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Erscheint täglich mit Ausnahme des MsntogK.
Vureaur Schulstraße 7.
Grünberg zugetheilt worben.
Gießen, den 9. Mai 1883.
PreiK viertehährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinzerlshn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
Der erledigte Kehrbezirk Grünberg ist von uns nach Anhörung des Kreisausschusses dem Kaminfeger Columban Staubach aus Herbstein, dermalen in Grünberg, übertragen worden. Dieser Kehrbezirk besteht aus den Orten, welche früher zum Kreise Grünberg gehörten und m 1874 dem Kreise Gießen zugetheilt wurden. ( ä , rrr . . _ t t Ä
Außerdem sind noch die Orte Allendorf a. d. Lda. und Treis a. d. Lda. im Einverständniß mit dem Krersausschuß von jetzt an dem Kehrvezlrk
Ne. Samstag den 12. Mai 1883
ieHeuer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Ueberficht.
Gießen, 11. Mai.
Mit dem vor der Thür stehenden Pfingstfeste ist auch auf politischem Gebiete wieder eine jener Ruhepausen eingetreten, die sich naturgemäß an die großen kirchlichen Feste des Jahres knüpfen. Vor Allem macht sich diese Ruhe auf parlamentarischem Felde geltend, denn bereits am Montag ist das preußische Abgeordnetenhaus in die Pfingstferien gegangen, während die Vertagung des Reichstages am Mittwoch erfolgte. Gerade aber in der letzten Woche vor Pfingsten hat unser oberstes Parlament noch wichtige Entscheidungen getroffen, Entscheioungen, welche um so bemerkenswerther erscheinen, als sie in oppositionellem Sinne erfolgt sind. - Am Montag nahm der Reichstag nach zweitägiger Generaldiseussion über den Etat pro 1884/85 den Antrag Richter- Hagen, "den Etat der Budget-Commission zu überweisen, mit 105 gegen 97 St. an, was insofern eine Niederlage der Negierung bedeutet, als sie großen Werth darauf gelegt hatte, die Specialberathung des Etats pro 1884/85 sofort im Plenum vor sich gehen zu sehen. Da indessen die Vertreter derjenigen Parteien, welche am Montag in der Minderheit blieben, der beiden conservativen Fraktionen und des Centrulns, in der Budget-Commission die Majorität repräsen- tiren, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Berathung des ganzen Etats auch in der Commission recht wohl zu einem positiven Ziele führen kann. Einen womöglich noch entschiedeneren Erfolg hatte die Opposition aber in der Dienstags-Sitzung gelegentlich der zweiten Lesung der Holzzoll-Vorlage zu verzeichnen. Vorausgeschickt sei, daß die Debatte an technischen Details und statistischen Gruppirungen überreich und daher von großer Trockenheit war, so daß ein specielles Eingehen auf die Discussion selbst überflüssig erscheint. Desto interessanter gestaltete sich die Abstimmung, bei welcher die polnische Fraktion den Ausschlag gab. Der grundlegende § 1 der Vorlage wurde in namentlicher Abstimmung mit 177 gegen 150 Stimmen abgelehnt, ebenso § 2 und die ganze
Vorlage, so daß eine dritte Berathung des Gesetzentwurfes über die Erhöhung
der Holzzölle nicht mehr stattfindet und derselbe also definitiv abgelehnt ist. Für
die Vorlage stimmten die beiden conservativen Fraktionen und das Centrum,
sowie acht nationalliberale Abgeordnete, dagegen sämmtliche Parteien der Linken, sowie die Polen. Es ist demnach einer der wichtigsten Gesetzentwürfe, den die Reichsregierung im Interesse der deutschen Waldwirthschaft eingebracht, zu Falle gekommen und es ist nur zu wünschen, daß sich hieraus keine bedenklichen Con- sequenzen für die Zukunst des Waldes, wie auch für alle diejenigen Jndustrieen und Gewerbe ergeben, welche in erster Linie auf den Wald angewiesen sind.
In Sachen des deutsch-spanischen Handelsvertrages hat jetzt die Reichsregierung ein Ultimatum an das spanische Cabinet gestellt. Dieses Ultimatum trägt die Form einer von dem deutschen Gesandten in Madrid an den spanischen Minister des Aeußern gerichteten Note, in welcher hauptsächlich die Unmöglichkeit für Deutschland betont wird, die Zölle für spanischen Wein, wie dies Spanien verlangt, herabzusetzen. Schließlich wird in der Note der Vorschlag gemacht, den Vertrag auf der Basis, über welche eine Ueberein- stimmung erzielt war, abzuschließen und spricht sie die Erwartung aus, daß die Antwort Spaniens, welche Deutschland als eine die Verhandlungen abschließende betrachte, eine zustimmende sein werde. Die bisherige Haltung Spaniens in Den Verhandlungen ist jedoch nicht geeignet, von dieser Macht noch großes Entgegenkommen zu erwarten.
Wie ein Telegramm der „Germania" aus Rom berichtet, ist die preußische Antwortnote im Vatikan eingetroffen und enthält ausschließlich die Abschaffung der Strasbestimmungen. Zu weiteren Geständnissen an die römische Kurie Seitens der preußischen Regierung scheint demnach keine Aussicht oorhanden zu sein und man darf nunmehr dem nächsten Schachzug des Vatikans mit Interesse entgegenblicken.
Mit dem amDienstag erfolgten Schluß des österreichischen Abgeordnetenhauses hat die an aufregenden Zwischenfällen überreiche Session desselben und zugleich die gegenwärtige Legislatur-Periode ihr Ende «erreicht. Man braucht nur an die beispiellos heftigen Debatten über die Novelle Rum Volksschulgesetz zu denken, um zu erkennen, inwieweit dem Ministerpräsidenten die von ihm angestrebte Versöhnung der Völker und politischen Par- Leien Cisleithaniens gelungen ist. Freilich, soweit es sich um die Allianz der «Czechen, Klerikalen, Polen und Slovenen handelt, kann man allerdings sagen, daß Graf Taaffe mit seiner Versöhnungs-Politik Glück gehabt hat; aber, um diese Allianz zu Stande zu bringen, mußte die Regierung nach allen Seiten hin Zugeständnisse machen und an dem Tage, wo sie sich außer Stande sieht, die
neuen Forderungen, mit denen voraussichtlich die Parteien der Rechten hervortreten werden, zu erfüllen, wird auch deren Bündniß selbst zerfallen. — Wie herkömmlich, nahm das Abgeordnetenhaus in seiner Schlußsitzung die Delegationswahlen vor. Die Wahl der Delegirten Böhmens ergab nach dreimaligem Wahlgange Stimmengleichheit, so daß das Loos entscheiden mußte, welches auf 5 czechische und 5 deutsche Abgeordnete fiel.
Seit seinem Bestehen hat das französische Cabinet Ferry in der Deputirtenkammer nur Erfolge zu verzeichnen gehabt und der Ausfall der Wahlen zu der wichtigen Budget-Commission kann ebenfalls als ein weiterer Erfolg Ferry'S betrachtet werden. Denn von den 33 Mitgliedern der Commission — in der übrigens kein einziger Monarchist sitzt — gilt die Mehrzahl mehr oder weniger als Anhänger des gegenwärtigen französischen Ministeriums und der Präsident der Commission, Sadi Carnot, gehörte sogar dem ersten Ministerium Ferry's an. Es scheint demnach, daß die französische Deputirtenkammer ihre schwankende Haltung, welche seit der Minister-Präsidentschaft Gam- betta's den Sturz von nicht weniger als fünf Ministerien herbefführte, aufgegeben hat und entschlossen ist, die gegenwärtige Regierung zu unterstützen. Die nächste Gelegenheit hierzu wird sich der Kammer bei der Berathung des von her -^gierung geforderten Füns-Millionen-Credits für die Tongking-Expedition darKeren, denn jedenfalls werden die Ultra-Radikalen wie die Monarchisten diese Gelegenheit benutzen, um die überseeische Politik der Regierung anzugreifen und dann liegt es in der Hand der aufrichtig republikanischen Elemente, durch Annahme des Credits Herrn Ferry das Vertrauen der Volksvertretung auszusprechen.
In England hat sich die Aufregung über die Niederlage, welche dem Ministerium Gladstone in der Angelegenheit der Eidesbill zu Theil geworden ist, rasch wieder gelegt. Herr Gladstone trägt seinen Mißerfolg mit philosophischem Gleichmuthe und denkt gar nicht daran, trotz der parlamentarischen Schlappe, die er erlitten, die Zugel der Regierung seinen conservativen Gegnern zu überlassen, wie es bei ähnlichen Anlässen jenseits des Kanals sonst üblich ist. Die Führer der conservativen Opposition im englischen Parlamente scheinen eben den richtigen Zeitpunkt noch nicht für gekommen zu halten, um einen entfcheiden- den Sturm auf die Stellung des Ministeriums zu unternehmen und Herr Gladstone ist ein viel zu gewiegter Staatsmann, um den Conservativen hierzu so bald eine Gelegenheit zu geben, vorausgesetzt, daß sich der Premier die ihm in der Eidesbill ertheilte Lection hinter die Ohren schreibt.
Lord Dufserin's Aufgabe in Egypten ist beendigt und derselbe am Dienstag wieder in Konstantinopel eingetroffen, von wo aus ihn seine Regierung bekanntlich zur Reorganisation Egyptens entsendete. Sultan Abdul Hamid wirb ben eblen Sorb mit sehr gemischten Gefühlen zurückkehren fegen, denn Lord Dnfferin hat sich bemüht, Egypten möglichst selbstständig zu machen und wenn ihm dies nicht vollständig gelungen, so trägt er hieran wahrlich keine Schulb. v ,
Die Fenier scheinen jetzt mit aller Macht den amerikanischen Boben zum Ausgangspunkt ihrer Operationen gegen England machen M wollen. In Halifax, der Hauptstadt von Neu-Schottland (Canada) sind Gerüchte über Attentate, welche die Fenier in dieser Stadt am 14. Mai, dem zur Hinrichtung der Phönixpark-Mörder in Dublin bestimmten Tage, in• $cene ^tzen wollen, verbreitet. Seitens der dortigen Behörden find tue umfassendsten Vorsicht^maß regeln getroffen worben. _ --
Darmstadt, 10. Mai. Se. Königl. Hoheit ber Großherzog haben ^^25^ April bern Fabrikarbeiter Ludwig Blümel zu Offenbach das
Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Verdienste ,
am 6. Mai dem praktischen Arzt Dr. Aron Mayer zu Mamz das Ritterkreuz T. Klasse und Gemeindeschule zu Viernheim, im
am 9. Mai tem Kreuz des Verdienst-Ordens
Kreise Heppenheim, Joseph xsippert, uu« iuw 0
Das ^Verordnungsblatt für die evangelifche Kirch- des
Großh-rzoMums H°ss°nMr.1 evangelischen Pfarrämter des Großherzog-
thums,^di?AufMbme"ungetaufter"Kinder in den°R°l.g.ons- und Confirmanden-Un.er- richt b-tr-ff-nd. Daff-lb- l°u'-t- i875 über di- Beurkundung des
Nach Erlab des N-,chvg-,^s ^gekommen, daß evangelifche Elt-rn
tbre Kinder"ung-l-us^ gelassen haben. Wenn auch von der großen Mehrzahl d-S evang-Ufch-n Volkes di- Bedeutung der Taufe als eines Sacraments, als Ausnahme in


