischen dem Chef der Admiralität und dem Reichskanzler ftattgefunben haben und wahrscheinlich bleibt daß man einen derartigen Anlaß benutzt hat, um die Dinge endlich zum Bruch zu bringen. Der Chef der Admiralität soll selber, wie üblich, seinen Gesundheitszustand als Grund des Rücktritts bezeichnet haben. (Köln. Ztg.)
Arankreich.
Pari», 13. März. Louise M chek ist in Lyon und hält dortfelbst Brandreden. Im Gymnasium Louis le Grand in Paris ist heute eine Schüler- Revolte ausgebrochen, die noch tobt. Die Polizei ist mit den Schülern handge- mein geworden. (Fr. Journ.)
Die Revolte im Gymnasium Louis le Grand war sehr ernst. 270 Primaner sind relegirt worden. Das Gymnasium wird von der Polizei überwacht. (gr. Journ.)
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Berlin, 13 März Die Ermordung eines Geldbriefträgers, die gestern geschehen, ist heute Mittag von der Ertmtnalpolize' ermittelt worben. Em Berichterstatter meldet uns darüber: Der Geldbnefträger Kossäth war gestern Vormittag mit Geldbriefen, Postanw tsungen und einer mehrere Tausend Maik betragenden Geldsumme nach seinem Revier in der Adalbertstraße und den anliegenden Straßen gegangen und hatte sich seither bet seinem Postamte n'cht sehen laff-n. Man begann gestern Nachmittag nach ihm zu forschen, und da er als em zuv rlässiger Beamter — Kossath ist seit nahe 30 Jahren Briefträger — bekannt war, so entstand die Vermuthung. daß ein Verbuchen an ihm verübt worden sei. Die Nachforschungen ergaben, daß er gestern Voimittag einer. Theil der Gelder an die Adressaten abgeliefert hatte und bei den heute in den Wohnungen der Adressaten fortgesetzten Nachfragen kam man endlich tn da« Hau« Adalberistraße 23, an der Ecke der Waldemarstraße, woselbst Kossath gestern Vormittag etnaetretvn war, ohne von da wi.der herausgekommen zu sein In diesem Hause bath Kossäth eine Postanw Jung über 30 JL an einen seit einigen Tagen als Chambregarnist daselbst wohnenden H rrn Sanier ab,ultesern gehabt. Die von Sander gemieihete Stube war verschlosst und auf Klopfen wurde nicht geöffnet. E n herbei- gerufen.r Scblosser öffnete die Thü> unb n der Stube lag der Geldbriefträger Koffäth, von geronnenem Blute umgebt, leblos auf d^m Fußboden, seine Geldtasche neben >hm, ihres Inhalts beraubt. Der Inhaber der Stube war nicht zu finden. Er ist gestern mit dcw Raube — es sind etwas über 1000 JL — geflüchtet. Anscheinend ist die That mit einem schweren Hammer ausgcsühtt worden. Der Mörder scheint selbst, wie die weiteren Nachforschungen ergeben haben, bte Postanweisung über 30 Jü in Potsdam an ferne eigene Adresse in Berl-n aufgegeb-n zu haben. Er wird als ein zwanzigjähriger Mann mit kleinem Scknurrbarr geschildert.
handel und Verkehr.
^Frankfurt, 14. März. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu ,/& 3.00—4.00, «Stroh 1.70—2.20, Eier das Hundert JC. 5.50—7.50, Stück 6 Butter 1. Qualität JL. 1.30, 2. Qualität JL 1.20, Kartoffeln per (Zentner Jt 4.00—4 50. Blaukraut per Stück 0—0 H, Wirsing 10—12 Rothkraut 20-30 das Stück, ®anAnCr 00 Huhn JL 1.30—1.85,1 @nte JL 2.20—3, 1 Taube 50—60 H, Hahn JL 1.60—1.80.
Limburg, 11. März. Rother Weizen Jt 17.35, Weißer Weizen Jt__,
Korn Jt 11.50, Gerste Jt 8.85, Hafer Jt 7.00, Erbsen Jt —Kartoffeln JL —.__
Frankfurt a. M., 15. März, Nachmittags 2 Uhr — Mtn. (Telegraphischer Coursbencht. Mitgetheili durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen) Credltactien 2736/fl, Staatsbahnactien 292-V4, Galizier 263^, Lombarden VZW Nord weftbahnactien 177, Darmstädter-Bankaciien 153'/r, Oberschlesische E -B -Act —
Silberrente 667,., 4% Ungar. Goldrente 75^8, 4% 1880er Russen 72^ 5o/o 1877r Russen —, 2. Orient-Anleih' 57%, Spanier 62V4, 5% Rumänische R/ute —, 40/0 Unific. Egypter 75, Disconto Comm. 201, Gotthardbahnactie« 1125/8- Tendenz: fest.
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