Ausgabe 
14.10.1883 Erstes Blatt
 
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Ur. 239. Erstes Blatt. Sonntag den 14. October 4883.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. ^^^^^jährlich 2 Mark 20 Pf. mit 93^11961:10^.

u v Durch die Post bezogen vrerteliährlich 2 Mark 50 Pz.

Amtlicher Hheil. $ Bekannimachunß.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh auf dem Fürstlichen Hofe zu Kolnhausen erloschen ist, werden die bezüglichen Sperr- mßregel für das Rindvieh und die Schweine hiermit wieder aufgehoben.

Dagegen bleiben die in Betreff der an dieser Seuche erkrankten Schafheerde, welcher ein besonderer Weideplatz zwischen dem Walde und der Wetter angewiesen worden ist, angeordneten Schutzmaßregel bis Qiif Weiteres bestehen.

Gießen, am 12. October 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Gefundene Gegenstände:

Gießen, den 13. October 1883.

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Darmstadt, 12. October. In der evangelischen Landessynode wurde heute der | dem Abgeordneten Stade und Genossen etngebrachte Antrag auf Errichtung einer Ader-Stiftung aus Anlaß des 400jährkgea Geburtstags Luther's berathen. Diese durch 1,*>**un0 sollte, nach der Intention des Antragstellers, in Gießen errichtet werden

Darmstadt, 11. October. In der gestrigen Sitzung der Landessynode wurde die erste Lcsuvg des sogenannten Ku chenschutzgff<tzes ohne besondere Debatte zu Ende geführt und em von Dieffenbach beantragter Zusatzartikel, wonach Nichtgetaufte weder der Confirmation, Trauung, noch kirchlichen Beerdigung theilhaftig werden, ihre Kinder dagegen zum Religionsunterricht und sie selbst zum Gottesdienst zugelassen werden sollen, nach längerer Debatte theils als seldstv rständlich, thetls als nicht in den Rahmen des vorliegenden Gesetzes gehörig, abgelehnt.

In heutiger Sitzung wurde zunächst eine Interpellation angezeigt, welche Aus­kunft darüber verlangt, ob die baldige Herausgabe emes neuen Choralbuches zu ge­wärtigen stehe.

1 gehäkelter Geldbeutel mit 2 Ringen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Hundemaulkorb, 1 goldener Fingerring, 1 Sack, 1 Haarzopf, 1 Contobuch, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Hierauf trat man in die Berathung des Gesetzes, die Disciplinarverhältnisse der Teistlichen der evangelischen Landeskirche betreffend, ein. Nach kurzer Generaldebatte, >n welcher bezweifelt wurde, ob die Kirche das Recht habe, auf Grund dieses Gesetzes Mich zu vernehmen, zu rcquiriren u. s. w., begann die Specialberathung des Eni- wuifs, der sich im Allgemeinen demjenigen über die Disciplinarverhältnisse der nicht- lichterlichen Beamten anschließt, daher in feiner grundlegenden Tendenz keine wesent­liche Beanstandung fand.

Die Verhandlung bot kein allgemeines Interesse, zumal auch das Kirchenregi- Mrt die vom Ausschuß beantragte Aenderung des Entwurfs, daß nicht das Ober» Konsistorium, sondern ein besonderer Disciplinargerichtshof als oberste Disciplinar- dehörde geschaffen werden soll, keinen Widerspruch entgegensetzt. Dieser Disc plinar- Gerichtshof soll bestehen aus 3 activen, dem Ober-Consistorlum nicht angehörigen Geistlichen 3 activen Juristen (Richter, Staats- ober Rechtsanwälte) und 3 von her Lande§fynode aus ihrer Mitte zu wählenden Mitgliedern. Der Präsident und dessen oteHoertreter wird vom Landesherrn aus der Zahl der rechtsgttehrten Mitglieder ernannt.

s zu vermiß r, UügclsA! neuen Klci^ rmiethen. j er-BemMM , Pfarrer.

lilzetzen.

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Bremen, 12. October. Der am 10. October von New-Aork abge­gangene Dampfer des Norddeutschen LloydSalier" ist nach einer Kollision mit der BarkSarah M. Smith" mit beschädigtem Bug nach New-Aork zurück­gekehrt, wird aber am 13. October wieder in See gehen. Die Mannschaft der Bark ist gerettet. Die Ladung derSalier" ist unbeschädigt.

Wien, 12. October. DiePolit. Corresp." meldet aus Sofia vom Heutigen : Auf Grund des von der Sobranje angenommenen Antrages des Justiz­ministers ist eine Amnestie sür alle bis zur Wiederherstellung der Verfassung began­genen politischen Verbrechen und Vergehen erlassen worden; weiter wurde verfügt, in den Districten mit überwiegender mohamedanischer Bevölkerung fortan die Mohamedaner zu den Districts-Tribunalen als Mitglieder zuzuziehen.

.DemFremdenblatt" zusolge reducirt sich der Conflict an der österreich- rumänischen Grenze, der von den rumänischen Blättern stark übertrieben worden sei, darauf, daß einige rumänische Grenzwächter von ungarischen Gensd'armen in einem auf noch streitigem Gebiete errichteten Wachhause überrascht und nach Petroceni abgesührt wurden; dieselben seien indeß bereits wieder freigelassen und werde der Vorfall zweifellos bald seine befriedigende Erledigung finden.

Wie verschiedene Blätter melden, hat der Kaiser gestern den König von Griechenland zum Oberst-Inhaber des 99. Regiments ernannt.

Pesth, 12. October. Das Oberhaus nahm den vom Ministerpräsidenten Tisza eingebrachten Beschlußantrag betreffs der Kroatenfrage an.

Madrid, 12. October. In der Provinz Castellon haben Ueberschwem- mungen stattgefunden, durch welche beträchtlicher Schaden angerichtet worden ist. Acht Personen sind hierbei unfis Leben gekommen.

Gerüchtweise verlautet, der spanische Botschafter, Herzog von Fernan Nunez, habe seine Entlassung genommen.

Paris, 12. October.Temps" sagt, die Demission Nunez' habe haupt­sächlich ihren Grund in der Madrider Ministerkrisis. Aus persönlichen Grün­den bot Nunez schon vor der Reise des Königs seine Demission an. Madrider Nachrichten zufolge begegnete die Bildung eines Cabinets Posada Schwierigkeiten. Camacho lehnte das Finanzministerium ab, weil bei Zusammensetzung des Mini­steriums er seine Finanzprojecte nicht glaube verwirklichen zu können. Die dynastische Linke wünsche die Wiederherstellung des allgemeinen Stimmrechts und die Reform der Verfassung. Eine heute stattfindende Besprechung Serrano's mit Posada werde die Lage klaren.

Petersburg, 12. October. Wie aus Wladiwostok gemeldet wird, haben neulich 11 Kauffahrteischiffe unbekannter Flagge das vor der Insel Tjuleny stationirte amerikanische Wachschiff verdrängt und 60 Bewaffnete, unter denen sich auch Japanesen befanden, ans Land gesetzt, welche von der Insel Besitz -ergriffen haben.

Aus Irkutsk wird berichtet, daß daselbst am 9. d. Mts., Nachts um 11 Uhr 20 Min. ein unbedeutendes Erdbeben verspürt wurde.

Der der Veruntreuung dienstlich anvertrauter Gelder angeklagte Director des Post-Departements, Persiljeff, wurde zur Dienstentlassung und Er­legung von 15,000 Rubel verurtheilt.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ____ Fresenius.

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Lokales.

Gießen, 12. October. sSitzung der Stadtverordneten vom 11. October.] An­wesend : Herr Bürgermeister B ram m, Herren Beigeordneten Keller und Hetz, von Seiten der Stadtverordneten die Herren.: Batst, Diery, Grüneberg, Hoch, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Scheel, Schopb,ach, Vogt, Wenzel und Wortman». Gemäß Beschlusses der Sitzung vom 4. October wurde der Platz, auf welchem der für den Kreuzplatz vorgesehene Brunnen aufgestellt werden soll, besichtigt. In heutiger Versammlung sprach man sich nun für Beibehaltung des ursprünglich ins Auge gefaßten Standortes aus und wird somit die Mitte des Kreuzplatzes bestimmt. Nach den vorliegenden Zeichnungen werden die Brunnen der Stadt zur schönsten Zierde gereichen und betrachtete man es deshalb für angemessen, denselben, soweit die übriger, in Berücksichtigung zu ziehenden Umstände dies gestatttu, möglichst freie Standorte anzuweifen. Auf die bereits erwähnte Eingabe des Herrn Rechtsawwalt Labrotse gegen die Aufstellung eines Brunnens an seinem Haufe an der Plockstraße ist ebenfalls Beaugenscheinigung erfolgt Es wurde infolae dessen beantragt und beschlossen, den in gen. Stadtthetl auszustküenden Brunnen ölrect vor den alten Brunnen am Teufelslustgärtchen aufzustellen; ü*ber die Verwendung des alten Brunnens resp. Entfernung spll eine spätere Versammlung Beschluß fasten. Ferner wird die Beschaffung zweier Brunnenständer für die Schulanstalten, welche mit Quell-

Telegraphische Depeschen.

WoLff's telegr. Corresponderrr-Bureair.

ax ' Baden, 12. October. Se. Maj. der Kaiser wohnte gestern

während zweier Stunden dem Feste bei, welches der Internationale Klub " den, Sälen des neuen Klubhauses veranstaltet hatte. Die Großh. Familie nftt bk Trigen hier weilenden Fürstlichkeiten waren anwesend. Heute Vor- Mag nahm Se. Majestät die übrigen Vorträge entgegen und ertheilte hierauf Statthalter G.F.M. v. Manteuffel eine Audienz. Der Statthalter und ^«^Tochter sind mit einer Einladung zur heutigen kaiserlichen Tafel beehrt » -.Berlin, 12. October. DerDeutsche Reichs-Anz." enthält die Ver- omchungs-Offerten für die Oels-Gnesener und Tilsit-Jnsterburger Eisenbahnen ^ bezeichnet ausdrücklich damit die Reihe d,er Verstaatlichungen für diese Liston als abgeschlossen.

f .« 12. Octobtzr. Der König ist heute früh 8 Uhr von den

lieruchest Jagden in Steiermark wieder in Strehlen eingetroffen.

mer. allthorstr. A..

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im Laden. jiinmer mit obsd Waffe Nr. M' Miethen.

x, Brandkasse.

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Bei her nunmehr befiniriv vorgenommenen, gestern resultatlos gebliebenen Ab- sttmmung über die Maßregeln gegen Solche, welche eine Mischehe eingegangen und die M-r mit WM Erziehung Der Kinder in etn-r nicht protestantischen Religion zugesichert, wurde der SeltcMgdb... Wze Ausfchutzantrag abgel hnt, also eine beßfallsige Bestimmung nicht ausge­nommen, worauf das Gesetz mit allen gegen vier Stimmen in erster Lesung zur An­nahme gelangte.

Die Verhandlung ist für das Publikum nicht öffentlich, nur den Mitgliedern des Ministeriums, des Ober-Consistoriums und den im Amte stehenden Theologen soll der Mitt gestatt't sein. Zu einer Verurtheilung des Angeschulbigten ist 2/3 Mehrheit r-1 ^stAbftimmenden erforderlich, zu einer Verurlheilung wegen Bruch des Orbinarions- suche ich kiipffl Sstobrisses ober In lehre gehört eine Mehrheit von mehr als zwei Drittel der Ab- Mpfohlen^v» InmmenDen. Gegen die Entscheidung des Gerichtshofs ist kein weiteres Rechtsmittel <N. H. V0 kof.DaWG"« Darmstadt, 12. October. In der evangelischen Lanbessynode wurde heute der r. L \ hf ttl Ql lin 0 Ar hndlpn (S* a k 0 unk fXX an a ff o vt o4 vi v* a i> QYhIma a ah C Ihm a

Wi 1lnu';7l'ti ivuu, nuu# uci ^jiutmiun uc» uyiicuciy, in vy i c y c n ti i iiyici ivciucu Blitz' UnöJ^re Erträge zunächst zur Unterstützung von Gießener Stubirenden verwendet , Jer^n- Der 3. Ausschuß hatte jedoch in seinem vom Abgeordneten Rieger erstatteten 1 ^«hte vorgeschlagen, diese Bestimmung zu beseitigen; jedoch erlangte seine Auffassung rtcit °br Synode nicht den Sieg. Vielmehr beschloß dieselbe, nachdem sie den etn-

^«iiterE Ewigen Beschluß gefaßt hatte, eine Lutherstiftung zu gründen, nur Studirende . ül( Theologie bei ihrem Studium zu unterstützen. Wetter auf Antrag

rs Abgeordneten Stade mit 30 gegen 20 Stimmen hinterbei ihrem Studium" nzuschaltenvorzugsweise bei einem solchen in Gießen". Es ist erfreulich Üch-erlich lediglich im Interesse des ganzen Landes gelegen, daß die evangelische ^bssynode es verschmäht hat, diejenigen Wege zu verfolgen, welche bd Aufhebung 5 Bienniums und bei anderen Maßnahmen leider eingeschlagen worden sind.