Unterstellung aller für das Reich dienstlich beschäftigten Personen unter das Unsallgesetz, welcher Antrag an die Unfalls-Commission geht. Die Berathung des Postetats wird Montag fortgesetzt.
— Das Abgeordnetenhaus nahm heute die vom Herrenhause m veränderter Fasiung zurückgelangten Entwürfe über die Verwaltungs-Organisation und Zuständigkeit, ersteren mit unwesentlichen Aenderungen betreffs der Zusam- sammensetzung des Verwaltungsgerichts, letzteren unter Ausrechthaltung des vom Herrenhause gestrichenen § 13 an. Dieser betrifft die Bestätigungsfrage. Dazu wurde mit sehr großer Majorität ein Antrag Bruel angenommen, wonach die Endentscheidung über unter Zustimmung des Reichsausfchusses versagte Bestätigung dem Minister des Innern zustehen soll. Das Haus nahm sodann die Kanal-Vorlage in dritter Lesung unverändert an; ebenso die Strombau- Vorlage.
— Die von der Unfallversicherungs-Commission eingesetzte Sub-Commission hat heute eine Reihe Punkte festgestellt, welche als Grundzüge zu einer dem Plenum Seitens der Commission vorzulegenden Resolution dienen sollen.
AranLreich.
Paris, 8. Juni. Das Telegraphen-Kabel im Meerbusen von Bengalen ist gerissen, die Depeschen müssen daher den Umweg über China und Mßland oder über Jokohama-San Francisco machen und Paris wird daher Telegramme aus Ostasien mit erheblicher Verspätung erhalten. — Der „National" will wissen, der Reichskanzler Fürst Bismarck werde in Kissingen mit dem Kardinal Jacobini Zusammentreffen. Der „Moniteur de Rome" vorn 6. Juni bringt jedoch schon die Erklärung, es sei nicht begründet, daß Jacobini nach Kissingen gehe und daß Vorstellungen an den Kardinal-Staatssecretär wegen der Artikel des „Moniteur de Rome" gemacht worden seien. Dasselbe Blatt erklärt auch die vom „Gaulois" gebrachte Nachricht für unbegründet, daß der Papst an den Präsidenten Grövy ein Schreiben wegen der künftigen Haltung des Papstes gegen Frankreich gerichtet habe, der Papst habe überhaupt kein Schreiben an Grövy gerichtet. — Da der Bischof von Langres nach der ersten Erklärung, daß er Mißbrauch mit seiner Amtsvollmacht getrieben, das betr. Decret des Concordats nicht gelten lassen will, so hat der Staatsrath eine neue Erklärung auf Mißbrauch ausgesprochen. Die Gehälter von 16 Pfarrern und Hülfsgeistlichen im Departement der Ostpyrenäen wurden in Folge ihrer Haltung in der Manuel'schen Angelegenheit gesperrt. — Das Amtsblatt von Tunis veröffentlichte gestern ein Decret, wodurch die Staatsangehörigen der befreundeten Mächte, deren Consulargerichte abgeschafft werden, den französischen Gerichten unter denselben Bedingungen wie die Franzosen überwiesen werden.
— Laut Depesche aus Cattaro vom 8. Juni aus albanesischer Quelle hieb der Stamm der Hotti am Freitag 200 Nizams in die Pfanne, die nach dem Fort Sipkazix (?) rückten. Am Samstag rückte Assim mit 10 Bataillonen gegen den Stamm der Kastrati aus; das Gefecht dauerte Samstag und Sonntag hindurch fort. 1300 Nizams und 500 Kastrati fielen. Der Kampf begann am Montag von Neuem.
Paris, 9. Juni. In dem heute Vormittag abgehaltenen Ministerrath wurde von dem Marinemmister ein Telegramm aus Saigun vom gestrigen Tage mit Nachrichten aus TöMing vom 1. ds. mitgetheilt. Danach sind die ckbge- sandten Verstärkungen, sowie die Batterie in Hanoi eingetroffen, dessen Garnison gegenwärtig aus 1500 Mann besteht, ungerechnet der Landungs-Compagnien. Der Comandant von Hanoi meldet, daß Prinz Swang, der Schwager des Königs Tuduc, die anamitischen Streitkräfte befehlige und daß sich keinerlei reguläre chinesische Truppen in dem Rothen-Fluß-Delta befänden. Ein Telegramm des Consuls in Kanton constatirt, daß in der Provinz Kanton keinerlei kriege- - rische Vorbereitungen getroffen würden.
— Der Ministerrath hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, von der Bildung einer Colonial-Armee Abstand zu nehmen, dagegen die afrikanische Armee derartig zu verstärken, daß erforderlichenfalls eine Division derselben detachirt werden kann. Die Minister des Krieges und der Marine werden bei den Kammern einen Gesetzentwurf einbringen, welcher die Vereinheitlichung der Linien-Jnsanterie und der Marine-Infanterie bezweckt. Die Negierung beschloß, die in der Affaire von Montceau-les-Mines Verurtheilten bei Gelegenheit des nationalen Festes am 14. Juli zu amnestiren. Ehe die Kammern auseinandergehen , wird die äußerste Linke die- Regierung ausfordern, sich darüber auszusprechen, welche Grenzen sie sich bei ihrem Vorgehen in Tongking stecke.
Rußland.
Petersburg, 9. Juni. Wie der „Regier.-Anz." meldet, ist Prinz Friedrich Karl von Preußen zum Chef des 6. Libau'schen Infanterie-Regiments ernannt worden. — Am 10. d. Ms., als am Tage des Einzugs der Majestäten in Petersburg, werden auf dem Marsfelde und im Alexanderpark Volksfeste stattfinden. In mehreren Stadttheilen werden Musikcors spielen; Abends findet eine Illumination statt.
— Behufs wissenschafticher Erforschung Central-Asiens und Tibets wird eine Expedition unter Führung Prshewalsky's ausgerüstet, welche im August aufbrechen soll. Jenseits der russischen Grenze wird dieselbe von einem Kosaken- Commando escortirt werden.
Telegraphische Depeschen.
Wolff' s telegr. Correspondenz-Bureau.
Frankfurt, 10. Juni. In der gestrigen Plenarsitzung der hiesigen Handelskammer wurde beschlossen, eine Petition an den Reichstag zu richten, welche sich gegen die von Dr. Lingens beantragte Beschränkung des Sonntags- verkehrs aAsspricht und den Reichstag auf das Dringlichste ersucht, die gegenwärtigen Verkehrs-Beschränkungen nicht weiter zu verschärfen. In den Motiven wird darauf hingewiesen, daß der Post-, Eisenbahn- und Dampfschifffahrts-Betrieb auf das Engste mit der Sonntags-Erholung der deutschen Bevölkerung verknüpft sind und daß durch eine Ausschließung der Packet- und Geldsendungen von oer Sonntagsbeförderung Handel und Wandel, insbesondere die internationalen Beziehungen gestört, die Zuverlässigkeit im Post- und Geschäftsverkehr vermindert, sowie eine Ueberhäufung der Geschäftsarbeiten an den Montagen herbeigeführt würden.
PariH, 10. Juni. In der letzten Nacht hat bei einem Bergwerks- Ingenieur in Montceau-les-Mines eine Dynamit-Explosion stattgefunden. Es ist Niemand verletzt, das Haus ist stark beschädigt.
Petersburg, 10. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind soeben wohlbehalten hier eingetroffen und von der dicht gedrängten Volksmenge mit
enthusiastischen Kundgebungen empfangen worden. Ihre Majestäten fuhren sofort nach der Ankunft im offenen Wagen nach der Kasanffchcn Kathedrale. Die Truppen bildeten längs dem Newski-Prospecte Spalier. Die Stadt ist auf das Festlichste geschmückt, das Wetter schön. Ihre Majestäten begaben sich, nachdem sie in der Kasan'schen Kathedrale gebetet, ohne weiteren Aufenthalt mittelst Dampfers nach Peterhof.
— Der Botschaftsrath bei der diesseitigen Botschaft in Berlin, Geheime Rath v. Arapoff, ist zum russischen Gesandten in Lissabon destgnirt.
Rom, 10. Juni. Meldung der „Agenzia Stefani." Kardinal Vanu- telli überreichte dem Kaiser von Rußland in Moskau ein eigenhändiges Schrei- b-n des Papstes. Während der Anwesenheit Vanutelli's in Moskau wurden alle Schwierigkeiten gelöst, welche bisher zwischen dem Vatikan und Rußland noch bestanden.
Berlin, 11. Juni, 11 Uhr 36 Min. (Privatdepesche.) In parlamentarischen Kreisen wird soeben mitgetheilt, daß Bennigsen in einer Fraktions- sitzung erklärte, sein Landtagsmandat niederzulegen.
— 12 Uhr. Bennigsen legte fein Landtags- und tagsmandat nieder.
Lokales.
Gießen, 11. Juni. (Turnerisches.) Gestern wurde die 5. Turnfahrt des Gaues Heyen nach b;m Hochwald bet Bad-Nauheim unter großer Betheiltgung von Turnern und Turnfreunden abgehalten. Wenn auch der Himmel es diesmal nicht so gut meinte und verschiedenemale seine Schleusen öffnete, so wurde der turnerische Theil des Programms doch durchgeführt. Das eigentliche Volksfest, welches Nachmittags nach der Preisoerthetlung seinen Anfang nehmen sollte, wurde, nachdem die Turner Vormittags um 12 Uhr durch ungünstiges Wetter vom Turnplatz verjagt worden, durch einen nicht aufhören wollenden Regen gänzlich vereitelt. — Bei den allgemeinen Uebungen hatten sich ca. 150 Turner bethetltgt, an dem Preisturnen, welches Morgens um 10 Uhr seinen Anfang nahm und bis 12 Uhr Mittags dauerte, 50 Turner. Es wurden 10 Preise ausgegeben. Der Turnverein Gießen erhielt davon den 1., 6-und 8. Preis. Gut Heil!
— Aus dem Photographischen Atelier des Herrn Phil. Uhl sind 6 vortrefflich gelungene Photographien, Ansichten der Burg Gleiberg und Theile derselben hervor- gegangen und zwar: 1. Gleiberg, 2. der Bergfried, 3 das große Epheu, 4. der ©alterbau, 5. der Burgkeller 1498 und 6. Ansicht des Vetzbergs von Gleiberg aus. Namentlich letztere Photographie mit ihrem romantischen Hintergrund ist ganz vorzüglich und macht dem Atelier alle Ehre. Die Photographien sind anläßlich des Gleibergfestes am nächsten Sonntag dorten käuflich K80Pfg. zu beziehen und dürften dieselben reichlichen Absatz finden.
Vermischte-.
— Zwecks Erleichterung des Besuches der Hygiene-Ausstellung zu Berlin hat die Königliche E senbahn-Directlon zu Hannover die Einrichtung getroffen, daß auf den wichtigeren Stationen und Knotenpunkten ihres Bezirks am 14. und 28. jeden Monats Extra-Retourbillets II. und HI Wagenklasse nach Berlin mit achttägiger Gültigkeit verausgabt werden, deren Gesammtpreitz die Taxe eines einfachen Schnell- zugsbtllets nach Berlin im Allgemeinen nur um ein Geringes übersteigt. Diese Extra- btllets sind zur Fahrt nach Berlin für jeden am 14. oder 28. fahrplanmäßig gehenden Zug, welcher die betreffende Wagenclasse führt, gültig, während die Rückfahrt mit einem beliebigen Zuge innerhalb 8 Tagen angetreten sein muß. Es werden 25 Kgr. Freigewicht gewährt.
Um auch kleineren Stationen die beschriebene Fahrpreisermäßigung zu gewähren, ist die Einrichtung getroffen, daß die Gültigkeitsdauer der zwischen derselben und einer Debitstation der obigen Extra-Retourbillets bestehenden gewöhnlichen Retourbillets bet Lösung eines Extra-Retourbillets ebenfalls auf 8 Tage verlängert wird.
Köln, 8- Juni. Gestern Nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr zog ein schweres Gewitter mit starkem Regen und heftigen Blitzen über unsere Stadt E n Strahl traf in der Neustadt am Hohenzollernring eine Mauer, hinter welche sich 5 Arbeiter geflüchtet hatten, um sich vor dem starken Regengüsse zu schützen. Der Strahl fuhr in schräger Richtung die Mauer entlang zur Gftie; die 5 Arbeiter wurden getroffen, 3 so gelähmt und betäubt, daß sie nach dem Hospital geschafft werden mußten; die beiden andern konnten nach Hause gehen. Einer der drei ersten ist dabei in den Keller gestürzt und hat eine Verletzung am Arme daoongetragen.
— An dem desjährigen Kaiser-Manöver ds 11. Armeekorps werden im Ganzen 13 Infanterie-Regimenter, 6 Cavallerie-Regimenter, 3 Artillerie-Regimenter, 1 Pionier-Bataillon, 1 Unterofficierschule und 1 Train-Bataillon sich beteiligen. Es sind dies die Infanterie-Regimenter 87, 88, 80, 81, 97, 83, 95, 32, 94, 115, 116, 117, 118; die Cavallerie Regimenter: Dragoner-Regiment 5, Husaren-Regiment 13, Ulanen- Regiment 6, Husaren-Regiment 14, die Dragoner-Regimenter 23 und 24; die Artillerie- Regimenter 11, 25 und 27, das Pionier-Bataillon Nr. 11, die Unterofficierschule Biebrich und das Train-Bataillon Nr. 11.
— Die Vorstellungen des Th<re Central Franpais fanden gestern Nachmittag und Abends 8 Uhr bet ausverkauftem Hause statt. Für das anscheinend kleine Etablissement sind die Künstler, welche daselbst engagtrt, wirklich außerordentlich und können wir behaupten, daß dieselben sogar in den größten Etablissements Aufsehen erregen würden und hätten wir diese vielfache Abwechselung in diesem Theater nicht vermuthet, denn wie wir allgemein hören, sind bis jetzt jeden Abend neue Kräfte aufgetreten, welche mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurden. Freunden dieser Sehenswürdigkeiten können wir das Theater nur empfehlen.
Offene Stellen in Amerika und England
für Landwirthe, Arbeiter, Gewerbtreibende und Techniker, vor Allem aber für weibliches Personal als Haus- und Stubenmädchen, Köch'nnen, Wirthschafterinnen, Lehrerinnen u. s. w. enthält jede Nummer Sonntag in Dresden illustrirt erscheinenden deutscb- amerikanischen Wochenschrift „Mr Auswanderer." Das Abonnement auf den „Auswanderer" beträgt für 3 Monate 1 Mark und nehmen sämmtliche Deutsche Postanstalten Abonnements jederzeit entgegen; die bereits im Quartale erschienenen Nummern werden gratis und franco nachgeliefert. Die Tendenz des „Auswanderer" ist einmal vor allen jenen Firmen und Agenturen zu warnen, welche unter falschen Vorspiegelungen zur Auswanderung verleiten, — zweitens richtige Vorstellungen über Nord- unb Südamerikanische Verhältnisse zu verbreiten. Abonnenten erhalten alle Auskunft über Amerika gratis und franco. „Der Auswanderer" weist ferner zahlreiche billigere Reiserouten nach Amerika nach, sowie für besonders geeignete Personen unentgeltliche Ueberfahrt bez. freie Reise ab Hamburg oder Havre. Die Bekanntmachung der New- Uorker Central-Postbehörden, Veröffentlichung über angeblich Verschollene u. f. w-, Heirathsgesuche wohlhabender Amerikaner nach deutschen Frauen machen außerdem den „Auswanderer" zu einem lesenswerthen Organe für die weitesten Kreise. Wer durch Posteinzahlung von 3 Mark an die Expedition des „Auswanderer" birect auf ein halbes Jahr (—31. Deeember 1883) abonnirt, erhält eine Anzahl sauber ausgestatteter und illustrirter Werke über Nord- und Südamerika, sowie ein Verzeichniß offener Stellen, franco per Paquet ins Haus geliefert. Redaction und Expedition des „Auswanderer" in Dresden in Sachsen. 3918
Handel und Vergebe.
Frankfurt, 9. Ium. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu <M. 2.50—3.50, Stroh JL 1.90—2.20, Eier das Hundert JL 4.50, Stück 5^, Butter 1. Qualität 1.35, 2. Qualität 1.25, Kartoffeln per Gentner JL. 3.50—4.40, Kohlrabi 4—8 per Stück, Römisch Kohl 20 Spinat per Pfund 25 Poularden 2.ö0-3, Huhn 1.70—3, 1 Gute JL 2.50—3.00, 1 Taube 50-60 A Hahn >4 1.70—2.50, Sommergans <>4L 2.50—7.
Grünberg, 9. Juni. (Fruchtpreise.) Weizen JL 18.92, Korn JL 16.40, Gerste <Ä 14.06, Hafer 13.48, Erbsen JL 00.00, Lein JL 28.50, Samen 00.00, Kartoffeln 7.66.
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