fehlte eS nun dieser Kategorie von Schiffsperson! fast an j-der Gelegenheit, sich durch theoretische Fortbildung diejenigen Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, welche für die Maschinistenprüfung der beiden oberen Klaffen erfordert werden. Diesem Mangel abzuhelfen, soll eben die neu projectirte Maschinistenschule in Flensburg dienen und darf man annehmen, daß dem Institute seitens der nächftinterefsirten Kreise die entsprechende Förderung LU Thetl werden wird.
Stake«.
Rom, 9. December. Der päpstliche Prälat Savarese hat auf seine Prälatenwürde verzichtet und ist zum Protestantismus übergetreten Der Ueber- tritt desselben erfolgte in der amerikanischen Kirche von St. Paul, wo der Rector, Dr. Nevin, die kirchliche Ceremonie vollzog. — Der UnterstaatLsecretär Lovito, der fich vor einigen Tagen mit dem Abg. Nicotera duellirte, hat die van ihm nachgesuchte Demission erhalten.
Aegypten.
Kairo, 9. December. lieber die Niederlage der egyptischen Truppen- abtheilung in der Nähe von Suakim besagen weiter eingeganzene Nachrichten, von Kundschaftern sei die Nachricht nach Suakim gebracht worden, daß sich ein nur einige hundert Mann zählender feindlicher Trupp in der Nähe der Stadt gezeigt habe. Mahmud Pascha habe darauf in der Absicht, die Niederlage vom 6. November zu rächen, 500 Mann Negertruppen und 200 Mann Baschibozuk» gegen den Feind entsandt, Mahmud Pascha selbst sei in Suakim zurückgeblieben. Der Zusammenstoß mit den Aufständischen habe an einem etwa 3 Stunden von der Stadt Suakim entfernten Orte stattgefunden, die egyplischen Truppen hätten nach heftigem Kampfe eine vollständige Niederlage erlitten, nur etwa 50 Mann, von denen die Hälfte aus Osficieren bestehe, hätten sich gerettet. Die von den egyvtischen Truppen erlittene Niederlage verursucht große Bestürzung, da die geschlagenen Truppen zu den besten Truppenthellen dec egyptischen Armee gehörten und weil man besorgt, daß sich die Wiedereröffnung der Straße von Suakim nach Berber zur Verbindung mit Baker Pascha kaum ermöglichen laffen werde.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Eorresporrdenr-Brrrearr.
Straßburg, 10. December. Der Landesausschuß von Elsaß-Lothrin- gen wurde heute Nachmittag 3 Uhr in Vertretung des Statthalters durch den Staatsfecretär v. Hofmann mit einer geschäftlichen Ansprache eröffnet.
Madrid, 10. Deebr. Die Eisenbahnverbindung irn Lande ist in Folge des Schneefalls vielfach gestört.
Rom, 10. December. Der italienische Botschafter in Berlin ist bereits am Samstag Vormittag davon in Kenntniß gesetzt worden, daß der deutsche Kronprinz sich aus den Wunsch des Kaisers Wilhelm nach Rom begeben werde, um dem König Humbert für den ihm in Genua zu Theil gewordenen Empfang zu danken und damit zugleich auf's Neue Zeugniß abzulegen für das zwischen den Höfen von Berlin und Nom bestehende Freundschaftsverhältniß. — Nach den Mittheilungen der Journale werden die zur Ausnahme des deutschen Kronprinzen bestimmten Zimmer im Quirinal bereits in Stand gesetzt.
Kopenhagen, 10. December. Heute wurde hier ein großes Meeting der Partei der Rechten abgehalten. Anwesend waren 20 Mitglieder des Fol- kethings, 35 Mitglieder des Landsthings, Delegirte der hauptstädtischen conser- wativcn Presse und sämmtlicher 68 im Lande existirenden Vereine der Rechtest. Die Versammlung nahm eine Resolution an, welche sich lebhaft gegen die Ob- structionspolitik der Linken ausspricht.
Die Einweihung des Alice-Hospitals ;u Darmstadt.
Darmstadt, 9. December.
Die feierliche Einweihung des neuerbauten Alice-HospualS auf der Mathilden- höhe fand gestern Nachmittag 3 Uhr in Gegenwart des Großherzoglichen HofeS und eines zahlreichen destinguirteu Publikums statt. Bald nach 3 Uhr erschienen Seine König!. Hoheit der Großherzog mit Sr. König!. Hoheit dem Erbgroßherzog und Ihren Großh. Hoheiten den Prinzessinnen Victoria und AHx, Ihre Großh. Hoheiten Prinz Heinrich, Prinz Wilhelm und Prinz Alexander, sowie Ihre Durch!. Prinzessin Battenberg und Prinz Ludwig von Battenberg nebst Gefolge, geführt von den Geschäftsführern des Vereins.
Nachdem die'Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften in dem Festsaale, der eine aus geschmackvollem Pflanzen-Arrangement sich erhebende, treffliche Büste der Höchst- seligen Großherzogin Alice zierte, Platz genommen, wurde die F«i rttchkeit mit Choral- gelang, ausgeführt von einzelnen Mitgliedern des evangelischen KlrchengesangvereinS, eröffnet. Herr Mitprediger Keil sprach zum Beginn ein Gebet und hielt alsdann formende Weiherede-.
Was ist eS, daß die stattlichen Räume diese- Hauses heute eine so hockansehn- liche Versammlung beherbergen? Ein Denkmal helfender Siebe ist aufgerichtet und vereint mit den Gliedern unseres erhabenen Fürstenhauses haben treue Herzen sich versammelt auS den Kreisen des Staate-, der Kirche und der Hauptstadt unseres Hessen- landes zu treuem, ehrendem Gedächtutß. Sie alle schauen heute mit Freudigkeit und tiefbewegtem Herzen auf dieses neue Heim und auf Euch, Ihr lieben Pflegerinnen, deren Wirken und Schaffe« i« diesen Räumen weiter und segensreicher fich entfalten soll. — Wem aber danken wir nächst Gott diese festlich frohe Stunde, nach deren Aufganz und Erscheinung unsere Seele fich seit Jahren sehnte? Wie viele Namen wir auch nennen können, unter denen der unseres treuen Fürsten obenan steht, ein Name tönt mächtig durck und ist aus's Innigste tu ferne Zetten mit diesem Haus verbunden. Wohl ist seine Trägerin längst hetmgegangen und ruht auS von ihrer Arbeit; aber ihre Werke werden sie loben in den Thaten.
Si monumentum requiris, circumspice! (Wenn du ein Denkmal suchst, schau UM Hich!) Dieses schlichte, tnhaltretche Wort, eS traf unsere Aügen vor den Mauern deS alten Heim, eS grüßte uns heute wieder am Aufgang zum neuen Hause. Und dieses einfache, kurze Wort ergreift uns in der tiefsten Seele, denn eS stellt sofort vor unseres Geffles Auge die ganze reiche, liebenswürdige Persönlichkeit der allzufrüh Heimgegangenen Fürstin, die niemals unserem Herzen verloren geht, die vor unS steht, so oft wir ihrer gedenken, mit ihrer allezeit hülsbereiten Hand, so warm und treu; mit ihrem starken Geiste, klar und entschieden; mit ihrem wetten Herzen, tief und reich. Wohl war dies Herz vor Vielen reich und groß und nicht eine Arbeit, eine Fürsorge konnte ihm genügen. Wo nur Hülfe nöthtg war, wo nur ein Auge flehte und eine müde Hand fich aussireckte nach Stärkung und Trost, da war die Heimgegangene hohe Frau, nimmer müde, bereit und manches schöne Denkmal helfender Liebe in unserem Hessenlande -trügt ihren Namen und blüht auf in seinem Schutz. So möge denn ihr Geist ein fegendoolles Erbe dieses neuen Hauses werden, das nunmehr geweiht werden soll zu einer Heimstätte helfender Liebe, festen Gottvertrauens, demüthiger Ergebung, uuent- wegter Pflichttreue.
Ja, sei und bleibe eine Heimstätte helfender Liebe! Das war ja der Herzschlag aller Arbeit im alten Hause, möge sie die bleibende Kraft des neuen Heims sein. Ohne fie ist ja doch jede Arbeit umsonst, ein tönendes Erz und eine klingende Schelle; mit ihr wird sie ein warmer Hauch, rin wohlthuendes Empfinden für Alle, die da pflegen und gepflegt werden; mit ihr, meine lieben Pflegerinnen, werden Eure Hande lind und reich, die Wunden zu heilen und die Schmerzen zu lindern. Bleibet in der Liebe, 'He ist der Erweis Eurer Hingabe zu dem, ohne den alle Arbeit umsonst ist.
Sei und bleibe eine Heimstätte festen GottvertrauenS! Möchten es Alle, die er eins und auSgehen, wissen und begreifen, daß unser Wissen und Können Stück- ist und die Hülfe und daS Gedeihen von oben kommen muß. Möchten die
Leidenden eS festhalten in der Tiefe des Herzens, das Trost und Hülfe und K.afr sucht- Wir haben einen Gott, feer da hilft und einen Herrn, der vom Tode errettet.
Set und bleibe eme Heimstätte demütiger Ergebung, wie fie uns Allen Noth thut im Kampf und Leid des Lebens, so allen Denen, die des Herrn Wille hierher führt. Sie müssen es wiffeu, daß Gottes Wege nicht die ihren sind und daß er allezeit nur Gedanken des Friedens hat und nicht des Leides. Und fie mögen es lernen, webte menschliche Weisheit am Ende ist und die Kraft z-.rdricht, das Wort der Erlösung und des Friedens zu dem Ihren zu machen: Herr, nicht mein, dein Wille geschehe!
Und endlich sei und Bleibe eine Heimstätte unentwegter Pflichttreue! Wenn irgendwo, so gilt es hier: Sei treu! Sei fest und stmk! Wache und bete, um jeder Anfechtung des müden Lebens zu begegnen und die Seele frisch und froh zu erhalten 5 Wenn irgendwo, so gckt eS Euch, meine Leben Pflegerinnen, die Opfer eines festen, reinen, gottergebenen Herzens Stunde für Stunde darzubrtvgen, in jener Liebe, die Alles trägt und Alles duld-t; in jenem Gottoertrsuen, dem in der dunkelsten und schwersten Stunde das Licht der Vatertreue Gottes nicht erlischt; in jener Ergebung-, die eS vermag, auch da, wo jede menschliche Hülfe zerbricht wie ein morscher Stab, sich selbst und Andere aufzurtchten mit der Botschaft deS Friedens in Christo, dessen Sommere im Glanz der Weihnachisfreude uns entgegenleuchtet.
Daß ist mein Weihegruß. Gott gebe seinen Segen! Zu ihm fl hen wir: L ß dieses HauS und Alle, die darin wohnen, Dir befohlen sein! Segne de» hohen Pro- ttctor, unseren thatten Fürsten, segne den Erbgroßherzog und alle Glieder unseres Fürstenhauses. Sei Schutz und Schirm Deiner Kirche, des Staates und dieser Stadt- Segne unfern Eingang und BuSgang und wenn eß Abend wer dm will, dann, Herr, lasse uns fröhlich einfcblummem und selig erwachen in Deinem Heim, daS feinen Schmerz und keinen Tod «ehr keimt. Amen.
(Fortsetzung folgt.)
Lokale-.
Gießen, 11. December. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sttzung am DennerStag den 13. December 1883, Nachmittags 4 Uhr.
1. Die Quellwasserlettung.
2 Versicherung der Mitglieder der beiden freiwilligen Feuerwehren gegen Unglücksfälle.
3. Vertrag mit der Directton des akademischen HoSpitalS wegen Ucberttagung der städtischen ArmenpraxiS.
4. Straßenanlagen in der Ostanlage.
5. Ausbau der Wllhelmstraße.
6. Gesuch deS Architrcten Ludwig Huhn dahier um käufliche Ueberlaffung städtischen Geländes.
7. Gesuch des Rentners Dr. Adolf Mettenheimer dahier um Herstellung eines Absuhrwegs.
8. Gesuch deS Holzhändlers Sigismund Katzen st ein um Aufbefferung de§ kleinen Schwarzlachwegs.
9. Gesuch deS Bäckermeisters Heinrich Theiß dahier um Erlaubniß zuv Anlegung eines Backofens.
10. Gesuch deS Commerzienraths Adolf Noll dahier um Erlaubniß zur Verbreiterung eines gepflasterten UebergangS.
11. Bau und Unterhaltung der Kunftstraßen.
12. Wiefengang vom März 1883.
13. Die Lastwaage am Neustädter Thor.
14. Gesuch drs Johannes Leicht von Watzenborn um Ueberlassung des ErseL von der Ausgebeuteten Sandgrube rechts des Schfffenbergerwcgs.
15. Die Abgabe von Christbäumchen für Weihnachten 1883.
16. Kostendecreturen.
Gieße«, 10. December. sConcert-Derein) Das gestrige Concert, daS uns nur Instrumentalmusik bot, hatte ein so schönes Programm und einen so vortrefflichen Solisten, auch war die Aufführung so gut, daß man es als ein wohl gelungenes bezeichnen muß. Beethovens A-dnr-Sumpbonie kam namentlich in seinem Allegro und Presto zur tief ergreifenden Wirkung Die Unrernheiten in den Holz- BlaSinstrumenten brachten wir wenigstens zum Tyeile auf Rechnung der WttterungS- v^rhältnisse. Säuret, der längst auch bei uns als einer der bedeutendsten Violin- Virtuosen bekannt ist, zeigte sich diesmal mehr wie früher als wirklicher Künstler im edelsten Sinne, namentlich war dies der Fall in dem Vorttage der Beethoven'schen Romanze und in dem Andar-te des Mendelssohn'schen Concertes. Großer Ton, Reinheit in dem zartesten Piano, unübertroffene Gewandtheit kamen auch vier wieder zur Geltung. Lebhafter Beifall, dreimaliges Hervorrufen wurde dem Künstler am Schluffe des Vortrages von „Introduction und Rondo capricciosou von St. Säens zu Theil. Von den beiden gut einfiubtrten und sehr gut aufgeführten Ouvertüren zur »Zauberflöte" und zur ^Emyanthe^ alävzte namentlich die letztere.
Gießen, 10. December. [Sbeater.J Um die Aufführung des „Bettel- st u deut en" von Millöcker zu ermöglichen, hat die Direction den Operettentenor Herrn Victor Burchardt zu einem Gastspiel eingelaben.
Derselbe prüsenttrte sich in der Offenbach'schen Operette „Die Verlobung bei der Laterne" als Pächter Peter, in der Episodenrolle des Marchese Sebaftino aus „dem luftigen Kriege" von Strauß und als Müllerbursche Kilian in der Operette: „Die: Hanni weint, der Hansi lacht." Schon bei den ersten Tönen zeigte es fich, daß wir keinen naturalistischen Sänger »or uns hatten. Seine Stimme von echtem Tevor- Timbre ist wohllautend, auch stärkerer Kraftäußerung fähig; den Anforderungen, welche der Componist in der ersten Partie in Bezug auf Volubilität stellt, wurde er völlig gerecht. Das Auftreten ist begagkt, bühnen fest. Die Aussprache ist nicht ganz deutlich^ für die dunklen Vocale etwas zu hell. Der glatte Fluß im Vortrage der Melodien trat namentlich in dem elektrisirend wirkenden Walzer „Nur für Natur" ^hervor, den der Sänger wiederholen mußte. Heber den Grad seines reintecknischen Könnens wird man erst bei weiteren Rollen ein präclseres Urtheil gewinnen können.
Neben dem Gaste wurden besonders die Damen Fräulein Hoffmann und Fräulein Pögner II. durch wiederholten Beifall ausgezeichnet.
Das Spiel der Herren Schreiner und Peters in der letztgenannten Operette war recht wirkungsvoll, doch reichte ihre stimmliche Begabung für ihre Partitn nicht aus.
Das von Herrn Kapellmeister Searle genommene Tempo war das richtige, diese Musik verttägt nicht breites Ausdthnen, dafür fehlt ihr die Tiefe und Gediegenheit.
Die vierte Gabe des Abends war der eingelegte amüsante Einacter „Eine Tasse Thee" von W. Drost. Fräulein Pögner I. und Herr Voigt versetzten das Publikum in die behaglichste Stimmung.
Gießen, 11. December. Auf dem Bahndamm an dem Viaduct der Main- Weser-Bahn an der Kleinlindener Chaussee wurde heute Morgen die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden. Der Kopf und ein Arm waren abgefahren und befanden fich auf den Schienen.
— Am Samstag Abend wurden 2 Burschen dabei abgefaßt, als sie in einem vor der Stadt befindlichen Knochenlager sich Knochen einsackten. Sie wurden in Haft i genommen.
— Ein Dienstmädchen, welches bei ihrer Herrschaft sowohl als auch bet deren Mkthsleuten Kleidungsstücke irn Werthe von über 100 sowie diverse andere Sachen gestohlen, wurde beigefteckt.
Vermischte-.
Darmstadt, 7. December. Die Hochzeit deS Prinzen Ludwig von Battenberg und der Prinzessin Victoria von Hessen wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, am 18. April n. I und zwar in Darmstadt gefeiert werden; einige Blätter hatten vor Kurzem irrthümlich als Ort Windsor und als Zeit einen Tag <m F bruar angegeben- Der Kronprinz und die Kronprinzessin, der Prtnz und die Prinzessin Wilhelm und der Prinz und die Prinzesfin von Wales werden in erster Reihe als ganz bestimmt erscheinende Hochzeitsgäste genannt; weniger feststehend, jedoch immerhin wahrscheinlick ist es, daß auch die Königin von England nebst der Prinzessin Beatrice an den Hock- zeitsfeierlichkeiten theilnehmen wirb, da dieselbe ohnedies beabfichtigt, im nächsten Frühjahr einen längeren Aufenthalt in ihrer Villa in Baden-Baden zu nehmen. (F. I)
— Mit dem 31. December d. I. verjähren alle nickt verbrieften Forderungen und Ansprüche aus dem Jahre 1881. Wer also noch Ansprüche an säumige Schuldner ans dem gedachten Jahre Hal und sich vor Verlusten bewahren will, muß solche spLtestens bis zum 20. d. M. beim Gericht anmclben, da die Unterbrechung der Ver-
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