Ausgabe 
15.4.1883 Drittes Blatt
 
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vom Schlage getroffen vornüber auf den Fußboden, indem er einen markdurchdrtngenden Schrei ausstteß. Man beeilte sich, ihn aufzuheben und zu beruhigen, aber seine Gemüths- erschütterung war so heftig gewesen, daß er den Verstand verloren hatte. Der Unglück­liche wurde tn Folge dessen begnadigt und nach dem Jrrenhause von Bicetre und später nach Charenton übergrführt, wo er vor wenigen Tagen, also dreißig Jahre nach jenem Vorfall gestorben ist. Fortwährend war er von der Wahnvorstellung he^mgesucht, daß er guillottnirt worden sei und keinen Kopf mehr habe. Was den Urheber jenes schlechten Stretches betrifft, so wurde derselbe vor Gericht gestellt und zu zwei Jahren Gesängntß verurthetlt.

sUnerwartete Auferstehung.) Im Landschafts-Krankenhaus in Rjasan gelang es jüngst, wie denNowostt" von dort geschrieben wird, einem Irrsinnigen, tn die Todtenkamm r zu dringen. In derselben befand sich zur Zeit die L<iche eines schon eingesargten Verstorbenen. Der Irrsinnige nahm die Leiche und trug sie an einen für einen Tobten gerade nicht sehr passenden Ort, bann legte er sich selbst in den Sa g. Als jedoch Jemand vom Ktrchenpersonal in der Todtenkammer erschien und die üblichen Todtengebete abzulesen begann, sprang der Kranke aus dem Sarge, warf sich auf den bestürzten Leser und prüaelte ihn In fürchterlicher Weise. Nur mit Mühe gelang es den auf das Gescbret Herbeeilenden, den Unglücklichen aus den Händen seines Peinigers zu befreien. Der so Ueberfallene soll infolge des Schrecks und der Hiebe nach einigen Stunden seinen Geist aufgegeben haben-

^Senkung des Erdbodens.) DieBohemia" in Prag brachte vor einiger Zeit die Nachricht von einer höchst merkwürdigen Naturerscheinung, die sich bei Libochowitz (Bezirk Raudnitz tn Böhmen) zutrug. In der Nähe d s genannten Ortes liegt die Burgruine Hasenburg auf einem Basaltkegel. Dieser senkte sich infolge der großartigen Erweichung des Bodens durch die vielen Niederschläge des letzten Sommers unter donnerähnlichem Getöse. Während nun der Berg sich immer mehr senkte, hob sich das umgebende Erdreich tn gleichem Maße. Der ganze Prozeß dauerte volle zehn Stunden. Eine Bodenfläche von 2i,2 Fuß hoch, beladen mit der riesigen Basaltmasse des Berges, wurde durch das angesammelte Wasser gelockert und durch die ungeheuere Steinlast abwärts geschoben, wodurch gewaltige Bodenrisse entstanden. Die Senkung ist bis zu fünf Meter Tiefe bemerkbar. Die herausgedrängte Erdmasse liegt wallartig auf­geschichtet und in bedeutender Höhe rings um die Einsturzstclle.

Bei dieser Gelegenheit sei eines ähnlichen Phänomens Erwähnung gethan, das sich im Jahre 1878 tm Tzukulinsk'fchen Kreise (Rußland) am 9. Juli ereignete. An diesem Tage senkte sich, etwa 100 Werft von Omsk entfernt, am Ufer des Jrtysch- Stromes plötzlich der Erdboden tn einer Länge von mehr als einer Werst und einer Brette von 30 Faden, so daß eine 50 Faden tiefe Schlucht entstand. Zugleich erhob sich mitten tm Strome der Boden und bildete zwei Inseln. Die obenie Schicht des Bodens auf diesen Inseln besteht aus Torf, welcher an verschiedenen Stellen mehr oder weniger größere Sandmassen enthält. Außerdem findet man in dem Torf Stämme von Nadelhölzern, an welchen man noch die Jahresringe deutlich erkennen kann. Auf den Inseln sieht man Kalkstein tn den verschiedensten Formen liegen. Die geschilderte Abwärtsbewegung des Bodens dauerte drei Tage. Hmbd.

sAuch ein Freundschaftsdienst.) Dieser Tage trafen zwei Studienaenossen nach langjähriger Trennung in einer Stadt Texas' zusammen. Der eine ist Reporter eines dortigen Blattes und feierte das Wiedersehen dadurch, daß er mehrere Flaschen Wein zum Besten gab. Sein Freund trank tapfer zu und antwortete auf die Frage,

was aus ihm geworden sei:Komme heute Abend in mein Hotel, da will ich Di eine ausgezeichneteLocalnachricht" für Deine Zeitung mtttheilen, um mich zu ter vanchiren". Der Reporter wollte sich dieselbe natürlich nicht entgehen lassen und als er später die Thüre zu dem Zimmer seines Freundes öffnete, sah er den Letzteren an seinem Hosenträger an der Wand hängen. An seinem Rocke war ein Feitel befeft'gt mit den lakonischen Worten:Das ist Alles, was ich für Dich thun kann."

- Immer zahlreicher werden in den Tagesblättern die Mittheilungen über die bevorstehende Katserkrönung in Moskau, die diesmal mit besonderem Glanz- gefeiert werden soll. Demgegenüber verdient die Aufmerksamkeit der Leser ein Artikel derJllustrirten F auen-Zeitung", in welchem Robert Falck in großen, markante» Zügen eine culturbiftorifd) sehr interessante Geschichte der russischen Czmen-Krönungen grdi. Wir finden diesen Aufsatz in der neuesten Nummer (7) des genannten Blattes die außerdem noch eine Beschreibung des Costümfestes im Kronprinzlichen Palais (mit ganzseitiger Abbildung von Jean Lulvös), ein geistreiches EssayRafael und die Frauen" von Robert Kahl und eine namentl'ch für Hausfrauen wichtige Anleitung zur Pflege der Frühlingsblumen im Zimmer bringt Der Novettrn-Theil enthält den Anfang einer größeren Erzählung,der Georgi-Thaler", von Max mrliun Schmidt, dem durch feine oderbayerischen Dorfgeschichten rühmlichst bekannten Dichter. In den zahlreichen kleineren Rubriken begegnen wir wieder interessanten Msttheilungen aus der Frauenwelt und dem Reiche der Mode, Besprechungen neuer hei vorragender Literatur­werke u s. w. Der Illustrations-Schmuck besteht, abgesehen von dem bereits erwähnten Conümfest", in einem reizenden ganzseitigen Genreb.lde von Hugo Engl,Großvaters Flotenstunde", dem großen Portrait der Infantin Maria della Paz von Spanien, mehreren trefflichen Darstellungen kunstgewerblicher Erzeugnisse und einer Reihe jener zierlichen Figürchen, durch welche stets die neuesten Errungenschaften auf den Gebieten der Mode und der Frauen-Handarbeit vorgeführt werden. Daß die Mode außerdem in der speciell ihrem Interesse gewidmeten Abthsilung eingehendste Berücksichtigung erfahrt, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Neben einer großen Schnittmuster- Beilage beträgt die Zahl der hier gebotenen Abbildungen mehr als achtzig.

Münchenrr Brauwesen.

Bekanntlich werden die Brauereien *n Bayern durch die dortige boh Malzfteuer auf eine sehr schwere Weise belastet, so hatte z. B. die Münchener Löwenbrauerei tm letzten Sudiahre außer den gewöhnlichen Staats- und Gemeindesteuern nicht weniger als 782 653,65 JL an den bayrischen Staat für Malzsteuer zu bezahlen.

Diese Zahl gi.bt gleichzeitig eine Andeulung von der großartigen Production dieser renommtrten Münchener Brauerei und wie wir aus deren Jahresbericht ersehen, hat sich deren Export seit 1878 ungefähr verdreifacht.

Gegenwärtig dürfte die Löwenbraueiet überhaupt den stärksten Versandt särnrnt- licher Münchener Brauereien haben und werden zur Zeit neuerdings von derselben größere Neubsuten errichtet, um der gesteigerten Nachfrage, die sich nach deren Bier von allen Seiten bemerkbar macht, entsprechen zu können.

(Bekanntlich findet daS Münchener Löwenbräu auch hier in Gießen im Eas6 Ebel schon seit mehreren Jahren viele Verehrer.) 2607

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