graphien, sowie die Modelle einzelner Sicherheits-Vorkehrungen in den Zellen au3« gestellt. Verschiedene andere größere Irrenanstalten, z. B. von Düsseldorf, Allenburg, Andernach, Alt-Scherbltz, sind ebenso wie noch mehrere Kranken-, Pflege- und Kmder- Anstalten in ähnlicher Weise verköipert: ganz besonders verdient bei vorzügliche Querschnitt des Kaiserpavillons des König!. Klinikums zu Berlin Erwähnung.
Die Gruppe des Unterrichts und der Schule ist ebenfalls trefflich durch Modelle und Abbildungen der einzelnen, so überaus wohlthatigen Anstalten vertreten, so eine Muster-Klemschnle und Spielhölle, eine Schulbaracke, das Witzel'sche Institut für geistig zurückgebliebene Kinder in Leipzig und die Rheinische Proomztal-Blinden-Anstalt tn Düren. Wie viel gegenwärtig für den Anschauungs-Unterricht in der Schule gethan wird, ersehen wir aus den ebenfalls hier befindlichen prächtigen, von Paptermasse hergestellten Modellen aus dem Gebiete der Anatomie, der Botanik und Zoologie, ferner aus den auch technisch vollendeten Karten und Abbildungen, ebenso aus den physikalischen Apparaten. Daß jetzt mehr wie früher auf die körperl'che Haltung der Schüler in den Schulstuben gehalten wird, beweisen uns die möglichst praktisch hergestellten Schulbänke und Tische, die Kinder-Schreibpulte, Geradehalter und Schreibstützen.
Wetrergehend, kommen wir zu den Bekleidungsgegenständen, bei denen sämmt- lich auf ihre yesundheitsg^mäße Beschaffenheit Rücksicht genommen worden ist, speciell was die Bekleidung und Ausrüstung für bestimmte Berufszwecke anbelangt. Da fällt uns zuerst ein hoher Glasschrank mit den bekannten, von Vielen sehr angefeindeten, von Vielen auf das Eifrigste vertheidigten Professor Jäger'schen Normal-Wollenftoffen in das Auge; sogar auf Cravatten, Taschentücher, Hüte und Möbel erstreckt sich dieses System. In nebenstehenden Schränken sehen wir die möglichsten und unmöglichsten Bekleidungsgegenstände von Tuch, Leinwand, Gummi, Leder, Waldwolle rc., dann Stiefel und Schuhe, speciell für kranke und verkrüppelte Füße, Kopfbedeckungen, Ausrüstungs-Gegenstände für das Milttär, Strumpfwaaren, Trikotagen und Hülfsmtttel, um die Fehler der Figur zu verbergen, Geradehalter, Bade- und Frottir-Utensilien, Hängematten, Unterkleider von Seide, Schwämme und so noch endlos fort. Zwischendurch sind ganze Berge wohlriechender und medicinischer Seifen, Oele und Parfümerien aufgestapelt.
Ebenso reichhaltig wie diese Gruppe ist die sich anschließende der Ernährung und Diätetik, der Lebensmittel und Kost. Alles, was man zur „Leibes Nahrung und Nothdurft" gebraucht, ist vorhanden und zwar voryanden in möglichst eleganter und gefälliger Form. Wie lachen uns diese Fabrikate der Chocoladen-und Zucker-Industrie, iese Gemüse-, Fleisch- und Suppen-Conseroen, die Biscuits und eingemachten Früchte, die Liebig'schen Präparate, dann die Packete mit Thee, Kaffee und Cacao und ach! die Flaschen-Pyramiden der ausgezeichnetsten Biere und besten Weine, der Fruchtsäfte und Liqu.ure, der Malzextracte und „Schnäpse" an; selbst der Leberthran — br! welch' Gedanke! — sieht tn seinen schmucken Flaschen genießbar aus!
Diese Gruppe enthält jedoch auch noch sehr practische Gegenstände, z. B. Mtlch- transportkannen, Ftschtransportgefäße, Conservirungssalze, Apparate zur Untersuchung von Eiern, Butter- und Butterknet-Maschinen, Molkereigeräthe und Geschirre mit giftfreier Emaille, Milchkühl-Apparate, Darstellungen der Mehlbereitung, Koch- und Bierdruck-Apparate, Erfrischungs- und Proviant-Tornister zur Frischerhaltung von Speisen und Getränken im Sommer, eoent. Warmhaltung derselben im Winter. Blech- Emballagen zur Verpackung von Nahrungsmitteln und schließlich Conserven für Heer und Marine.
Wenn wir nun noch einen Blick in die Coje der Königlichen Landwirthschaft- lichen Hochschule, in der sich unter Anderem tn zierlichen Glasgefäßen die verschiedensten Nahrungs- und Genußmtttel nebst deren Verfälschungen und Verunreinigungen, ferner Proben von arsenhaltigen und arsenfreien Tapeten befinden, werfen und noch schnell die in der Nähe aufgestellten mannigfaltigen Apparate zu physikalischen, chemischen und meteorologischen Zwecken betrachten, so sind wir auch mit der Besichtigung dieser Theile des Ausstellungs-Gebäudes fertig und es bleiben uns nur noch die zu Anfang des Berichtes erwähnten beiden kleinen Seitenhallen, welche aus einzelnen Cojen bestehen, übrig.
Betreten wir zuerst die rechts liegende Halle, so erblicken wir stattliche Kamine, Oefen, Warmwasser-Centralbeizungs-Anlagen und eine fast blendende, bis auf das letzte Stückchen eingerichtete Porcellan Küche, die sogar Wände aus Porcellan besitzt. In der Nähe befinden sich die sehr lehrreichen Modelle des Berliner Asyl-Vereins. Die nächsten Cojen werden durch die Filiale der Stuhr'schen Buchhandlung, durch die
Ausstellung einer Anzahl von Karten und Plänen des König!. Sächsischen KriegS- Mmistertums, sowie durch das Lese-Cabinet und die hygienische Bibliothek ausgefüllt. In der zweiten Halle befinden sich noch mehrere Modelle und Abbildungen von Arbeiter-Wohnungen und -Colonien, von Fabrik-Anlagen und feuerfest errichteten Gebäuden, von Eisenbahn-Einrichtungen und -Apparaten und schließlich die umfassende Ausstellung der König!. E'senbahn-Direction zu Berlin, die neben vielen anderen, nur Fachleute interessirenden Sachen auch Winterbeklerdungen für Zug- und Locomottv- Personal, Modelle von Kranken- und Küchenwagen, von Sanitäiszügen und den verschiedensten Schutzvorrichtungen zur Verhütung von Unglückssällen u. s. w. ausgestellt hat. Die ebenfalls in dieser Halle befindlichen bewundernSwerthen Modelle der Kruppschen Feuerwehr und Arbeiter-Colonien haben wir schon kürzlich hcrvorgehoben.
So wären wir denn nun mit der Besichtigung des Ausstellungsgebäudes zu Ende und bleiben und für unsere folgenden Artikel noch die in den Stadtbahnbögen und im Freien befindlichen Ausstellungsgegenstände übrig. Es war bet der ungeheuren Menge des Stoffes und dem kurzen, uns zur Verfügung stehenden Raume geradezu unmöglich, Alles zu berücksichtigen und zu erwähnen; aber wir beabsichtigen ja auch nicht einen Auszug des Catalogs zu geben, sondern in kurzen Zügen Das zu schildern, was die Ausstellung an speciell Sehenswertstem enthält, und so wollen wir es auch ferner halten.
Vermischtes.
Worms, 5. Juni. Das Großh. Kreisamt Worms veröffentlicht die tn der z« WormS am 26. Mai d. I. stattgehabten Bürgermeister-Versammlung gutgeheißmen Maßregeln gegen das Vagantmthum und fordert die Bürgermeistereien des KreiseS zur ungesäumten Durchführung derselben auf. Diese Maßregeln sind: 1) Die Unterstützung „armer Reisender" darf nur durch Gewährung der unmittelbaren knappen Lebensbedürfnisse unter Ausschluß aller Geldspenden und wenn irgend ausführbar nur gegen Leistung von Arbeit erfolgen. 2) Diese Unterstützung soll nicht von den einzelnen Einwohnern, sondern durch die Gemeinde-Organe oder in deren Namen durch die Organe örtlicher Armen-Vereine gewährt werden, sofern diese nach richtigen Grundsätzen verfahren. 3) Kost und Nachtquartier sollen mittelst Verabreichung von Karlen in einer dazu bestimmten Herberge oder in einem Wirthshause verabfolgt werden, mit deren Inhaber vorher ein Uebereinkommen, insbesondere auch dagegen getroffen worden ist, daß die Karten unter keinen Umständen gegen Geld eingelöft oder geistige Getränke für sie verabreicht werden dürfen. Es ist wünschenswerth, daß zur Beschaffung von Arbeit für solche Reisenden, die wirklich Arbeit suchend umherziehen, die Bürgermeistereien wenigstens der größten Orte Nachweisstellen bilden, wobei tn der Regel nur Reisende zu berücksichtigen sind, welche sich im Besitze von geordneten Legitimationspapieren befinden. 5) Die Lokal Polizeiorgane müssen unnachsichtlich alle diejenigen Durchreisenden verhaften, welche in ihren Orten bettelnd betroffen werden.
Witterungskunde.*)
10. Juni. Nach Osten und Norden zu bei Sonnenaufgang kühl und dunstig, dann Morgens ziemlich heiter, Vor- und Nachmittags veränderlich, strichweise sonnig und wolkig, Abends besser. Im Allgemeinen am Tage in Folge der sich durchringenden Insolation wärmer, wenn auch das Temperaturminimum in der Nacht bedeutender sinkt, nach Westen und Südwesten zu ist es mehr trüb, nach Osten zu heiterer, Nachmittags und in der Nacht sind im Süden und nach der Küste zu schwache Gewitter zu erwarten.
Juni. Bei Sonnenaufgang Temperatur subnormal, besonders fühlbar im süddeutschen Hochland und mitteldeutschen Gebirgsland, weniger in der niederrheinischen und oberrheinischen Niederung und an der Küste; etwas windig, früh Morgens sonnig, aus Mittag zu Cirrus bis Ctrrocumulus, stellenweise auch ganz heiter, namentlich nach Osten und Nordosten zu, Nachmittags schön.
12 Juni Im Allgemeinen Morgens heiter und zunehmend warm, Mittags sehr hoch gelegene Cirrt bis schleierige Cumuli, örtlich auch wolkig, Nachmittags heiter, stellenweise gewitterhaft, Winde frisch bis stark aus Osten.
t f JP/“3 Dr’ £ Ä?^rier's Wetter-Prognose für den Monat Juni, abgeschlossen am 15. Mai (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 «X). — Nachdruck verboten.
Oeffentliche Aufforderung.
Der Nachlaß des am 27.Mai l.J. verstorbenen Großherzoglichen außerordentlichen Professors i. P. Dr. Johann Baptist Wetter zu Gießen ist von dessen Kindern als Erben nur unter der RechtSwohlthat des Inventars angetreten worden. Es werden daher Alle, welche Forderungen an denselben zu bilden haben, hiermit aufgefordert, solche bei Meldung der Nichtberücksichtigung innerhalb der nächsten drei Wochen, von heute an gerechnet, entweder schriftlich oder mündlich in der Gerichtsschreiberei dahier anzumelden.
Gießen, den 4. Juni 1883.
Großh. Amtsgericht Gießen. 3908 Stammler.
Versteigerungs -Anzeige.
Kommenden Dienstag den 12. d. M., Vormittags 11 Uhr, werde ich in der Fle tt'schen Hofraithe dahier gegen Baarzahlung versteigern:
1 tannenen Secretär, 1 Spiegel,
1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 Küchentisch, ferner
1 Waschcommode mit Marmorplatte und 1 rundes Tischchen mit Marmorplatte, sodann
1 Commodchen, 1 Spiegel und 2 Bilder.
Gießen, den 7. Juni 1883.
Engel,
3967 Großh. Gerichtsvollzieher.
Montag den 11. d. Mts.,
Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich in dem Hause Frankfurterstraße 36 gegen Baarzahlung:
1 großes Comptoirpult, 1 groß 'N Glasschrank, 1 Tisch, 1 Comptoir- stnhl, 1 Copirpresse und 1 Cassa- schrank.
Die Versteigerung findet bestimmt statt. Gießen, den 8. Juni 1883.
Geißler,
3989 Großh. Gerichtsvollzieher.
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Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Alles im hiesigen Gemeindewald im Laufe der Zeit verkaufte und bis jetzt noch lagernde Holz muß bis zum 1. Juli l. I. unfehlbar abgefahren sein.
Lich, am 1. Juni 1883.
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