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Erscheint täglich mit Ausnahme des MsntagS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
sa Freitag den 13 April 1888
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
S ü f f e r t.
Gewerbetagebüchern.
Gießen, den 12. April 1883.
Das Großhmoalichc Steuer-Commiffariat Gießen
- * «ääwkm 77.
Wir erinnern Sri an Re alsbaldige Einsendung der Verzeichnisse über Zugänge an Einkommenstenerpflrchtrgen, sowie bie Auszüge aus den
Politische Ueberstcht.
Gießen, 12. April.
Die Verhandlungen des Reichstags über die Gewerbeordnungs- Novelle nehmen einen sehr langsamen Fortgang und wenn dieses österreichische Landwehr-Tempo auch ferner beibehalten werden sollte, so dürfte sich das Haus auch noch in nächster Woche mit diesem Gegenstände zu beschäftigen haben. Am Sonnabend discutirte der Reichstag einen einzigen Paragraphen, den § 3d des Art. 4, betr. den Gewerbebetrieb der Turn-, Schwimm- und Tanz-Lehrer, der Trödler, Steüenvermittler und ähnlicher Gewerbstreibender. Der „Tingel- Tangel-Paragraph" wurde schließlich mit einigen die ursprünglichen Vestunmun- gen der Regierungs-Vorlage mildernden Modificationen mit 130 gegen 128 Stimmen angenommen. Die Reichstags-Sitzung vom Montag, den 9. April, war lediglich dem Hausirgewerbe und den Wanderlagern gewidmet, über welche veiden die Klagen der seßhaften Gewerbetreibenden und Handwerker in den letzten Jahren immer lauter und dringender erschollen sind. Non Setten der Regierung war daher der Titel 3 der Gewerbeordnung (Gewerbebetrieb nn Umherziehen) einer vollständigen Umarbeitung unterzogen worden, welche im Großen und Ganzen auch die Zustimmung der Commissions-Majorität fand. Die Plenarverhandlung selbst gestaltete sich sehr compliciri, so daß mir hierüber nur kurz resümirend berichten können. § 55 (Einführung des Wandergewerbe- Scheines) des Art. 10, welcher von der Beschränkung des Hausirbetriebes han- 'dclt, wurde nach mehrstündiger Debatte in Der Commissionsfassung genehmigt, tbtnio Nr. 1 bis Nr. 9 des § 56, bett, das Nerbot des Ankaufs und Feil- Hal,ens gewißer Gegenstände. Bei Nr. 10 (Colportagehandel) beantragte das Eentrumsmitglied v. Hertling die Wiederherstellung des Regierungs-Paragraphen, welcher den Colportagehandel ganz verbietet, wofür von conservativer Seite auch die Abgg. Günther und v. Kleist-Retzow plaidirten. Von liberaler Seite erklärten sich die Abgg. Munckel und Schott gegen jede Vermehrung der Polizeigewalt, während Bundescommissar Bödiker warm die Annahme der Regierungs- Vorschläge empfahl. Schließlich entschied sich das Haus für den Antrag Baum- bach, nach welcheni nur Druckschriften von der Colportage auszuschließen sind, welche mittelst Zusicherung von Prämien vertrieben werden, und sofern diese nicht in Schriften oder Bildwerken bestehen, mit 141 gegen 127 Stimmen. Heber die Frage, ob über den gesaminten § 56 abgestimmt werden solle, ent- ipann sich zuletzt noch eine längere Disrusston, die mit dec Verneinung der Rothwendigkeit einer nochmaligen Abstimmung endigte.
Die preußische Regierung hat, zum ersten Male seit Ausbruch »es Kirchenstreites, dem Prager Erzbischof Fürst Schivarzenberg die Erlaubniß ertheilt, in der Grafschaft Glatz, welche zur Präge. Diöcese gehört, firmen zu dürfen. Ob hierin indessen eine, wenn auch nur indirecte, Folge der Verhand- iuiigen Preußens mit Rom liegt, ist zu bezweifeln, da diese sich zunächst um ganz andere Angelegenheiten drehen.
Ein hochofficiöser Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." über die schon io vielfach erörterte Tripel-Allianz zwischen Oesterreich, Deutschland und Italien hat die politische Welt in erneute Erregung versetzt. Im ungarischen Abgeordnetenhause soll nach einer Mittheilung des Ministerpräsidenten Tisza diese Llnge- legenheit noch in dieser Woche erörtert werden, vielleicht wird dieselbe auch im italienischen Senate gelegentlich der am vergangenen Montag begonnenen Debatte über das Budget des auswärtigen Amtes mit berührt werden. Eine sehr verschiedene Auffassung hat der genannte Artikel in Wien und in Paris gefunden. Tas hochvsficiöse „Wiener Fremdenblatt" meint, daß derselbe ^den französischen Staatsmännern die sichere Ueberzeugung gewähren müsse, daß Frankreich keinen kriegerischen Angriff zu besürchten habe, wenn es einen solchen nicht provocire. Der Pariser „Temps" dagegen, das Organ des Minister-Präsidenten Ferry, mibmet den Aussührungen der „Nordd. Ällg. Ztg." eine wenig wohlwollende Besprechung. Das deutsche Blatt, sagt der „Teinps", leugne die Existenz der Tripel-Allianz nicht, wenn es auch die Frage verschiebe; es scheine aber nicht zu wissen, daß alle Parteien in Frankreich hinsichtlich der Frage der Innern Freiheit und der nationalen Unabhängigkeit einig seien.
Innerhalb der Wiener Regierungskreise greifen jetzt gewisse gespannte Verhäliniffe Platz, die unstreitig der Taaffe'schen Versöhnungs- Politik entspringen. Als ein Symptom dieser Spannung ist ein Notenwechsel zwischen dem Minister-Präsidenten Grasen Taaffe und dem Reichs-Kriegsminister Grafen Bylandt zu betrachten, in welcher Graf Bylandt sich energisch gegen Die Zerbröckelung der Centralgewalt und Preisgebung der wichtigsten Interessen Des Gesammtstaates verwahrt, wie solches aus dem Taaffe'schen Regime resul- tire. Wenn jetzt dem Grafen Taaffe in den Reihen seiner Minister-Collegen selbst Gegner erstehen, so begreift es sich auch, daß der gegenwärtige leitende Staatsmann des Donaureiches an der glücklichen Durchführung seines Planes,
die widerstreitenden Interessen der Völker Oesterreichs mit einander m Einklang zu bringen, zu zweifeln beginnt. Wenigstens wird aus Wien gemeldet, daß Graf Taaffe, obwohl er sich noch des vollsten Bertrauens seines Monarchen erfreut, sich mit dem Gedanken trage, zurückzutreten und dies könnte inan ihm nicht verargen, denn nirgends ist wohl ein Minister-Präsident weniger aus Rosen gebettet, als gerade in Frankreich.
In Paris ist am Sonntag Abend Louis Veuillot, der hervorragendste französische Publieist unserer Zeit und' der langjährige Ches- redaeteur des ultramontanen „Univers", nach längerem Leiden , im Alter von 70 Jahren verschieden. Veuillot, päpstlicher als der Papst selbst, war der glühendste Kämpe des Ultramontanismus, in -ber Frage der weltlichen Macht des Papstes stand er rücksichtslos auf der Seite des Letzteren und auch für den Snllabus und das Unfehlbarkeits-Dogma trat Veuillot mit Entschiedenheit em. Nicht nur die ultramontane Partei Frankreichs, sondern das gesammte Papst- thurn verliert in Veuillot einen seiner begabtesten Vorkämpfer, deffen hervorragendes publieistischeS Talent auch von seinen Gegnern anerkannt wurde.
Jeder Tag bringt uns jetzt aus England die Kunde von neuen Verhaftungen und neuen unheimlichen Entdeckungen, so daß die einzelnen Fälle beginnen, an Interesse zu verlieren. In Cork (Irland) wurde Anfangs dieser Woche eine Partie Nitroglycerin mit Beschlag belegt, welche von Glasgow aekommen war, auch ist in der Nähe erstgenannter Stadt em Versteck von Sprengstoffen von der Polizei aufgesunden worden. Unter diesen Umstanden hat sich die Einbringung eines verschärften Gesetzes gegen den Mißbrauch, welche, mit der Fabrikation und dem Verkauf von Sprengstoffen getrieben wird, im Parlamente als nothwendig erwiesen und ist die betr. Bill, welche lehr fcharfe Bestimmungen enthält, auch bereits genehmigt. Ob dieselbe den wischen Dynamit- Verschwörern die geheimen Bezugsquellen des von ihnen so geschätzten Materials und verwandter Stoffe verstopfen wird, ist freilich noch die Frage. -- In Dublin haben am Montag die Verhandlungen gegen die des Mordes im Phönixpark angeklagten Personen vor dem Schwurgericht begonnen.
Die auswärtige Politik des italienischen Cabinets dePretis-Mancim hat schon in der italienischen Deputirtenkammer vor einiger Zeit zu lebhaften Erörterungen geführt, in bereit Verlauf der Minister des Auswärtigen Manctm. seine bekannten Ausführungen über die von ihm geleitete Politik Italiens gao. Jetzt hat nun auch der italienische Senat Veranlassung genommen, sich gelegentlich Der Berathnng des Budgets des Auswärtigen mit Herrn Mancim ausem- anderzusetzen. In der Sonnabend-Sitzung des Senates kritisirte Pantaleonidie Politik des Cabinets in Egypten und Tunis in ziemlich abfälliger Weise welcher Auffassung Senator Musolino am Montag entgegentrat. Es wäre unklug gewesen , und hätte Italien theuer zu stehen kommen können, wenn es der Aus- sorderung, an der egyptischen Action Englands theckzunehmen, nachgekommen wäre. Dagegen sprach sich Musolino mißbilligend über dre Politik des Cabme.s in der orientalischen Frage aus. _ —
Deutschland.
Darmstadt, 11. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergiiadigst^geruhtz ^^ordentlichen Professor Dr. Rud°lphKalten. buch zu Freiburg zum ordentlichen Professor m bei•
Großh. Landes-Universität - insbesondere für das Lehrfach der Geburtsh und Gynäkologie — und zum Director der Entbindungsanstalt ,n ®ie6en, mit Wirkung °°m 15. April d. Js. an, zu ernennen und in der gedachten Eigen-
Lampertheim gu ernennen; ^rsts Nidda Ferdinand Muhl zu
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Gewährung ehier ^etr?-des der Damp f-K-tten schl eppschiff- wegen Herstellung un ccte Mainz-Aschaffenburg hat Namens
fahrt auf dem Main derAbg, Schröder einen sehr eingehenden
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« ,u "ermäi-btlflcn, einer zum Zweck der Anlage und des B-tnebeS 1 (SroSb- ' u Ött3e^fd,tevpfcbtffia6rt auf der Mainstreckc Mainz-Aschaffenburg sich I bildenden AkittngeseUschast unttr nachstehenden Bestimmungen für die Dauer von zehn


