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10.6.1883 Drittes Blatt
 
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iZi Drittes Blatt. Sonntag den 10. Juni 1888

iehener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint «Lslich mit Ausnahme des Montags.

Bureau r Sch ul ft raste 7.

Gießen, 9. Juni.

(Nachdruck verboten.)

V.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringertshn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

In Oesterreich hat man gegenwärtig keine Lust noch Zeit, in aus­wärtiger Politik zu machen, da die Landtagswahlen das Interesse ausschließlich in Anspruch nehmen. Namentlich die deutsch-liberale Partei ist hierbei stark interessirt, gilt es sür sie doch, den von allen Seiten kommenden Angriffen zu begegnen, in Böhmen den Czechen, in Kram den Slovenen und in Tyrol den Klerikalen gegenüber Stand zu halten und überall liegen die Verhältnisse so ungünstig wie nur möglich für die Verfassungspartei. Indessen, nicht nur die Deutsch-Liberalen müssen sich ihrer Haut wehren, sondern auch die Italiener in Dalmatien und Istrien, denen das Slaventhum ebenfalls immer mehr auf den Leib rückt. So fand am Sonntag bei dem Städtchen Materia in Istrien ein slavisches Meeting statt, welches vom politischen VereinEdinost" in Triest arran- girt worden war. Auf besagtem Meeting wurde Istrien als ein slavisches Land hingestellt und in begeisterten Reden für die slovenisch - croatische Verbrü­derung geschwärmt und schließlich eine Resolution bezüglich der Slovenisirung der Aemter und Behörden in Istrien angenommen. Ja, ja, die Taaffe'sche Versöhnungs-Aera treibt gar wunderliche Blüthen!

Bei den Franzosen hat sich die erste kriegerische Hitze, die sich beim Eintreffen der Meldung von der Niederlage und dem Tode Riviöre'S kundgab, merklich abgekühlt. Man verhehlt sich nicht, daß die Tongking-Expedition denn doch ihre sehr bedenklichen Setten habe und die Aussicht, schließlich in einen lang­wierigen Kamps mit China verwickelt zu werden, ist auch nicht geeignet, sich leichten Herzens in das Unternehmen gegen Tongking zu stürzen. Bereits wer­den in Frankreich Stimmen laut, die es nicht für räthlich und nützlich halten, den Tod Rioiöre's in umfangreicher Weise zu rächen, sondern denen zufolge das französische Expeditions-Corps den tongkingnesischen und chinesischen Banden

Je heißer die Tage werden, je mehr wir uns dersaison morte nähern, desto rascher arbeiten die zur Zeit in der Neichshauptstadt versammelten Parlamente, um ä Wut prix mit den noch vorhandenen Vorlagen aufzuräumen und dann endlich den schwülen Sitzungs-Sälen den Rücken zu kehren. Am ersten wird für den Reichstag das erlösende WortSchluß der Session ertö­nen denn da derselbe im Lause dieser Woche den Handelsvertrag mit Italien, die Literar-Convention mit Frankreich, die Zuckersteuer-Vorlage und den Gesetz­entwurf über die Reblauskrankheit erledigt hat, so bleibt nur noch der Etat pro 1884/85 zu berathen, in dessen zweite Lesung der Reichstag am Dienstag em- aetreten ist. Die zur Berathung gelangten Etatstitel: Reichstag, RetchSkanzler, Reichskanzlei und Reichsjustizamt wurden ohne besondere Debatte glattweg ge­nehmigt, was zu der Annahme berechtigt, daß auch der übrige Theil des Etats zur raschen Erledigung gelangt. Die Vertagung des Reichstages bis zum Herbst dürfte an diesem Sonnabend erfolgen.

Auch die beiden Häuser des preußischen Landtages haben in dieser Woche fleißig gearbeitet. In zwei Sitzungen am Dienstag und Mttwoch erledigte das Abgeordnetenhaus in zweiter Lesung die Kanal- Vorlage, welche von der Landesvertretung einen Credit von 46 Mill. JMiim Bau eines Kanals von Dortmund nach den Emshäfen verlangt. Abg. Ham- macher hatte zu § 1 beantragt, den Bau des Dortmund-Emdener Kanals als Theilstrecke eines Rhein-Weser-Elbe-Kanals zu genehmigen, in welcher Fassung § 1 mit 228 gegen 111 Stimmen angenommen wurde; außerdem genehmigte das Haus am Mittwoch die Resolution des Abg. Berger, welche die Regierung auch zur Herstellung eines Kanals zwischen den oberschlesischen Kohlen-Districten und Berlins resp. Vorlegung eines hieraus bezüglichen Gesetzentwurfes auffordert. In dieser Fassung fand sodann die ganze Vorlage, abgesehen von tmigen redak­tionellen Abänderungen, die Zustimtnung des Hauses. Am Mittwoch wurde auch das Strombaugesetz mit einigen Abänderungen angenommen. -as Herrenhaus genehmigte am Dienstag das Gesetz über die Organisation der allgemeinen Landesverwaltung. --

Das Hauptereign auf kirchenpolitischem Gebiete bildet dte nunmehr veröffentlichte neue Vorlage, welche dem preuß. Abgeordnetenhause bereits zugegangen ist, und die eine ausgiebige Regelung der Seelsorge bezweckt, sowie die Straffreiheit der Vornahme geistlicher Amtshandlungen in allen Aetntern verkündet, ohne Rücksicht darauf, ob das Amt besetzt ist oder nicht. Letzteres ist eine sehr wichtige Bestimmung, da sie den Nothstand in der Seelsorge für die Zukunft unmöglich macht. In Centrumskreisen giebt man darum, wenn auch noch mit einer gewissen Verschämtheit, seine Genugthuung über die neue Vorlage kund, während man derselben aus conservativer Seite offen zujubelt. Die Liberalen verhalten sich der Vorlage gegenüber ziemlich sceptisch, sie wollen in derselben einen theilweisen Rückzug des Staates erkennen und erblicken in dem Aufgeben eines Theils der Anzeigepflicht ohne ein entsprechendes Aequi- valent von Setten der Kurie eine Schwächung des staatlichen Ansehens. Die Vorlage wird voraussichtlich kommenden Montag im preußischen Abgeordneten­hause zur Discussion gelangen.

Die Delegirten - Conserenz der deutschen Gewerbekam­mern, welche in dieser Woche in Dresden tagte, hat verschiedene wichtige Resolutionen angenommen. Namentlich wurde mit großer Mehrheit der Antrag angenommen, der die Einführung von Arbeitsbüchern durch Reichsgesetz für alle gewerblichen Arbeiter fordert und soll dieser Gegenstand immer aufs Neue in Eingaben an den Bundesrath und Reichstag befürwortet werden. Als Vorort der nächsten Conserenz wurde Lübeck gewählt.

her eigentlichen großen Halle des Hauptgebäudes ins Ausstellungs-Palastes bleibt uns, abgesehen von den beiden Heineren Bogenhallen, nur noch dte llanze rechte Seite iu besichtigen übrig. W>r befanden uns am Schluß unserer letzten Wanderung bei dem Panorama von Gastein, welches dte Mitte der dcrn Haupt-EMgange entgegen- aesetztcn Seile bildet. Wir durchmessen daher noch einmal em Stückchen der so um- sangretchen, der Krankenpflege gewidmeten Gruppe, und -war iene 2Wthetlung, welche die heilkrüfttgen Wässer der verschiedenen Bader Deulfchland^Osterretchs enthalt. Von den etntgermaßen bekannten Kurorten fehlt tun einziger und auch eine 6uvze Anzahl bet uns vollständig unbekannter ist daneben vertreten. In gefällig aussehenden Klaschen und Fläschchen ftetnn auf geschmackvoll geschnitzten Etageren und tn hohen Regalien all jene Mineralwässer, bic, wenn wir den Prospekten der BadeverwaUung Glauben schenkten, uns zetileb^ns gesund erhalten. Mein Gott, gegen was Alles sollen tene Quellen und Quellchm nicht gut fein! Es gibt kein seiden, das beim ^^rauch dieser Wässer nicht verschwände, und man muß sich wundern, daß man überhaupt noch K. anke trifft ja daß überhaupt die Hygieine- Ausstellung veranstaltet wurde, denn wozu, warum?1 Wer mit irgend einer Krankheit behaftet ist, der trinke doch nur einige Kett hindurch dieses ober jenes Mineralwasser und alsbald wirb er gesunden und fröhlich unter den übrigen Gesunden dahmwandeln und wird dem wunder- wirkenden Bade Opfer spenden und darauf schwöre^ daß wenn ie etwas Wahres gedruckt wurde, dies bet den Prospekten der Bade-Verwaltung von T. oder Z. ge- schehcn^si. m(, b|ef£g |n bet Thatwässerige- Fleckchen und betrachten wir

uns lieber die nächsii,egende Gruppe, die sich mit ->-r H-Mipfleg-, sowie den Ade- und Wasch-Anstalten beschäftigt. und der sich dann die Gruppen anschlietzen, w-lche sich mit Humanitären Anstalten, ferner mit Straf-, Besserungs-, Kranken- und Pfleg, - Anstalten. mit Unterricht und Schule, schließlich mft «etleibung. ®r,1S^nL?tro^s Lebensrnittel und Soft beschäftigen. Alle diese voi benannten Grupp.» sind etwas durch- und tneinanderg-schob-n und die dioergirendsten Gegenstände befinden sich denn

t» lenkt zuerst der elegante Gl°s-P°°ill°n der^^Jud-'n)'ch°n chemischen Waschanstalt mit seinen vtels-Mg-n Proben chemischer Wasch- au ^. ulcht nu U formen, Kleider, Tücher. Spitzen -c. tc. sind aus ».« Ön auch - Kupferstiche! Vis-k-vis sib-n wir -in Modell d-s D'°k°nt,ienyaM2 «eipamen und daneben das instruktive des Sauglings-Asyls des Zei lt n PVk^^er n Einblick gerade in letztere Anstalt ist sehr intot Han 3»i b«

sich die Schaulust der Hausfrauen reichst- Herde aufgestellt und selbst

Praktischste eingerichtete Kochmaschinen und gewalt g »jelDUI)b T®[tnfenbe Küchen- vollständtge, bis auf den letzten Löffelstiel komplett-, du« n blc neuesten Bade-Ein- Einrichiungen vorhanden. Außerhalbder Kojen erbt a Waschtoil-it-n und Wasch- rtchtungen und -Wannen, Douche- und WOTb D-stnficter-Maschinen, eiserne Maschinen, Spül-, Trocken-, Roll-, Wring-, ^cai g . Ventilations-Jalousien, und hölzerne Bettstellen. Matratzen hunder rlei * - in Solfle ihrer

Laternen, gefahrlose Feuerzeug- -c. tob°z'N in bc, Haushaltung zu

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nur ein geringer STbetl ber ®u^Q?f*1t?unaen auf welche wir jetzt stoßen, gehören mit Di-Pläne. SWobtai: unkft«®« »«« mehrere Irren- w-M«,-n ^^uadmeu -inern schummen G @t(ammt=einil[1)tungcn dar. Das Haupt- Anstalten Deutschlanbs 'N ihren ^'nz » umfangreiche, äußerst sauber unb deutlich b?IP«JfleStJn Heil- und Pfl-geanstalt für

airgefertigte Mobil Görlitz. Eine neben dem Modell angeschlagene Er-

Nerven- und Gemüthsk^ bcr einzelnen Baulichkeiten, unb hätten

Harunfl nftrutrt un f « ähnlichen beträchtlichen Mobellen diesem Beispiele Mg« g-leiM^ h°l Dr. Kahlbaum eine Serie von Photo-

eine derbe Lection ertheilen und dann zurückkehren soll. Ob sich der französische Nationalstolz hiermit begnügen wird, bleibt freilich abzuwarten. Im Uebrigen lauten die der französischen Regierung aus Tongking zugegangenen Nachrichten jetzt günstiger. Die Besatzung von Hanoi ist vom besten Geiste beseelt und hat sich bis jetzt die Verbindung mit dem nahen Meere offen zu halten gewußt; zwar war an der Pariser Börse das Gerücht von der Erstürmung Hanois und Niedermetzelung der französischen Besatzung verbreitet, doch ist dies wohl ein Börsenpuff." Dagegen scheinen die Franzosen mit ihrer Congo-Expedition an der Westküste Afrikas ernstlich in der Klemme zu sitzen. Der in Loango gelan­deten Expedition wollen die dortigen portugiesischen Colonisten den Einkauf frischer Nahrungsmittel verwehren und an der Küste von Loango kreuzen meh­rere portugiesische Corvetten, um den Franzosen jede Zufuhr von der See ab­zuschneiden, so daß die Congo-Expedition vielleicht mit einem schmählichen Fiasko enden wird. . , _

Das englische Unterhaus hat den eigenthumlichen Grundsatz aufge­stellt, daß in der Folge die Unterstaatssecretäre zugleich Parlamentö-Niitglieder sein müssen. Obgleich dieser Beschluß der Regierung nur inWunschform" ausgedrückt worden ist, so hat sich doch bereits der Graf v. Roseberrp, Unter- staatssecretär im Departement des Innern, veranlaßt gesehen, seinen Posten niederzulegen. Welche Gründe das hochwohlweije Parlament zu diesem sonder­baren Beschlüsse bestimmt haben, ist vorläufig unerfindlich.

Noch immer reiht sich in Moskau Fest an Fest, aber schon liegt die Abschiedsstimmung über den Theilnehmern all' dieser Festlichkeiten aus- gebreitet und der Czar wie seine Gäste rüsten sich, der Krönungsstadt Valet zu sagen. Der Czar gedenkt sich mit seiner Familie von DioSkau aus direct nach Gatschina (oder auch Peterhof) zu begeben, da sich die Petersburger durch die Krawalle gerade wahrend des Krönungstages die Ungnade des Herrschers zuge­zogen haben sollen. Dagegen werden sich fast alle Krönungs-Botschafter vor ihrer Abreise nach der Heimalh noch auf einige Tage nach Petersburg begeben, wo wahrscheinlich die Rlitglieder des diplomatischen Corps noch verschiedene Festlichkeit en veranstalten werden.

Eine Manderung durch die Hygieine-Ausstellung.

Von Paul ßinbenberg.