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133» Mittwoch dm 13. Juni 18S3.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

vurearrr Schulstraße 7.

Erscheint ISglich mit «usnahme deS MSAlags.

treiO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bei mrch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark

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Amtlicher Tyerl.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Mai 1883 veröffentlicht:

Hafer JU 15., Heu J4,. 6., Stroh JL 4. per 100 Kilogramm.

Gießen, am 9. Juni 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

vr. Boekmann. ___________________________________________

Politische Ueberfkcht.

Gießen, 12. Juni.

Im Reichstage scheint noch in letzter Stunde eine friedfertigere und versöhnlichere Stimmung eingezogen zu sein, als diejenige, welche in den letzten Wochen im Hause vorzuherrschen pflegte. Wenigstens trug die zweite Lesung des Etats pro 1884/85 nicht im Entferntesten jenen persönlichen Cha- rakte'r den z. B. die Debatten über die Gewerbeordnungs-Novelle nur zu häufig annah'men, Alles wurde in rein geschäftsmäßiger Weife behandelt und so ist denn die zweite Lesung des Etats überaus rasch und glatt verlaufen. Wir tragen hierzu aus der Donnerstags-Sitzung noch nach, daß in derselben zunächst die Zuckersteuer-Vorlage in dritter Lesung angenommen wurde, worauf stch das Haus der Weiterberathung des Etats zuwandte und die Titel: Reichseisenbahn­amt, Rechnungshof, Auswärtiges Amt, Reichsamt des Innern und Marine nach im Ganzen unerheblicher Discussion genehmigte. Auch am Freitag nahm die Etatsberathung einen rapiden Fortgang, nachdem der Abg. Richter-Hagen erklärt hatte, daß er seine Opposition auf einzelne Positionen und auf das ge­ringste Maß beschränken wolle. In einer Viertelstunde war das ganze Ordina- rtum des Militäretats bewilligt und nur beim Extraordinarium erhoben sich Anstände, indem die erste Rate zum Kasernenbau in Hadersleben auf Antrag dös Abg. Frhrn. zu Franckenstein mit 119 gegen 97 Stimmen gestrichen wurde, ebenso wurden die Forderungen für die Kasernen in Jüterbog und Hofgeismar abgelehnt; dagegen fand der Rest des Militär-Etats die Zustimmung des Hauses. In demselben raschen Tempo wurden schließlich noch die Etats des Allgemeinen Pensions-Fonds und des Jnvaliden-Fonds, der Einnahmen aus Zöllen, Ver­brauchssteuern und Aversen erledigt. Für Sonnabend wurde die Beendigung der zweiten Lesung des Etats pro 1884/85 erwartet.

Die Tagesordnung des preußischen Abgeordnetenhauses vom Freitag bot wenig Jntereffantes dar, das Haus beschäftigte sich lediglich mit Petitionen und Anträgen. Zur Abwechselung wurde vom Abg. Lasten (Däne) auch einmal die dänische Sprachenfrage aufis Tapet gebracht, indem der genannte Abgeordnete, von seinen polnischen Collegen unterstützt, den Antrag einbrachte, daß in denjenigen Districten Nordschleswigs, in denen die Volks­sprache hauptsächlich die dänische ist, letztere Sprache auch in den Volksschulen ausschließlich als Unterrichtssprache eingeführt sei. Herr Lassen hatte indessen hiermit wenig Glück, denn der Unterrichtsminister, Herr v. Goßler, wies treffend nach, daß die dem Laffen'schen Anträge zu Grunde liegenden Tendenzen nur geeignet seien, die Grundlagen der preußischen Monarchie zu erschüttern, worauf das Haus mit sehr großer Majorität den vom Abg. Jürgensen gestellten Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung annahm. Für die Sonnabend- Sitzung bildeten die in abgeänderter Form aus dem Herrenhause zurückgekom­menen Verwaltungsgesetze, die Kanal-Vorlage und das Strombaugesetz die Gegenstände der Tagesordnung.

Verschiedene Blätter haben den Reichskanzler schon nach Kissingen abreisen lassen, während derselbe vorläufig doch noch in Berlin weilt. Auch gedenkt sich Fürst Bismarck nicht direct von der Reichshauptstadt aus nach dem fränkischen Badeorte zu begeben, sondern zunächst Varzin einen Besuch abzustatten, wo größere Baulichkeiten die Anwesenheit des Fürsten erfordern.

Die neue kirchenpolitifche Vorlage beschäftigt die Presse noch immer in hervorragender Weise. Mit einzelnen Ausnahmen hat dieser neueste Schritt der preußischen Regierung auf dem Gebiete desCulturkampfes" theil- weise die unbedingte Zustimmung ber Presse gefunden und selbst vorgeschrittene liberale Blätter sprechen sich nicht ungünstig über die Vorlage aus. Welche Stellung die einzelnen Fraktionen des preußischen Abgeordnetenhauses der Vor­lage gegenüber einzunehmen gedenken, entzieht sich noch der Beurtheilung; denn hier liegt ein Gegenstand vor, welcher sowohl seiner allgemeinen politischen Be­deutung und Consequenz nach, als seinem sachlichen Inhalt im Einzelnen noch einer so vielseitigen unv gründlichen Prüfung bedarf, daß schwerlich schon jetzt irgend eine Fraktion sich über die Vorlage klar geworden wäre.

In Oesterreich bewegt augenblicklich die von den Czechen und Polen angestrebte Decentralisation der Eisenbahnen lebhaft die öffentliche Meinung. Die Regierung des Grafen Taaffe will nun diesem Bestreben vorläufig insoweit entgegenkommen, als neben der Wiener Centralleitung in Prag und Lemberg Filial-Directionen für die unter staatlicher Leitung, resp. Aufsicht stehenden böh­mischen und galizischen Eisenbahnen eingerichtet werden sollen. In Wien betrachtet man jedoch diese Concession nur als einen ersten Schritt zur Aus­hebung der Wiener Central-Directionen und der Wiener Oberbürgermeister Uhl hatte daher im Laufe der vergangenen Woche über diese Angelegenheit eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Grafen Taaffe. Letzterer versicherte hierbei, daß Wien unter allen Umständen Sitz der Centralleitung bleiben werde,

daß es aber bei entsprechender Länge der Bahnlinien unerläßlich sei, an andern Orten Filial-Directionen zu errichten. Wir fürchten indessen, daß sich um die künftigen Filial-Directionen in den Hauptstädten Böhmens und Galiziens alle die separatistischen Tendenzen der in jenen Ländern herrschenden politischen Par­teien krystallisiren werden und daß hiermit der Föderalismus in Oesterreich eine neue Etappe erreichen wird.

Für Frankreich ist der drohende Conflict mit demhimmli­schen Reiche der Mitte" selbstverständlich fortdauernd der Gegenstand der allge­meinen Aufmerksamkeit. Bis jetzt präsentirt sich dieser Conflict nur in unbe­stimmten Formen und Drohungen, was aber nicht ausschließt, daß derselbe eine acutere Gestalt annimmt. Die bekannten Auslassungen des chinesischen Bot­schafters in Petersburg, Marquis Tseng, nach welchen China eventuell selbst vor einem Krieg mit Frankreich nicht zurückscheuen würde, sind von der Pariser Regierungs-Presse thells mit vornehmem Schweigen, theils mit Spott und Hohn ausgenommen worden. Indessen scheint die französische Regierung sell>st diese Sache nicht so lächerlich zu finden. Das erste' algerische Tirrailleur-Regiment hat Befehl erhalten, sich zur Einschiffung nach Tongking bereit zu halten, weitere Regimenter sollen folgen und dies deutet daraus hin, daß man in Frankreich Anstalten zu einem größeren Orientkriege trifft. Sollte aber die Tongking-Expedition dennoch zu keinem Kriege zwischen Frankreich führen, nun, so können die erwähnten Regimenter immer noch Verwendung in Tongking finden, und wenn sie auch nur zu einem Beobachtüngs-Corps gegenüber China dienen sollten. Das von der Regierung angenommene Magistratur-Gesetz, welches die Unabsetzbarkeit der Richter aufhebt, ist nun auch dem Senate zur Entscheidung zugegangen; eine Ablehnung des Gesetzesentwurfs Seitens des Senats soll nicht unwahrscheinlich sein.

In England nimmt die Agitation zur Bildung einer englischen Gesellschaft behufs Ausführung des projectirten zweiten Suezkanals ihren unge­hinderten Fortgang. In voriger Woche fand zu London in dieser Angelegen­heit wiederum eine Versammlung von Schiffsrhedern statt. Nach lebhaften Debatten wurde schließlich eine Resolution angenommen, die Arbeit energisch fortzusetzen, da die von Herrn v. Leffeps in der jüngsten Generalversammlung der Actionäre der Suez-Gesellschaft abgegebenen Erklärungen sehr wenig befrie­digend lauteten. In dieser Woche soll eine andere Versammlung stattfinden.

Die große Haupt- und Staats-Action, die seit Wochen in Moskau spielte, ist nun zu Ende, denn die Krönungs-Feierlichkeiten haben mit der am Sonnabend, den 9. Juni, stattgehabten Truppenrevue ihren officiellen Abschluß gefunden. Zugleich hat sich noch einmal vom Thron des Czaren ein gewaltiger Ordensregen ergossen, von welchem die Krönungs-Botschafter und verschiedene hervorragende Mitglieder des Peterburger diplomatischen Corps be­troffen worden sind. Unter den Decorirten befindet sich auch der deutsche Bot­schafter v. Schweinitz, welcher den Alexauder-Newskyorden mit Brillanten empfing, während sich die beiden französischen Botschafter Jourös und Waddington, der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Wolkenstein u. s. w. mit demselben Orden ohne Brillanten begnügen mußten. ,

In den albanefischen Bergen sind wieder einmal die Jahrhundert alten blutigen Raufhändel zwischen Albanesen und Türken ün Gange. Bei einem der letzten Zusammenstöße zwischen den Albanesen und den türkischen Truppen ging auch ein albanesisches Dorf in Nammen auf; beide Eheste schlossen nach diesem Treffen einen 24stündigen Waffenstillstand ab. Die Ursache zu diesen Kämpfen ist noch unbekannt.________ . ..

Deutschland.

m Darmstadt, 12. Juni. (Telegramm ) Soeben wird in^der zweiten Kamm» ÖÄ «nb W'-lf, d.e'k.rchenpo.ittsche

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putschen System. unÄnb gehabt haben, bestehen, soweit sie die Kirche

die eben bezeichnetenGesetz s ^um ^Anzahl Pfarreien, der Erschwerung einer betreffen, in, der. Berw s 0 r^bung verschiedener Lehranstalten, sowie in der Un» möflSü ^ n Jnland den Clerus nach den kirchlichen Vorschriften heranzubtldcn. rnO0ltä)tett, tmbQ6cl nirgends erzielt worden, man müßte denn die l'HJ' AMorttüt sowie die immer mehr wachsende Unzufriedenheit eines nicht ?nbdrSditltoeVSk8 der Bevölkerung als solche gelten lassen. J-d-nsalls darf jetzt tonn eben o rolt bif78 in Preußen und Baden der Fall ist, der ursprünglich b-ab- sichsigt^Zweck der Gesetze als vollständig verseh» betrachtet werden. Angesichts der