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Jahresbeitrag von jetzt ab bis Ende Juni 1884 beträgt 10 Mark, vom 1. October wird ein Eintrittsgeld von 2 Mark erhoben. Gleiche Vereine bestehen u A- auch in Darmstadt, Mainz, Hanau, Bingen und Offenbach und die bei allen oiS j^tzt bestehenden Vereinen erzielten Resultate geben zu der Annahme Berechtigung, daß der Verein auch hier seinen Zweck erreichen und seinen Mitgliedern jene Vortheile und den Schutz b eten werde, die sie von ihm erwarten. Dies kann aber nur geschehen, wenn auch hier wie anderwärts ein reges Interesse aus allen Branchen und Kreisen dem neuen Vereine zu Theil wird. Wir möchten der gesammten Geschäftswelt, vom Fabrikanten und Grossisten anfangend bis herunter zum kleinsten Handwerker, klar machen, daß sie alle Ursache haben, sich dem Vereine anzuschließen. Freilich haben die Vereine am Platze immer nur Bedeutung für das Platzgeschäft, aber die Verbindung der Vereine unter einander bietet dem Fabrikanten und Grossisten die erwünschte Gelegenheit, seine Auskünfte am Platze selbst einholen zu können, und er findet in den Verkinen für feine auswärtigen Geschäfte Verbindungen, wie er sie correcter und zuverlässiger niemals haben kann. Die Gesammtheit aber hat ein Jntereffe daran, milzuwirken, daß auch im deutschen Geschäft Ordnung und Regelmäßigkeit herrsche, damit nicht durch den Borgunfug des Einzelnen die Bedürfnisse der Andern vertheuert und verschlechtert werden.
Falkenberg, 8. September. Nach dem amtlich sestgestellten Resultat der im Wahlkreis Liebenwerda-Torgau stattgehabten Ersatzwahl zum Reichstage wurden im Ganzen 11,887 Stimmen abgegeben, davon erhielt Justizrath Dr. Horwitz in Berlin (Secess.) 7743, Vicepräsident Dr. Clauöwitz in Berlin (freicons.) 4144 Stimmen, der erstere ist somit gewählt.
Hamburg, 8. September. Der Hamburger Postdampfer „Lessing", welcher am 23. v. Mts. Rew-Dork verließ und am 27. dess. MtS. einen Bruch an der hinteren Kurbelwelle erlitt, hat heute früh 8 Uhr Lizard auf dem Wege nach Plymouth passirt.
Mhericht.
31,3. M.Echulh ! Sinnen, 8. Eevi :M R. Ringk,
SronfM 8-( ysr»
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Brrreau.
Kopenhagen, 9. September. Die Einweihung der hiesigen russischen Kapelle hat heute Vormittag in feierlicher Weise durch den Beichtvater der Kaiserin von Rußland, welchem die Geistlichen der russischen Gesandtschaft und der „Derjawa" assistirten, stattgefuuden. Der Feier wohnten die Mitglieder der königlichen Familie, der Kaiser und die Kaiserin von Rußland, der König und die Königin von Griechenland und die übrigen hohen Gäste bei, sowie die Mitglieder der russischen Gesandtschaft, der russische Botschafter in London, Baron v. Mohrenheim, die Ofsiciere und 50 Mann von der Besatzung der „Derjawa." Rach der EinweihungSseier sand an Bord der „Derjawa" ein Dejeuner statt, bei welchem der Kaiser von Rußland den Toast aus die dänische Königsfamilie ausbrachte, während der König von Dänemark auf den Kaiser von Rußland und dessen Familie toastete. Nachmittags halb 3 Uhr kehrte die königliche Familie nach Fredensborg zurück. Die Stadt ist in allen Straßen sestlich geschmückt.
Eingesandt.
Geehrter Herr Redacteur! In Ihrem sehr geschätzten Blatte vom 9. September befindet sich eine kurze Notiz, die Gemeinderathsersatzwahl in ßang ®j5n8 betreffend. Unabhängig von dem siegreichen sowohl, als auch von dem unterlegenen Bruder, glaube ich indessen doch, im Interesse des Gemeinwohls das Verfahren, wie heutzutage bas heiligste Princip unserer communalen Gerechtsame — die selbstständige Wahl unserer communalen Vertreter und Beamten — gehandhabt wird, entschieden verurtheilen zu müssen. Erleben muß man einen solchen sogenannten Act der freien Wahl, man muß die Hunderte von Hectolitern Bier, die Körbe voller Würste, die Dutzende und aber Dutzende von Cigarren verschwinden sehen, man muß in dem Gesumme der Menschen die Worte herausgehört haben, daß der mehr zum Besten geben könnte als der andere, um zu dem Schlüsse zu kommen, daß unsere heutigen communalen Wahlen sicher mcy! als dem Gemeinwohl rathsam empfohlen werden können- Einverstanden damit, daß die Herren, welche am verflossenen Mittwoch in Lang-Göns aus der Wahlurnelat. Sieger hervorgegangen sind, in jeder Weise würdig sind, das Vertrauen> ihrer jjtv bürget zu besitzen, Einsender selbst wird Ihnen nie das Zmgniß treuer Pflichterfüllung in den verschiedenstkn Aemtern, die sie theilweise schon bekleidet, absprechen, nur geg - diesen offenbaren Unfug, daß schon Tage lang vor der Wahl und am Wahltage jei auf Kosten der Herren, welche ein Ehrenamt in der Gemeinde bekleiden sollen, gerouio schäftet wird, — der richtige Ausdruck ist mir zu unästhetisch — glaubt er fern, warnende Stimme erheben zu sollen. Wie sollen denn solche Zustände^enden^E^^^
Lokales.
Gießen, 9- September. Gestern Abend confiituirte sich in einer Versammlung, welche in der Restauration Stein stattfand, der Verein „Creditreform", nachdem die Collectivftatuten durchgesprochen und von dem die Organisation im Auftrage der bestehenden Vereine leitenden Herrn N- Levinger aus Mainz zu verschiedenen Paragraphen wünschenswerthe Erläuterungen gegeben waren. 25 Firmen sind bereits dem Vereine Zu VorstandSmitglieve'.n wurden gewählt die Herren Carl Berg, Emil bt Keil, Wilh-Reider, C hr-Wallenfels und Gg- W-Wei big,
—wurde Herrn Ehr. Helm, Bür»ermcMer a. D. übertragen. Der
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Oesterreich.
Agram, 7. September. Beim Dunkelwerden fand vor dem Finanzgebäude in der Gunduliks-Gaffe eine Volksanfammlung statt; das Wappenschild wurde mit Steinen beworfen und eine Fensterscheibe zertrümmert. Das Militär säuberte die Gaffe und sperrte dieselbe ab. Um 8 Uhr war die Ruhe wieder hergestellt. Gerüchtweise verlautet, der Pöbel beabsichtige Maffenangriffe. Für die beiden Feiertage wird ein Zuzug von Landleuten befürchtet.
Frankreich.
Pari-, 8. September. Wie verlautet, wird der Ministerrath am Montag zusammentreten, um die Vorschläge Chinas bezüglich Tongkings zu prüfen.
— Der chinesische Botschafter, Marquis Tseng, wird sich wahrscheinlich morgen noch London begeben, um seine Familie in ein Seebad zu begleiten. Gegen Ende der kommenden Woche dürste derselbe bereits wieder nach Paris zurückkehren.
— Der „Agence Havas" wird aus Kairo gemeldet, es verlaute dort von einer ernstlichen Differenz zwischen der egyptischen Regierung und dem Gouverneur von Sudan, Hicks. Die Aufständischen sollen Khartum bedrohen. Die Bildung des Staatsrathes für Egypten habe sich verzögert, weil die Engländer die Zahl der europäischen Mitglieder herabgemindert und die eingezogenen Stellen derselben durch Egypter und Engländer besetzt haben wollten.
Paris, 6. September. In Le Puy fand heute die Einweihung des Denkmals Lafayettc's statt. Die bei der Feier gehaltenen Reden rühmen Lafayttte als großen Bürger, der stets Achtung vor dem Gesetze hatte und als einen Begründer der französischen Freiheiten. Der amerikanische Gesandte Marton hob hervor, die heutige Feier fei ein Beweis für die enge Freundschaft zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten, welche hoffentlich immer andauern werde. Der Minister des Innern Waldeck- Rousseau sprach dem Gesandten feinen Dank aus und fügte hinzu, zwei demokratische Nationen, welche überzeugt seien, daß sie nichts gegen ihre Nachbarn unternehmen dürften, gleichzeitig aber entschlossen seien, nichts gegen sich unternehmen zu lassen, müßten sich gegenseitig achten.
— Der Enthüllungsfeier in Le Puy folgte gestern Abend ein Banket, auf welchem der Minister des Innern, Waldeck-Rousseau, das Wort ergriff und ausführte, das republikanische Regime folge den Weg unbegrenzter (Entwickelung. Das Land verlasse sich auf sich selbst und es sei bei den jüngsten Ereignissen ruhig, ja sogar gleichgültig gewesen. Im Uebrigen wisse er nicht, wie die Successionsfrage, die eine offene und nicht ohne Gefahr fei, anders gelöst werden könne, als durch eine Verweisung aus dem französischen Staatsgebiete. Der Minister tränt schließlich auf die Presse, die wohl verstehe, daß er die Freiheit seiner Aeußerung hierüber mit Rücksicht auf sich selbst und Andere eingeschränkt habe.
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Berlin, 6. September. Unter den Einzelheiten, welche nachträglich noch über die Steglitzer Katastrophe bekannt werden, erregt die wunderbare Errettung eines Vaters nut zweien seiner Kinder besonderes Interesse. Der Vater stand mitten auf dem Geleise und war zwischen den beiden Schienensträngen, als die Kinder, beim Ueberf (breiten des einen Schienenstranges, durch die nachfolgende Menge gestoßen, stolperten und fielen, der Vater bückte sich, die Kinder hoch zu heben, da brauste der Courierzug heran, der Mann fühlte einen Stoß durch einen weichen Gegenstand, wurde auf die Erde gedrückt und konnte kaum noch über das Gräßliche seiner Lage nachdenken. al8 auch der rasende Courierzug bereits über ihn und seine Kinder hinweggesahren war. Der Mann war vor Schreck und Todesangst kaum seiner Sinne mächtig, erst nach einigen Augenblicken sah er, daß er sich in Mitten zerfetzter Menschen, von Blut Überströmt, befand. Er rief nach feinen Kindern und bemerkte, daß er fast über denselben lag; sie gaben, zu Tode erschreckt, zitternde Antworten, doch Vater und Kinder waren, wenn auch etwas im Gesicht, an Händen und Füßen u. s. w. geschunden, unversehrt; sie verdanken ihre Rettung dem Umstande, daß sie inmitten des Geleises zu liegen kamen und weder von den Rädern der Maschine u. s. w. noch von den Trittbrettern der Wagen ersaßt wurden.
— Die Eisenbahn-Katastrophe in Steglitz gibt dem Königlichen Eisenbahn-Be- triebsamt Berlin-Magdeburg Anlaß zu einer Warnung an daS Publikum, die auch anderwärts recht sehr der Beachtung empfohlen fei: „Dieser traurige Vorfall", schreibt die genannte Behörde, „gibt uns Veranlassung, dem Publikum recht dringend ans Herz zu legen, sich bet der Rückfahrt von seinen Sonntags-Ausflügen per Bahn alles Drängens und Anstürmens zu enthalten. Es werden ja sämmtl'che Reisende un- zweifelhaft zmückbeförbert, und wenn dies wirklich einmal etwas später geschieht, als beabsichtigt war, so ist bubet wohl zu bedenken, daß die sichere Bewältigung des so ungemein starken Sonntagsverkehrs vor Allem von der ruhigen Haltung des Publikums abhängt und daß bet hastigem Ansturm ein Unglück, wie bas vorliegende, leicht Eintreten kann "
— sNaturgeschichtliches^ lieber ein Experiment von großem Interesse wird dem „Hann. Cour." Mittherlung gemacht: „Ich setzte", schreibt der Berichterstatter, „vor einigen Tagen eine Kreuzotter und zwei Schlingnattern zu einem Igel in einen Kasten. Der Igel schritt sofort zum Angriff. Er packte zunächst eine Schlingnatter am Schwänze; dieselbe biß nach ihrer Gewohnheit wüthend auf den stachelgepanzerten Gegner loö. selbstverständlich zu ihrem Schaden, rote ihr blutiges M«ul bezeugte, tndeß gelang es ihr, sich loszureitzen und vorläufig zu entkommen. Der Igel schob sich gemächlich weiter zur Kreuzotter hin. Diese war schon aufmerksam und setzte sich in Angriffsftellung. Ihren Biß parrtrte aber der Igel dadurch, daß er sich über sie schob, bevor sie denselben vollführte; er rannte sie sozusagen über den Haufen, wobei der Kopf der Otter unter ihn gerteth. Alsbald hörte man das Knirschen der Zähne b<6 Igels im Fleische der Otter; es schien für ihn eine köstliche Mahlzeit zu sein. Er hörte nicht auf, bis das vordere Drittheil der Schlange verzehrt war. DaS übrige nahm ich ihm, um es auf Eier ober Junge zu untersuchen, und ich sand fünf junge Ottern in dem Thsire. Der Appetit des Igels mußte aber ein gewaltiger fein, denn im Laufe des Tages begrub er auch noch die beiden Schlingnattern in seinem Magen. So weit verlief alles, wie man es erwarten durfte und wie die Forscher es ähnlich schon oft erlebt haben. Jndeß nun passirte etwas Ungewöhnl ches: Der linke Vorber- schenkel des siegreichen Igels schwoll mächtig an und am nächsten Morgen war et eine Leiche. Die Geschwulst begann schon während er noch an der Otter schmauste, er war also offenbar von dem Reptil gebissen worden, während der Kops desselben unter ihm lag, und ist dem B sie erlegen. Es ist dies besonders d-ßwegen interessant, roe-l Len; und andere Forscher auf Grund ihrer Erfahrungen glaubten behaupten zu dürfen, der Igel sei giftfest in jeder Hinsicht. Sie hatten öfter gesehen, baß der Igel von der Otter in die Schnauze, ja in die Zunge gebissen war und er hatte keinen Schaben davon gehabt. Vorstehendes Erlebniß beweist aber, daß das Schlangengift das Blut des Igels ebensowohl vergiftet, rote bas der übrigen Warmblüter, wie es ja eigentlich auch ganz natürlich der Fall sein muß. Interessant ist cs mir auch gewesen, völlig ausgebildete, 6 Zoll lange Junge in der Otter zu finden. Die nächste Verwandte unserer Otter, die Viper in Süd-Europa, ist als lebendig gebärend bekannt und führt davon ihren Namen (Vivipara); aber unsere Kreuzotter gilt im Allgemeinen aß eterlegenb.
— ^„Antwort bezahlt."^ Der Lemberger „Nowyj Proloni" meldet in seiner Nummer vom 1. d- Mts. über folgenden originellen Einfall eines galizischen Bauers s Der Bauer A- Krupa aus dem Dorfe Grzensko, bei Przeworsk in Galizien, entsandt! vor einigen Tagen folgendes Telegramm nach Wien: „Se. Majestät Fran; I in Wien. Meine Gattin, Mutter von sechs kleinen Kindern, wurde zu sechs Tagen Arrests ver- urtheilt. Bitte um Begnadigung. Antwort bezahlt." Die Entsendung dieser originellen Depesche hatte zur Folge, baß bet Kaiser nach Erhalt des Telegramms dem Richter von Przeworsk, welcher die Angelegenheit der Frau Krupa leitete, den Auftrag ertheilev ließ, unverzüglich eine diesbezügliche Relation nach Wien einzusenden.
— „Daß das Rauchen die Sehkraft beeinträchtigt", meint der Herr Dlrecto: des Gymnasiums, „habe ich eigentlich bisher noch nicht wahrnehmen können. Wenn ich Abends einmal einen Spaziergang vor das Thor unseres Städtchens mache, so sehen mich meine Herren Primaner, die sich hinter der Mauer eine milde Havanna genehmigen, immer schon auf tausend Schritt "
— [®tne vergnügte Ehrenjungfrau/j Als vor nicht allzu langer Zeit auf bet Balkanhalbinfel ein neuer Monarch gekrönt wurde, fragte der Haupteserhöhte leutfelU eine der Ehrenjungfrauen, rote ihr denn die Krönungsfeierlichkeiten gefielen? „C Königliche Hoheit", war die Antwort der unbedachten Siebenzehnjährigen, „ich amüftrt mich königlich. Ich wünschte, es wäre bald wieder Krönung!"
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England.
London, 8. September. Der Premier Gladstone begiebt sich heute mittelst Dampfers nach der Westküste von Schottland und wird in einer Woche nach Howarden zurückkehren.
Italien.
Doghera, 8. September. Der König Humbert besuchte gestern das Beinhaus von Montebello und legte daselbst zwei Kränze nieder. Darauf begab sich der König zum Besuche des Ministerpräsidenten de Pretis nach Stradella und nahm bei demselben das Dejeuner ein.
Wußland.
Petersburg, 7. September. Die Ober-Preßverwaltung hat sämmt- lichen Zeitungs-Redactionen ein Rundschreiben zugesandt, worin unter Androhung strengster Strafen verboten wird, eine Nachricht, welche bereits im osficiellen „Invaliden" gestanden, abzudrucken, die ohnehin nicht ganz neue Meldung nämlich, daß die russische Kavallerie um zwei Schwadronen auf's Regiment, welches mithin von vier auf sechs Schwadronen verstärkt wird, vermehrt werde. Der Befehl der Preßverwaltung erregt allgemeines Aufsehen.
Aegypten.
Alexandrien, 8. September. In den letzten 24 Stunden bis heute früh sind hier 5 Personen an der Cholera gestorben.
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