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214. Samstag den 15 September 1883.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

_ . ... ,,, .. q, , s ~ Preis vierte^ühriich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlo^

BltttAUt Schulstraße 7. Erscheint täglich mtt Ausnahme des MontagS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Höei L

Betreffend: Die Quartierleistung für die bewaffnete Macht im Frieden. Gießen, am 13. September 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Groß herzoglich en Bürgermeistereien des Kreises.

Sie wollen die rückständigen Liquidationen über Fourage und Vorspann, sowie die Servisquittungen binnen 8 Tagen an uns einsenden. ____________Dr. Bookman n.____________________________________________

" " Gießen, am 13. September 1883

Betreffend: Die Herausgabe der ..Amtlichen Mittheilungen aus den Jahresberichten der mit der Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten".

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

bis 1. April V ft mts-VorstckW firj . die Preise btt bdr.

ent statt.

ten dem smyWke alle seine WM n. Die Bühne n Herrn Wer W

an die Gvotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

In Auftrag Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz empfehlen wir Ihnen die Anschaffung der im Verlag von F. Kortkampf in Berlin (Lützowstraße 61) erscheinendenAmtlichen Mittheilungen aus den Jahresberichten der mit der Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten".

Dieselben sind ein geeignetes Mittel, die Durchführung der Vorschriften der Gewerbeordnung über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und über den Schutz der Arbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit zu fördern.

Bei directer Bestellung stellt sich der Druckbogen auf höchstens 15 H.

Auch sind Exemplare der bereits erschienenen 6 Jahrgänge des Werks, wenn solche sämmtlich genommen werden, zu dem Preise von 45 JL (geheftet) ober 50 (gebunden) zu bekommen.

Dr. Boekmann.

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Bekanntmachung.

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Politische Ueberficht.

Gießen, 14. September

Kaiser Wilhelm hat in dieser Woche in bester Gesundheit seine Anöver-Reisen angetreten, welche ihn zuerst nach Halle und Merseburg geführt haben, in welcher Gegend das 4. Armee-Corps manövrirt. In Merseburg traf der Kaiser, begleitet von den königlichen Prinzen, den zur Theilnahme an den Truppen - Hebungen eingeladenen Fürstlichkeiten und einem ungewöhnlich großen und glänzenden Gefolge deutscher und fremdherrlicher Ofsteiere, am Donners­lag ein; am Donnerstag den 20. Sept, begiebt sich der allerhöchste Kriegsherr nach Homburg v. d. H., um den Manöoeru des 11. Armee-Corps beizuwohnen, wo ch der den Kaiser umgebende glänzende Kreis von Fürstlichkeiten noch durch Sie Könige von Spanien, Sachsen und Serbien, den Großherzog von Hessen, tat Prinzen von Wales, den Kronprinzen von Portugal u. s. w. vermehren md. Den erhebenden Schluß der Homburger Kaiser-Manöver wird die am Freitag, den 28. September, stattfindende feierliche Einweihung des National- Denkmals auf dem Niederwald bilden, zu deren würdiger Begehung schon jetzt die umfassendsten Vorbereitungen im Gange sind.

Seit dem Schluß der viertägigen außerordentlichen Reichstags-Session auf dem Gebiete der inneren Politik kein bemerkenswerthes Ereigniß zu ver- '-ichnen gewesen und auch die Hochfluth von Betrachtungen und Commentaren, reiche in der Presse durch die parlamentarische Sommer-Campagne hervorge- nifen worden war, hat sich wieder verlaufen. Auch von den kirchenpolitischen Angelegenheiten, die doch sonst immer eine Rolle spielen, ist es ganz still ge­worden und dürsten wohl auch auf diesem Gebiete in nächster Zeit keine größere Aktionen zu erwarten fein. Fern von allen Geschäften, hält unser leitender Staatsmann, Fürst Bismarck, in Bad Gastein seine Nachkur ab, welche dem vernehmen nach vor Ende September kaum beendigt sein wird; nach Beendi- Ung seines Gasteiner Aufenthaltes gedenkt der Reichskanzler einstweilen nach Friedrichsruhe zurückzukehren. Die jetzt erfolgte Vertagung des Bundesrathes deutet ebenfalls darauf hin, daß die in Bezug auf die Angelegenheiten des Reichs wieder eingetretene Ruhe noch einige Zeit fortdauern wird und reprä- lentiren zur Zeit nur die permanenten Ausschüsse des Bundesrathes das parla- Arftarische Leben. Dasselbe wird jedoch schon in den nächsten Wochen durch die: im September, resp. October bevorstehende Einberufung der Landtage von dayern, Sachsen, Baden und verschiedener kleinerer Bundesstaaten einen regern Mpuls erhalten. In Sachsen wie in Baden geht der Session die theilweise oder gänzliche Erneuerung des Landtages voraus; in erstgenanntem Lande haben die: Ergänzungsmahlen zur zweiten Kammer bereits am vergangenen Dienstag ila.itgesunden, welche nach den bis jetzt vorliegenden Wahlresultaten keine wesent- iitzen Veränderungen in den Fraktions-Verhältnissen der sächsischen zweiten Mmmer zur Folge haben werden. In Chemnitz siegte der soeialistische Can- dMat, v. Vollmar, mit bedeutender Majorität, dafür ist jedoch der 36. Land-

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Wahlkreis (Stollberg u. s. w.), der bis jetzt durch einen Socialisten vertreten wurde, an die Conservativen übergegangen.

In Düsseldorf tagte vom 10. bis mit 13. September die 30. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, welcher auch der Abg. Dr. Windhorst beiwohnte. Derselbe hielt am Eröffnungstage eine Rede, in welcher er unter lebhafter Zustimmung zum Festhalten an der katholischen Sache aufforderte.

In den höheren Verwaltungs-Stellen der Reichslande sind mehrfache Personal-Veränderungen erfolgt. Die Demission des bisherigen Bezirks-Präsidenten von Lothringen, Herrn v. Flottwell, ist genehmigt und zu seinem Nachfolger der Kreis-Director in Mülhausen ernannt worden. Der Polizei-Director in Straßburg, Saldern, wurde zum Kreis-Director in Mül­hausen und Regierungsrath Böhm zum Kreis-Director in Colmar ernannt, während das Straßburger Polizei-Directoriat dem Kreis-Director Feichter übertragen wurde.

Im österreichischen Kaiserstaate wurde die kroatisch-ungarische Streitfrage in dieser Woche durch die Erinnerungsseier einer welthistorischen That einen Augenblick bei Seite gedrängt. Am 12. September waren 200 Jahre vergangen, seit Wien von der hartnäckigen Belagerung durch die Türken von dem vereinigten Heere der Oesterreicher, Polen, Bayern, Sachsen, Badenser rc. in einer blutigen Schlacht befreit wurde. Die Besreiungsschlacht am Kahlen­berg setzte dem Vordringen des Osmanenthums in Europa für immer ein Ziel, sie bewahrte Oesterreich und das ganze Oberland von dem drohenden Schicksal, sich unter den Halbmond beugen zu müssen und darum wird der Befreiungs­kampf vor Wien am 12. September 1683 stets eine Stelle in den Entscheidungs­schlachten der Weltgeschichte einnehmen. In Wien wurde die Feier diuch die am Dienstag stattgefundene Enthüllung und Einweihung der auf dem Kahlen­berg errichteten Gedenktafel eingeleitet, welchem Akte der Wiener Gememderath in corpore, Vertreter der Armee und der Wiener Behörden, Nachkommen der Kämpfer von 1683, viele Künstler und Schriftsteller, sowie eine Anzahl Gesang­vereine beiwohnten. In Krakau fand am gleichen Tage für den Komg ^obiesn ein Trauer-Gottesdienst statt, worauf am Sarkophage Sobieskis zahlreiche Kränze und Blumen von polnischen Deputationen niedergelegt wurden. In Pesth fand im Palais des Minister-Präsidenten Tisza am Dienstag eme Ministerberathung über die kroatische Frage statt, an welcher auch die kroati­schen Mitglieder des ungarischen Ministeriums thellnahmen. Der Minister- Präsident legte seine Ansichten über die Frage dar und forderte auch die Kroaten auf, ihre M inung zu äußern. Nachdem dies geschehen war, ersMe Tisza die Anwesenden, darauf hinzuwirken, daß die Angelegenheit unter Mit­wirkung des Reichstages recht bald eine befriedigende Losung smde; die An­wesenden erklärten sich hierzu bereit, womit die Conferenz beendet war.

Die Lösung bei Tongking-Fiage nimmt noch immer die Thätig-

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Wegen Chaussirung des Schwarzlachwegs wird letzterer vom nächsten Montag an für Fuhrwerk auf einige Tage gesperrt.

Gießen, den 14. September 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Kraemer. __________________________________________________

Betreffend: Dekanatsvisitation im Dekanat Gießen. Lang-Göns, den 13. September 1883.

Das GroßYerZygliche evangelische Dekanat Gießen

an fämmtlidbe Pfarrämter des Dekanats.

Im Auftrag Großh. Superintendenten setze ich Sie in Kenntniß, baß berselbe am 23. und 24. September Dekanatsvisitation abhalten wirb. Sie wollen bie nach ber Instruction vom 15. März 1834, § 7 erforberliche Bekanntmachung vornehmen (Reg.-Bl. 38, III).

Conferenz: Montag 10 Uhr in Gießen. Strack.