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der Zustimmung der bulgarischen Bevölkerung. Wie es heißt, hat sich Fürst Alexander während der Moskauer Festtage beim Czaren persönlich — aber vergeblich — um die Entfernung der beiden Minister-Generale bemüht, gleichwohl scheint es, als ob dieselbe ihre Stellung gegenüber dem allgemeinen Unwillen des Bulgarenvolkes nicht mehr lange werden behaupten können.
Aus Madagaskar kommt die Kunde von einem Vorgänge, welcher möglicherweise ernste Folgen nach sich ziehen kann. Der Admiral, welcher die französischen Truppen und das sranzösische Geschwader in Tamatave befehligt, hat den Officieren und Mannschaften des englischen Kriegsschiffes „Drpad", welche dem Leichenbegängniß des englischen Consuls in Tamatave beiwohnten, die Rückkehr nach der „Dryad" abgeschnitten und außerdem den Secretär des verstorbenen Consuls und einen englischen Missionär, Namens Shaw, wegen angeblicher Conspirationen mit den Howas, verhaften laffen; ferner sollen die Franzosen die Flaggen aller auswärtigen Consulate in Tamatave eingezogen haben. Der ganze Vorfall ist bereits im englischen Uncerhause zur Sprache gekommen, wobei der Premier Gladstone erklärte, daß das Londoner Cabinet erst nähere Informationen über diese peinlichen und ernsten Vorgänge abwarten wolle.
Vermischte
Heppenheim, 9. Juli. Heute Nachmittags 2 Uhr entstand in einem Hause auf dem kleinen Bach Feuer, welches sofort derart um sich griff, daß in kurzer Zeit 4 Wohnhäuser und 2 Scheunen dem verheerenden Elemente zum Opfer fielen. Es bedurfte der größten Anstrengung und Umsicht der hiesigen Feuerwehr, daß das Feuer nicht noch weiter um sich griff und war Gefahr vorhanden, daß der ganze untere Stadttheil ein Raub der Flammen werde; zwei hiesige Feuerwehrmänner sind dabet gestürzt, ein Dachdecker und ein Zimmermann und mußten bewußtlos vom Platze getragen werden. Von Bensheim, Lorsch, Unter-Laudenbach, Hambach, Ktrschhausen war Hilfe herbeigeeilt und war gegen 6 Uhr die Gefahr beseitigt. Da die meisten der abgebrannten Hausbewohner nicht versichert waren, ist der entstandene Schaden um so empfindlicher. Wäre der Brand in der Nacht ausgebrochen, oder hätte starker Wind geherrscht, so wäre das Unglück unabsehbar gewesen, namentlich da die Scheunen und Remisen der Umgebung mit Holz und Heu ungefüllt stnd. Anerkennung verdient, daß nicht blos die Feuerwehr, sondern alle auf dem Platze Anwesenden, Jung und Alt, beim Löschen sich betheiligte.
Rastatt, 9. Juli. Durch einen gräßlichen Unfall verlor heute Vormittag Major Mund von dem hier garntsontrenden Infanterie-Regiment Nr. 22 das Leb-n. Derselbe war auf einem Ausritt nach Niederbühl begriffen, stürzte vom Pferd und wurde von diesem etwa Stunde lang, an einem Bügel hängend, geschleift. Der Verunglückte wurde tobt aufgefunden; sein Kopf war von den Hinterfüßen des Pferdes vollständig zertreten. Die Frau des Verstorbenen weilt gegenwärtig in einem schlesischen Bad. (F. Z.)
Rüdesheim, 7. Juli. Durch den heftigen Gewitterfturm von gestern Abend wurde der auf der obersten Etage des Gerüstes für das Niederwalddenkmal in Schienen laufende mächtige Krahnen aus seinem Schienenlager herausgehoben und hinabgestürzt. Der nach dem Waide zu gelegene Theil des Gerüstes ist ziemlich schwer beschädigt und der Krahnen in Splitter zerschellt. Glücklicherweise ist von den noch am Denkmal beschäftigten Arbeitern Niemand verletzt, dagegen aber sind mehrere Steine des Fundamentbaues total zertrümmert, so daß sie ersetzt werden müssen, wodurch wahrscheinlich die Aufstellung der Germania eine Verzögerung von mehreren Tagen erleiden wird. Von verschiedenen Seiten wurde bemerkt, daß das Riesengerüst bei jedem einigermaßen starken Winde in ein bedenkliches Schwanken geräth und dessen Solidität keineswegs über alle Zweifel erhaben scheine. Es wäre doch wünschenswerth, wenn in Anbetracht des großen Interesses, das in allen Thetlen unseres Vaterlandes für das Nattonal- denkmal lebendig ist, von maßgebender Stelle eine Untersuchung angestellt und dem Publikum die nöthige Beruhigung gegeben würde.
Braunschweig, 12. Juli. sTodesähnlicher Schlaf.) Auf Veranlassung des Herrn Dr. Berkhan hierselbst ist vor einigen Tagen aus dem 4 Stunden von hier gelegenen Dorfe Velpke ein 15 Jahre altes Mädchen in das hiesige Martensttft übergeführt worden, das in einen ähnlichen Krankheitszustand verfallen ist, wie seiner Zett der „schlafende Ulan" in Potsdam. Seit dem 10-Februar d. I., also über 4Vr Monate, liegt das Mädchen, in einen todesähnlichen Schlaf versunken, zu Bett, der Körper ist vollständig abgemagert, ein Theil der Zehen bereits abgestorben, das Ganze ein Bild des Todes. Bei dem großen Interesse, welches der eigenthümltche Krankheitsfall für Medtciner und Laien hat — zahlreiche auswärtige und hiesige Aerzte haben die „Lebendigtodte" bereits besichtigt — wollen wir über die Entstehungsgeschichte und den Verlauf der Krankheit etwas Näheres mittheilen. Das Mädchen ist die Tochter des Chausseewärters Deumeland in Velpke. Die Mutter starb schon vor 13 Jahren, an ihrer Stelle übernahm eine Verwandte die Führung des Haushalts und die Erziehung des Kindes. Ostern voiigen Jahres verließ Marie Deumeland die Schule, auf ihren Wunsch ging sie bald darauf zu ihrer Tante in Vorsfelde, welche dort nvt einem Abdecker verheiratet ist. Die geistige Befähigung des Mädchens stand hinter der ihrer Mitschülerinnen immer etwas zurück, außerdem fiel dasselbe durch eine besondere Schweigsamkeit und Zurückhaltung auf. Die Eltern hatten immer ihre Last, daß doü Kind ordentlich aß, die Tante in Vorsfelde sah sich genöthigt, zu Weihnachten vorigen Jahres das Mädchen wieder nach Hause zu schicken, da es nichts essen wollte und immer mehr abmagerte. Zu Hause wieder angelangt, legte Marie eine ganz außerordentliche Furcht und ein eigentümliches Wesen an den Tag, sie saß den ganzen Tag tm Wohnzimmer hinter dem großen Kachelofen, den Kopf an letzteren gestützt und wollte diesen Platz auch Abends nicht verlassen, so daß sie gewaltsam zu Bett gebracht werden mußte. Ein Stückchen trockenes Brod war Allfs, was sie den ganzen Tag über zu sich nahm; weder durch freundliches Zureden noch durch Gewalt vermochte der Vater sie dazu zu bringen, sich mit an den Tisch zu setzen und mit zu essen. In Vorsfelde hatte sie zu ihr^r Tante gesagt, als diese ihr ei klärte, sie möge nur wieder nach Hause gehen, da sie nichts esien wolle, daß sie, anstatt nach Hause zu gehen, sich lieber zu einer anderen Tante begeben wolle, und als ihr hierauf erwidert wurde: „Die andere Tante will Dich nicht haben", entgegnete sie: „Dann will ich verhungern". Aus Trotz, aus Unzufriedenheit mit ihrem ganzen Dasein hat sie denn auch diesen Vorsatz auszuführen versucht. Vierzehn Tage brütete sie nach ihrer Rückkehr in das elterliche Haus in der obigen Weise dumpf vor sich hin, jede Nahrung von sich abweisend, bis sie am 10. Februar im Bette liegen blieb, ohne sich feit der Zett jemals wieder erhoben zu haben. Man glaubte an dem genannten Tage, daß der Tod bereits etngetretcn sei und hatte schon die Todtenfrau herbeigerufen, als eine Bewegung der Augenwimpern und ein leises Atmen zeigte, daß noch Leben in dem Körper vorhanden war. Der herbeigerufene Arzt, Herr Dr. Dunker aus Oebisfelde, verordnete zuerst Medicin, später nahm er von jeder Medicin Abstand, da kräftige Nahrung, wie Bouillon, Wein rc. dem Körper allein nützen konnte. Diese Nahrung wurde der Kranken täglich viermal eingegeben, in den ersten Wochen mußten ihr die Zähne auseinandergebrochen werden, um einen Löffel dazwischen schieben und so den Inhalt des letzteren einflößen zu können. Jetzt nimmt die Kranke die Nahrung williger zu sich; sobald ihr Kopf emporgehoben und eine Taffe vor den Mund gehalten wird, schlürft sie den Inhalt der Tasse aus, indem sie dabei, was sie früher nicht tat, die Augen ein wenig öffnet. Das Gehör scheint noch nicht ganz geschwunden zu sein, oft sieht man an ihren Mienen, daß sie bemerkt, was in ihrer Umgebung vorgeht. Zuweilen streckte sie früher für kurze Zeit die linke Hand aus dem Bette in die Höhe, auch nahm sie Nafckwerk, das man auf ihr Bett gelegt hatte, sobald sämmtliche Personen sich aus dem Zimmer entfernt hatten. In Velpke und Vorsfelde sind Sammlungen veranstaltet, um die Mittel für eine sorgfältige Behandlung der Kranken im hiesigen Marienst'.fte zu gewinnen; in dankenswerter Weise haben sich auch früher schon die Einwohner von Velvke, insbesondere der Geistliche des Ortes, der Unglücklichen angenommen und für kräftige Nahrung gesorgt. Kürzlich hat auch ein hier zu Besuch anwesender russischer Arzt in Begleitung des Herrn Dr. Berkhan die Patientin in Velpke besucht. Der letztgenannte Arzt hat bei seiner Untersuchung derselben, über die er im hiesigen Aerzteoerein Bericht erstattete, constatirt, daß eine schwere nervöse Störung, hervorgerufen durch Erkrankung der Hirnrinde und des Rückenmarks, vorliegt. Eine Rettung der Kranken ist nicht ausgeschlossen, jedenfalls wird hier die ärztliche Kunst Alles aufbteten, um dem Mädchen das Leben zurückzugeben.
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