Ausgabe 
11.3.1883 Drittes Blatt
 
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Darmstadt, 8. März. DaS Amtsblatt Großh. Ministeriums deS Innern unb der Justiz. Äpthettung für Schulangelegenheiten, Nr. 3 enthält nachstehendes Aus- schreiven an die G oßh. Directionen der Gymnasien und Realschulen, d. d. Darmstadt, am 23. Februar, betreffend: Schriftliche Arbeiten in den Gymnasien, und lautet:

~ Bei den Verhandlungen der zur Prüfung der Frage der Ueberbürdung der Schüler höherer Lehranstalten beiufenen Commission winde von verschiedenen Setten betont, daß die schriftlichen Arbeiten, welche von den Schülern Ihr r Anstalten gefordert wurden, nach Zahl. Umfang und Schwierigkeit der Bearbeitung Liter das zulässige Matz überschritten, sowie durch die vielfach vorgekommene zu inseitige Betonung der Extemporalleistungen zu gegründeten Beschwerden wegen Ueberlastung Veranlassung gegeben haben. DaS Grotzherzogliche M nrsterium des Innern und der Justiz hat sich dadurch veranlatzt gesehen übereinstimmend mit den von der oben erwähnten Com­mission gestellten Anträgen die nachfolgenden Bestimmungen zu teffen:

1) Nachdem die Fertigung eines griechischen ScriptumS als Aufgabe der Maturi­tätsprüfung weggefallcn ist, sind auch die sog. Extemporalia und Domett'ka in der griechischen Sprache fernerhin nicht mehr zu verlangen und andere Schreibübungen n der Stunde jedenfalls nur in bcschränklem Matze und nur zur Einübung der be- tresienden grammalischen Formen und Regrln zulässig.

2) Beim Unterricht m der lateinischen Sprache sollen Extemporalien deutsche Dictate mit sofortiger lateinischer N'ederschr.ft gleichfalls nur in beschränktem Matze und nur als Prüfungsmittel für die Aneignung der Formenlehre und syn­taktischen Regeln zur Anwendung gebracht werden und dürfen ni.mals einen ent­scheidenden Faktor für die Best.mmung der Reife eines Schülers bilden. Uebersetzungen deutscher Dictate sind vorzugsweise während der Unterrichlsstunden zu fertigen und sollen sich der Klossenlectüre anschließ.n.

3) Auch in den übrigen Unterrichtsgegenständen sollen solche schriftlichen Arbeiten (Extemporalien>, soweit duselbcn setiher üblich gewesen sind, zwar als Uebungsmttiel der Schüler wie als Hülfsmittel des Lehrers, um dos Verständn'ß des Leh sloffs Seitens der Schüler festzustellen, zugelass n werden, jedoch unter dcm ausdrücklichen Vorbehalt, daß denselben b«i B urtheilung der Rufe der SLÜler ein entscheidender Einfluß zum Nachtheil des Schülers nicht be gelegt werden darf.

4) Was endlich die P. odcarbeiten angeht, welche tn manchen Anstalten am Schluffe eines Semesters in der Schule geschrieben zu werden pflegen, so wird duich die zur Vorbereitung auf dieselben Seitens d.r Schüler nothwend'gen Repetitionen, namentlich wenn sie sich über einen größeren Theil des Klassenpensums oder das ganze Semestralpensum verdrehen, erfahrungsgemäß eine Ueberbürdung veranlaßt, die um so nochtheiliger wird, als gewöhnlich zahlreiche ähnliche Arbeiten zu der angegebenen Zeit in kurzen Zwischenräumen aufeinander folgen Wir sehen uns im Hinblick darauf veranlaßt, solche Probearbetten, welche umfangreiche Repet tionen zur Voraussetzung baden, zu untersagen und zugleich allgemein zu bestimmen, daß Tag und Stunde dcr Anfertigung derselben nicht früher als am Tage vorher den Schülern bekannt ge­geben werden dürfen.

Knorr.

Achenbach.

DaS Amtsblatt Nr. 4 enthält Ausschreiben vom gleichen Tage in gleichem Be­tteff und thcilt den Großherzogl. Dtrectionen der Realschulen und höheren Mädchen­schulen einen Abdruck obiger Miniftertalversügung unter der Aufforderung mit, die tn derselben ausgesprochenen Grundsätzen auch an den ihnen unterstehenden Anstalten mit den durch deren besondere Verhältniffe gebotenen Modificattonen zur Durchführung zn bringen.

theiligten. Diese Verhandlungen nun haben den Erfolg gehabt, daß man über die wirklichen und vermeintlichen Uebelstände in directen Meinungsaustausch getreten ist, und mir können hinzusügen, daß die süddeutschen Staaten ihre Be­reitwilligkeit zu erkennen gegeben haben, den wirklichen Uebelständen in Betreff der Postkarten abzuhelfen. Zur Zeit finden die Verhandlungen direct zwischen den betheiligten Verwaltungen statt und nehmen einen Verlauf, welcher einen baldigen befriedigenden Abschluß in Aussicht stellt.

Berlin. Die Kaiserliche Marine hat gegenwärtig folgenden Bestand:

Köpfe.

OssiciercorpS und Maschinen-Ingenieur-Personal 563

Marine-Aerzte 69

Marine Z ihlme'ster 42

Deckoffic ere, See-Cadetten, Unterofficiere, Mann­

schaften, Schiffsjungen rc. 10,^83

Gesarnrnt Kopfzahl: 11,557 Kriegsschiffe und Krtegsfahrzeuge:

Panzer-Fregatten

Schiffe.

Geschütze.

BesatzunaSetat.

7

85

3931

Panzer-Corvetten

6

42

1647

Gedeckte Corvetten

11

176

4227

Glattdeck-Corvetten

10

104

2413

Kanonenboote (AlbatroS)

5

22

450

Kanonenboote (1 Klaffe)

5

19

365

Küstenoerthetdigungsfahrzeuge 30

20

1091

Avisos

8

20

734

Transportfahrzeuge

2

Schulschiffe

12

99

1346

Summa

96

577

16,204

Außerdem sind noch 19 Fahrzeuge zum Hafendienst vorhanden.

vermischte».

n rx roß - umst adt, 6. März. [Bur Warnung bei Unterstützungsgewährungen.1 unlängst wurde ein Stromer in einer Gemeinde des Gersprenz-Thales unterstützungs­bedürftig. Der Bürgermeister gewährte natürlich die nöthtge Hülfe in der VorauS- der pflichtige Armenverband die aufzuwendenden Kosten ersetzen werde.

Auf Grund der Aussagen deS rc. Stromers und der bet ihm vorgefundenen Legitima« ttonspapiere wurde nun hiernach die vermuthete Heimathgemeinde um Kostenersatz angegangen. Die angegangene Gemeinde zahlte auch forderte aber bald die be­treffende Summe wieder zurück, indem sich jetzt herausgestellt hatte, daß die Person, auf deren Namen jene Stadt die vorgelegten Unterstützungskosttn bezahlt hatte, nicht im Gesprenfthal war und auch dort nicht hülfsbedürftig hätte werden können. Der unterstützte Sttomer war aber längst über alle Berge und konnten Ermittelungen wegen dessen UntersiützungSwohnsitzeS nicht weiter etntreten. Formell wäre nun die Gemeinde die Geprellte gewesen. Gegenüber solchen Vorkommnissen ist es sehr rathsam, die Identität solcher Burschen möglichst bald festzustellen, um einerseits den Unterstützungs- Pflichtigen Armenverband früher zu ermitteln und andererseits solche Schwindler zu entlarven. (£> y

Berlin, 7. März. DieBerl. Polit. Nachr." schreiben: In verschie­denen Blättern befindet sich die Notiz, daß die hier stattgehabtenConserenzen mit Bayern und Württemberg in der Postwerthzeichen-Angelegenheit gescheitert" seien. Wir können auf Grund zuverlässiger Mittheilungen, die uns aus Mün­chen zugehen, melden, daß die Nachricht vollständig unzutreffend ist. Zunächst muß constattrt werden, daß es sich durchaus nicht umConferenzen" in dem Sinne gehandelt hat, wie dies von mancher Seite behauptet wurde. Die bekannten Petitionen in Sachen der Postwerthzeichen der süddeutschen Staaten waren an den Bundesrath gelangt und dieser hatte sie den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Es lag nun nichts näher, als daß die bayerische so­wohl, wie die württembergische Regierung für die Angelegenheit sich eifrig interessirten und an den diesbezüglichen Verhandlungeu der Bundesraths-Aus- schüfle sich durch ihre Minister, die Herren v. Crailsheim und v. Mittnacht be-

c» Echtffsbericht. Mttgethetlt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd hl Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen.

_ uv®yS.me,U 7 Der Postdampfer Donau, Capt. R. Ringk, vom

Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. Februar von Newyork abgegang« T 7Vi Uhr Morgen? wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Poft und Ladung 10 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 93 Passagiere und volle Ladung.

Bremen, 8. März. [Per transatlantischen Telegraph.! Der Poftdampfer America, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. Februar von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.

i Wremen, 9. März. [Per ttanSatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer 04° »^au en' Th- jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. Februar von Bremen und am 24. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.

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