Ausgabe 
11.10.1883 Erstes Blatt
 
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6587 Militär- und Glace-Handschuhe werden schön gewaschen und gefärbt von Jakob Hengst, Handschuhm., Neuenw.31.

Gesuch der Erben des Commerzienraths Georg Karl Gail dahier um Erlaubmß zum Anschluß einer Rohrleitung an eine städtische Röhrenanlaak Gesuch des Kalkbrenners Karl Haas dahier um Erlaubmß zur Abhebum eines städtischen Rams.

Gesuch des Fabrikanten Georg Heinrich Schirmer um Erlaubnis jur Anlegung eines Cementttottoirs.

Verwerthung von Bauplätzen in der Bismarckstraße.

Stockholm, 9. October. Der Kronprinz von Portugal ist heute früh 9V4 Uhr hier angekommen und wurde auf dem Bahnhofe vom Könige, sowie den Prinzen Oskar und Karl empfangen; das kronprinzliche Paar war dem Gaste entgegengefahren. Zur Erweisung der militärischen Ehren war auf dem Bahnhofe eine Grenadier-Compagnie mit der Regimentsmusik aufgestellt.

Mailand, 9. October. Ihre K. K. Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen sind heute Vor­mittag um 11V2 Uhr nach Arona und Baveno abgereist. Ein Ordonnanz- Officier des Königs und der deutsche Vice-Consul geleiteten die Herrschaften zum Bahnhofe.

Kairo, 9. October. Bei dem bevorstehenden Courban-Bairam-Feste wird ein Dekret des Khedive erscheinen, in welchem für alle während des egyp- Ljschen Aufstandes begangenen Verbrechen, mit Ausnahme von Diebstahl und Mord, Amnestie ertheilt wird. Ein zweites Dekret wird die besonderen richter­lichen Commissionen zu Alexandrien und Kairo und die Kriegsgerichte auflösen. Die in die Amnestie nicht einbegriffenen Verbrechen werden vor die ordentlichen Gerichte verwiesen werden.__________ ___

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lateinischen und griechischen Sprache.

Herausgegeben von

Weil

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Vormittags Unterzeichneter im Msweg 11)

Sophas, 2 Koi 1 lisch, 1 Spiegel, öStühle, IW, ! l Schreibpult, 1§ p Nachmittag die Ernte von ein i stehend aus Karts Mi Baarzahlung ve Kmmenkunft Nac Ihenhos".

Wen, den 9. Okto

|6577 Einen Lehrling suchen Mettenheimer & Schultheis.

Lokales.

Gießen, 10. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sikuna am Donnerstag den 11. October 1883, Nachmittags 4 Uhr. B 9 801

1. Die QueUwosseileitungsarbelten.

2. Herstellungen im Festsaale der Realschule.

3. Pachtvertrag zwischen der Stadt Gießen und Friedrich Simons Wittw-

4. Den von Teuselslustgärrchen nach der Bahnhofstraße ziehenden Canal heb'

5. Den rechtsseitigen Graben auf der Grünbergerstraße betr 1

6. Gesuch des Fabrikanten August Ackermann dahier um käufliche Hehrr- lassung städtischen Geländes. r 0)6 UeDer

7. Gesuch des Gastwirths Wilhelm Wenzel dahier um Erlaubnis iur An. legung eines Thors. n ß *ur M

X X Der Versöhnungstag.

Am Donnerstag, den 11. October ö. I., feiern unsere jüdischen Mitbürger den Versöhnungstag, der hebräischJom Kippur genannt wird. Es ist der höchste und feierlichste Tag unter ihren Festen, er ifi außer einem Gedenktage an die wunderbare Rettung aus dem harten Frohndtenfte tn Mtzraim (Egypten) ein allgemeiner Bek­und Bußtag.

Die Feier des Festes beginnt nach dem jüdischen Brauche am Vorabend des Tages, also am Mittwoch, bet Sonnenuntergang, und dauert die Nacht hindurch und den Tag über wiederum bis zum Anbruch der Nacht. Streng ist die Beobachtung dieses Tages von dem Reltgionsgesetze anbefohlen und streng feiern ihn alle Israeliten, die an den altehrwürdigen Bräuchen ihrer Voreltern festhalten.

Ehe der Tag zu Ende geht, laben dle Frommen sich noch einmal mit Speise und Trank, doch nur soweit dies nöthig ist, um für's Erste Hunger und Durst zu stillen. Wer sich bewußt ist, dem göttlichen Verbote entgegen einem Mitmenschen Böses gethan oder Groll gegen ihn über eine Nacht hinaus in der Brust bewahrt zu haben, der sucht den Beleidigten auf und bittet ihn um Verzeihung. Dann begehn sie sich tn den Tempel zum gemeinsamen Gebete. Diese Abendgebete und mit ihnen der Vorabend selbst werden nach dem ersten Gesänge, mit dem der Gottesdienst be­ginnt,Kol Nidre genannt.

Wer an diesem Abend in den Tempel einer streng orthodoxen jüdisch n Gemeinde tritt, dem bietet sich ein befremdlicher Anblick dar. Alle Männer sind in einen weißen Leinenkittel gekleidet, auf dem Kopfe tragen sie ein weißes Leinenbaret und über dem Kittel wallt vom Haupte zur Erde nieder der weiße wollene Gebetmantel. Die weiße Gewandung der Männer ist das Sterbe kleid, in das der jüdische Mann einst ge­hüllt werden soll. Er hat zum ersten Male diese Kleidung getragen an dem Tage, wo er als Bräutigam mit seiner Verlobten getraut worden; er legt es später an zwei Festtagen im Jahre an, am Passah und heute am schweren Bußtage.

Der Gottesdienst beginnt leise, mit verhaltener Stimme fängt der Kantor den Kol Nidresang an. Sanft, melodisch, herzinnig und wirkungsvoll ist dieses Tonstück. Dreimal Wiederholt er es in stets gesteigertem, stärkerem Tone, zuletzt mit lauter, voller Stimme. Seinem Gesänge folgen unmittelbar die von allen Leuten im Tempel dreimal gesprochenen Worte:Und es sei verziehen der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und dem Fremdlinge, der unter ihnen weilt."

Schwer hält es von dem Inhalte und der Form der nun folgenden langen Gebete, die dm Abend und den ganzen Tag ausiüllen, eine gedrängte Uebersicht zu geben. Sie füllen einige hundert Druckseiten. Bald spenden sie dem Gotte Lob, auf dessen Geheiß der Abend dämmert, die Himmelspforten sich aufthun, nach dessen Willen am Firmamente die Sterne auf ihren Wachposten sich reihen; dann kommen die schmerz­lichen Selbstanklagen wegen der begangenen Sünden; da wird Verzeihung erfleht für wissentliche und unwissentliche Vergehen: für Verstocktheit des Herzens, für sündiges Sinnen, für Verunehrung von Eltern und Lehrern, für Trotz und Jrrthum, für Spott, böse Zunge, für der Augen ettelcs Blinken und stolzen Blick, für Frechheit der Stirne, Mißgunst, Verleumdung, Betäubung des Sinnes u. f. w. u. s. w.

In diesen Gebeten liegt ein unglaublich reicher Schatz der einfachsten und kunst­vollsten, eindringlichsten und gewaltigsten lyrischen Poesie.

Von diesem Reichthume der Bilder und Gleichnisse, oieser unerschöpflichen Wort- und Gedankenfülle im Lobe und Preise Gottes, von dieser zermalmenden und erhebenden Kraft im Ausdrucke der schuldbewußten, nach dem Heile der Erlösung ringenden Herzensfrömmigkeit, von dieser schlichten Klarheit neben mächtig rauschender Pracht, von dieser religiösen Poesie gibt es schwerlich Beispiele in der Literatur der Westvölker. Einer der schönsten Abschnitte in dieser Reihe von Gebeten istDie Königskrone" des altspanischen Dichters Salo den Juda Gabirol.

Schwer drückt die Last des Tages auf die gebeugten fastenden Beter. Sie jammern zerknirscht und erflehen für sich und alle Welt ein Jahr der Ruhe, des Friedens und des Segens, beten um Abwehr aller Noth durch Pest und Seuche, aller Drangsale durch Schwert und Krieg und erflehen daS göttliche Erbarmen um all der unzähligen Märtyrer willen, die den qualvollen Tod im Wasser und im Feuer erduldet haben, oder mit dem Schwerte hingeschlachtet worden.

Da neigt sich der Tag seinem Ende zu und die Sonne geht zur Rüste! Da stürmen ihre Gebete noch einmal zum Himmel empor und bann erklingen des Widder- horues langgezogene, markerschütternde Töne. Sie künden dem Herzen Versöhnung und bringen Ruhe dem Gemüthe.

Das Meisterschafts-System

WeTWischtsH.

Wieseck, 9. October. Bei der heute stattgehabten Ergänzungswahl zum Ge- meinderath wurden die Nachstehenden gewählt: Georg Weller mit 145 Stimmen. Johannes Jung II. und Johannes Bierau II mit je 144 Stimmen. Die von bet Gegenpartei tn Varschlag gebrachten Candidaten erhielten, obschon die Stimmzettel fleißig herumgetragen wurden, blos je 97 Stimmen. Das Wahlrcsultat wurde hier mit großem Enthusiasmus begrüßt.

Alb ach, 8. October. Bei der heute ftaitgefundenen Beigeordnetenwahl wurde Philipp Lenz als Beigeordneter für die Gemeinde Albach einstimmig gewählt.

Das tongkinesische Geld, schreibt der Specialberichterstatter des Standard in Tongking, ist aus Blei, nicht gutes Blei, sondern eine sehr ordinäre Gattung dieses Metalles- Die Münzen bestehen ans dünnen Bleischetben, die mit einem Loch ver­sehen auf Bindfaden gereiht sind, und für einen Dollar erhält man mehr kleines Ech als man zu tragen vermag. Damen, welche in Tongking Einkäufe machen, lassen sich ihre Börse von einem Kuli tragen, der in der Regel unter der Last seufzt, obwohl dieselbe manchmal nur einige Mark reptäfentlrL 200 Mark in tongkinesischem (Selbe würden ein Boot zum Sinken bringen. Eine der ersten Reformen, welche die Franzosen zu bewerkstelligen haben werden, ist mithin die Einführung von Silbergeld.

sWie, was, roo?] Ein Börsenbesucher, welcher in seinen Musestunden sich als Heirathsmr mittler beschäftigt, brachte über die Chancen der einen Mann begehrenden Dame an die Börse folgenden artigen Witz: Junge und schöne Damen, denen ein Heirathscandidat präfentirt wird, stellen sogleich die Frage:Wie ist er?" Inden Jahren der Ueberlegung fragen sie bereits:Was ist er?* Reif gewordene Jungfrauen aber stürzen sogleich mit der Frage vor:Wo ist er?"

Heim kehren die Entsühnten mit ruhiger Brust zu W-tb und Kind, Ruh- haben sie nun im Innern der Seele und erhoffen nun auch Ruhe oon der Außenwelt,

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Schiffs nachrichten.

Bremen, 8. October. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Salier, Capt. E. Wiegand, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23. Septbr. von Bremen und am 25. September von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Witterungskunde.*)

11. October. Donnerstag. Im Westen mild, herbstlich angenehm und heiter bis zum Abend; höchstens Mittags etwas geschletert, spätabends schwach bedeckt, (m Osten mehr nächtlich kalt bis mäßig frostig.

12. October. Freitag. Veränderlich, im Nordweften mit stellenweise stürmischen Böen. Frühmorgens bedeckt bis regnerisch; nachher ringt sich die Sonne durch, aus Mittag zu wird die Bedeckung wieder dichter, Nachmittags aufgebessert. Das nächtlich Minimum hält sich im Westen meist zwischen 7 und 9° C.; im Nordosten Nochis noch stellenweise mäßiger Frost bei tagsüber trockenem herbstlich heiterem Wetter.

*) Aus Dr. L. Overzter's Wetter-Prognose für den Mopat Octsber, abgeschlossen am 20. September (Verlag der M Lengfcld'schen Buchhandlung in Mn, Preis 1 XV Nachdruck verboten.

Kirchliche Anreiaen

der rv. Gemeinde.

Donnerstag, 11. Oktober, Abends 6 Uhr: Erbauungsstunde in ber Stadtkirche Pfarrer Dingeldey.

(Luther von 1510 bis z.

Reichstage in Worms).