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Freitag den 13. Juli

1888»

ießmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint ILglich mit Ausnahme des MonlagS.

ö litt tu x Schulstraße 7.

Preis vierteljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

A m 1 t i ch e r H h e i l.

Betreffend: Abhaltung des XIV. mittelrheinischen Turnfestes dahier.

Bekanntmachung.

Von Freitag den 13. l. Mts. bis über die Festtage ist der Verkehr für Fuhrwerke durch den Oswaldsgarten gänzlich gesperrt. Der Verkehr für Fußgänger aus der Stadt nach der Nordanlage durch den Oswaldsgarten geht über die Benner'sche Schanze.

Gießen, den 12. Juli 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Programm

für die XXII. Wanderversammlung des Oberheff. Bienmzüchter-VeremS zu Friedberg i.d. Wetterau am 25. Juli 1883.

1. Am 24. Juli, Abends 810 Uhr, vorberathende Sitzung des Ausschusses und Local-Comitös in dem Gartenlokale des Herrn GeorgSteinhäußer.

2. Am 25. Juli, Vormittags von 810 Uhr, Besichtigung der Ausstellung und Vornahme praktischer Demonstrationen an Stöcken mit lebenden Bienen.

3. Verhandlungen, um 10 Uhr beginnend:

a) Einleitende Berichterstattung des Vorsitzenden.

b) Rechnungsablage.

c) Wahl der Commissionen für die Prämiirung, Verloosung und zum Ankauf der zu verlassenden Gegenstände.

d) Spezielle Gegenstände der Discussion: aa)Der Bien muß!" Wie weit ist's wahr bei rationellem Bienenzuchtbetrieb? Ref. Herr Pfr. Weygandt - Eschbach bei Usingen, bb) Winke für zukünftige ähnliche Fälle, welche das verhängnißvolle Bienenjahr 1882 mit seinem Winter aus 1883 den Bienenzüchtern gegeben hat. Ref. Herr Pfr. Quentel-Niederdünzebach bei Efchwege.

4. Wahl des nächstjährigen Versammlungsortes und Ergänzungsmahl des Vorstandes.

5. Ausgezeichnete Gegenstände werden prämiirt, und wird daher gebeten, die Ausstellung mit lebenden Bienenvölkern, musterhaft gearbeiteten Dzierzonstöcken, Bienenzucht-Geräthschaften und besonders mit Honig in jeder Form und Wachs reichlich zu beschicken.

6. Auf dem mit der Ausstellung verbundenen Honigmarkt wird Gelegenheit zu Honigankäufen, auch im Großen, geboten werden.

Das Nähere ist in dem nachstehenden Programm des Lokal-Comitös enthalten.

Alle Mitglieder des engeren Vereins, wie die der weiteren von beiden Hessen und Nassau, Kreuznach, insbesondere alle Freunde und Gönner der Bienenzucht und des Vereins laden wir hierdurch freundlichst zu recht zahl­reichem Besuch der Wanderversammlung ein.

Friedberg, den 17. Juni 1883.

Der Borstand.

In Folge Mttheilung des Herrn Präsidenten des Oberhessischen Bienen- züchtervereins, wonach in Friedberg am 25. Juli ds. Js. die Wander­versammlung abgehalten werden soll, sind folgende Herren mit dem Unter­zeichneten zu einem Lokal-Comitö zusammengetreten, nämlich: die Herren Bei­geordneter Steinhäußer, Kaufmann Wilhelm Bernbeck, Stadtrath Georg Falck, Polizeidiener Fourier, Stadtrath Eduard Hirsch, Stadt­rath Johann Koob, Verwalter Lütke, Fruchthändler Louis Rappolt, Kaufmann Franz Stamm, Oberförster Strack zu Ober-Roßbach, Seminar­

lehrer Süß, Rentier Friedrich Supp, Professor Dr. Tobisch, Seminar- lehrer Wahl.

Bezugnehmend auf obiges Programm laden dieselben zu recht zahlreicher Betheiligung an der angekündigten Wanderversammlung ein, die sich des freund­lichsten Entgegenkommens von Seiten der StcLt Friedberg versichert halten darf, und bringem zu diesem Behuse noch Folgendes zur allgemeinen Kenntniß:

1. Die Wanderversammlung nebst Ausstellung und Honigmarkt wird im Gartenlokale des Herrn Georg Steinhäußer abgehalten werden.

2. Alle Gegenstände für die Ausstellung und Honigmarkt sind unter der Adresse des Herrn Georg Steinhäußer franko einzusenden.

Dieselben müssen mit einer Etiquette versehen sein, welche den Namen des betr. Herrn Ausstellers und die Preisangabe enthält.

3. Freien Zutritt zu der Ausstellung und den Verhandlungen haben alle Mtglieder des Vereins, jedoch nur gegen Vorzeigung ihrer Aufnahme- ' Arten, untd gleicher Voraussetzung die Mitglieder der mitverbundenen Vereine Starkenburg, beiden Hessen, Nassau und Kreuznach. Alle Uebrigen, die Mitglieder des Lokal-Comitös und deren Familien ausgenommen, sind durch Abnahme eines Looses ü 50 zu freiem Eintritt berechtigt; Nichtabnehmer eines Looses bezahlen 30 H Eintrittsgeld und erhalten zu ihrer Legitimation auch eine Schleife in den Landesfarben.

Des Honigmarktes wegen ist der Eintritt von 4 Uhr Nachmittags

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4. Am Vorabend des 24. Juli, von 710 Uhr, Empfang der Abends schon eintreffenden Gäste von Seiten des Lokal-Comites, gesellige Ver­einigung im Steinhäußer'schen Gartenlokale, und ebendaselbst Vor- berathung des Lokal-Comitös mit dem Ausschüsse des Vereins.

5. Nach den Verhandlungen am 25. Juli findet Nachmittags um 2 Uhr im Steinhäußer'scheu Gartenlokal das Mittagsmahl statt, das Gedeck zu 2.50 incl. eines Schoppen Wein.

Diejenigen, welche an demselben Theil zu nehmen beabsichtigen, werden gebeten, gleich bei ihrer Anmeldung ihre Namen in eine aufgelegte Tafel­liste einzeichnen zu lassen. .

6. Zu einer nach der Versammlung beabsichtigten Verloosung find Loofe zu 50 das Stück bei sämmtlichen Sektions-Vorstehern, und Vorständen der Zweigvereine, sowie den Mitgliedern des Lokal-Comitös zu haben.

Friedberg, den 17. Juni 1883.

Im Auftrag:

<3teinl)äu@er, Beigeordneter.

Politische Ueberfkcht.

Gießen, 12. Juli.

In unserer inneren Politik herrscht beinahe vollständige Wind­stille und nur die Erörterungen über den Stand der kirchenpolitischen Angelegen­heiten kräuseln noch ein wenig die sonst glatte Oberfläche des politischen Sees. Die letzte Note des Kardinal-Staatssecretärs Jakobmi hat denn doch in den leitenden Berliner Kreisen ziemlich verschnupst nnd der bekannte geharnischte Artikel derNordd. Allg. Ztg," giebt dieser Verstimmung unverhohlen Ausdruck. Man darf daher gespannt daraus sein, wie die Antwort der preußischen Negie­rung ausfallen wird; daß dieselbe bereits nach Nom abgegangen sei, wie ver­schiedene Blätter wissen wollten, hat sich indessen bis jetzt noch nicht bestätigt und scheint es vielmehr, als ob man im Vatikan auf diese Antwort noch einige Zeit wird warten müssen. Wer jedoch aus der unsanften Abfertigung, welche dieNorddeutsche" der Kurie hat zu Theil werden lassen, auf einen Abbruch der Verhandlungen zwischen Berlin und Nom schließen wollte, würde sich ent­schieden irren; dieNordd. Allg. Ztg." hat schon schärfere Artikel gegen die Kurie gebracht, ohne daß hierdurch die Beziehungen zwischen Berlin und dem Vatikan wesentlich getrübt worden wären und so werden dieselben auch jetzt trotz der augenblicklich in Berlin gegen die Kurie herrschende Verstimmung nicht weiter beeinflußt werden.

DieZahl der gegenwärtig erledigten Neichstags-Mandate ist durch die Mandats-Niederlegung des Grafen Ballestrem (Centrum), welcher den zweiten Oppelner Neichstagswahlkreis vertrat, wiederum vermehrt worden.

Graf Ballestrem hat sein Mandat in Folge von Differenzen mit fernen schlesi­schen Parteigenossen niedergelegt und diesen Schritt in einem Schreiben an ferne Wähler begründet. DieGermania" bemerkt zu diesem , Vorgänge, daß re Mandats-Niederlegung des Grafen Ballestrem lediglich aus ernem Mrßverstandmß beruhe und daß ihn die 10,000 katholischen Wähler fernes Wahlkreises reden- I.°- wk-älM iem gotum d--

Landgerichts am Montag ein Proreß wegen socialdemokratischer Agttatwnen begonnen, der ein weitgehendes politisches Interesse erwecken durfte Dre An­klage richtet sich gegen vier Personen polnischer Nationalität unter denen der frühere Student der Naturwissenschaften Stanislans Padlewsk. am 20 Deeem- ber 1857 zu Ochmatow in Rußland geboren, am meisten be astet erscheint Es sind zu diesem Proeeß 52 Zeugen vorgeladen, Rechtsanwalt Hugo Sachs aus Berlin wird die Angeklagten vertheidigen.

Im neuen böhmischen Landtage machen sich Symptome geltend, welche der Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen Deutschen und Czechen aller­dings Rauin geben Die deutschen Abgeordneten der Landgemeinden stimmten mit für den böhmischen Obmann dieser Gruppe wahrend die czechffchen Abge­ordneten aus der Städte-Gruppe für den deutschen Obmann der Stadte-Kune votirten Es ist dies ein Akt gegenseitiger Courtoisie, welcher unter den jetzigen politischen Verhältnissen in Böhmen schon viel bedeuten will. Als ein weiteres Seicfien von Versöhnlichkeit verdient der Umstand hervorgehoben zu werden, daß der Landtag auf Antrag des deutschliberalen Abgeordneten und Referenten