Kriegsminister die Absicht, demnächst auch eine Reise nach Ost- und Westpreußen zu machen, um die dortigen Festungen zu besichtigen.
Würzburg, 11. Juli. Am schwarzen Brett befindet sich der Aufruf zur Errichtung eines Luther-Denkmals. Der akademische Bonifazverein protestirt gegen diese Vergewaltigung des katholischen Charakters der Alma Julia und verlangt in einer Resolution an den Rector Magnifikus gleichfalls die Asfichi- rung seines motivirten Protestes am schwarzen Bret. (Fr. Ztg.)
Aesterreich.
Nyiregyhaza, 10. Juli, s Tisza - Eszlarer Proceß.) In der heutigen Sitzung waren auch die ä.ziichen Sachverständigen erschienen, zunächst wurde jedoch das Zeugcn- verhör bezüglich der Agnoscirung der Leiche sortgesctzt. Der Apotheker Zuranyt aus Boros-Sebes war bet der ersten von der Behörde vorgenommenen Leichenschau zusalltg anwesend und depontrte, die Flößer hätten, als die Commission anlangte, gesagt, die Leiche sei augenscheinlich die eines jungen Mädchens. Auf die Frage, woher sie dies wüßten, hätten die Flößer erwidert, sie hätten die Leiche besichtigt, ehe sie in die Grube gesenkt worden sei, es sei ein kleiner, schmächtiger Körper. r
— Der Apotheker Zuranyt sagte ferner aus, die Leiche habe im Oberkiefer kleine weiße Zähne gehabt, während die Im Unterkiefer größer und sechs davon übereinander gewachsen gewesen seien. Der Zeuge sagt weiter, er habe den Hals wohl zwanzigmal besichtigt, weil er ihn im Vergleich zum Körper auffällig dünn befunden habe, von einer Narbe am Hals dagegen habe er absolut nichts bemerken können. Das Tuch sei so an die linke Hand gebunden gewesen, daß zwei Zipfel oben und zwei Zipfel unten zu je einer Schleife vereinigt waren. Das Papier tn dem Tuche sei blau gewesen und habe keinen Farbstoff enthalten. Dagegen habe sich ein schwarzer Farbstoff un dem Tuche angesetzt, welchen der Zeuge abgeschabt und mitgenommen habe.
— Bei seiner weiteren Vernehmung deponirte der Apotheker Zuranyt. die Augen der Leiche seien entschieden braun gewesen, auch habe er am Fuße der Leiche ein vom Tritt einer Kuh herrührendes Mal deutlich gesehen. Der Zeuge beschrieb umständlich dieses Spectalzeichen, dessen sich die Zeugin Julie Szakolczay bei ihrer jüngsten Vernehmung nicht mehr recht erinnern wollte, und zeichnete, als der ärztliche Sachverständige Scheuthauer spectelle Fragen an ihn richtete, den Fuß der Leiche wie das Mal an demselben auf Papier. Die Kleider der Leiche wurden dem Zeugen vorgelegt und von demselben agnosctrt. Um 11 Uhr wurde die Sitzung abgebrochen, weil der Richter Gruden tn Folge der im Saale herrschenden Hitze unwohl geworden war.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspond<nz-B«r-a«.
Berlin, 11. Juli. Der „Deutjche Reichs-Anz." veröffentlicht das Gesetz, bett, die Abwehr und die Unterdrückung der Reblauskrankheit vom 3. Juli 1883.
— Se. Mas. der Kaiser hat den Staatssecretär des Reichslchatzamtes, Wirk!. Geh. Rath Burchard, und dessen Bruder, den Director der vereinigten Artillerie, und Ingenieur-Schule, Oberst Burchard, in den Adelsstand erhoben. , ,
Nyiregyhaza, 11. Juli. Tisza-Eszlarer Proceh. Statt des erkrankten Richters Gruden tritt als Ersatzrichter Feier ein. Es wurde Dr. Horwath von Geza vernoimuen, welcher bei der Leichenschau und Obduction den Bezirksärzten assistirte. Die Vernehmung desselben durch den Präsidenten, den Verthei- diger und Prosessor Scheuthauer dauerte 3 Stunden und sührte zu stürmischen Scenen. Scheuthauer bezeichnete den Zeugen als Angeklagten, wogegen derselbe lebhaft replicirte, wahrens Scheuthauer antwortete: „Sie können es aber noch werden." Mit denr Zeugen wurde der gestern vernommene Apotheker Zuranyi consrontirt; beide beharrten bei ihren in den Einzelheiten abweichenden Aussagen. Sodann wurde ein vierter Agnoscirungszeuge vernominen, welcher aussagte, daß nach Angabe der Julte Szakolczay die Esther Solymoffy eine Narbe am Fuße gehabt habe, und dass auch am Fuße der Leiche eine Narbe festgestellt worden fei.
Paris, 11. Juli. Das „Journal de Pans" schreibt: Ofstciellen Berichten aus Tongkmg zufolge seien die bei Hanoi schwer verwundeten Franzosen, welche in die Hände des Feindes fielen , grausam umgebracht worden. Der Gouverneur von Hanoi lieh den anamitischen General erschiesse».
- In einer Berathung des Comilös für die Gesundheitspflege in Paris sprach sich dasselbe zu Gunsten des Vorschlags Pasteurs aus, eine Commisston zum Studium der Cholera nach Egypten zu entsenden.
London, 11. Dull. Unterhaus. Vom Schatzkanzler Chtlders wurde dem Hause das von der englischen R-aieruni, mit der Suezkanal-Geftllschast wegen Erbauung eines »weiten Kanals getroffene provisorische Abkommen mit dem Bemerken mttgetheilt, daß die Regierung die für den zweiten Kanal erforderlichen 8 MM. Pfund durch eine Anleihe aufzubrtngen beabsichtige und daß der diesbezügliche Antrag zur Diskussion des mit Lesseps getroffenen Arrangements geeignet erscheine.
Auf eine Anfrage Norlhcote's erwiderte der Premier Gladstone, nach in den letzten 24 Stunden aus Madagaskar eingelaufenen Nachrichten habe der dortige französische Admiral dem britischen Consul in Tamatave befohlen, binnen vterundzwanzig Stunden die Stadt zu verlassen. Noch vor Ablauf dieser Frist sei der englische Consul gestorben. Der französische Admiral habe darauf die in Tamatave befindlichen Engländer aufgefordert, der Beerdigung des englischen Consuls beizuwohnen und es hätten auch viele Engländer, ingleichen viele Officiere und Matrosen des englischen Kriegsschiffes „Dryad" an dem Leichenbegängnisse theilgenommen, auch mehrere französische Officiere seien dabei zugegen gewesen. Inzwischen habe der französische Admiral die Verbindung zwischen den am Lande befindlichen Engländern und dem englischen Kriegsschiffe abgeschnitien und dem englischen Capitän sei nur gestattet worden, mündlich zu protesttren. Die Flaggen aller auswärtigen Consulate seien von den Franzosen eingezogen worden, die außer dem Secretär des englischen Consuls auch noch> e neu englischen Missionär Namens Shaw - letzteren vermuthttch unter der Beschuld'guno des Correspondirens mit dem Feinde - verhaftet hatten. Gladstone erklärte schließlich, er könne, indem er diese ernsten und peinlichen Ereignisse mittheile für letzt "ur sagen, daß die R g'ernng ausführlichere Informationen über die Thatsache und auch diejenigen Mittheilungen seitens der französischen Regierung abwarte, die der Fall erheischen dürste und die, wie der französischen Negierung zu verstehen gegeben worden sei, die englische Negierung erwarte, und welche unter ähnlichen Umständen auch die englische Regierung zu geben für ihre Pflicht gehalten haben würde.
Alexandrien, 11. Juli. (Telegramm des „Reuter schen Bureaus. ) Innerhalb 24 Stunden bis gestern Abend 9 Uhr sind in Damiette 52, in Mansurah 102, in Samanud 16, in Shirbin 1 und in Santa 2 Personen an der Cholera gestorben.
Schmeukal den vom Präsidenten der Pilsener Handelskammer erhobenen Protest einftinimtg zurückgewiesen hat. Der Präsident der Handelskammer tn Pilsen, .Es durch das Loos einen deutschen und einen czechtschen Vertreter in den Landtag entsendet, ist ein enragirter Czeche und hat Alles gethan, um die Wahl des deutschen Abgeordneten zu Hintertreiben. Dies ist dem Herrn glücklicher Weile nicht gelungen und haben die beiden Abgeordneten der Pilsener Handelskammer am Montag den Eid geleistet. - Aus Frohsdors meldet man, daß die Besserung im Bestnden des Grasen Ehambord zwar sehr langsam, aber doch stetig sortschreitet; der Graf empfing am Sonntag den Grafen Macas und ließ sich auch aus den Zeitungen vorlesen.
In Frankreich steht man jetzt, wo sich die Kammersesston ihrem Ende zuneigt, noch vor harten parlamentarischen Kämpfen. Den Anlaß hierzu werden die von der Regierung mit den grossen Eisenbahn-Gesellschaften abgeschlossenen Verträge geben, welche in der Deputirtenkammer zahlreiche Gegner finden und heißt es, daß die Feinde des Ministeriums Ferry diese Gelegenheit benutzen wollen, um das Ministerium zu stürzen. Die Lage des Cabinets Ferry ist allerdings eine ziemlich kritische; zu den finanziellen Schwierigkeiten, mit Denen es zu kämpfen hat und zu deren Beseitigung eben die Verträge mit den Eisen- bahn-Gesellschasten dienen sollten, gesellen sich noch die Mißerfolge rn der auswärtigen Politik. Demnach ist die Tongking-Frage um keinen Schritt ihrer Lösung näher gekommen und den Abbruch der Verhandlungen zwischen Tricou und Lihunq Chang kann man doch wahrhastig als keinen Erfolg der französischen auswärtigen Politik hinstellen. Außerdem laufen aber auch aus West- Afrika fortwährend Unglücks-Botschaften ein; die französische Congo-Expeditton bat mit den größten Hindernissen zu kämpfen und die Expedition des Obersten Desbordes im Senegalgebiet ist vollständig gescheitert, da der Typhus die Theil- nehmer an der Expedition derart decimirte, daß Oberst Desbordes mit dem Rest feiner Leute nach der Küste zurückkehren muhte- Bezüglich der Tongking- Frage waren für Dienstag, den 10. Juli, Interpellationen in der Deputieren- kammer angekündigt und wenn hierbei, wie es heißt, das Cabinet Ferry entschlossen ist, ein Vertrauensvotum von den Kammern zu fordern, so müßte sich hierbei das Geschick des Ministeriums entscheiden.
Das englische Unterhaus muhte sich am Montag wieder einmal mit der Eidesangelegenheit des bekannten Abg. Bradlaugh beschäftigen. Brad- laugh hatte sich in einem Schreiben an den Premier Gladstone zur Leistung des Eides bereit erklärt, trotzdem beantragte Rorthcote, der Führer der Con- servativen, Bradlaugh von den Sitzungen auszuschliehen, welcher Antrag mit 232 gegen 65 Stimmen angenommen wurde; Mr. Bradlaugh bleiben demnach die Pforten des Parlaments verschlossen.
Von Seiten des Vatikans liegt jetzt eine Erklärung gegenüber dem oben erwähnten Artikel der „Rordd. Allg. Ztg." vor. Das „Journal de Rome" sagt bezüglich dieses Artikels, daß, wenn derselbe eine Drohung gegenüber der Kurie involvire, diese Drohung vergeblich sei. Die Kirche dürfe nicht die Staaten zum Schaden der kirchlichen Rechte begünstigen. Der Vatikan sei zwar bereit, bis an die äußerste Grenze des Entgegenkommens zu gehen, diese Grenze könne er aber nicht überschreiten. Der Vatikan müsse ferner erwägen, daß Preußen die Maigesetze geschaffen habe, die Regierung biete nur eine th^eise Restitution an. Die Kirche sei darüber erfreut, sie sei aber' erst dann befriedigt, wenn Preußen ihr alle Rechte und Freiheiten zurückgebe. Die Regierung solle sich offen entscheiden, ob sie die Politik des Rechtes oder diejenige der Revolution verfolgen wolle.
Lokales.
Gießen, 12. Juli. ^Vierzehntes M-ttelrhelnisches Turnfest.) Schon macht sich die Feststtmmung in allen Kreisen unserer Bevölkerung geltend und legi Einers Zeugniß davon ab. welches Interesse unsere Stadt diesem Feste entgegenbrMgu albt uns andererseits Garantie dafür, daß Jedermann sein Scheiflein ® des Festes beiträgt. Von Auswärts ist uns zahlreicher, über Erwarten zahlreiche Besuch tn Aussicht gestellt, namentlich sind die Anmeldungen auswärtiger Turmr zay reicher als wir je geglaubt. Trotzdem können wir Allen ein sicheres Unterkommen zu sagen und jedem Vch'cher für die Festtage ein^befrichigendes versprechen.
Aus dem Festplatze sind die Gebäude sammtlich fertiggestellt und erübrigt NU I noch die Ausschmückung der Festhalle mit Fahnen, Gulrlanden und Tannen.
Deutschland.
m. Darmstadt, 11. Juli. Zur Ergänzung der telegraphischen Meldung aus der heutigen Sitzung der ersten Kammer set noch mitgttheilt, daß gelegentlich der Vorlage der Regierung wegen Gewährung einer Zinsgarantie für die Kettenschlepp- fchifffahrt auf der Mainstrecke Mainz-Aschaffenburg Fürst zu Jsenburg-Birstein Die Ansicht aussprach, daß die Ausführung des Projektes mehr den bayerischen Staatsangehörigen als dem Großherzogthum Hessen zu Gute komme und man füglich die Strecke Mainz-Offenbach allein habe tn's Auge fassen sollen, woraus Staatsminffter Freiherr v- Starck erwidert, das Interesse des Staates läge hier in dem Interesse der beiden Städte Mainz und Offenbach und man dürfe um der Lebensfähigkeit eines solchen Unternehmens willen dasselbe nicht in zu kleinen Grenzen beginnen. — Zur Vollendung der Arbeiten zur Beseitigung der aus Erdrutschungen bei Dienheim erwachsenden Gefahren werden wettere 9000 JL bewilligt; zur Erbauung eines Kreisamtsgebäudes in Offenbach 90,000 in Ueberetnsttmmung mit der zweiten Kammer und gegen den von Herrn Geh. Commerztenrath Wecker gestellten Antrag, die von der Regierung angeforderten 95,000 JL. zu bewilligen, um die Erwerbung eines geeigneteren Bauplatzes, als des projectirten, zu ermöglichen. Staatsminifter Freiherr v. Starck betont dem gegenüber die Dringlichkeil der Sache und das Wünschenswerthe eines übereinstimmenden Beschlusses b Uder Kammern. — Zur Erbauung einer Gensdarmeriekaserne zu Darmstadt bewilligt die Kammer, entgegen dem ablehnenden Beschluß des anderen Hauses 50,000 JL und lehnt weiter den Antrag des Abg. Heinzerling auf Be« sreiung der Kohlermann'scheu Stiftung vou Entrichtung der Kollateralsteuer in Uebei- eknnimmung mit der zweiten Kammer ab. — Bezüglich des Antrages der Abgeordneten Böhm und Kugler in Betreff der Aufnahme armer Waisen in die Landes-Waisen- anstatt tritt die Kammer dem genehmigenden Beschlüsse zweiter Kammer bei. lehnt da- gen den im anderen Hause angenommenen Antrag Arnold auf Erbauung einer Staatsstraße von Unter-Abtsteinach nach Ober-Abtsteinach und Siedelsbrunn dis auf De Kretdacher Höhe ab. — Auch tn Betreff des Antrages Ellen berg er und Genossen bezüglich der Regulirung und Eindämmung der Nidder, Nidda und Ufa tritt die Kammer den jenseitigen Beschlüssen bei. Graf zu Solmtz-Laubach macht hierbei seine Bedenken gegen die zu weit gehende Regulirung der oberen Wasserläufe geltend und empfiehlt Erwerbung der durch ihre Wehre auf die oberen Wasserläufe schädlich einwirkenden Mühlen durch den Staat und Verwandlung der Wehre in Schleusen. — Staattzminister Freiherr v Starck erklärt sich im Allgemeinen mit den Ausführungen des Vorredners einverstanden und glaubt, daß namentlich auch die Anlage von Sammelbecken (n’8 Auge zu sosffn sei. — Bezüglich des Antrags Möhn und Genossen auf Errichtung einer vierten Gestütsstation in Rheinhesten, insbesondere im Kreise Mainz, tritt die Kammer dem zustimmenden Beschluß zweiter Kammer nicht bet, beschließt jedoch das Ersuchen an die Regierung, dem Antrag näherzutrcten, sobald sich ein erhöhteres Bedüifniß zur Vermehrung der rheinhessischen Gestütsstationen erkennen läßt-
Nachdem die Kammer noch dem Aussührungsgesctz zum Reichsgesetz über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen in der von der zweiten Kammer beschlossenen Fassung ihre Zustimmung erihe'li, vertagte sich bkfelbe biS zum Herbste.
Derlin, 10. Juli. Die BesestigungSsrage, namentlich die Landesbefestigung von Kiel, scheint wieder in den Vordergrund treten zu solleit. Dieselbe war durch die vor Monatell stattgehabten Sitzungen der LalldeSvertheidi- gungs-Commission unter Vorsitz des Kronprinzen zuerst zur Anregung gekommen. Man erinnert sich, daß der damalige Kriegsminister v. Kameke und der Feldmarschall Graf Mollke, beide Ätttglieder der Coinnnsson, sich wiederholt nach Kiel begeben und darüber berichtet hatten. Jetzt ist nun auch der Kriegsminister v. Monsart in Kiel gewesen und demnächst zum Kaiser nach EmS gereist, um üver seine Wahrnehmungen zu berichten. Wie nun weiter verlautet, hätte der
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Martan zn Ri^d mit, nachdem ihr ftacht. Da nur d M hofft man sie lchradigsier Erreg verschiebe, p, denen zu entn krebs plante.
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