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pflege bedenkliche Dinge zu Tage; vorläufig läßt sich das Ende des Proceffes noch nicht im Mindesten absehen.

In Frankreich steht der politische Barometer auf Sturm. Die Mißerfolge des Cabinets Ferry in der auswärtigen Politik und seine be­denklichen finanziellen Operationen haben in der Kammer eine tiefe Verstimmung gegen das Ministerium hervorgerufen, die allem Anscheine nach tu den Debatten, welche noch in dieser Woche über die mit den großen Eisenbahngejchäften abge- schlosienen Verträge stattfinden werden, zum Durchbruch kommen wird. Dem Vernehmen nach ist in der Deputirtenkammer eine Coalition in der Bildung begriffen, welche aus den Republikanern, die Gegner der Eisenbahnverträge sind, ferner den Monarchisten und sonstigen dem gegenwärtigen französischen Cabinet feindlichen Elementen bestehen wird. Falls es dieser Coalition gelingt, die Eisen­bahn-Conventionen zu Falle zu bringen, so ist der Rücktritt des Ministeriums Ferry unvermeidlich, was aber dem republikanischen Regime in Frankreich in Anbetracht des Umstandes, daß auf der einen Seite die Ultra-Radikalen immer energischer auftreten, während andererseits der Orleanismus wieder kühner sein Haupt erhebt, schwerlich zum Vortheile gereichen würde. Die französische Deputirtenkammer hat am Dienstag anläßlich der Interpellation über die Tong- king-Angelegenheit mit 371 gegen 82 Stimmen eine Tagesordnung angenommen, welche das Vertrauen auf die Festigkeit und Klugheit der Regierung in der auswärtigen Politik ausspricht.

Zum ersten Male seit den Tagen der Moskauer Kaiser­krönung hat sich Czar Alexander III. wieder öffentlich gezeigt. Es war dies am vergangenen Dienstag, an welchem Tage der Kaiser in Kronstadt über das russische Ostsee-Geschwader eine Revue abhielt, welcher auch die Kaiserin bei­wohnte. Rach Beendigung der Revue kehrten die Majestäten sofort nach ihrer Sommerresidenz Peterhos zurück.

Die mit großer Regelmäßigkeit aus Egypten eintreffenden Cholera-Telegramme" lassen erkennen, daß die Epidemie an ihrem Hauptherd Damiette endlich in der Abnahme begriffen tft, während sie an andern Orten Unter-Egyptens jetzt größere Opfer fordert. Auch in Alexandrien ist ein Todes­fall vorgekommen. Die Nachricht, daß die Cholera in Swatow (China) aufge­treten sei, wird von englischer Seite für unbegründet erklärt. Die Ange­legenheit des projectirten zweiten Suezkanals macht Fortschritte. Zwischen der britischen Regierung und Herrn Lesseps ist ein Abkommen getroffen worden, demzufolge erstere ihren Einfluß bei der egyptijchen Regierung dazu verwenden will, Herrn LessepS die Concession und auch das Kapital zum Bau des zweiten Suezkanals zu verschaffen. Als Gegendienst verlangt England die Anstellung eines britischen Seeosficiers als General-Jnspector der Kanal-Gesellschaft.

Würzburg, 12. Juli. Der Rector Magnifikus willfahrte dem Ver­langen der gegen den Ausruf für ein Luther-Denkmal Protestirenden (siehe die gestrige Nr. d. Bl.), bedauerte die im Aufrufe enthaltenen Ausfälle gegen die Katholiken und genehmigte den Anschlag des Protestes am schwarzen Brett.

Hamburg, 11. Juli. Dw im morgigeni/lnueolatt" erscheinende Veiordoung des Senats, Letuffenb tue gesundhettspolizetüche Controle der einen Hamburgischen Hafen anlaufenden Schiffe stimmt dem Inhalte nach genau mit der gleichen vom Re-chtzanzeiger" publictrten Verordnung Preußens übernn.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s lelegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 12 Juli. DerNeichsanzeiger" veiöffentUchl das Zuckersteuergesetz und die Verordnung, berreffend das Verbot der Ein- und Ausfuhr von Pflanzen und sonstigen Gegenständen des Wein- und Gartenbaues.

DteNordd. AUg. Ztg." sagt gegenüber der heftigen Erwiderung der Germania":

Die Regierungsvorlage vom 5. Juni habe dte Wirkung gehabt, übet die römische Kirchenpolit k derart aufzuklären, wie ein Stein über die Tiefe des Brunnens oder des Wassers, in welches er geworfen wird. Dte kirchlichen Erwartungen seien zu hoch ge- lpannt und hierin sei das Hinderntß für eine Verständrgung zu erblicken. DteNord­deutsches glaubt, der Verständigung zu dienen, wenn sie dazu beltragen kann, d-.e (Überschätzung kirchlicher Macht und staatlicher Bedürftigkeit herabzumtndern.

DieNorddeutsche" schreibt: Der Besuch des Fürsten Orlow in Friedrichs­ruhe habe aus äiztlichen Einspruch unterbleiben müssen, obwohl der Reichskanzler gern s^nen russischen Freund gesehen hätte. Fürst Bismarck bedürfe noch aus lange Zeit hinaus der größten Schonung, Pflege und absolutesten Ruhe.

Posen, 12. Juli. Die Strafkammer des Landgerichts hat nach mehr­tägiger Verhandlung in dem Proceffe gegen die wegen Uebertretung des Socia- ilsten- und Vereinsgesetzes angeklagten 4 Personen heute das Urthetl gefällt. "Der frühere Student der Naturwiffenschaften, Stanislaus Padlelvski, wurde zu 2'. -^ Jahren Gefängniß und 3 Monaten Hast, der Stellmacher Adam Grzes- trewicz zu 2 Jahren Gefängniß und der Buchbindermeister Michael Slotwinski zi.t l1/2 Jahren verurtheilt. Gegen die beiden Ersteren wurde außerdem auf Zulässigkeit der Einschränkung ihres Aufenthalts erkannt. Der Maschinenschlosser Julian Bujakiewicz wurde freigesprochen.

Mainau, 12. Juli. Se. Maj. der Kaiser hatte gestern mit dem Groß- berzog und dessen Familie einen Ausflug nach der Insel Reichenau unternommen und begiebt sich heute Nachmittag zum Besuch des Königs von Württemberg nach Friedrichshafen. Heute Abend beabsichtigt das Officier-Corps des 6. Badi­schen Infanterie-Regiments Nr. 114 auf illuminirten Dampfschiffen dem Kaiser vor Mainau eine Ovation darzubringen.

Bremen, 12. Juli. Das heute erschienene Gesetzblatt veröffentlicht die Verordnung, betr. die gesundheitspolizeiliche Controle der die Bremer Häfen an- laufenden Seeschiffe.

Wien, 11. Juli. Wie diePolit. Corresp." meldet, hat der Kaiser den vom Innsbrucker Landgericht zum Tode verurtheilten Kutscher Sabadini, welcher nm 16. September v. Js. Oberdank und Genossen von Udine aus über die österreichische Grenze nach Ronchi gefahren habe, begnadigt und die Bemessung der Freiheitsstrafe dem obersten Gerichtshöfe anheimgestellr.

Nyiregyhaza, 12. Juli. sTiSzu - Eszlurer Proceß.j Nach Verlesung der Obbukuous-Prvlokolle uns btr Gutachten der Sachverständigen wurde auch das Gut­achten di-s Landessanttäisraths verlesen, welchem letzteren eine Mottvtrung nicht bei­gegeben ist. Daran schloß sich d>e Vernehmung der Universitäts-Sachoersländtgen, zu­nächst des Professors Belky, welcher sich im Sinne der Vertheidigers äußert.

Dr. Eugen Kitz, welcher der ersten Leichenschau und auch der späteren Ob­duktion beiwohnte, wird tnsbesondere über dte zwischen dem Protokoll betreffs oer erfien Leichenschau und dem Obouktionöprotokoll bestehenden Abweichungen als Zeuge vernommen und g-bt an, in Folge des Abenddunkels und der mangelhaften Beleuchtung seien tn Bezug auf die Messung, das Aussehen und dte Kleider der Leiche Jilthümer entstanden, dte bann später berichtigt worden seien.

Prag, 12. Juli. Der Landtag hat in den Landesausschuß 3 Deutsch- liberale, 3 Czechen und 2 Conservative des Großgrundbesitzes gewählt.

Pari-, 12. Juli. Nachrichten aus Tongking vom 3. ds. zufolge ist

General Bauet am 15. Juni in Hanoi eingetroffen. Die Arbeiten zur Ver- theidigung von Haiphong seien beendigt und die Befestigung von Namdineh und > Hanoi in schnellem Fortgang begriffen. Die Verbindung zwischen der Citadelle ; der letzteren Stadt und dem umliegenden französischen Gebiete fei wieder herge- ! stellt. 3000 Mann Verstärkung würden noch erwartet und alsdann die militä- i rischen Operationen unverzüglich gegen Sontay eröffnet werden, wo der Feind in starker Anzahl gerüstet stehe.

Ällexandrien, 12. Juli. (Telegramm desReuter'scheu Bureaus.") Innerhalb der letzten 24 Stunden bis gestern Abend 9 Uhr sind in Da­miette 64, in Mansurah 89, in Talka 5, in Zifteh und Samanud 10 Personen, in Chibin-el-Kum 1 Person an der Cholera gestorben.

Lokale».

Gießen, 13. Juli. [14. Mittelrheinisches Turnfest.) Um vielfach geäußertem Wunsche eulgegenzukommen, hat bas Fest Comttä einen Extrazug der Oberhcsstschen Bahn etnrtchten lassen, welcher am Fe st-Sonntag, Abends 10 U h r,. von hier - nach Grünberg abgeht und auf den Zwischen st attonen anhält. Zu ! diesem Extrazuge haben Btllete aller Gattung Giltigkeit (einfache Btllete, Sonntagsbillete und Billete nut Festvcrgünstlgung). Unseren Gästen von den grünen Hügeln Grünbergs und benachbarter Orte ist es somit vergönnt, den Festsonntag bis zur späten Abendstunde auszunützen und hoffen wir, daß dies recht zahlreich und gründlich geschieht.

Der Festzug nimmt am Sonntag Mittag seinen Weg durch folgende Straßen: Abmarsch vom Wallthor durch WallthorstraßeLtndenplatz Kirchenplatz Schulstratze Neuenbäuen- Gartenstraße Ludwlgsplatz LudwtgsstratzeBlsmarckstraßeEcke der TurnhalleSüd-Anlage Neuenweg Seltersweg Westanlage Bahnhofstraße KaplansgasseKreuzMäusburgMarktplatzMarktstraßeNeustadt auf den Fest, platz. Durch diese Richtung ist somit fast der ganzen inneren Stadt Gelegenheit ge­boten, den Zug zu sehen. Hoffentlich werden unsere Turngäste auch von unseren Damen mit Blumenspenden begrüßt werden und unsere Bewohnerschaft wird es sich auch dies­mal nicht nehmen lassen, durch festliches Schmücken der Häuser der Sympathie für das Turnfest Ausdruck zu geben.

Berichtigend thetlen wir mit, daß kommenden Montag die hiesige Ruder- Gesellschaft keine Regatta, wie wir vorgestern meldeten, sondern eine Auffahrt veranstaltet.

Um die Besucher des Festes vor Schaden zu bewahren, machen wir darauf aufmerksam, daß dieselben sich vorTaschendieben" in Acht nehmen mögen.

Kaiserl. Postamt Hal für bie Tage des Festes am Festplatz eu en Briefkasten anbringen lassen, welcher zu denselben Stunden entleert wird, wie die übrigen in der Stadt. Ferner hat, wie aus den amtlichen Bekanntmachungen im heutigen Blatte zu ersehen, Großh. Polizeiamt eine Polkzeistation im rechtsseitigen Thorhause vor der Neu­stadt errichtet.

Gleichwie im Jahre 1874 bat auch für das XIV. Mittelrhe'nische Turnfest Herr Eapellmetster Krausse emen Turnermarsch componirt. Das Motiv des ! Marsches ist das ja Allen wohlbekannte Lied:Es steht ein Wirthshaus an der Lahn". Der Marsch ist sehr gefällig und dürften unsere Turner recht taktfest darnach marschiren.

Vermischte-.

Hasfenhausen (Amt Fronhausen), 10. Juli. Heute Nachmittag gegen 4 Uhr wurde der hi<sige 54 Jahre alte Schäfer Rabenau am Wolfshäuser Weg von einem ' Blitzschlag getroffen und war augenblicklich tobt. Seine Frau und ein dreijähriges i Kind, die beide sich in seiner Nähe befanden, waren infolge des heftigen Schlages besinnungslos zur Erde gefallen, erholten sich jedoch bald wieder und sind vollständig unversehrt geblieben.

Hersfeld, 9. Juli. Ein ziemlich heftiges Gewitter zog heute früh a/45 Uhr über Hersfeld hin und fuhr ein Blitzstrahl in das seitherige Obeiförsterwohnhaus von Hersfeld-Süd im Stift. Derselbe traf zunächst einen Schornstein, lief unter der First einige Meter weg, dabei eine Lage Ziegel zerstörend, fuhr dann an einem Sparren, ! welcher zertrümmert wurde, entlang und sprang nunmehr auswärts zur Dachrinne. Die Schildwache vor der Militärküche sah dem interessanten Schauspiel aus nächster | Nähe zu, das indeß den Bewohnern des Hauses selbst die die Steine herabfallen sahen, die Erschütterung verspürten und das ganze Oberhaus voll Staub und penetranten i Geruch, aber sonst ohne Gefabr fanden weniger schön vorkam.

ArarrSsurL a. M., 13. Juli, Nachmittags 2 Uhr Miru (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) i Creditactten 252^, Staatsbahnactien 280, Galizier 2535/8, Lombarden 134V1, Nord- ! weftbahnactien 173Vs, Gotthardbahnactien ll?1^, Darmstädter - Bankactien 154%, ! Disconto Commandit 195%, Oesterr. Silberrente 6715/16, 4% Ungar. Goldrente 75s/i, 4% 1880er Russen 72«/16, 5% 1877r Russen 9P/8, 2. Orient-Anleihe 57, 4% Spanier 62Va, 5% Rumänische Rente 937/8, 4% Nnific. Egypter 737/8f 5% Türken , Marienburger 1045/e, Hess. Ludmigsbahnact. 1073/i6, Tendenz: still.

Witterung skund e.)

I 14. Juli. Samstag. Fortdauer des Morgens kühlen und dunstigen bis bedeckten I Wetters, auf Mittag zu zerstreut ballig, Nachmittags schön und warm, Abends ; gewitterhaft.

15. Juli. Sonntag. Morgens kühl und zunehmend bedeckt, im Süden und | Süd westen regnerisch; Vormittags kurze Zeit strichweise aufgehellt, dann gewitterhaft, : Nachmittags aufgetnssert bis fchön und warm. Nachts für den Juli sehr tiefliegende Minimum-Temperatur, namentlich im Nordwesten und Westen.

i *) Aus vr. L. Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juli. ; abgeschlossen am 15. Juni (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, i Preis 1 ,/&). Nachdruck verboten.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Mytte-dienO:

Sonntag den 15. Juli (8. nach Trinitatis).

Vormittags 8 Uhr (an Stelle des Nachmittagsgottesdienstes): Pfarrer Schlosser.

Vormittags 9Vn Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kinderkirche fällt aus.

Katechismuslehre für die Realschüler: Vormittags 812 Uhr in der Friedhofkapellc. Katechismuslehre für die Mädchen muß ausfallen.

Am Sonntag, den 22. Juli, wird der Großherzogliche Superintendent Herr Oberconsistorialrath Dr. Ha dicht aus Darmstadt die regelmäßige Kirchen Visitation in hiesiger Gemeinde abhalten; die näheren Bekanntmachungen wegen derselben werden noch erlassen.

Die auf Sonntag, den 22. Juli, bestimmte Feier des heiligen Abendmahls wird auf Sonntag, den 29. Juli, verlegt.

i Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 15. bis 21. Juli besorgt

! Pfarrer Dingeldey.

Katholische Gemeinde.

9. Sonntag nach Pfingsten.

Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austhetlung der h. Communion. VzlO Uhr: Hochamt und Predigt. Die Nachmittags-Andacht fällt aus.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 85» Uhr

Wafferwärme der Lahn.

Am 13. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 17° R., Luftwärme + 14°

L. Chr. Rübsamen.

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