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Sie stellt ebenfalls ein genaues Verzeichniß der mit jenen Vorrichtungen hergestellten, ihr vorgelegten Exemplare nach dem im § 2 erwähnten Muster A auf und bedruckt demnächst jedes einzelne Exemplar mit ihrem Dienststempel.

§ 5. Ob die Herstellung der Exemplare oder Vorrichtungen nach dem ! isherrgen Vertragsrechte erlaubt war, hat die Polizeibehörde nicht zu prüfen; dagegen hat dieselbe die Stempelung zu verweigern, wenn sie ermittelt, daß die im $ 1 bezeichneten Exemplare oder die im § 3 bezeichneten Vorrichtungen erst nach dem 6. November 1883 oder die im § 3 bezeichneten Exemplare mit Hülfe ungestempelter Vorrichtungen oder erst nach dem 6. November 1887 her­gestellt worden sind.

§ 6. Die Verzeichnisse (§§ 2, 4) werden binnen 6 Wochen nach ihrem Abschluß von der Polizeibehörde an die zuständige Centralbehörde im Geschästswege eingereicht und von der letzteren aufbewahrt. Einer Anzeige, daß bei der Polizeibehörde Exemplare oder Vorrichtungen zur Abstempelung überhaupt nicht vorgelegt worden sind, bedarf es nicht.

§ 7. Für die Eintragung und Abstempelung der Exemplare und Vor­richtungen werden Kosten nicht erhoben.

Berlin, den 3. November 1883.

Der Reichskanzler.

In Vertretung: v. Bötticher.

Darmstadt, 8. December. Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht:

, Arn 29. Novbr. dem Fabrikanten Friedrich Schön in Worms die goldene Verdienst-Mevaille für Wissenschaft und Kunst zu verleihen.

Se. König!. Hoheit der Großherzog sind gestern Abend 10 Uhr 20 Mn. von Wernigerode hierher zurückgekehrt.

Heute Nachmittag 3 Uhr fand in Gegenwart der Mitglieder der Großh. Familie die feierliche Einweihung des dem Andenken der Großherzogin Alice gewidmeten Alice-Hospitals statt, das aus freiwilligen Gaben aus Eng­land und von hier gegründet worden ist.

Berlin, 8. December. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Nach­richt, daß der deutsche Kronprinz beabstchtige, sich nach Nom zu begeben, um dem Papst einen Besuch abzustatten, als ans der Luft gegriffen; bei der etwai­gen Reise des Kronprinzen könnte es sich selbstverständlich in erster Linie nur um einen Besuch bei dem Könige von Italien handeln.

Spanien.

Madrid, 8. December. Bei der Abreise deS deutschen Kronprinzen nach Sevilla waren auch die Minister, daö diplomatische Corps und der Hofstaat des Königs auf dem Bahnhof anwesend. Der König war in Civiikleidung erschienen und umarmte den Kronprinzen dreimal aus das Herzlichste. Bei seiner Weiterreise nach Sev'lla Wird sich der Kronprinz auf einem zu seiner Verfügung gestellten Kanonenboote nach San Lucar an der Mündung des Guadalguivir begeben. Der Aufenthalt m San Lucar soll einen Tag währen.

Außer den Verhandlungen über einen Handelsvertrag mit England sind auch Verhandlungen über einen solchen Vertrag mit Italien, Holland, Portugal, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Ceutralamerika und mrt Brasilien in Aus­sicht genommen.

Ein Empfang des deutschen Kronprinzen auf der Reise durch den Süden Spaniens von Seiten der Präfekten wird nicht ftattsinden, da der Kronprinz sein In- cognito streng gewahrt zu sehen wünsche.

Der König hat an die zum Gefolge des K.onprinzen gehörigen Personen zahlreiche Ordensdekorationen verliehen.

DieAgence Fabra" vernimmt, daß Spanien pst Rücksicht.auf M^großen Interessen, die es in den chinksischen Gewässern zu vertreten hat, von den Mächten aufgefordert werden dürfte, zum Schutze der europäischen Staatsangehörigen da­selbst mitzuwirken im Falle, daß Feindseligkeiten zwischen Frankreich und China aus- ürechen sollten.

Barcelona, 8. December. DaS deutsche Grschwader ist heute hier an­gekommen.

Cordova, 8. December. Der deutsche Kro p inz ist heute früh 6 Uhr hier ein­getroffen und von de« Behörden am Bahnhof empfangen worden. Auf dem Perron bildete das Militär Spät er; di- daselbst ausgestellte Kapelle spielte die preußische Hymne. Das Souper wurde gestern Abend 10 Uhr in Alcazar, hier in Cordova der Kaffee eingenommen. Der Kronprinz setzte sodann die Reise fort. DaS Wetter wirb prachtvoll.

Sevilla, 8. December. Der deutsche Kronprinz ist heute Vormittag kurz vor 10 Uhr hier eingetroffen und im Hotel de Madrid abgestiegen. Der Herzog von Montpensier erwartete den Kronprinzen am Bahnhof, um denselben zu begrüßen; die ihm vom Herzog von Montpensier in dem Palais von St. Eleve angebotene Wohnung hat der Kronprinz seines Jncognitos wegen abgelehnt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Corresps«de«z-Wttreatt.

Sevilla, 9. December. Heute Vormittag empfing der deutsche Kron­prinz eine Deputation der hier wohnenden Deutschen und Oesterreicher, die durch das Töchterchen eines aus Anhalt gebürtigen Kaufmanns eine Adresse und ein Blumenbouquet überreichen ließ. Der Kronprinz dankte für den ihm bereiteten herzlichen Empfang und sprach seine Freude aus, so viele Landsleute um sich zu sehen. Die Audienz schloß unter enthusiastischen Hochrufen der Deputation aus den Kronprinzen. Um 10 Uhr Vormittags begab sich der Kronprinz, in Begleitung des Herzogs von Montpensier, mit seinem Gefolge per Dampfschiff aus dem Guadalquivir nach dem Schlosse von San Lucar, um der Herzogin von Montpensier einen Besuch abzustatten. Von dort erfolgt morgen die Wei­terreise per Eisenbahn nach Granada.

Gestern Abend hatten sich die hier wohnenden Deutschen zu Ehren des deutschen Kronprinzen mit ihren Frauen und ihren Familien-Angehörigen zu einer Festlichkeit vereint, an welcher auch mehrere Herren aus dem Gefolge des Kronprinzen und die Vertreter der deutschen Presse theilnahmen.

Sevilla, 8. December. Bet dem Besuche ber Sehenswürdigkeiten der Stadt wurde der deutsche Kronprinz von dem Herzoge von Montpensier begleitet. U'berall begegnete die Bevölkerung dem deutschen Kronprinzen mit lebhaften Kundgebungen der Sympathie. Das Wetter ist angenehm bet 10 Grad Wärme. Der Herzog von Montpensier hat den Kronprinzen und das Gefolge zu einem großen-Diner tn San Elene eingeladen.

Paris, 9. December. Ein dem Marineminister zugegangenes Tele­gramm meldet, daß das TransportschiffCorreze" mit der für Tongking be- stlmmten Artillerie bereits am 29. November in der Bai von Aton anae- komrnen ist.

London, 9. Decbr. DerObserver" schreibt, die japanesische Regie­rung habe den ihr von China gemachten Eröffnungen betreffs Abschlusses einer Offensiv- und Defensiv-Allianz für die Eventualität eines französisch-chinesischen

Krieges keine Folge gegeben, wohl aber versprochen, daß sie französischen Kriegs­schiffen die Einnahme von Proviant und Kohlen in japanesischen Häsen nicht gestatten werde.

0- December. (Telegramm desReuter'schen Bureaus.") Aus Aden emgegangene Nachrichten melden, daß am 5. d. Mts. 5 Compagnien egyptischer Truppen bei einer nach Suakim hin ausgesührten Recognoscirung von den Aufständischen angegriffen und nach heftigem Kampfe vollständig ver­nichtet worden. Das Geschütz, welches die egyptischen Truppen mit sich führten, fiel in die Hände der Aufständischen.

Neber das Projekt der Steuererhebung von dem Eigenthum der in Egypten wohnenden Ausländer soll, wie verlautet, eine Verständigung zwischen England und Frankreich zu Stande gekommen sein.

New-Kork, 8. December. In Folge von Stürmen an den Küsten aon Neu-England, NemSchotlland und Neu-Fundland sind im Monat Novem- ber zahlreiche Schiffbrüche von Fischerei-Fahrzeugen vorgekommen. Man schützt die Zahl der umgekommenen Personen auf 180.

Sidney, 8. December. Die int-rkolovtale Coufrrenz hat ihre Albelten heute beendigt unvsick^suf unbestimmte Zett vertagt. 9

Lokales.

Ob-rhMr'das Sitzungen d-S Schwurgericht. der Pronin,

11 Donnerstag den 13. Dec-mbcr, Vormittags 9 Uhr, gegen Philipp Lang von Schlitz wegen Brandstiftung. Staatsanwalt: Dr. Lahr. Verth-udlger Rechts­anwalt Batst.

2. Freitag den 14. December, Vormittags 9 Uhr, gegen Catharine Möller von wesen KtndSmords. Staatsanwalt: Zimmermann. Verthetdiger: Rechtsanwalt Wetdig.

3. Samstag den 15. December, Vormittags 9 Uhr, gegen Julius Rotte von Schotten wegen Meineids. Staatsanwalt: Zimmermann. Vertheidiaer: Rechts­anwalt vr. Schwarz.

Gießen, 10. December. Wir entnehmen derFranks. Ztg." nachstehendes Re- ferat über einen zweiten Vortragsabend Professors Alexander Strakosch'S, des hewahrten früheren VortrogmeisterS vom Dtadttheater tu Wien: Strakosch'S Künstler- '««ft beruht m der Lbat zunächst auf einer virtuosen Beherrschung und Vervollkomm- lyrischen Technik, aber ihr innerster Wesen besteht doch darin, daß diese Technik sich in weiser und echt künstlerischer Beschränkung daran genügen läßt, die treue Vermittlerin bei geistigen und poetischen Inhalts der Dichterworte zu sein. An- fanßs, beim Beginn des einzelnen Vortrags, macht sogar das vorsichtige Adwägen und Zuwägen pbe8 einzelne» Wortes, jeder einzelnen Silbe, den Eindruck einer allzu pedan­tischen Strenge, di- der scistigrn Bedeutung des Wortes eine zu selbstständige Rolle ttnräumt im Verhältniß zu der ästhetischen Bedeutung des geschlossen etnherrauschenden Redestroms. Aber das Ohr muß sich nur erst gewöhnt haben und dies geht rvusderbar schnell an diese dis in's Kletaste ausgearbettete Redeführuug uad es nimmt w»hr, wxe biffe Proportionalität der Theile zur schönsten Harmonie führt, wie der Zusamm^nhaLß der feiociselirtcn Glieder sich zu einem tadellosen Kunstwerk zu- sammenfügt, welchem eS ebenso wenig an realistischer Lchendigkeit, wie an Farbe und Wärme, wie schließlich a» idealem Schwung fehlt und dffsin kstnsende Seele cin Wohl, laut M. der weder ia der Tiefe noch in der Höhe an Kraft, Reinheit und Deutlichkeit einbüßt. Was eine so geschulte und künstlerisch beseelte Stimme vermag, davon gab der Vortrag der gewsttigen ReichStagsscenen aus Sckiller'S großartigem Demetrius- Fragment einen Beweis, der wohl daS Menschenmögliche erschöpfte. Die Menge von verschiedenen Personen, die in diesen Scenen in charakteristischer, echt dramatischer W<ise zu Worte gelangt, d:e Rolle, die in denselben den Exclamationen größerer Volks- massen zufällt, scheint diese« dramatische Meisterwerk Schillert zu einem für die Cinzel- recitation höchst undankbaren Gegenstand zu machen. Wie aber wußte Strokosch's Kunst diese Schwierigkeiten zu überwinden, wie wandelte die- Ueberwinden jedes Hinder­nis veröde zu einem besonderen Schönheitsreiz! Und immer auf die natürlichste, scheinbar einfachlte Weise, immer spielend und ohne Ueberanstrengung des Organs. Wie scharf ausgeprägt traten die Charaktergestalten des leidenschaftlichen Demetrius, des edlen Erzbischofs von Gnesen, des trotzig-stolzen Sap'eha aus der Menge der übrigen kleineren Rollen heraus, wie zündend griffen die einzttnen Stellen, durch welche die Gluth höchster Leidenschaft flammt, in das Herz des Hörers? Selbst die Rufe der aufgeregten Landboten:Krieg, Krieg mit Moskau", vor allem das erste: Wir alle!" treten mit der Unmittelbarkeit des wiiklichm Lebens in die Erscheinung. Wenn such nicht ganz von gleicher, so doch von ebenso packender, zum Beifall hin­reißender Wirkung war der Vortrag der von tragischer Stimmung gesättiaten Schluß- sceve deS vierten Aktes von SchillernsRäubern". Von besonders ergreifender Natür­lichkeit war Die Wiedergabe des alten Moor. DaS den Saal dicht füllende Publikum spendete beiden bewuvdernswerthen Stiftungen anhaltenden Beifall und, wenn nach solchen Kraftproben dem Künstler auch Ruhe zu gönnen war, das Interesse deS Publikums zeigte sich beim Aufbruch noch keineswegs erschöpft.

Sießen, 8. December. sTheater.j Mit dem Rath Presser in dem Lustspiel Er muß aufS Land" und dem Dorfnchter Adam in H. v. KleistsDer zer­brochene Krug" schloß Herr Hermann Müller sein leider nur kurz bemessenes, von dem besten Erfolge gekröntes Gastspiel.

Die derbkomische Figur^des erzschuftigen, unverschämten, einfältigen Dorskadi einer Art holländischen Falstaffs auf dem Richterstuhl, wurde durch seine meisterliche Kunst mit allen ihren^Ränken und Schwänken, Nöthen und Aengsten so wunderbar lebendig, daß die Zuhörer sich tns wirkliche Leben versetzt glauben konnten. In einer so ftarkchargirten Rolle, welche beim Spieler eine hohe geistige Superiorität, eine stete Spannung der WMenSenergie und eine virtuose Beherrschung aller Mittel voraussetzt, können gelegentliche kleine Uebertreibungen oder Nüancen-Wagnisse mit unterlaufen, ohne daß unsere bewundernde Anerkennung irgend gemindert würde. H. v. Kleist'S iutereffantes Lustspiel erschim zuerst auf der Bühne in Weimar unter Goethe's Intendanz, siel aber tstal durch; dann zog F. L. Schmidt, der wohlbekannte Magdeburg-Hamburger ^heaterdirector, cs in einen einzigen Act zusammen und verhalf ihm durch sein Spiel zu großem Erfolge, im September 1820, nachdem das Stück 1812, also ein Jahr nach des Dichters Tode, im Druck erschiemn war.

In dem alten nach Bayard und de Vailly von W. Friedrich gesch'ckt bearbeiteten LustspielEr muß aufs Land" werden schwiegermütterliche Tyranncy und heuchle­rische Frömmigkeit in ihrem zerfetzenden Einflüsse auf das Fam'lienglück mit starken Farben gezeichnet und durch wuchtige Hiebe gegeißelt. Unser Gast gab den salbungs­vollen. berechnenden TartüffeRath Presser" meisterhaft. Frau Bmde vertrat die liebe Schwiegermutter, die nichts zu sagen hot und doch Alles sagt. Äe in ihrer Schule großgewordene, von Herzensgrund aber gute Coelestine fand in Fräulein Kohrsen I. eine vorzügliche Repräsentantin. Ihr Mann, der charakterlose Schwadroneur und Pantoffelheld von Drang, wurde, von Herrn Voigt mit der erforderlichen Gewandtheit gegeben, doch verließ ihn öfters wir wollen uns diesmal milde ausdrücken die Kraft des Gedächtnisses. Der lebensfrohe, welterfahrene Marineoffizier Cäsar von Freimann, der in denstillen, häuslichen Kreis" gleich einer Bombe hineinplatzt, der Gattin den Staar sticht und die Schwiegermutter fammt dem frömmelnden Haus­freunde zu.Paaren treibt, war von Herrn Schönwasscr in seinem Kern richtig erfaßt. Fräulein Pögner I. (junge Wittwe von Flor) erregte durch ihre elegante, geschmackvolle Toilette tue Bewunderung der Damen.

Das am Sonntage vor fast leeren Banken aufaesübrte Volksstück von L. Gruber Der M e in eib b a ue 1" entrollt uns ein düsteres, grelles Culturbild aus dem bayrischen Hochlande. Meineid, Unterschlagung, Mord und Todtschlag ziehen über die Bühne. Müssen wir auch der Grundrichtung des Stückes aus ästhetischen Gründen entgegen­treten, nur das Beste ist für das Volk, wie für die Kinder, eben gut genug so erkennen wir doch auch die mancherlei guten Seiten desselben willig an: die gelungene Zeichnung der beiden Hauptfiguren, des Kreuzweghofbauers und der Vrony, die Ge­schicklichkeit und ftteßende Leichtigkeit im scenischen Aufbau und die meist glückliche, kernhaft-volksmäßige Sprache, die freilich für den des Dialects Unkundigen zuweilen nicht recht verständlich ist. Herr Muff und Fräulein Kohrsen I. bewegten sich hier auf dem ihnen eigensten Boden und wußten ihren Rollen, zumal sie auch den Dialect mit Sicherheit beherrschten, Farbe und Leben zu verleihen.

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