aber Ma
N mWib
tiefbetrihl iü
d Sink.
Mita . W ltz? ® 01# *' «KD ). fHiiyl*" M
t4*>
—<L;' ■ L'
LK fe
is^L Samstag den 11. August 1883
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
- —— - ...........— Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerloZ.-r. Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich Mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst
der Grenzfestung Badajoz in Scene gesetzt hatten, ist bereits wieder niedergeschlagen (?); ob dieses Ereigniß nicht noch weitere Folgen für Spanien hat, muß abgewartet werden. Vorläufig sind die Aufständischen von den rasch herbeieilenden Truppen theils gefangen genommen, theils über die portugiesische Grenze gedrängt worden, wo sie jedenfalls von den portugiesischen Truppen entwaffnet werden dürften. In dem übrigen Spanien ist die Ruhe durch dieses rasch vorübergehende Pronuncmmento nicht gestört worden.
Die aufständischen albanesischen Bergstämme haben sich jetzt der türkischen Negierung definitiv unterworfen. Die von der Pforte gestellten Bedingungen — Ausfolgung der anläßlich des türkisch - montenegrmijcheu Krieges ihnen gewährten Waffen und Zahlung des rückständigen dreijährigen Tributes — wurden von den Aufständischen zugestanden. Ob die Unterwerfung der Albanesen aber eine dauernde ist, erscheint bei dem stolzen Charakter dieses tapferen Bergvolkes mehr als zweifelhaft.
In Kairo ist die Entdeckung einer „Liga der Rächer" gelungen, die wahrscheinlich die durch die Cholera hervorgerusene Anarchie' dazu benutzen wollte, der englischen Herrschaft den Garaus zu machen. Heber die ganze Angelegenheit ist jedoch noch nichts weiter bekannt, als daß eine Anzahl Personen verhaftet worden und daß die nähere Untersuchung eingeleitet worden ist, deren Ergebnisse noch geheim gehalten werden.____________________________________
Feutschland.
Berlin. Bisher galten Nordamerika, Rußland und Ungarn als die haupl- sächltchsren kornproductrenden Länder der Welt, die mit ihrem Ueberflusse den internationalen Getreidemaikt fast DÖUig beherrschten. Es wird aber nicht mehr lange bauern und Indien dürfte sich ihnen als gefährlicher Concurrent htnzugesellen. Eng. lische Blätter constattren den neuerdings sehr erheblich gewachsenen Betrag der indischen Gttieid^prvduction und empfinden aus naheliegenden Gründen ein wahres Behagen bet dem Gedanken, daß Indien die russische Position auf dem internationalen Getrerde- markt einmal ernpltch erschüttern könnte. Sie setzen ihre Hoffnungen namentlich auf den mit aller Energie betriebenen Ausbau des inländischen Bahnnetzes. Indien besitzt jetzt schon Über 10,000 (englische) Meilen Bahn, gegen Rußlands 14,000. Während ab<r 'te Erweiterung des russischen BahnnetzeS sehr langsam vor sich geht (im letzten Jahre tarnen nur 130 Meilen hinzu, meistens kleine strategische Anlagen in den westlich.n Grenzprovinzen) werden in Indien jährlich mindestens 1000 Meilen vom Gesichtspunkte des merkantilen Interesses gebaute Bahnen dem Verkehr übergehen. Schon sitz sind die indischen Bahnen ungleich günstiger situirt als die russischen, sowohl was ihre finanzielle Fundirung, als auch waS ihre Leistungsfähigkeit anlangt, und ihr Flor hebt sich von Jahr zu Jahr, lndeß das russische Eisenbahndchcit ebenfalls wächst. Die indische Regierung thut, was sie kann, um den Getreidebau und Export zu fordern, und rechnet man an der Londoner Börse daraus, längstens nach Ablauf eines Jahrzehnts Indien aus dem wtrthschaftlichen Concurrenzkampfe gegen Rußland als Sieger hervorgehen zu sehen. _ t n ,
Berlin, 6. August. Am 1. April k. I. lauft der öjafcnge Zeitraum ab, nach
welchem gemäß § 5 des Gesetzes vom 25. Juni 1868, betreffend die Quartierleistung für die bewaffnete Macht im Frieden, der Servistaris und die Klasseneintherlung der Orte, rote solche dem Gesetz vom 3. August 1878 entsprechen, seit dem 1. April 1879 in Geltung stehen, einer allgemeinen Revision zu unterziehen sind. Um die Revision rechtzeitig zum Abschluß bringen zu können, hat das Ministerium des Innern ange- orbner, daß mit den bezüglichen Vorarbeiten sofort zu beginnen ist. Es wird Dabet davon auszugehen sein, daß, da der Vorlage des letzt erwähnten Gesetzes eingehenoe Prüfungen und Ermittelungen vorausgegangen sind, welche zu eingreifenden Äenderungen bezüglich des Tarifs und der Klasfenemtheilung der Orte geführt haben, die Revision sich auf die unbedingt nötigen Äenderungen zu beschränken haben wird.
— Auf den preußischen Staatsdahnen ist für Passagiere der 4. Wagenkleffe eine Erleichterung dadurch getroffen, daß, was bisher nicht zulässig war em Erwachsener mit einem Kinde auf ein Retourbillet 3. Klaffe bei der Hin- und Nuckfahli die 4. Klasse benutzen darf. Auch werden in solchem Falle die Üblichen 15 Kg. Freigepäck zugestanden. Hoffentlich ist die.e Einrichtung nur der Vorläufer für die allgemeine Einführung von Retourdilleten für die 4. Wagenklaffe, weßhald bisher diese Klaffe von dieser Vergünstigung ausgeschlossen bleibt, ist schwer ersichtlich.
— Wie man aus San Francisco m ttheilt, sind in be-r Chinesenvierteln der größeren Städte Kaliforniens seit einiger Zeit Plakate angcklebt, welche ini U Wartung des beoorstehe >den Krieges mit Frankreich die in Kalifornien ^mklltrtea Söhn.' oes Himmlischen Reichs auffordern, in dec chinestichen Arme-Dienst ^nehmen. Solche, die mit Europäern in Berührung gekommen sind, wird vor Anderen.der Vorzug gegeben und für die Anwerbung von 50, 100 ober 500 Mann sind bedeutende B'lohnmig^au.^gefftzt Die „Elsaß-Lothringische Zeitung" veröffentlicht einen
Erlaß des Siatthalters v. Manteuffel an den @ta^fhecr'larh^
die von dem Reichstagsabgeorbneten Antoine in SWeft lbeabfi# igtie £er<3U§gabe e mr Leitung verboten wirb Im Eingänge des Erlaßes haßt es: „Nach allen Kund- gebungen, mit welchen Herr Antoine bisher an die Orffentstchkei atne e , s ch nicht bezweifeln daß fine Leitung, deren Richtung derselbe zu beeinflussen in der tage wäre, t-men anderen Interessen, als denen des Auslandes im^/^risatze ZU demenigen des deutschen Reichslandcs Elsaß-Lothringen zu dienen bestimmt san würde.
Trier, 9. Anaust. Der vierzehnte deutsche Anthrovologenkongreß wurde heute Morgen um ti1/» Uhr durch den Vorsitzenden Professor Virchow eröffnet. Derselbe er- läutete tn bo»tntmf[ant7r anbcrt6al6fiünbiger R-b- ben gegenmatügen Stanb ber Forschung über bett Ursprung ber m Europa sich ftnbenben Stoncegeratüf^aften unb besprich, bl-Ansicht wonach bteselden butch Phönicter botth n gebracht unbbprtper- b ettet worben s en sowie bie Theorie Hochstett-t's, berzusolge bi- Bronce ein E.g n- Ibum blr Ans» n Völker schon vor ihrer Emwanberung In Europa gewesen st,. Ob^bür-erm-fter be NyS begrüßt bi- sich aus etwa 8Ü0 Personen belausenbe Ver- sammluna Namens ber Stabt Trier, Museumsbttektor Hettner Namens ber Lokal- geschästsjührung Letzterer erstattet Interessanten Bericht über bie ^schichte Triers bis ?nr Serr chait ber Franken, sowie über bte Enistehung ber.aus bieser Epoche ftammenben Baulichkeiten, Gräber unb sonstigen Alt-rthümer.
Oesterreich.
Wien, 9. August. In Pesth fanb heul- Nacht ein antisemitischer Straßen, krgwall von großen Dimensionen statt. Di- tausenbköpsig- M-ng-, burchweg aus
Politische Ueberskcht.
Gießen, 10. August.
Am 26. October d. Js. sind 25 Jahre vergangen, seit Kaiser Wilhelm die Regentschaft Preußens an Stelle seines erkrankten königlichen Bruders, Friedrich Wilhelm IV., übernahm und es ist begreiflich, daß sich in den loyalen Kreisen der Bevölkerung immer stärker der Gedanke regte, diesen wichtigen Tag festlich zu begehen. Wie nun aber die ^Rordd. Allg. Ztg." miltheilt, ist es der besondere Wunsch des Kaisers, daß von einer festlichen Begehung dieses Tages Abstand genommen werde, da der Tag des Regierungs-Antrittes des Kaisers demselben eine schmerzliche Erinnerung an jahrelanges Siechthum seines Bruders und an die Zeit schwerer Heimsuchung des Königshauses bedeute, deren Gedächtniß festliche Veranstaltungen ausschließe.
Fürst Bismarck soll sich, einer ossiciösen Mittheilung zufolge und ent- gegenstehend anderen Nachrichten, in Kissingen von jeder Betheiligung an den Geschäften und jeder Art von Correspondenz auf ärztliche Forderung absolut fern halten. Sogar einen geselligen Verkehr harmloser Art hat der Fürst bisher nicht aufnehmen können und nöthigt ihn sein Gesundheitszustand, vollständig einsam und unbeschäftigt zu leben.
Von ossieiöser Seite wird die eventuelle sofortige Einberufung des Reichstags in Sachen des deutsch-spanischen Handelsvertrages in Aussicht gestellt. Dieselbe'soll erfolgen, falls die spanische Negierung nicht einwilligt, die Bestimmungen des noch nicht ratificirten Vertrages provisorisch in Kraft zu setzen. Daß Letzteres bald geschieht, ist für denjenigen Theil unserer Industriellen und Gewerbetreibenden, welche mit Spanien Beziehungen unterhalten, eine Lebensfrage und es ist anerkennenswerth von der Reichsregierung, daß sie selbst die Unbequemlichkeiten einer außerordentlichen Session nicht scheuen will, um den Vertrag durch die Genehmigung des Parlaments zum definitiven Abschluß zu bringen. (Siehe Depeschen unter Berlin.)
Der Reigen der verschiedenen Luther-Feierlichkeiten ist von der Stadt Erfurt eröffnet worden, wo am 8. August die Lutherfeier in glänzendster Weise stattgesunden hat. An der Feier beteiligten sich Gießener, Hallenser, Göttinger, Erlanger, Bonner, Berliner, Leipziger u. s. w. Studenten in festlichen Zügen.
Anfangs dieser Woche hat das Plenum des böhmffchen Landtages den Commissions-Antrag über Einführung der Wahlresorm mit allen Stimmen gegen Diejenigen der deutschen Linken genehmigt. Es soll also den Deutschen im Lande der Wenzelskrone noch weiter an den Kragen gehen, denn darauf läuft die ganze Wahlreform hinaus, dieselbe soll eine „gerechtere" Vertheilung der Wahlkreise bezwecken, mit andern Worten: Es soll eine andere Wahlkreis- Geometrie geschaffen werden, durch welche die Herren Czechen endlich die Drei- Viertels-Majorität in der Prager Landstube zu erlangen hoffen. Wenn indessen die liberalen Deutsch-Böhmen auch ferner kräftig Zusammenhalten, so dürfte selbst dieses schlaue Plänchen ihrer czechischen Gegner zu Wasser werden. — Die osficielle Ernennung des Grasen Foucher de Careil zum französischen Botschafter in Wien ist nunmehr erfolgt.
Seit dem Kammerschluß stehen für Frankreich wieder die ostafla- tischen Händel auf der Tagesordnung. Der Thronwechsel in Anam und der anscheinend erfolgte Abbruch der Verhandlungen zwischen Frankreich und China drängen in Ostasien zu einer Entscheidung, die möglicherweise durch die Waffen gegeben werden muß. Vorläufig scheinen sich die Franzosen durch ihren Erfolg bei Nam-Dinh wieder etwas Lust gemacht zu haben und sie würden wohl ohne Zweifel mit den Anamiten und den „Schwarzen Flaggen" auch bald fertig werden, wenn China nicht wäre. Die Meldungen aus dem Innern Chinas iiber fortgesetzte kriegerische Vorbereitungen der Chinesen laffen indeffen keinen Zweifel daran, daß dieselben entschlossen sind, den Franzosen erforderlichenfalls in Anam die Spitze zu bieten.
Die egyptischen Angelegenheiten waren in den letzten Tagen im englischen Unterhause wiederholt Gegenstand eingehender Debatten. Daß in der englischen Verwaltung des Pharaonenlandes nicht Alles Gold ist, was glänzt, weiß man auch jenseits des Kanals sehr gut, nur will sich das Cabinet von St. James noch immer nicht eingestehen, daß die Resultate seiner egyptischen Politik den militärischen Erfolgen Englands gerade nicht sehr entsprechen. Indessen weiß die englische Regierung allerhand Entschuldigungen dafür, daß die Reorganisation Egyptens noch keine nennensmerthen Fortschritte gemach^ hat, und am Montag gab Mr. Gladstone im Unterhause der Cholera die Schuld an dieser Verzögerung, worüber man allerdings sehr getheilter Meinung sein kann. Am genannten Tage kam auch der projectirte Rückzug der englischen Occupations-Truppen aus Egypten zur Sprache, wobei der Premier die beruhigende Erklärung abgab, daß Angesichts der Cholera die Regierung noch nicht daran denke, ihre Truppen aus Egypten zurückzuziehen.
Aus Kurland kommen jetzt einige nähere Mittheilungen über den an öaron Nolde begangenen Agrarmord. Danach steht es fest, daß mehrere Personen bei dem Ueberfall beteiligt gewesen sind, über die man jedoch nichts Näheres weiß; die Ladung des einen Schusses bestand aus gehacktem Blei, welches Nolde in die Brust traf, der andere Schuß ging durch den Schenkel in ben Magen. In der deutschen Bevölkerung Kurlands herrscht über den Mord Rolde's große Erregung, doch ist es den Blättern verboten worden, Besprechungen des Ereignisses zu bringen.
Die militärische Revolte, welche die spanischen Republikaner in


