L88L
Str» 263
-eituttK
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Vnrea«: Schulstraße 7.
K
n,
Iber-
rteo.
Lie iit
Kapelle
7450
nen.
iiittags 7476
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
. 40
. 40
. 45
. 45
45 ‘ 45
40 ' 45
. 25 . 20
Erstes Blatt Sonntag den 11- November
avember.
. 20 ?tz>
. 20 „
häuslichen Kreise streuen noch heute reichen Segen über manches Ehepaar, das im Geiste Luther's handelt und lebt und seine Grundsätze hochhält.
Es würde über den Rahmen unserer heutigen Festbetrachtung hinausgehen, wollten wir weiter alle die Thaten aufzählen, welche das Leben Luther s in so reicher Fülle schmücken. Bis zu seinem Tode hat er,gekämpft und stritten für seine Ueberzeugmig, sein ganzes Leben war ein stetes Ringen nach Wahrheit, und wie sein gewaltiger Geist in Sturm und Roth feststand wie der Fels im Meere, ob ihn auch die Wogen wild umschäumen, so hat er,vor den Pforten des Todes feine Lehre besiegelt mit dem Bekenntniß, daß er freudig auf sie sterben wolle. Mit diesem harmonischen Akkorde gmg sein kämpfereiches Leben zu Ende.
Aber die versöhnenden Klänge ferner Lehre hallten werter und das Evangelium der Duldung und Menschenliebe brach sich, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Bahn. Wohl nrustte es durch unsägliche Leiden und Verfolgungen, durch langwierige Kriege hindurchgehen, ehe es die Berechtigung erhielt, als vollgültiges Religionsbekenntniß jene Duldung zu gemeßen, dre rn unferen Zeiten allgemein geübt wird, wo nicht verthierte Barbarei oder der finstere Geist des Jesuitismus noch die Herrschaft hat. Und wenn Deutschland durch das Auftreten Luther's in späterer Zeit zum Schauplatz der furchtbarsten Kriege wurde, deren Wunden nur sehr schwer vernarbten, so durch alle diese Prüfungen die deutsche Volksnatur in ihrer urwüchsigen Kraft gc- läutert und unverdorben hervorgegangen, so daß mir am heutigen Tage dankbar zum Herrn aller Heerschaaren ausblicken können, daß er unser Land nicht ganz untergehen ließ. Was uns aber Luther mit seiner gewaltigen Begabung weiter errungen hat, das ist vor allen Dingeu die hohe Stellung Deutschlands auf geistigem Gebiete. Ihm gebührt nicht geringer Antheil an dem Ruhme, wenn wir als das anerkannte Volk der Dichter und Denker den andern Nationen mit der Leuchte des Geistes voranschreiten. .
Ueber all diesem Glanze edlen Schaffens aber steht der hohe Adel seiner Person, das markige, kernige Wesen seiner Natur. Wo zeigt uns die Ge- fchichte' einen Mann, der im Toben der widerstrebendsten Elemente eme so erhabene Ruhe bewahrt hat, wie sie Luther ost in größter Leoensgefahr mcht verlor. Unerschrocken wie ein Held im Sieg stand er seinen wüthenden Feinden gegenüber, die trotz ihrer gewaltigen Macht nicht wagten, ihm em Lech an- zuthun. Wir aber im Hasten und Drängen der Jetztzeit, die. wir oft um elenden Flittertand die Ruhe der Seele in den Kauf schlagen, wrr haben alle Ursache, heute zu Luther's Bilde aufzublicken, und den AllmäHtigen um Kraft und Willensstärke anzuflehen, dainit uns im Kampfe des Lebens der sichere Grund nicht verloren gehe. „ ,,,, ,
So wird Martin Luther für alle Zeiten em leuchtendes Vorbild der deutschen Nation bleiben. Wie er seine Zeit voll und ganz erfaßte, so wird auch sein ahnender Blick ihm die politische Zukunft Deutschlands in emem besseren Lichte gezeigt haben, als die damaligen Verhältnisse hoffen ließen. Noch leben wir unter dem Eindrücke jener großartigen Denkmalsweihe auf dem Niederwalde, und es ist gewiß kein willkürliches Beginnen, wenn wir unfern Reformator auch als Vorkämpfer für ein nationales Deutschland feiern. Große Männer fehen oft durch den dichten Nebel, der die Gegenwart von den zukünftigen Geschlechtern trennt. Und so wird auch ihm in stillen Stunden der Gedanke eines politisch geeinten Deutschlands ausgestiegen sein, dessen Aufrichtung aber erst die Zerreißung der geistigen Fesseln nothwendig machte. Das aber war Luther's Werk! „Jacta est alea!“ Ich hab s gewagt. Mit diesem Wahlspruche seines berühmten Zeitgenossen hat sein Seherblick ihm lichtere Bahnen gezeigt. __
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Lorrespo«veM-GuEN.
Darmskadt, 9. November. Ihre K. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin trifft beute zum Besuche des Großh. Hoses von Schloß Wald-^einm- qen hier ein. Die Rückreise nach Wiesbaden erfolgt morgen
(SbetstPßlbe, 9. November. Se. Maj. der Kaiser fuhr heute Morgen um 7 Uhr, gemeinschaftlich mit dem Kronprinzen Rudolfs mittelst offenen Wagens von Hubertusstock aus nach dem Jagdterrain. Der König von L-achfen folgte mit Sr. König!. Hoheit dem Prinzen Wilhelm, Prinz Georg von Lachsen mft Sr. K. Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl. Um 11 Vs Uhr wurde un Jago- schlosse das Dejeuner eingenommen, nach welchem sodann das zmerte Jagen
, 9. November. Der heutigen Lutherfeier in, der Universität wohnten bei Staatsminister v. Bötticher, Cultusminister v. Goßler, Ministerial- Director Greiff, der Präsident des evangelischen Oberkirchenraths Hermes, der General-Superintendent Berlins, Brückner, der Stadt-Eommandant und, andere Notabilitäten. Die Feier begann mit dem Choral „Eine feste Burg ift unser @ott." Die Festrede hielt der Dekan der theologischen Fakultät, Klemert. Anläßlich der Feier wurden zu Ehren-Doctoren der Theologie ernannt: der Recior der Universität, Kirchhoff, Dekan Kleinert, Cultusminister v. Goßler, Präsident v. Sydow, Hosprediger Frommel, und die Professoren Grell, Pfannschmrdt nnd Lommatzsch. , ( ... , ,
Stuttgart, 9. November. Der Komg von Württemberg ist heute Nacht über Luzern und Genua nach San Remo adgereist. Der Ausenthalt i daselbst ift aus mehrere Monate berechnet. Obgleich die Besserung im Befinden
Die Bedeutung Iuther's für die deutsche Nation. 1
Eine Betrachtung zum 10. November 1883.
Wohl selten ist es einem Sterblichen vergönnt gewesen, auf die Geschicke ' eines Volkes so gewaltigen Einfluß auszuüben, wie mir Deutschen es bei uni erm ,
Martin Luther erfahren haben. Wie seine Thaten im Laufe der Jahrhunderte ; „Mtiqe Umwälzungen hervorbrachten, so strömt aus seinem reichen Herzen , nnd) heute eine Fülle des Segens auf uns hernieder, weil er auf dem , Grunde des wahren christlichen Gewissens, Geistes und Glaubens „dem gemeinsamen Grunde aller deutschen Bekenntnisse, unserer tapsern, frommen, ehrlichen Innerlichkeit, so großartigen Ausdruck gegeben hat." Seine Schriften sind eine unerschöpfliche Fundgrube des nationalen Geistes geworden und gehören zu den werthvollsten Schätzen unserer Literatur. Heute aber, zum 400jährigen Geburtstage des großen Reformators, wollen wir seine Bedeutung für die deutsche Nation erörtern, zugleich aber die Bilder jener bewegten Tage nebst der Gestalt Luther's vor unfern geistigen Augen auferstehen lassen.
Was uns vor Allem in dem Wesen unsers Helden so sympathisch berührt, das ist seine Liebe sür das deutsche Volk, die deutsche Sitte und die deutsche Svrache Er war der Erste, welcher in wahrem kernigem Deutsch zu seinen duhörern und Lesern sprach, der Erste, der da fühlte, daß er als Sohn seines Vaterlandes auch vaterländisch sprechen und schreiben müffe. So kämpfte er mit der Schärfe des Geistes gegen die Verderbtheit der Kirche, während er auf der andern Seite für das Volk ein wahrer Gott es mann wurde, indem er den Sinn sür Glauben und Frömmigkeit aufzurichten suchte, welcher) durch die äußerlichen Vorschriften der Werkheiligkeit der katholischen Kirche verloren gegangen mar und einem blinden Formelkram Platz gemacht hatte, ^zene römische Weltmacht, gegen welche die mächtigsten Kaiser und kühnsten Fürsten nicht aufkommen konnten, die in ihrem Oberhaupte einen Einfluß verkörperte, der unsere damalige innere und äußere Politik vollständig beherrschte, diese Schranke zu durchbrechen, hatte die Vorsehung einen armen Mönch ausersehen. Aber dieser Mann war ein christlicher Charakter im vollsten Sinne des Wortes, stark an Geist und Körper, ausgerüstet mit dem vollen Wissen ferner Zeit, der vertrauensvoll seinen Gott verehrte und beseelt war von jenem idealen Drange höheren Geistes, der großen Menschen ein Leitstern durch die Wirrnisse des Lebens ist. L r ,
Mit der Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den päpstlichen Ablaß beginnt Luther's Kirchen- und Weltgeschichte. Und nun folgten m raschen schlagen weitere Thaten. Seine Vertheidigung in Heidelberg, wohin ihn ein Augustiner-Convent geführt hatte, Disputationen mit päpstlichen Legaten und Theologen, öffentliche Reden und Predigten, ließen seine Lehre sich inehr und mehr krystallisiren und drängten ihn selbst Schritt für Schritt weiter. Eme ungemein fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit brachte Luthers Namen in alle Stande Die Verbrennung der päpstlichen Bulle, eines der gefurchtesten Werkzeuge der römischen Hierarchie, ließ seine Feinde vor Schreck erstarren, wahrend seine Anhänger sich um fo fester zusammenschlossen. Von dem Reichstage zu Worms an, wo Luther die Autorität des Papstes leugnete und ofientlich erklärte, „datz man die neue Lehre durch die Ansprüche der Bibel selbst oder durch vernünftige Gründe widerlegen müffe", von da an begann so recht eigentlich em neues Zcft- alter in Deutschland. „Die Kette, womit der heilige Bonrsaz die deutsche Kirche an Rom gefesselt, ward entzweigehauen." . ,.
Das mannhafte Auftreten vor der Reichsversammlung m Worms, die weltgeschichtlichen Worte, die Luther nach der Aufforderung zum Widerruf den gewaltigen Herren entgegenries: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, 6 helfe mir, Amen", ließen ihn aus der Kitte der Anwesenden so manches Herz gewinnen. Jene Fürsten aber, welche sich fortan öffentlich zu Luther bekannten, waren die mächtigsten Stützen der neuen Lehre, und ohne fte hatte freilich die Reformation schwerlich eine solche Ausbreitung gewinnen können Aber n dieser kritischen Zeit, wo dem Leben und der Freiheit Luther-^ die größten Gefahren lohten, brachte ihn fein weiser Kurfürst nach Gottes> Rath, der die Herzen der Mächtigen lenkt, wie Wasserbäche, m Sicherheit und w bearbeiftte unser Glaubensheld auf der Wartburg still verborgen emes der schönsten ichenke für das deutsche Volk, indem er die Bibel m sein geliebtes Deutsch übertrug. Wenn dies sein einziges Werk auf Erden gewesen wäre so wurde es hinreichen, ihm die Unsterblichkeit zu sichern. Aber als ihm tue Kunde ward daß radikale Tendenzen und Anschauungen uMr seiNm Anhaugeu a i Bo en gewännen, als Gefahr drohte, daß mit der Schlacke kirchlicher Rtchbrauche auch die edlen Goldkörner des Glaubens verloren gehen konnten, da litt es ihn nicht länger in seiner stillen Klause, er brach hervor mit unerschrockenem MMhe und beschwor in mächtigen Reden den beginnenden Sturm Ruhe und O^"U"g kehrten wieder, und unter sriedlichen Auspieien drang lutherische Glaubens- bekenntniß immer weiter vor. Seme reformatorische^ Thätigkeit umsß weiter die Regeln über die Abhaltung des Gottesdienstes, über die Kuchenli-der und die Sakramentsfeier, bald auch folgten Schul-und ^lrdJenöerfa^1ung unb alle diese Einrichtungen lehnten sich getreu an den Sinn und Geist des deutschen Volkes^an.^ gQmi(ieu[eb en mit Katharina v Bora ist
nicht nur für alle christlichen Familien em l^neS «orbitb geworden, sondern auch die Gründung des evangelisch l Hauses und seines Segens, und jene anmuthigen Bilder aus seinem


