1883.
Samstag den 14. April
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Erscheint täglich mit Ausnahme des MsrrtagS-
Vaeeattt Schulstraße 7.
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ellschastsreise T-Italien.
116 Tatze. Carl Riesel’s l-Hotel-MI
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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Politische «eberficht.
Gießen, 13. April.
Prinz Friedrich Karl von Preußen ist am Mittwoch von seiner Orientreise nach Berlin zurückgekehrt. Die Reise, welche den Prinzen durch das alte Wunderland der Pharaonen nach den geweihten Stätten Palästinas, durch die Ebenen Syriens und über die schneebedeckten Pässe des Libanon hinweg nach den Inseln des griechischen Archipels und von da über Athen und Brindisi wieder der Heimath zuführte, hat des Schönen und Interessanten außerordentlich viel aufzumeisen gehabt, so daß sie m den Erinnerungen des hohen Redenden einen bleibenden Ort finden wird. Die Ausnahme, deren sich der Prinz überall Seitens der Behörden wie der Bevol- kerunq zu erfreuen hatte, bewies, in welch' hoher Achtung der steggekronte Neste des deutschen Kaisers auch bei den Völkern des Orients steht und daß der Ruhm des Hohenzollernhauses sich auch bis in jene entlegenen Lande verpflanzt hat Vorläufig gedenkt Prinz Friedrich Karl seinen Aufenthalt abwechselnd m Berlin und auf seinem Jagdschlösse Hohenlinden zu nehmen.
Eine volle Woche beschäftigt sich nun der Reichstag nut der zweiten Lefung der Novelle zur Gewerbeordnung und noch laßt sich nicht mit Gewißheit voraussagen, wann er diese Arbeit, welche ledenfalls auch einen Theil der nächsten Woche in Anspruch nehnien dürfte, beendigt haben wird. Dieser langsame Fortgang der Verhandlungen liegt theils in der Natur des zu behandelnden Gegenstandes selbst, theils in den massenhaft zu den einzelnen Artikeln und Paragraphen gestellten Gegen-, Zusatz- und Unter-Antragen, welche oft in einer einzigen Sitzung mehrmalige namentliche Abstimmungen nothwendig machten. Im Allgemeinen ist zu constatiren daß die bisher berathe- nen Paragraphen der Gewerbeordnungs-Novelle meist den Wünschen der Regierung gemäß genehmigt wurden, wenn auch einzelne Bestimmungen nicht unerheblich modificirt wurden. In dieser Woche beschäftigte sich das Haus zunächst mit den Bestimmungen über das Hausirgewerbe und bie Wanderlager, und zwar füllte die Discusston über die §§ 55 und 56 der Vorlage die Montags-Sitzung ganz aus. Erstgenannter Paragraph, welcher von der Einführung des Wandergewerbe-Scheins handelt, wurde nach langwieriger Debatte in der Commissionsfassung genehmigt. Nr. 1 bis Nr. 9 des 56, welcher das Verbot des Ankaufs und Feilhaltens gewisser Gegenstände betrifft, fanden gleichfalls die Zustimmung des Hauses. Nr. 10 der Regierungs-Vorlage, m welcher Bestimmung der Colportagehandel gänzlich untersagt wird, wurde dahin abqeändert daß nur solche Druckschriften von der Colportage auszuschließen seien welche mittelst Zusicherung von Prämien vertrieben werden, falls diese nicht'in Schriften und Bildwerken bestehen. Am Dienstag genehmigte das Haus die 56b, 56c und 56d (Wander-Auctionen, resp. Wander-Lotterien und Verbot des Gewerbebetriebes für Ausländer) unverändert nach den Commissions- Anträqen Ueber § 56a, welcher die Ausübung der Heilkunde (Kurpfuscherei), die Aufsuchung und Vermittelung von Darlehns- und Rückkaufs-Geschäften, das Vertreiben von Antheilsscheinen an Staatspapieren u. s. w. vom Gewerbebetriebe im Umherziehen ausschließen will, erhob sich eine lange Discusston; der Paragraph wurde endlich in der Regierungsfassung und unter Ablehnung der von liberaler Seite hierzu gestellten Abänderungs-Anträge genehmigt. Schließlich nahm das Haus auch § 57 (Gründe für die Versagung des Wandergewerbe-Scheins) unverändert und gleichfalls unter Ablehnung aller hierzu gestellten Anträge an. ,
Die Unterhandlungen wegen Abschluß emes neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Spanien, welche schon dem Abbruche nahe schienen sind in jüngster Zeit wieder lebhaft ausgenommen worben. Da auf beiden Seiten der gute Wille, zu einer Verständigung zu gelangen, vorhanden ist so ist man zu der Hoffnung berechtigt, daß die Verhandlungen zu dem gewünschten Resultate führen werden, was ja auch nur im Interesse der beiden Contrahenten liegen kann.
der im Wahlkreise Osterode-Neidenburg (Ostpreußen) stattqesundenen Reichstagsersatzwahl ist der conservative Candidat, Rittergutsbesitzer Rose mit 8679 von 13,472 abgegebenen Stimmen zum.Abgeordneten gewählt worden. Der Gegen-Candidat, Rittergutsbesitzer Weißermel (Secess.) erhielt 4776 Stimmen. Dieses. Resultat ist um so bemerkenswerther, als in diesem Kreise bei der letzten Reichstagswahl der conservative Eandidat über seinen fortschrittlichen Mitbeiverber mit einer Majorität von etwa nur 300 St. siegte, was allerdings beweist, welchen Schwankungen die Parteiverhaltniffe in einzelnen Wahlkreisen unterliegen.
In Oesterreich concentrirt sich das Interesse an den parlamentarischen Vorgängen gegenwärtig ausschließlich auf die Berathung der Novelle zum Volks- fchulgesetze. Die zwei hervorragendsten Charakteristiken des genannten Gesetzentwurfes sind die Herabsetzung der Schulpflicht von 8 auf 6 Jahre und das Aufgeben des interconfessionellen Charakters der Volksschule, wie dies den Wünschen der klerikalen Partei entspricht. Trotz der energischen Opposition, welche sich aus den intelligenten Kreisen der Bevölkerung — auch die czechischen Wählerschaften nicht ausgeschloffen — gegen eine derartige Zustutzung des Volks- fchulgesetzes erhoben hat, soll und muß die Majorität für die Novelle zusammen- gefchwetßt werden und es ist sehr erbaulich, wie die Parteien der Rechten des Abgeordnetenhauses mit einander hierüber im Handeln begriffen sind. 2Bie es heißt, rechnet die Regierung zuversichtlich aus eine, wenn auch nur kleine, Majorität für die Vorlage. — Die Mörder Georg v. Mailath's sind noch
ichemr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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immer nicht ermittelt und haben sich die Mittheilungen eines Pesther Telegra- phen-Bureaus über die angeblichen Geständniffe einiger wegen Verdachtes der Mitschuld an der Ermordung Mailath's verhafteten Personen als erfunden erwiesen. (Siehe Telegramm in heutiger Nummer.)
In Frankreich ist der vielerörterte Zwischenfall Thibaudm - Galliffet einstweilen vorübergegangen, ohne daß der befürchtete oder gewünschte Ausbruch einer Krisis im Cabinet Ferry erfolgt wäre. Dennoch scheint die Frage der Kavallerie-Manöver, welche zur Entwickelung der Affaire Thibaudin - Galliffet den Grund legte, zu einer bleibenden Mißstimmung zwischen dem Kriegsmmrster Thibaudin und einigen andern Mitgliedern des französischen Ministeriums gelegt, und diese Spannung dürste wohl um so eher zum Ausbruch kommen, als Thibaudin, im Gegensatz zu seinen Minister-Collegen, entschieden im Fahrwasser der Radikalen schwimmt. Vorläufig indessen ist in dieser Angelegenheit Ruhe em- getreten, zumal die so unvermuthet aufgetauchte Tripel-Allianz zwischen Deutsch- land, Oesterreich und Italien die Aufmerksamkeit der Franzosen nach einer ganz andern Richtung gelenkt hat. In den französischen Blättern ist noch immer zwischen den Zeilen zu lesen, daß trotz aller gegentheiligen Versicherungen dieses Bündniß gegen Frankreich gerichtet ist und hieran knüpft die französische Presse die merkwürdigsten Commentare. Auch der Artikel der „Nordd. 3^9- , in welchem versichert wird, daß, falls eine solche Allianz bestünde, dieselbe nicht im Entferntesten einen offensiven Charakter tragen würde, findet bei den tonangebenden Pariser Blättern eine sehr kühle Aufnahme. Doch wird versichert, daß die officiellen Pariser Kreise der ablehnenden Sprache, welche selbst bie Organe Ferry's gegenüber dem erwähnten Artikel führen, fern stehen und nach wie vor den größten Werth auf gute Beziehungen zu Deutschland legen
Die Proklamirung der Tripel-Allianz Deutschlanb-Oesterreich- Jtalien zu defensiven Zwecken ist vielleicht nirgends mit aufrichtigerer Genug- thuung vernommen worden, als in England. Letzteres Land hat gegenwärtig mit inneren Schwierigkeiten ernstester Art zu kämpfen und ein Interesse ersten Ranges an der Wahrung und Befestigung des europäischen Friedens. Was bie Franzosen betrifft, so stehen sie gegenwärtig bei den Engländern m dem Verdacht, daß es ihnen darum zu thun sei, im Trüben zu fischen und die Colonialprojekte der Republik sind vollends nicht geeignet, das britische Mißtrauen emzu- schläfern. Kurz, die öffentliche Meinung Englands ist dem traditionellen Allurten wenig gewogen und sieht es mit innerem Behagen, daß der unruhige Nachbar jenseits des Kanals aus Berlin wieder einmal eine kleine Lection üoer das Thema gewisser Combinationen der hohen Politik erhallen hat. _ Den con- servativen Blättern Londons gereicht es zu ganz besonderem Wohlgefallen, daß es dem Fürsten Bismarck gelungen fei, die jüngste der europäischen Machte, nämlich Italien, für die Jntereffen conservativer Politik zu gewinnen, und der Globe" endigt einen Artikel über die Tripel-Allianz mit den Worten: „Der deutsche Reichskanzler hat einen wirklichen Triumph davongetragen, und Nie- mand würde sich über diesen feinen Sieg, wenn er ihn hätte erleben können, herzlicher gefreut haben, als Lord Beaconsfield, dessen auswärtige Politik auf denselben Grundsätzen basirte." ,
Alle nihilistische, fenische und sonstige mit Explostvstosten arbeitende Agitation würde auf ein Zehntel ihrer Gefährlichkeit reducirt, wäre nicht Mr George Holgate in Philadelphia. Diese Persönlichkeit ist der erste, geschickteste und meistbeschäftigte Höllenmaschinen-Fabrikant unseres beneidenswerthen Zeitalters. Er schüttete unlängst einem Interviewer sein ganzes Herz aus. Die Katastrophe im Local-Gouver nements-Gebäude zu London berührend, meinte Herr Holgate, dieselbe müsse durch ein ungleich wirkungsfähigeres und destructiveres Präparat als Dynamit herbeigekührt worden sein. Herr Holgate selbst hat mehr Höllenmaschinen sabricirt, als irgend ein anderer Mechamkus der a.ten oder der neuen Welt. Ganz vor Kurzem erst will er vier dergleichen abgeliefert haben, von denen jede in einem Cigarrentäschchen Platz findet und eine Explosivkraft gleich der von 900 Pfund Pulvers entwickelt! Ferner will er zwei Zündmafchinen construirt und abgeliefert haben, deren Uhrwerk auf eine belieb ge Stundenzahl gestellt werden kann, und nach deflen Ablauf einen Feuerstrahl herausschießt, der an Leuchtkraft hundert, an Hitze tausend Gasflammen gleich kommt. Es scheint Herrn Holgate nicht zu kümmern, welchen>
Apparate dienstbar gemacht werden. Wenigstens erklärte °r ^nem Interviewen mit größter Nonchalance, daß er für sedweden arbeite, der Bestellungen b ihm mache, und für etwa daraus entstehendes Unheil ebensowenig verantwor sich sei, als etwa ein Schwefelholz-Verkäufer für 3euertoaben' mü von ihm sabricirten und verkauften Schwefelhölzchen angestiftet we • $
die Geschäftsprincipien des Herrn Holgate ebenso gewissenlos, als cymsch zu sein — wenn Herr Holgate nicht eitler Renommist j|t • —
Deutschland.
Darmstadt, 12. Avril
XÄ"ÄÄM0-* den bei dem Reichstag Angegangenen ®el6‘ Är. Seine Königlich- Hoheit der Großherzog haben Aller-
gnädigst geruht: Schullehrer an der G-m-indeschule zu Babenhausen, im
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