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Nr. 13^. Donnerstag den 14. Juni 4883.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau> Schulstraßei. Erschemt täglich mit Ausnahme beä M-utag». te^en ^ljchrNch
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Landes in den Händen des Staates zuwiderlaufe. So ernst dieser Einwand erscheinen mag, darf er doch die Ausführung der direkten Linie Brüssel-Mainz-Frankfurt a. M. weder verhindern noch auch nur verzögern."
Demgemäß bringen bie Concessionsnachsucher den Abschluß einer Convention in Vorschlag, welche den Bau der Linie tn angemessener Frist, eine hinreichende Ver- zmsung des Anlagekapitals und für die Staatskasse einen jährlichen Reingewinn von 1 Mill, bis IV2 Mill. Frcs. sicherstellr Nebstdem wird dem Staate der Betrieb der Linie, sowie das Recht ihres Rückkaufs binnen einer bestimmten Frist und zu einem bestimmten Preise zugebilligt. Dann heißt es weiter:
„Warum sollte man bei solchen Bedingungen dem Bau der Linie Brüssel-Mainz- Frankfurt a. M-, die allein die Rentabilität der bedeutenden, in Antwerpen, Gent und Ostende engagirten Kapitalien sichern kann und wofür wir den Staatsschatz mcht in Anspruch nehmen, Hindernisse bereiten wollen? Roch heute glauben wir das zum Bahnbau nöthige Capital unter den von uns angegebenen Bedingungen beistellen zu können, und verpflichten uns, der Regierung den unverzüglichen Beweis dessen zu erbringen, wenn sie ihrerseits uns bk formelle Zusicherung enhcilt, im Laufe der nächsten Session einen Gesetzesentwurf einzubringen, welcher uns die nachgesuchte Concession gewählt. Es versteht sich außerdem von selbst, daß diese Verpflichtung ihrerseits zur Voraussetzung hätte, daß die Berliner Regierung einwilligt, den preußischen Theil der Strecke entweder von Staatswegen herzustellen oder tm Privatwege zu vergeben."
Wir bemerken, daß der Bahnbau bei den kommerziellen und industriellen Kreisen Belgiens großen Anklang findet, da man sich bedeutende Vortheile von einer Route verspricht, welche zwischen den belgischen Haupthandelsplätzen und jenen Mittel- und Süddeutschlands, sowie in weiterer Consequenz den Handelscentren Oesterreich-Ungarns und der Levante die kürzeste und direkteste Verbindung schaffen würde.
Berlin, 11. Juni. Die „Berl. Polit. Nachr." schreiben: Gegen die fortschreitende Entwaldung des amerikanischen Westens haben sich schon seit Jahren warnende Stimmen erhoben, und es sind auch schon sehr beachtenswerthe Experimente mit Wiederaufforstung von Oed-Ländereien gemacht worden. Am günstigsten sind die in den sog. Prairie-Staaten angestellten Versuche ausgefallen, welche den Satz glänzend widerlegt haben, daß dem dortigen Terrain die natürlichen Vorbedingungen zur Erzeugung von Wäldern mangelten. Die furchtbaren Ueberschwemmungen während der letztverflossenen Regenperiode haben indessen den Befürwortern der Wiederaufforstung resp. Ansorstung einen unwiderstehlichen Rückhalt verliehen, und ist die Sache gegenwärtig in lebhaftestem Flusse. Den Centratpunkt der Bewegung bildet die mit der Harvard-Universität verbundene Baum- und Forstschule, welche Setzlinge in Massen an Private und Gemeinden zu Forstzwecken abgiebt. Ein einzelner neuerdings vollzogener Lieferungs-Contrakt disponirt über anderthalb Millionen Bäumchen, mit denen 560 Acres Prairieboden bepflanzt werden sollen.
England.
London, 9 Juni. Der Strang arbeitete heute an zwei verschiedenen Plätzen: tm Kilmatnhamer Kerker zu Dublin und auf dem verbrannten Mehemed Ali-Square zu Alexandrien. Dort sollte der fünfte und letzte der Phönixparkmörder, Timothy Kelly, die Abschlachtung Cavendishs und Bourkes, hier Suleiman Samt Doud dte Verbrennung Alexandriens mit dem Tode büßen. Für beide wurden bei der Regierung die größten Begrittdigungsanstrengungen gemacht. Für Kelly verwandten sich unzählige Personen, alle zu der eidlichen Versicherung bereit, daß Kelly zur Zeit des Mordes anderswo gewefen. Für Suleiman Samt aber traten sogar Parlamentsmitglieder, wie Lord R. Churchill und S-r W- Lawson, auf, siine Schuld mit der höheren Schuld des Khed os beschönigend, auf dessen Befehl er grhandelt. Beider Fürsprachen blieben fruchtlos Kaum tagte der Morgen, als Suleiman schon den Tod gefunden hatte. Dem mohamedanische Brauche gemäß soll dte Sonne nicht das Gesicht des Gehenkten bescheinen. Suleiman wurde gerade auf der Stelle gehenkt, wo er vor einem Jahre, den Tschibuk tm Munde, den Befehl zur Einäscherung der Stadt gab. Daher ihm denn ein einheimischer Osficier vor der Hinrichtung bemerkte: „Suleiman Sami Ibn Daud, Du wirst den Tod nach dem Gesetze für Dein grausames Vergehen erleiden. Dte Trümmerhaufen um Dich ber legen schweigend Zeugniß gegen Dich ab. Mache Deinen Frieden mit Gott und wiederhole nach mir: Es gibt nur einen Gott und Mohamed ist sein Prophet." Suleiman aber war zu schwach dazu. Er schien schon halbtobt, als er von den Gensdarmen herbeigebracht ward. Einige wollen als Antwort die Worte vernommen haben: „Maslum Arabi“, b. h. ein Opfer Arabt's, doch bleibt dies unbestimmt. Seine Schuld ist jedenfalls sonnenklar, sonst würde der englische Generalkonsul Malet schon einen Aufschub der Hinrichtung beantragt haben. Kelly's Hinrichtung fand gleich der seiner Mitschuldigen pünktlich um 8 Uhr Morgens statt- Ein Geständniß machte er ebensowenig wie Brady; doch versah er sich reichlich mit den Tröstungen der Religion und ließ sich die bezüglichen Gebete von einer Barmherzigen Schwester hersagen, die merkwürdiger Weise eine Base seines Opfers, Burke, ist. Vor dem Gefänglich warteten nicht weniger als 1000 Personen auf das Auf hissen der schwarzen Flagge; die Weiber brachen in Gebete und Verwünschungen aus; eine mußte von der Polizei gewaltsam entfernt werden. Kelly erregte wegen seiner Jugend das besondere Mitgefühl der Masse; und doch
Hauptmörder. Mit Letzterem zusammen führte er später den Mordanfall aus Fteld ans, verlor dabei aber seinen Hut und dies führte zum Theile zu seiner Verhaftung. Nach Kelly's Hinrichtung hat ber Henker Marwoob für bme Zeitlang Ruhe. Die Freunbe Kelly's beabsichtigen, Trauerkarten mit den Namen: „Brady. Curley, Fagan und Kelly" zu versenden; Caffrey, der sein Vergehen etngeftand, bleibt zur Strafe ausgeschlossen.
Deutschland.
Darmstadt, 11. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 5. Juni dem Schullehrer an der kath. Schule zu Hofheim, im Kreise Bensheim, Karl Becker, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" zu verleihen.
Darmstadt, 11. Juni. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 15 enthält:
Allerhöchste Verordnung, die Ausführung des Reichsgesetzes vom 20. Juli 1881 über die Bezeichnung des Raumgehaltes der Schankgefäße betreffend.
m Darmstadt, 12. Juni. In heutiger Sitzung zweiter Kammer wild als neue Eingabe zunächst die bereits mttgetbeilte Interpellation der Abgg. Wasserburg und Genossen tn Betreff der klrchenpoltttschen Lage tn Hessen verkündigt.
In Fortsetzung der Berathung des G e wer b est eu erg e s etz es werden die Art. 26 und 27 fast ohne Debatte angenommen- Art. 28 enthält die Stempelsätze, für welche der Ausschuß durchweg eine Erhöhung auf das Doppelte beantragt. Dieser Antrag des Ausschusses wird angenommen und weiter beschlossen, die gesetzlichen Bestimmungen Über die Wanderlager nach dem G< setze von 1875 an dieser Stelle einzu- schalten. In Verbindung hiermit wird ein Antrag des Abg. v. Wedekind auf Herbeiführung einer gleichmäßigen Besteuerung des Kleinhandels, insbesondere mit Bictualien, in Hessen und Baden für erledigt erklärt und ber Vorstellung einer Anzahl Schweinehändler aus ber Provinz Rheinhessen, Herbeiführung einer gleichmäß'gen Besteuerung bes Hanbels mit Zuchtschweinen tn den b-utschen Bundesstaaten Bayern, Hessen unb Preußen betreffend, keine Folge gegeben. — In Art. 29 ist bestimmt, daß die Erlaubnis zum Comödten- und Martonettenspiel u. s. w, sowie zum Tanz- und Musikhalten jedesmal bet den betreffenden Behörden nachgesucht werden muß und daß dafür mittelst des Ausfertigungsstempels dte verordneten Tarifsätze erhoben werden. Der Ausschuß beantragt den Zusatz: „Aendcrungen ber letzeren sollen fernerhin auf dem Wege des Gesetzes erfolgen", gegen welchen bie Regierung nichts einzuwenden findet. Der Artikel wirb nach kurzer Debatte nach dem Antrag des Ausschusses angenommen, ebenso der Schlußartikel 30.
Bezüglich des als Beilage des gegenwärtigen Gesetzes neu aufzustellenden Gewerbe ft euertarifs erklärt List unter Anführung von Beispielen denselben für unhaltbar und revisionsbedürftig. Er beantragt mit dem Abg. Hanftein, die Regierung zu ersuchen, im Falle der Beibehaltung des jetzigen Gewerbesteuersystems den Tarif nach Anhörung ber Centralstelle für die Gewerbe, bezw. der Localgewerbeveretn", sowie nach Anhörung der Handelskammern einer allgemeinen Revision und sorgfältigen Prüfung zu unterziehen und von dem Ergebniß den Ständen Mttthetlung zu machen. — Schröder und Falk weisen auf den bedeutenden Rückgang des Müllergewerbcs hin und befürworten eine Revision der darauf bezüglichen Tanfbfftimmungen. Der Tarif wird sodann nach einigen Bemerkungen des Berichterstatters Wolfs kehl mit den von dem Ausschuß gestellten Abänderungsanträgen angenommen.
Schließlich beantragt ber Ausschuß folgendes Ersuchen an die Regierung: 1. im Allgemeinen die Frage einer Reform der Gewerbesteuer in der Richtung der
Gewinnung besserer Grundlagen für die gerechte Belastung ber Gewerbtreibenden nach ihrer auf ber mehr ober weniger sicheren Fundirung des gewerblichen Einkommens und auf dem Ertrag des Gewerbes selbst beruhenden Leistungsfähigkeit;
2. im Besonderen die weitere Frage, ob auch tm Falle ber Beibehaltung des
jetzigen Gewerbesteuersystcms es behufs einer besseren unb gleichmäßigen Veranlagung ber Gewerbesteuer rathsam zu erachten, das Betriebskapital als weiteren Factor bei der Bildung der Gewerbesteuerkapitalien heranzuzuhen unb tm Falle ber Bejahung, für welche Kategorien von Gewerben bie Heranziehung dieses weiteren Factors sich empfehle, sowie welche Modificationen des seitherigen Gemerbestenergesetzes, namentlich auch hinsichtlich der Art und Weise, ber Ermittelung bes Betriebskapitals baburd) bebingt werden würden — einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen und von dem Ergebnisse den Ständen Mittheilung zu machen. — Hanstein beantragt Strich der 908. 2. — Wolz beantragt das weitere Ersuchen auf Einfügung ber Bestimmung in bte drei Objectsteuergesktze, wonach dte Passivzinsen bei Berechnung ber Reinerträge in Abzug kommen. — Weiter kommt hier der oben erwähnte Antrag List - H anstkin in Betracht. — Die Abgg. Böhm, Falk und Schroeder sprechen gegen pos. 2 des Ausschußantrages, Letzterer namentlich auch gegen den Antrag Wolz, für welchen Wasserburg eintritt. Nach einem Schlußwort des Berichterstatters Wolfskehl, welcher den Antrag Wolz als vollständig unausführbar bezeichnet, wird pos. 1 des Ausschußantrages angenommen, pos. 2 dagegen gestrichen. Der Antrag L t st - H a n st e i n wird angenommen, der Antrag Wolz gegen 3 Stimmen abgelehnt. — Auf Antrag Schroeders wird eine zweite Lesung des Gesetzentwurfes beschlossen.
Der weiter zur Berathung stehende Antrag des Abg. Heinzerling auf Befreiung der Kohlermann'schen Stiftung von Entrichtung der Collateralsteuer wird nach longerer Debatte, an welchcr sich außer dem Antragsteller bte Abgg. Schroeder, 5t.au£cr' Ofann, Lautz, Falk, Wolfskehl, Tecklenburg, von Rabenau, Theobald, sowie der zweite Präsident Muhl beteiligen, mit 21 gegen 19Stimmen abgekbnt. — Die Vorlage ber Regierung auf Berücksichtigung des Gebühreneinkommens der Grotzh. Steuercommisiare bei Pensionirung derselben wird noch kurzer Debatte angenommen, ebenso mit 27 Stimmen der Antrag des Abg. Arnold auf Erbauung
Untottbtftehiadj über Oberabtsteinach und Siedelsbrunn bis auf ^ohe, welcher Antrag außer von dem Antragsteller namentlich von dem Abg. Sjf ann warm befürwortet wird.
Nächste Sitzung morgen Vormittag 10 Uhr.
tiU 'ÄVÄÄX Sä' L martenbe $altunfl anflenomme", wie fie angez-igt -isch-m-n mochte so !°nae dasselbe stch noch im Stadium bloßer Anregung befand. Nunmehr fchetul indessen der Augenblick gekommen, wo eine vositive Meinungsäußerung der entscheidenden Kreise nicht Lnger mehr auf sich warten lassen dürfte. Seitens ber 3nt ”S Albe
Menben B-hnpr-iekts nämlich, bet Grafen nan ber Straten Pontho. ist soeben bei Keflierun0 und den Kammermitgliedern eine Denkschrift überreicht worben welche den Wchwkis zu führen sich angelegen fein läßt, daß die Concession rung der moftctirt n FÄl l1' « felbflrebenb so weit das belgische Gebiet in Betracht komntt - dem Mrtft fot^en^e ©ä6e:Cnt Pr<*en- enlne!,men ben Schlußaudführungen der Denk-
"Man wird ohne Zweifel einwenden, daß, so vortheilhafi bie moicktirte Pinie immer sein möge, bie gegenwärtige Finanzlage bem Staate nicht gestatte fin ihre Er- senken, währenb bk belgische Regierung keine ^00^01^^01" oerleiben fwnne, weil solches bem Princip ber Concentrirnng sämmtlicher Eisenbahnen des
Telegraphische Depeschen.
Wolff's lelegr. CorrespondeM'Bureatt.
Berlin. 12 Juni Der Reichstag genehmigte heute in erster und zweiter Lesung den Consular-Vertrag mit Tunis und begann die dritte Lesung des Etats. Die Volkspartei, Welfen und Sociaüsten erklärten gegen den Etat stimmen zu wollen. Die Debatte erstreckte sich auf die von der Unfallversiche- runas'Commission vorgeschlagene Resolution, gegen welche Rickert protesürte, und auf "die Mandats-Riederlegung Bennigsen's. Das Haus genehmigte den Etat deftnitiv und unverändert. Die Resolution Lingens wegen Beschränkung de« Sonntagsverkehrs wurde mit 127 gegen 82 Stimmen angenommen, der Theil der Resolution, welcher für Sonntags-Telegramine einen Zuschlag von 20 H


