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Ke. 63.
Freitag den 16. März 1883.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bttrea«: Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.
Der Kaminfeger Johann Heinrich Vetter in Grünberg ist gestorben. Bis zur Wiederbefetzung der Stelle wirb dessen verpflichteter Gehülse Kolumban Staubach den Dienst in dem Kaminfegerbezirk Grünberg versehen.
Gießen, den 14. März 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Politische Ueberstcht.
Giesten, 15, März.
Die angekündigten weiteren Veränderungen im preußischen Kriegsministerium scheinen jetzt ihren Anfang zu nehmen. Der „Post" zufolge ist der bisherige Director des Allgemeinen Kriegs-Departements im Kriegsministerium, General-Lieutenant Verdy du Vernois, zu den Osficieren der Armee versetzt worden; zu seinem Nachfolger ist General-Major Hänisch, Commandeur Oer 28. Kavallerie-Brigade, ernannt. Durch Allerhöchste Cabinetsordre ist ferner bestimmt worden, daß die Abtheilung für die persönlichen Angelegenheiten im Kriegsministerium als solche zwar in der bisherigen Weise auf dem Etat des Kriegsministeriums verbleiben wird, sie soll aber nicht mehr die geschäftliche Firma: „Abtheilung für die geschäftlichen Angelegenheiten", sondern künftig überall diejenige als Mllitär-Cabinet des Kaisers führen.
In Preußen scheint man aus den Ministerkrisen-Gerüchteu gar nicht lierauskommen zu sollen. Jetzt heißt es wieder einmal, daß die ©tellurg des Chefs der Admiralität, v. Stosch, erschüttert sei nnd die „Nat.-Ztg." will sogar wissen, daß dessen Demissionsgesuch den, Kaiser bereits vorliege. Die Stellung des Herrn v. Stosch hat manchmal für erschüttert gegolten und wurde hierbei aus bte zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Chef der Admiralität bestehenden Gegensätze hingewiesen, trotzdem aber hat sich Herr v. Stosch bis heute in seiner Stellung behauptet. Wie es sich diesmal mit den Gerüchten über seine Demission verhält, bleibt abzuwarten.
Der am vergangenen Sonntag zu Baden-Baden erfolgte Tod des greisen russischen Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff ruft noch einmal die Erinnerung an diesen Mann wach, der über ein Vierteljahrhundert — von 1856 bis 1882 — die auswärtigen Angelegenheiten des Czarenreiches leitete, um dann den Rest seines Lebensabends in halber Vergessenheit zuzubringen. Fürst Gortschakoff hat seinem Vaterlande hervorragende Dienste geleistet. Seiner Energie gelang es, Rußland aus der gefährlichen Krisis, in die es durch den Krüntrieg gestürzt worden war, glücklich herauszuführen und eine Reihe von Jahren war seine Hauplsorge darauf gerichtet, Rußland inilitärisch und finanziell ■u reorganisiren, was ihm bis zu einem gewissen Grade auch gelang. 1871 batte Fürst Gortschakoff einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen, als die Londoner Conserenz die Forderung Gortschakoff's, die Bestimmung des Pariser Friedens, welcher Rußland das Halten einer Kriegsflotte im Schwarzen Meere untersagt, aufzuheben, genehmigte. Der Frieden von Stefano sollte die auswärtige Politik Gortschakoff's krönen, aber der Berliner Congreß zwang Rußland zum theilweifen Verzicht auf die Früchte des türkischen Feldzuges und diese diplomatische Niederlage hat Fürst Gortschakoff nie verschmerzen können.
Die Tragi-Comödie, welche die Pariser Anarchisten am vergangenen Freitag aus der Esplanade des Invalides in Scene setzen wollten, sollte am Sonntag vor dem Stadthause nochmals zur Aufführung gelangen. Indessen hatte die Regierung so umfaffende Maßregeln angeordnet, daß der beabsichtigte Putsch auch diesmal im Keime erstickt wurde unb das harmlose „Revolutiönchen" mit der Verhaftung von 15 der Hauptschreier endete. Soweit hätte die Sache leine ernstere Bedeutung, sie würde eine solche aber gewinnen, wenn sich die Behauptung der republikanischen Blätter behätigte, daß diese jüngsten „Arbeiterkundgebungen" von den Bonapartisten und Legitimisten geschürt worden seien. Es sind auch eine Anzahl bonapartistischer und legitimistischer Abgeordneten am Freitag auf der Esplanade des Invalides gesehen worden, was jener Behauptung nicht widerspricht. Die Negierung des Herrn Ferrp hat demnach einen neuen Grund, den bonapartistischen und legitimistischen „Wühlhubern" scharf auf die Finger zu sehen.
Der Proceß gegen die Mörder des Lord Cavendish und Sir Thomas Bourke, sowie wegen des Complottes zur Ermordung anderer Beamten wird, wie nunmehr bestimmt, am 9. April vor dem Dubliner Gerichtshöfe seinen Anfang nehmen. Die englische Regierung hat gegen die Verhafteten eine Menge von Beweisen ihrer Schuld in Händen und der Proceß wird darum wohl einen verhältnißmäßig raschen Verlauf nehmen. Die Hauptanstifter aller der Mordthaten, die in letzter Zeit aus irischem Boden begangen wurden, sind aber bis jetzt dem rächenden Ariiie der Gerechtigkeit leider entschlüpft, vor Allem die mysteriöse Persönlichkeit „9ir. 1", so baß nur die unmittelbaren Werkzeuge der leitenden Persönlichkeiten des irischen Verschivörcrbundes von der gerechten Strafe getroffen werden.
In der italienischen Deputirtenkammer hat in den jüngsten Tagen die Discussion des Etats des Auswärtigen Amtes zu lebhaften Debatten über die auswärtige Politik Italiens geführt. Die Politik Mancini'S, des Mi- »isters des Auswärtigen, wurde von mehreren Rednern der Opposttioil ent« ichieden angegriffen unb einen besondcrn Eindruck machte am Sonnabend die Rede des Deputirten Mingheiii, welcher es scharf tadelte, daß Italien die gün
stige Gelegenheit, mit England vereint in Egypten zu interveniren, unbenutzt haben vorübergehen lasien. Hiergegen opponirte am Montag wiederum der Deputirle Savini, welcher nicht glaubte, daß eine Einmischung Italiens in Egypten ersterem Lande große Vortheile gebracht haben würde. Eine Allianz mit Oesterreich fand von keiner Seite sympathische Beurthellung, nur Rußland sollte nach der Meinung Savini's wahre Sympathie für Italien fühlen.
Der russische Hof ist in dieser Woche von Petersburg wieder nach Gatschina übergesiedelt, um daselbst die Fastenzeit zuzubringen. Es scheint noch nicht bestimmt zu sein, ob der Hof noch einmal nach Petersburg zurück- kehrt, oder sich von Gatfchina aus direct nach Moskau zu den Krönungsferer- lichkeiten begiebt. Nack> den neuesten Dispositionen wird die Dauer der Feierlichkeiten in Moskau 8 bis 10 Tagen nicht überschreiten; zu denselben wird Seitens des Wiener Hofes Oberst-Hofmarschall Gras Larisch-Mönnich als außerordentlicher Gesandter entsendet werden, was vorauf hindeutet, haß von den größeren auswärtigen Hösen keine Fürstlichkeiten bei der Krönungsfeier zugezogen sein werden. _ , ,
Die Londoner D onautConferenz hat am vergangenen Sonnabend ihre letzte Sitzung abgehalten, in welcher dem Vernehmen nach bereits die Protokolle unterzeichnet worden sind. In dem neuen Vertrage ist der Barröre'sche Entwurf fast vollständig angenommen worden, auch verlängert der Vertrag die Befugnisse der internationalen Donau-Commission auf 21 Jahre.
"Das englische Occupatious-Corps in Egypten wird demnächst auf 6000 Mann rebucirt werden, da demnächst cm Regiment Infanterie nach Malta, eines nach Gibraltar abgeht und eine Compagnie Ingenieure nach England zurückkehrt.
Deutschland.
Darmstadt, 14. März. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 1. März dem Hofgartenausseher Heinrich Simon zu Beffungen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Dienste" und
am 7. März dem Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Osthofen Jakob Götz das silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Phllipps des Großmüthtgen — zu verleihen.
Am 7. März wurde der Fuß - Gensd'arm bei dem Gensd'armerie - Corps, District Oberheffen, Valentin Räuber, zum Amtsgerichtsdiener bei dein Amtsgerichte Wald-Michelbach und der Hoboist im 1. Infanterie- (Leibgarde-) Regiment 9tr. 115 Georg Engel zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Grünberg ernannt.
Darmstadt, 14. März. Se. König!. Hoheit der Grohherzog nahmen heute Meldungen entgegen unb empfingen die mit der Medaille für Waffersnoth in 1882/83 becorirten Herren Hauptmann Hermann, Gouverneinents-Adiutant von Mainz, Hauptmann Bickel vom 3. Großh. Infanterie-Regiment (Leib-Regiment) Nr. 117, Premierlieutenant Eberhardt vom 4. Großh. Infanterie-Regiment jPrinz Karl) Nr. 118, Secondelieutenant Wagner von deins Regiment, Kreisaffefsor und Kammerherrn v. Grolman ans Worms, Krelsaffessor motzter von Groß-Gerau, Beigeordneten G. Binder von Worms, sowie den Kammer- Herrn Frhrn. v. Amerongen, den Kreisrath Wolf von Schotten, den Banrah Tieffeibach, Kreisbaumeister von Grünberg, den Director des Rlcharb Wagner- Theaürs, Angelo Neumann, den Herrn Anton Schott aus Hannover, zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck, den Geh. CabmeMath Dr. Mer, - ÄÄ Ä« 86.
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Klein das Ritterkreuz 1. Klaffe des LudenngS-OrdenS verl^hen.
Darmstadt, 14. März, ^ur Abwehr! Em in ^■1^r6unßgr,,Qtl) Stteder be- blut* enthaltener Artikel au« den Memoru des ? „]t% Bevölkerung Hessens spribt In einer Welse, welche die Entrüstung der g l „unmehr deutschen OrkeS hermSiordert, eine angebliche Plünderung des ftanz Uch J6 @^rc 6attf- unter
Failguemout durch hessische puppen, linsend dls« w w Feldzug mUzumachen, der ruhmreichen Führung unseres ibignErotzheog^ SEa^eit die In
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