von den Türken vernichtet worden, Wiesen und Felder haben das gleiche Schicksal gehabt und das Vieh ist überall geraubt worden. Die in Skutari residirenden Consuln haben sich deshalb bei dem Gouverneur um mehr Schonung gegen die Insurgenten verwendet.
Deutschland.
m. Darmstadt, 10. Juli. Aus der heutigen Sitzung der ersten Kammer, in welcher nur 15 Mitglieder anwesend waren, ist außer dem bereits telegraphisch Gemeldeten noch zu berichten, daß gelegentlich des Gesetzesentwmss über die Secundär- bahnen auf desfallsige Anfrage des Präsidenten, Grafen v. Görtz, Mtnistertalpräsident Schleiermacher erwidert, die Regierung werde, unabhängig davon, ob Eingaben oder Projecte vorliegen, die im Lande bestehenden Bedürfnisse prüfen und die an die Stände zu richtenden Vorlagen danach bemessen. — Bei dem Gesetzentwurf wegen Errichtung einer stehenden Brücke über den Main bet Kostheim weist Ministerialrath Fink die Ansicht des Herrn Werner, man könne die Angelegenheit verschieben und einen Theil der demnächst vacant werdenden Mainzer Sch ffbrücke nach Kostheim verlegen, mit der Eiklärung zurück, daß man nach genauen technischen Untersuchungen unter den dortigen Verhältnissen von Aufstellung einer Schiffbrücke absehen müsse.
Eine lange Reihe von Eingaben aus den drei Provinzen des Landes in Betreff der Ausführung einzelner Secundärbahnprojecte wird in Ueberetnstiwmung mit der zweiten Kammer der Regierung zur Prüfung und geeignet scheinenden Berücksichtigung bet demnächft'.gen Vorlagen empfohlen
Eme ziemlich lange und tn technische Details eingehende Discussion entspinnt sich über das Gutachten der Commission zur Untersuchung der Hessischen Strom- bauverhältntsse. Graf zu Solms-Laubach bedauert, daß die gegenwärtige Strombautechntk tn Deutschland wesentlich das Interesse des Handels und erst in zweiter Linie dasjenige der Landwirthschaft im Auge habe. — Ministerialrath Fink sagt za, daß Erläuterungen zu dem Gutachten von Setten der Regierung tn Kürze den Ständen zugehen werden. An der Debatte, welche sich schließlich allein noch um Strombauten bet Mainz dreht, betheiltgen sich noch die Herren Mtntsterialpräsident Schleiermacher, Heyl, Lauteren und Dentnger und werden schließlich die von dem Ausschuß gestellten, bereits mitgetheilten Anträge angenommen. — Bezüglich der Vorlage der Regierung wegen Berücksichtigung des Gebühreneinkommens der Steuercommtssäre bet Pensionirung derselben hatte der Finanzausschuß, entgegen dem Beschluß zweiter Kammer, Ablehnung beantragt, mod'ficirt jedoch heute nach warmer Befürwortung der Vorlage Seitens des Mintsterialpräsidenten Schleter- mach er seinen Antrag dahin, daß die von der 2. Kammer beschlossene Festsetzung des bei der Pensionirung der genannten Beamten in Anschlag zu bringenden Betrages .interimistisch bis zur anderweitigen Regultrung der Gehaltsverhältniffe derselben" angenommen werde, womit sich die Regierung einverstanden erklärt Der Antrag findet Zustimmung. — Die Anforderung der Regierung für Errichtung eines definitiven Stationsgebäudes im Bahnhofe Egelsbach der Main Neckar-Bahn wird in Ueberetnstimmung mit dem anderen Hause bewilligt und die Nachweisung der definitiven Ergebnisse der Staatseinnahmen und -Ausgaben während der Finanzperiode 1876—78 und des er ft en Quartals 1879 ohne Debatte für richtig erklärt. — Der Vorlage in Betreff der Veräußerung von entbehrlichem Landeseigenth um in den Gemarkungen Nierstein und Dorheim wird zugest mmt und der Antrag der Abgeordneten Tecklenburg und Genossen auf Herstellung von lith ographtrten Katasterkarten für erledigt erklärt, dagegen die Regierung er« sucht, die Vervielfältigung von Kataster karten auf mechanischem Wege, wo sich solche als ein Bedürfniß herausstellt, auf Kosten der Betheiligten »nach Thunlichkeit zu fördern.
Nächste Sitzung morgen.
Berlin, 8. Juli. Zw«sch-n ber Königlich Preußischen und Großb- Hessischen Regierung ist in Bezug auf die Versteuerung des Nachlasses ber beiderseitigen Staatsangehörigen eine Verständigung dahin getroffen morden, daß der Nachlaß preußischer Untertanen lediglich von Preußen und der Nachlaß hessischer Untertanen lediglich von Hessen zur Versteuerung zu ziehen ist, jedoch mit ber Maßgabe, daß für Grund stücke und Grundgerechtigkeiten die Erbschaftssteuer von demjenigen Staate zu erheben ist, in welchem dieselben sich befinden. Es entspricht dieses Versohlen den bezüglichen Bestimmungen der in Hessen geltenden Kollateralsteuer- Verordnung, welche besagt: „Bei Berechnung des Betrages ber Erbschaften in Hinsicht aus bte .ntrrchtung der Kollateralgelber sind, wenn ber Erblasser ein Inländer war, alle dessen Mobilien, Baarschaften und Aktivkapitalien in ober außer Landes sowie auch die innerhalb der Grenze H.ssens gelegenen Jmmobiliarstücke, nicht aber die im Auslände gelegenen Immobilien in Anschlag zu nehmen, so jedoch, baß auch die Schulden, welche auf den Immobilien im Auslande gerichtlich spectell versichert find, von der Erbschaft nicht in Abzua aebracht werden dürfen, dagegen stad aber auch die Erben von Ausländern, welche TOen Ä "°ch er gerichtlich und
spcciell darauf versicherten Schulden, die Kollateralgelder in den geeigneten Fallen zu entrichten „reicht die Dienstzeit der 1870 in das Heer eingetretenen
Mannschaften ibr Ende Von jenem Zeitpunkte ab wird daher die deutsche Armee die Utzt?n Elemente aus^ ihren Reihen schien sehen, welche den Krieg aus eigener prak- tStt ErfMung kennen Dafür ist inzwischen mit ber Militärischen Ausbilbung ber früher zu aktivem Dienste bekanntlich nicht herangezogenen Ersatznseroisten begonnen unb dieselbe jetzt bereits so weit gefördert worden um die Frage der zweckdienlichsten Verwenduna dieser Truppengattung von aktuellem Interesse erscheinen zu lassen. Wir können diesbezüglich mitthetlen, daß an competenter Stelle die Intentionen bezüglich der Ersatzreserve welche, nach Ausbildung sämmtlicher Jahrgänge, ca. 300,000 Mann tn ihren Reihen zählen wird, nicht dahin gehen, diese Kategorie von allem Anfang an der Feldarmee zu überweisen, sondern daß die Ersatzreserve, wie dies ja auch ihr Name besagt, vorzugsweise zu Ersatzzwccken disponibel bleiben soll. Den Grundstock der
lle.
Bin ierik-Regis.
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Donnerstag den 12. Juli
1888
Nr. 188.
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Amis- und AnzeiMatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Äii-rmrhme des Montags.
Bureau: Schulstraße 7.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohr Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.
Amtlicher Hheil.
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• von Herrn Fabriklut btt Scheuer, schon!, e, mit der Einsalfi ist per 1. August anbei:
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Bekanntmachung.
Abgesehen von dringenden Fällen und selbstverständlich von Vorladungen sind die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechen. Anträge bei unseren Gerichtsschreibereien können Mittwochs und Samstags, Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden.
Gießen, den 5. Juli 1883. Großherzögliches Amtsgericht.
Langsdorfs.
Politische Uebersicht.
Gießen, 11. Juli.
Kaiser Wilhelm wird am 16. Juli, von der Mainau kommend, in Gastein eintreffen, um daselbst seine Nachkur zu beginnen.
Die Choleragefahr bildet andauernd den Gegenstand allgemeiner Besorgniß der europäischen Regierungen und überall sind die energischsten Maßregeln getroffen, um den gefürchteten Gast von den Küsten Europas fernzuhalten. Auch für die preußischen Häfen ist laut Verfügung des Handelsministers eine Quarantäne-Verordnung erlassen worden. Einigermaßen befremdlich erscheint es, daß diese Verfügung nicht von Reichsmegen erfolgt ist und gerade hier hätte die Reichsgewalt alle Veranlassung, gegenüber dem sich heutzutage wieder regenden Particularismus ihre Rechte und ihr Machtbereich sich nicht schmälern zu lassen. Hoffentlich treffen die andern hierbei in Betracht kommenden Bundesstaaten, Oldenburg, Mecklenburg und die Hansestädte, dieselben Maßregeln.
Von officiöser Seite liegt jetzt in der „Nordd. Allg. Ztg." eine Erklärung gegenüber der neuesten Jakobinischen Note vor. Aus dem betr. Artikel klingt sehr deutlich der Unmuth hervor, den man an leitender Stelle in Berlin über das mehr als zweifelhafte Verhalten des Vatikans in Bezug auf die kirchenpolitische Vorlage empfindet und einzelne Sätze haben sogar eine sehr scharfe Fassung. So spricht das officiöse Communiquö von veralteten diplomatischen Künsten der Kurie, wie sie in oer aus dem kaufmännischen Verkehr entnommenen Bemäkelung gegenseitiger Angebote liegen und denen die römische Kurie in ihren antiken Traditionen anhänge.
Die Eröffnung des neuen böhmischen Landtages ist doch nicht ohne verschiedene Zwischenfälle abgelausen. Als der Statthalter den Oberstlandmarschall Fürst Lobkowitz installirte und dies in böhmischer Sprache vornahm, wurde auf deutscher Seite gerufen: „Deutsch! Deutsch!" Die Jnstalli- rung und Gelöbnißabnahme des Stellvertreters des Oberstlandmarschalls erfolgte in deutscher Sprache. Während der czechischen Ansprache des Oberstlandmarschalls blieben die deutschen Abgeordneten sitzen und erst, als er deutsch zu sprechen begann, erhoben sie sich von ihren Sitzen, worauf Eduard Gregr czechisch ausrief: „Jetzt werden wir sitzen bleiben"; doch erhoben sich die czechischen Abgeordneten und nur Gregr blieb sitzen.
Die russische Hauptstadt scheint einem „Feuerzauber" verfallen zu sein, denn fast täglich finden in Petersburg große Brände statt. Dieselben entstehen meist in Etablissements, welche eine große Anzahl von Handwerkern beschäftigen und gelangt man unwillkürlich zu der Annahme, daß den Feuersbrünsten keine zufälligen Ursachen zu Grunde liegen. Ein Affecurranzgeschäft hat über eine Million Rubel an Versicherungs-Geldern auszuzahlen und mehrere Tausende von Fabrikarbeitern sind brodlos geworden. Der Polizeimeister, Baron Gresser, hat kürzlich einen Tagesbefehl an die Löschcommandos erlassen, in welchem er denselben seine Anerkennung für ihre Thätigkeit, Selbstaufopferung, Standhaftigkeit und Energie bei den häufigen Bränden der letzten Zeit ausspricht.
In Belgien wird Seitens der fortgeschrittenen Liberalen die Agitation für eine aus Ausdehnung des Stimmrechtes abzielende Revision des Art. 47 der Verfassung mit großem Eifer betrieben. Die gemäßigten Liberalen sind indessen mit diesem Plane, da eine Erweiterung des Stimmrechtes leicht den Ultramontanen zu Gute kommen könnte, nicht einverstanden; die betr. Anträge, gegen welche sich auch die Regierung ausgesprochen hatte, wurden denn auch am 6. Juli von der Repräjentantenkammer abgelehnt.
Das gegen die Mitglieder des norwegischen Staatsrathes eingeleitete Proceßverfahren hat noch zu keinem Resultate geführt. Höchst wahrscheinlich steht der schleppende Gang der Proceßverhandlungen unter dem peinlichen Eindruck, den diese eigenthümliche Angelegenheit im ganzen Lande hervorgerusen und dementsprechend mehren sich die Kundgebungen für das angeklagte Ministerium. Aus allen Theilen des Landes sind dem Präsidenten des Staatsrathes, Selmar, Ergebenheitsadressen zugegangen und auch aus Drontheim, dieser alten Burg des norwegischen Radikalismus, ist dem Ministerium eine mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Adresse zugegangen, in welcher gegen das Verhalten des Storthings protestirt und der Negierung das Vertrauen der Unterzeichneten ausgedrückt wird.
Ueber den Stand der Dinge in Albanien bringt die „Polit. Corresp" einen längeren Bericht, aus welchem hervorgeht, daß die Lage der aufständischen Stämme eine hoffnungslose ist. Es mangelt den Insurgenten an Munition und Lebensmitteln und die verheißene Unterstützung der übrigen Stämme ist ausgeblieben. Uebrigens hat Hafiz Pascha mit seinen Truppen fürchterlich gehaust; er ließ die Wohnstätten der Albanesen niederbrennen und ihre Ortschaften dem Erdboden gleich machen; überdies ist die reiche Saat der Felder


