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aktiven Armee bilden nach wie vor die voll ausgebildeten Mannschaften, deren Ärleggs 6rau»bartdt ftttmma tn erster Linie destgntren wird die ersten entscheidenden Schlüge künftiger kriegerischer Aktionen zu führen. Die Homogenität der Armee in allen Stücken also namentlich auch in Hinsicht deS MenschenmatertalS, ist eben ein M werth­voller Vorma der deutschen Armee,Organisation, als daß die Heeresleitung sich, ohne zwingendste Nothwendtgkett, zur PretSgebung derselben herbetlassen sollte.

Hesterreich.

Pestb, 9. Juli. Da man dem von der Cholera zunächst bedrohten Staate, der Türkei, nicht die nachhaltige Thptkrast zutraut, gegen die Gefahr genügende Maßregeln zu treffen, und andererseits die Engländer die Erfüllung ihrer internationalen Pflichten nicht ernst genug zu nehmen scheinen, so ist es begreiflich, wenn Oesterreich-Ungarn darauf dringt,daß in Egypten und in der Türkei ein gemeinsames Vorgehen aller Mächte eingesührt werde, ähnlich demjenigen, zu welchem sich Europa unter Zustimmung Englands s. Z. gegen die Pestgefahr in Rußland einigte." In ihrer jetzigen Beschaffenheit besitzt die internationale Commission in Konstantinovel nicht das Ansehen, die ihr zu­gedachte Aufgabe zu erfüllen und nur durch sofortiges Auftreten der Mächte kann der gewünschte Eindruck auf England erzielt werden. Dre ungarische Regie­rung ist mit der Ausarbeitung der örtlichen Maßregeln zur Abwendung der Choleragefahr beschäftigt und sie wird nächstens dieselben im amtlichen Blatte dem Publikum mittheilen. Aber umsonst werden die zweckmäßigsten Verfügungen getroffen, wenn die Regierung nicht die Gewißheit besitzt, daß die Verfügungen auch entsprechend durchgesührt werden. Diese Gewißheit besitzt aber die unga­rische Regierung keineswegs, denn es ist eine alte Erfahrung, daß die Comitats- behörden für die Fragen der Gesundheitspflege nicht das mindeste Verständniß haben. Angesichts dieses bekannten Umstandes wird die Regierung schon jetzt die Maßnahmen verfügen, welche in den Comitaten anzuwenden sind, um der Gefahr vorzubeugen. Sollte die Gefahr näher rücken und die Lage eine kritische werden, so wird die Regierung die Durchführung der in der Provinz verfügten Maßnahmen selber in die Hand nehmen. Die Obergespane werden dann als königliche Commissare die verfügten Maßnahmen durch eigene Regierungsorgane, die zu diesem Zwecke in die Comitate entsandt werden, durchführen lassen; in diesem Falle scheint die Regierung entschloffen, die Verantwortung zu überneh­men, falls die Comitate in dem Vorgehen der Regierung eine Verletzung der Comitats-Autonomie erblicken wollten.

Alexandrien, 10. Juli. (Telegramm desReuter'fchen Bureaus.") Vom Sonntag Abend bis gestern Abend 9 Uhr starben in Damiette 52, in Mansurah 87, in Samanud 17, in Shirbin 2 Personen an der Cholera.

Darmstadt, 11. Juli. (Privat-Depesche.) Die erste Kammer geneh­migte die dreiprocentige Zinsgarantie für die Kettenschifffahrt aus der Main­strecke Mainz-Aschaffenburg und bewilligte weitere 125,000 JL zur Gewährung einer Staatshülfe an die Wasserbeschädigten des letzten Winters.

£ d f a l e i

Gießen, den 11. Juli. (XIV. Mittelrheinisches Turnfest.) Die Fest­tage rücken mit Riesenschritten näher und von Tag zu Tag steigert sich die Thätigkeit der einzelnen Comitss. Unter der rastlosen und energischen Leitung des Bau- und Decorationscomitä's gewinnt der Festplatz immer mehr Gestalt. Die Festhalle hat in den letzten Tagen bedeutende Fortschritte gemacht. Sie verspricht ein wahrhaft monumentaler Bau zu werden. Die sie umgebenden Wirthschaftsbuden schälen sich gleichfalls in stetem Wachsthum aus der Roharbeit heraus. Unter den schattigen Laubgängen der Lindenbäume in einheitlichem Styl, elegant und geschmackvoll angelegt, erwecken sie gar angenehme Hoffnungen und werden gewiß ein lieblich idyllisches Plätzchen bieten zum stillen Versenken in Gießens berühmten Gerstensaft. Die Turngeräthe sind nahezu aufgestellt zum frischen Wettkampf unserer wackeren Turnerschaar. Die Einfriedigung des Platzes ist vollendet und schon haben sich die Zimmerleute, die wirk­lich mit unermüdlichem Eifer thätig sind, des Emgangsportals bemächtigt. Der Fest­platz bietet alle Bequemlichkeiten für das Publikum und ist namentlich für Garderobe und derartige Räume ebenso ausreichende und allen Wünschen entsprechende Fürsorge getroffen. Das Wohnungscomitö hat auch keine kleine Arbeit. Von Tag zu Tag wachsen die Anmeldungen, und alle vertrauen der Gastfreundschaft Gießens. Da ist denn mancher Schweißtropfen zu vergießen bis die Quartiere beschafft sind; denn von Massenquartieren sind die Turner keine Freunde, sie lieben herzlichen Empfang und Handschlag als Willkommensgruß. Der Besuch des Festes wird ein großer werden auch von nichtturnerischer Seite. Dafür spricht die Thatsache, daß von nahe liegenden Orien, an denen Turnvereine nicht bestehen, mit zahlreichen Unterschriften versehene Gesuche um Einrichtung von Extrazügen eingelaufen sind. Durch das Comitä ist alles geschehen, der Feftstadt Gießen der Gäste möglichst viele zuzuführen. Jetzt gilt es also, das Festgewand anzulegen und den Fremden die Stadt an der Lahn in heiterem Kleid zu zeigen. Also: Grüne Reiser an die Häuser, Bäume auf die Straßenräume, Wappen und Willkommensworte über jede Eingangspforte, von den Dächern Fahnen bunte, daß es schalle durch die Runde:

Gießens Feste Sind die beste!"

Telegraphische Depeschen.

Wolsf'S telegr. Correspondenr-Bureau.

Berlin, 10. Juli. DerDeutsche Reichs-Anz." veröffentlicht das Gesetz, betr. die Feststellung des Reichshaushalts-Etats pro 1884/85, ferner das Gesetz, betr. die Aufnahme einer Anleihe für das Reichsheer, die Marine und die Reichs-Eisenbahnen.

Die vierte Strafkammer des hiesigen Landgerichtes verurtheilte heute den Hazardspieler Reuter zu achtmonatlichem Gefängniß und zu 6000 Jl. Geld­strafe. Der Staatsanwalt hatte 2V3 Jahre Gefängniß und 3 Jahre Ehrver­lust beantragt. Reuter wurde gegen 40,000 Kaution vorläufig entlassen.

Der Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich folgte Vormittags einer Einladung der kronprinzlichen Herrschaften nach Potsdam, wo er auch das Diner einnahm. Am Abend beabsichtigt der Erzherzog über Düsseldorf, wo er mit feiner Gemahlin zusammentrifft, die Reise nach Amsterdam fortzusetzen.

Karlsruhe, 10. Juli. Se. Maj. der Kaiser ist mit der Frau Groß­herzogin und mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig Wilhelm von Baden heute Vormittag 9 Uhr auf der Schwarzwaldbahn nach Mainau abge- retft, wo die Ankunft heute Nachmittag 4 Uhr erfolgen wird. Der Großherzog hatte sich schon mit dem Nachtzuge nach Mainau begeben.

Konstanz, 10. Juli. Se. Maj. der Kaiser ist mit der Großherzogin, dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig von Baden, sowie mit dem Kron­prinzenpaare von Schweden von Karlsruhe hier eingetroffen. Am Bahnhofe der festlich geschmückten Stadt wurde der Kaiser vom Großherzog von Baden be­grüßt und auf dem Dampfschiff nach der Insel Mainau begleitet.

Marburg in Steierm., 10. Juli. Heute sand hier in Gegenwart des Kaisers und zahlreicher Marine-Officiere die Enthüllung des Tegethoff-Denkmals statt. Der Kaiser setzte Mittags die Reise durch Süd-Steiermark fort und wird morgen in Laibach ankommen.

London, 10. Juli. Unterhaus. Der Präsident des Lord Government Board Dilke erklärte auf eine Anfrage in den Jahren 1832/33 habe sich die Quarantäne als wirkungslos gegen die Einschleppung der Cholera erwiesen, es sei daher jetzt keine Quarantäne beabsichtigt. Dagegen sei ein System ärztlicher Jnspection und Desinficirung der verdächtigen Schiffe eingeführt worden. Die aus Indien kommenden Dampfer, welche den Suezkanal passiren, ohne inficirte Häfen zu berühren, seien nicht verdächtig; ebenso seien auch wegen der Länge der Fahrt Schiffe aus Alexandrien, wo nur ein Cholerafall stattgefunden, un­verdächtig, außer wenn sich ein Kranker an Bord befinde. Unterstaatsseeretär Fitzmaurice theilte mit, die Regierung habe keine Nachricht von dem Ausbruche der Cholera in China erhalten.

Die aus Mitgliedern des Ober- und Unterhauses bestehende Commis­sion zur Vorberalhung des Antrages, betr. den Kanaltunnel, hat sich heute mit 6 gegen 4 Stimmen gegen den Bau des Tunnels ausgesprochen.

ß e t » i f 4 t < i

Heppenheim, 9. Juli. Das hiesige Anzeigeblatt schreibt:Eben, als wir unser Blatt schließen, wüthet ein schrecklicher Brand hier. Vier Wohnhäuser und zwei Scheuern stehen in vollen Flammen. Unsere freiwillige Feuerwehr leistete Uebermensch- ltches, um das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Leider sind auch schon ver­schiedene Unveesicherte betroffen. Soeben langte die telegraphisch requtrtrte Feuerwehr von Bensheim und Lorsch an." ,

Berlin, 5. Juli. Einen entsetzlichen Tod sand gestern früh in Pankow die kaum 20 Jahre alle und erst seit kurzem vermählte Frau I., die Tochter eines hiesigen bekannten Börsenbesuchers, durch Verbrennung. Das leichte Morgenkletd der jungen Frau soll an der Flamme der Kaffeemaschine Feuer gefangen haben, das sich mit furchtbarer Geschwindigkeit über den ganzen Körper verbreitete. Die arme Dame erlitt hierbei so schwere Brandwunden, daß sie trotz der eiligst herbeigeholten ärztlichen Hilfe nach wenigen Stunden unter den qualvollsten Schmerzen verstarb.

sVacante Stellen im Bereiche des 11. Armee-Corps.) Darmstadt, Post­amt II, Stadtpostbote, Gehalt 750 JL und 180 JL Wohnungsgeldzuschuß: Darmstadt, Postamt I, Postschaffner, 800 JL Gehalt und 180 JL Wohnungsgeldzuschuß; Gießen, Postamt, Landbriefträger, 500 JL Gehalt und 60 Wohnungsgeldzuschuß; Wiesbaden, Accisenamt, 2 Aufseher, Gehalt 1050 und 80 JL Kleidervergütung.

Handel und Verkehr.

Gießen, 10. Juli. Auf dem heute dahier abgehaltenen Vtehmarkt waren aus- getrieben 1447 Stück Rindvieh und 740 Stück Schweine. Trotz der trockenen Witterung war sämmtliches Vieh schön und gut genährt und waren die Preise im Allgemeinen etwas niedriger als am letzten Markt.

Nächster Markt Dienstag den 31. d. M. und Mittwoch den 1. August, am letzten Tage auch Krämermarkt.

Franikfnrt a. M.,111. Juli, Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 2537A, Staatsbahnactien 2814/4, Galizier 255*/», Lombarden 1355/s, Nord- weftbahnactien 1744/4, Gotthardbahnactien H8V4, Darmstädter - Bankactien 155, Disconto Commandit 1967/e, Oefterr. Silberrente 6715/i6» 4% Ungar. Goldrente 7515/ie, 40/0 1880er Russen 72^4, 5o/o 1877r Russen, 2. Orient-Anleihe 57, 4% Spanier 635/s, 5°/0 Rumänische Rente 937/0, 4°/o Unific. Egypter 7411/i6, 5% Türken UV-, Marienburger Tendenz:.

Witterungskunde.*)

12. Juli. Donnerstag. Frühmorgens dunstig bis gewitterhaftbedeckt, Morgens heiter, auf Mittag zu Schleier bis Ballen, Nachmittags schön. Nach Westen und Nordwesten zu Morgens mehr bedeckt, doch auch hier später Ballen, Nachmittags besser bis schön und trocken.

13. Juli, Freitag. In West- und Nordwest-Deutschland frühmorgens Ab­kühlung und bedeckt, im Südweften Thau bis etwas Regen, nachher aufgebessert, auf Mittag zu zerstreute Ballen, Nachmittags schön. In Ost-Deutschland noch wärmer und namentlich Nachmittags hohe Temperatur.

*) Aus Dr. L- Ov erzi er*s Wetter-Prognose für den Monat Juli, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 Nachdruck verboten.

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Am 11. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 18« R-, Luftwarme + 17° R.

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