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Mx. SN. Zweites Blatt. Sonntag den 11. Mürz 1883.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureau r Schulstraße 7.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. tritt Bringerlohr.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hl-ei l.
Nachdem der förmliche Prozeß wegen Fahnenflucht in contumaciam gegen den am 4. Februar 1861 zu Oppenrod, Kreis Gießen, gebornen Rekruten Ludwig Jakob Hahn des 2. Bataillons 2. Badischen Landwehr-Regiments Rr. HO eingeleitet worden ist, wird derselbe hiermit aufgesordert, ungesäumt ZU seinem Truppentheile zurückzukehren; spätestens aber in dem auf Montag den 9. Inti d. I., Vormittag- 11 Uhr, im hiesigen Divifivus- lokale (Neues Militär-Arresthaus bei Gottesaue) Zimmer Nr. 15 anberaumten Edictaltermine sich zu gestellen; widrigenfalls er nach fruchtlos erfolgter öffentlicher Vorladung in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldbuße von 150 bis 3000 Mark wird verurtheilt werden.
Karlsruhe, den 8. März 1883.Königliches Gericht der 28. Division.
Wochenschau
Gießen, 10. März.
Als ein hervorragendes Ereigniß tritt uns in dieser Woche die Demission des preußischen Kriegsministers v. Kameke entgegen. Ministerkrisen sind im Allgemeinen bei uns selten, was, trotz aller Partei-Zerklüftungen, von einer erfreulichen Stabilität in unfern innern politischen Verhältnissen zeugt. Desto größer ist daher das Aufsehen, wenn doch einmal ein Mimsterwechsel eintritt und vollends, wenn es sich um einen Mann von der Stellung des Herrn v. Kameke handelt. Bezüglich der Gründe, welche den Rücktritt des Krtegsministers herbeigeführt haben, ist man über Vermuthungen und Combinationen noch wenig hinausgekommen, zumal da die der Negierung nahestehenden Blätter über diese Frage mit vorsichtigen Wendungen Hinwegschlüpfen; doch scheint es im Ganzen richtig zu sein, daß an höchster Stelle die Haltung des Kriegsministers in verschiedenen Angelegenheiten nicht gebilligt worden ist. Begreiflich erscheint es, daß sich der Kaiser nur schwer von seinem bewährten militärischen Rathgeber zu trennen vermochte und hat der Kaiser denn auch, als Zeichen seiner fortdauernden gnädigen Gesinnung, dem scheidenden Minister bas Großkomthurkreuz und den Stern des Hohenzollern'schen Hausordens verliehen. Herr v. Kameke gedenkt sich gänzlich in's Privatleben zurückzuziehen, lieber seinen Nachfolger waren verschiedene Mittheilungen verbreitet worden, indessen hat sich die ursprüngliche Meldung bestätigt, daß General Brom- sart v. Schellendorff, Commandeur der zweiten Garde-Infanterie-Division, zur Uebernahme des Kriegsministeriums designirt sei. Am Mittwoch ist der genannte General vom Kaiser empfangen worden und ist seine Ernennung zur Stunde bereits erfolgt. General von Blumenthal, Commandeur des vierten Armee-Corps, welchem das Portefeuille des Kriegsministers angeboten worden war, hat dasselbe unter Hinweis auf sein hohes Alter abgelehnt.
Das preußische Abgeordnetenhaus arbeitet mit erstaunlichem Fleiße, jeden Tag werden Sitzungen abgehalten und so steht zu hoffen, daß bis zilm Beginn der Osterferien das vorliegende Arbeitspensum erledigt sein wird. In dieser Woche führte das Haus am Montag zunächst die zweite Berathung des Etats zu Ende, woran sich am Dienstag ein „Schwerinstag" schloß, an welchem verschiedene Petitionen und Jnitiativ-Anträge erledigt worden. Am Mittwoch trat das Haus in die dritte Lesung des Etats ein. Die Generaldebatte gestaltete sich im Wesentlichen zu einem Dir.log zwischen den Abgg. V. Minnigerode und Rickert über Börsensteuer und Aehnliches. Die Special- discusfion wickelte sich ziemlich glatt ab; definitiv abgelehnt wurde mit 192 gegen 191 Stimmen die für den Voltswirthschastsrath geforderte Position von 16,000 «X; selbstverständlich konnte die Debatte hierüber keine neuen Gesichtspunkte zu Tage fördern. Im weiteren Verlause der Sitzung wurden die Etats des Handels- und des Justiz-Ministeriums unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung genehmigt. Beim Etat des Ministeriums des Innern kam die Optantenfrage in Nordschleüwig zur Sprache. Auf die Beschwerden, welche der Abg. Lassen (Däne) hierbei vorbrachte, erwiderte Minister v. Puttkamer, daß durch massenhafte Rückwanderung dänischer Optanten nach Nordschleswig unerträgliche Zustände entstanden seien, denen die Regierung ein Ende machen müsse. Schließlich empfahl Abg. Dr. Hänel unter allseitigem Beifall des Hauses die delicate Behandlung der internationalen Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark.
Der Staatssecretär im Reichsschatzamte, Burchard, hat seine Staatsgeschäste wieder in vollem Umfange ausgenommen imb auch der Staatssecretär im NeichSamt des Innern, v. Bötticher, wird Anfangs des nächsten Monats wahrscheinlich wieder die Leitung seines Ressorts übernehmen können. Seine Genesung macht erfreuliche Fortschritte, so daß man seiner Rückkehr aus Italien gegen Ende dieses Monats mit Bestimmtheit entgegensieht.
Unter den Angelegenheiten des Don au reich es boten in dieser Woche die Verhandlungen des ungarischen Unterhauses über das Mitteljchulgesetz ein allgemeineres Interesse dar. Der genannte Gesetzentwurf bedeutet nichts mehr und nichts roemger, als einen neuen schweren Schlag, den das Magyaren- thum gegen die Siebenbürger Sachsen führt, denn der Entwurf octroirt u. A. den sächsischen Gymnasien in Siebenbürgen die ungarische Sprache als obligatorischen Unterrichts-Gegenstand auf imb man wird dies wohl als den Anfang zur vollständigen Magyarisirung der sächsischen Mittelschulen zu betrachten haben. Das Häuflein der sächsischen Abgeordneten im Unterhause hat sich zwar in den Verhandlungen über das Mittelschulgesetz sehr tapfer gehalten, aber dies wird die Annahme der Vorlage nicht im Geringsten verhindern.
So jung auch das neue französische Cabinet Ferry noch ist, so hat eü doch schon einen Sturm zu überwinden gehabt. Den Anlaß hierzu bot die von radikaler Seite in der Deputirtenkammer angeregte Frage der Verfassungs-Revision; der Minister-Präsident Ferry erklärte sich entschieden
gegen dieses Project, das so lange zu ruhen habe, bis in Frankreich die jetzigen schwankenden politischen Verhältnisse wieder eine feste Gestalt angenommen hätten. Schließlich verlangte Ferry am Dienstag ein Vertrauensvotum, welches ihm die Kammer mit 307 gegen 182 Stimmen auch gewährte. Die Kammer lehnte in Folge dessen auch den von den Radikalen gemachten Vorschlag, die Revisions-Anträge wenigstens in Erwägung zu ziehen, ab. — Die Regierung hat ein für Freitag, den 9. März, auf der Esplanade des Invalides geplantes Meeting stellenloser Arbeiter verboten.
Die Londoner Blätter beschäftigen sich angelegentlich mit den Besprechungen, welche Herr Gladstone auf seiner Rückreise von Cannes nach England in Paris mit Mitgliedern des dortigen Cabinets gehabt hat. Die Besprechungen drehten sich um die egyptische Frage und scheint es nicht, als ob dieselben eine Annäherung zwischen England und Frankreich bezüglich Egyptens angebahnt hätten. Die französischen «Staatsmänner sollen vor Allem für Frankreich das gleiche Recht wie England, auf die zukünftige Gestaltung der Verhältnisse des Pharaonen-Landes Einfluß zu nehmen, verlangt haben, was von dem englischen Premier als unmöglich bezeichnet worden sei. Herr Glaostone scheint denn auch Paris verlassen zu haben, ohne daß in der fraglichen Angelegenheit irgend ein Resultat erzielt worden wäre; es ist auch kaum anzunehmen, daß England in Anbetracht seiner fast unangreifbaren Stellung in Egypten dem französischen Cabinet noch erhebliche Concessionen machen wird.
Am Dienstag ist in Rom das königliche Decret erschienen, welches die Wiederaufnahme der Baarzahlungen von Seiten der italienischen Staatskassen ankündigt, und zwar für den 12. April. Es ist dies in Anbetracht der bisherigen finanziellen Zustände des jungen Königreiches ein bedeutsamer Schritt, denn er bedeutet den Eintritt Italiens in die Reihe der solventen Staaten, die finanzielle Wiedergeburt dieses Landes. Die Wiederaufnahme der Baarzahlungen ist durch eine Anzahl heilsamer Maßnahmen, wie durch die Ersparnisse beim Kriegsbudget und durch die Aufhebung des Zwangscourses schon seit längerer Zeit vorbereitet worden und so da.rf man denn hoffen, daß Italien nunmehr gründlich von seiner Finanz-Misere genesen ist.
In Andalusien geht der Wellenschlag der anarchistischen Bewegung noch immer ziemlich hoch. Anarchistische Zweiggesellschaften wurden in Malaga und Granada entdeckt und die Thatsache, daß eine große Anzahl kleinerer Grundeigenthünur der „Schwarzen Hand", dem über ganz Spanien verbreiteten socialistisch-revolutionüren Geheiinbunde, angehört, ist notorisch. In Xeres, dem Centralpunkt der Bewegung, sind die Truppen, besonders die Kavallerie und die berittene GenSd'armerie, stark vermehrt worden und auch sonst find von den Behörden außerordentliche Vorsichtsmaßregeln getroffen worden.
Der Schweizer Bundesrath hat die Botschaft nebst Anträgen, betr. den Rückkauf der schweizerischen Eisenbahnen, berathen und beschlossen, bei der Bundesversammlung zu beantragen, zur Zeit auf die Frage des Rückkaufs nicht einzugehen. Dagegen wird ein Bundesgesetz, betr. die Aussicht über das Rechnungswesen der Eisenbahn-Gesellschaften, vorgeschlagen.
Die Londoner Donau-Conferenz scheint nun doch ihre Verhandlungen, was das Sachliche anbelangt, beendigt zu haben. Nach einer Meldung aus London hat Rußland eine von England vorgeschlagene Vermittlung bezüg- lich der technischen Seite der Kilia-Frage angenommen, worüber eine Eimgung bis jetzt nicht erzielt war. Es bleiben nur einige Angelegenheiten rein formeller Natur zu regeln, zu denen die Feststellung des Protokolls gehört. Die Redaetwn dieses Schriststückes wird die Conferenz immerhin noch em paar Tage m Anspruch nehmen, so daß der definitive Schluß der Conferenz wohl erst m nächster Woche zu erwarten steht. Bor der am Mittwoch ,tätige,undener, Sitzung hatten die Vertreter der Türkei unv Italiens, MusuruS Pascha, resp. Ritter.v.Ng , eingehende Unterredungen mit Lord Granville, dem englischen Minister Auswärtigen.__________ _____ -- --------
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», .1». .In... w »-« »Äffl&SÄ ber Regierung ®ororbetien für Jle. und Pläne einer großen Som-
batte, »an Frankreich zurück und'’ S 1 1 daß von einer Fortsetzung biefer
tnljfton vor, die nad) langer ^Mung^l [m 6Bd)ftcn ®rabe unwahrscheinlich sei SUbelten abznsehen f ’ f “ b'r W»j«((lt Gelingens vorausgesetzt - die aufzu- rxr.b ba ferner — felbft b & jU bem JU erzielenden Nutzen stehen konnten,
wenbenben Kosten M kein m ^“f$e,beJjufrieben geben und seine Arbetien etnstellen, Roubaire mußte sich mitjllr Verfügung standen, und er war schon nahe J!" Sm!h?lfioffniinflÖnuf ^ern>l^lld)lm0 feine« Plane« auszugeben, als ihn ein daran, jedwebe Ho f, g 5 jufQminCnbrnd)te. Beibe Männer sprachen über baS nn»»n,hm^S9eff "c8 Ue6 sich die Ausnahmen Roubatres vorlegen und hielt schon nach
Ä nn ben überrd 4kn Roubaire etwa folgende Ansprache: „Ich habe Ihre nnam^nndeben und halte ble Ausführung für möglich. Die Regierung hat Ihnen ^i),t>M Franes zu Ihren früheren Arbeiten gegeben, eine Summe, mit der natürlich


