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Ar. 238

Samstaa den 13. October

1883

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bureau r S ch u l st r a ß e 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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~ r , Gießen, 12. October.

So spärlich und unzusammenhängend die officiösen Mitthcilungen über das neue Aktiengesetz auch noch sind, die Tendenzen erhellen aus dem, was von dem Entwürfe bekannt ist, zur Genüge. Sie gehen dahin, die Kapitalaus- rujtung der Gesellschaften programmgemäß sicher zu stellen und dadurch das Mlikum, soweit möglich, vor Benachtheiligungen zu schützen, die schon bei der Rundung von Aktiengesellschaften statlfinden unb später selbst durch eine geschickte und solide Geschäftsführung kaum zu repariren sind. Zn der That wird durch diese Bestrebung an den munbesten Punkt der Aktiengesetzgebung gerührt Der «trieb und die Verwaltung der einmal bestehenden Gesellschaslen unter- uegen in den meisten Fällen einer ziemlich gesicherten Kontrole, und wo dies mcht der Fall ist, haben wenigstens nicht die gesetzlichen Formen, sondern nur die Ungewißheit oder die Apathie des Publikums daran Schuld. Aber die un­redlichen Handgriffe bei der Gründung vieler Aktiengesellschaften und der Um- dand, daß die Aktien sofort ein Gegenstand des Börsenspiels wurden dies war es was der Vetriebsform der Aktiengesellschaft neuerdings eine so große Unpopularität verschafft hat. Jene unredlichen Handgriffe zu bekämpfen, scheint nie der hecvortreteudsten Absichten des Gesetzentwurfs zu sein. Und sicherlich kann diese Absicht nur gebilligt werden. Andererseits freilich ist es erklärlich, atz die Börsenkreise gerade mit den hierauf abzielenden Bestrebungen wenig Mverstandcn sind und von denselben eine prohibitive Wirkung voraussagen «an die Börsenkreise haben thalsächlich au den Aktiengesellschaften weit über- wiegend nur das Interesse, durch die Gründung große Gewinne einzuheimsen oo neue Spielobjekte zu schaffen. Wird dieser Möglichkeit durch die Gesetz- 8wung ein Ziel gesetzt, so wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach die Börse von ver Betheiligung an der Bildung neuer Aktiengesellschaften fern halten.

Allein die Börsenpresse hat darum kein Recht, zu behaupten, daß durch M desfallftgen Bestimmungen des Gesetzentwurfs die legitime Entwickelung der Engesellschasten werde gehindert werden. Das wäre in der That traurig, ohne Gründer-Agio und Börsenspiel keine Kapitalassociation möglich wäre. ble Behauptung keinen Boden hat, geht schon daraus hervor, daß die Esten, größten und solidesten aller deutschen Aktiengesellschaften meist ohne jede mwirkung der Börse zu Stande gekommen sind, während ihre Aktien entweder n^chl oder nur nominell an der Börse gehanoelt werden. Wir meinen die ^ncherungsgesellschaften. Die ansehnlichsten derselben sind zu einer Zeit Mundet worden, als das Concessionswesen in seiner Blüthe stand und die Me noch nicht ihre Hände über alle großen Unternehmungen des Kapitals Mete. Die Bildung neuer und solider Versicherungsgesellschaften dürfte auch .Zukunft selbst durch die rigorosesten Bestimmungen über die Kapitalsaus- r. stnng und Kapitalsverwendung schwerlich irgendwie gehemmt werden. Denn

.nun nicht, wie bei den meisten industriellen Unternehmungen, Werth- Me in's Spiel, für deren richtige Abschätzung dem größeren Publikum alle h andhaben fehlen, und selbst die Wahrscheinlichkeitsberechnung der Rentabilität ^nht bei den Versicherungsgesellschaften immerhin nicht auf einer so ganz will- Glichen Grundlage, als es bei vielen anderen Unternehmungen oft der Fall ist.

, Schon Adam Smith war der Ansicht, daß die Versicherung eine der Betriebe sei, für welche sich die Form der Aktiengesellschaft eignet.

-Wer der Versicherung wollte er hauptsächlich dem Bankwesen diese Eigenschaft . wanben wissen. In der That wird man bekennen müssen, daß die ge- lvlmten beiden Geschäfte schon darum am besten von vereinigten Kräften lruben werden, weil sie dem Publikum desto größere Sicherheit bieten, je pnalmächtiger sie sind. Bei industriellen Unternehmungen gewöhnlicher Art 1' otts keineswegs der Fall. Daran, daß in der productiven Industrie die

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Kap talassocmtwn in großem Umfange eintritt oder gar vorwiegt, hat das Publikum nicht das mindeste Interesse. Das Publikum hat nur das Interesse daß die industriellen Unternehmungen so geschickt, so solide und sparsam ver- waltet werden, wie irgend lhunlich, denn von diesen Umständen hängt die Billig- keit und der Umfang der Production ab. Daß aber für geschickte', solide und sparsame Verwaltung die sichere Bürgschaft in der Regel bei den industriellen Betrieben und nicht bei den Aktiengesellschaften zu suchen ist, darüber dürfte wohl nicht viel Meinungsverschiedenheit bestehen. Die Frage aber, ob die Groß­industrie nicht der Kapitalassociation unbedingt bedarf, um die nothwendigen Unternehmungen Hervorzurusen, darf wohl ziemlich unbedingt verneint werden. In Deutschland wenigstens ist der Privatreichthum vorgeschritten genug, um allen Ansprüchen großer Betriebe gewachsen zu sein, und man darf eher die Frage erheben, ob durch die allzusehr erleichterte Kapitalsassociation der Groß­betrieb nicht übermäßig und auf Kosten der mittleren und kleinen Betriebe befördert worden ist. Für die Association kleiner Kapitalien endlich scheint sich in einem rationell ausgebildeten Genossenschaftswesen ein angemessenerer Anziehungspunkt darzubieten, als in der Form der Aktiengesellschaft. Sind doch u. A. die zahlreich entstehenden Zuckerfabriken, an denen selbst die kleinsten bäuerlichen Besitzer participiren, großentheils als Genossenschaften gegründet worden.

Die diesjährigen Ernteberichte aus den preußischen Provinzen treffen ziemlich durchweg in dem Resultat zusammen, daß die anfänglich guten Aussichten durch das schlechte Erntewetter sehr wesentlich herabgedrückt worden sind, so daß im großen Durchschnitt eine Mittelernte kaum erreicht sein dürste. Der Körnerertrag ist im Allgemeinen noch ein zufriedenstellender gewesen, insbeson­dere bei Weizen, dagegen hat die Strohernte unter dem schlechten Wetter sehr gelitten, Qualität und Quantität erweisen sich als völlig unzulänglich. Kar­toffeln haben auf leichtem Boden eine Mittelernte ergeben, während in schwerem Boden in Folge der großen Rässe meist Fäule eingetreten ist. Trotz dieses ungünstigen Ergebnisses dürfte ein Rothstand nirgends hervortreten und so scheint es, daß die Erwerbsverhältnisse, soweit sie durch die Ernte beeinflußt werden, sich auch in diesem Jahre normal fortgestalten werden. Allzugroße Hoffnungen wird man freilich der Zukunft nicht entgegen bringen dürfen, zumal auch in einigen größeren Industriezweigen, insbesondere in der Eisenindustrie, sich neuerdings eine gewisse Abspannung bemerkbar macht.

Bezüglich Chinas und Tongkings hat es der Telegraph in den letzten Tagen an Mittheilungen nicht fehlen lassen; daß dieselben aber zur Klarstellung der dortigen Sachlage gedient hätten, kann eben nicht behauptet werden. Mit besonderem Nachdruck verweilt dieAgence Havas" bei ihrer Meldung, daß dieSchwarz-Flaggen" in ständigem Rückzüge begriffen sind und den ganzen von ihnen besetzt gehaltenen Rayon geräumt haben. Als Ursache dieses, den französischen Chancen am Rothen Fluß ungemein förderlichen Phänomens wird die unter denSchwarz-Flaggen" angeblich eingerittene allge­meine Demoralisation angeführt, und diese Erklärung klingt jedenfalls bei weitem plausibler als die ungeheuerliche Entdeckung desFigaro", daß Frankreich mit denSchwarz-Flaggen" paktirt und ihnen so zu sagen ihre Positionen mit klingendem Golde abgekauft habe. Wenn an dieser Version auch nur ein Fünkchen Wahres wäre, so hätte die Republik das müßte auch dem simpel­sten Verstände einleuchten doch die allerzwingendste Veranlassung gehabt, einen solchen, ihr zu nichts weniger als zur Ehre gereichenden Handel nicht an bie große Glocke zu hängen. Daß es gerade der dem republikanischen Regime spmnesemd gesinnteFigaro" sein muß, welcher die Nachricht des angeblichen Schachergeschäftes in die Welt setzt, benimmt demselben im Vornhinein alle Glaubwürdigkeit.

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Generalversammlung des landwirlhschastlichcn Vereins von Oberbcffen 1883.

Sie diesjährige ordentliche Generalversammlung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen soll

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Als Gegenstände der Verhandlungen sind vorgesehen:

1) Rechenschaftsablage.

Ä Sftage der Hebung der Weidenkultur und der Errichtung von Weiden-Flecht-Schulen in der Vrovinr Ä*. ÄÄ'äi'Ä! be,*nbl,bM * * ®-* d-r WN,

4) *** 01 * «*» dich- ®~rte ... *,

5) Die Frage, ob es nicht angezeigt erscheine, von Seiten und auf Kosten des landwirthschaftlichen Vereins -nnn

SSt ber ®n9titoen Dovonshire-Race anzukaufen und an die Vereine für Zucht und^Veredlung des Vog^sbttger. Viehks

6) Die Frage der Einführung einer allgemeinen Zwangs-Lagelversicherunq.

"I Die Bestimmung des nächsten Versammlungsortes..

m ..r.,ac9 3 31 der Statuten muß jedes Mitglied, welches in der Versammlung einen Vortrag zu halten wünscht diese Absicbt vor «Pninn sn s r

Wümim »« erkennen geben; schriftliche Mittheilungen müssen mindestens einige Tage vor der Versammlung bei bemS

®er Uittetjei^nete ladet hiermit die Vereinsmitglieder, sowie alle Freunde der Landwirthschaft u dieser^Versamm ung ein 3 ^"'belhausen, am 1. October 1883. Der Präsident des landwirtkaf-lichen Lins von Oberhessen.

.....umhibw vherr Nordeck zur Rabenau.

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Nmt| reparirt dS Schloßgasilu. 'kg Brimbokn ' ausgesprvchkra M 1883. he Capeller. ltung rc. wir ft iter Mann b.j itrnb gesucht 326 bef. Mc ________«83 besuch, abrikgeschäst cn i sofortigen Kni lit guten Schck- esucht-.

M Bl. 677)1: "unterzeichnete " diene hiermit :iier so wichtige :! iiiifl sehr darum ustellenden Cam ;n oder Sonderr. durch Spendun r icrkiben las!em hl ßeiwW y - r Wähler wotib. der betreffend meinbeücrtvett^

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