Ausgabe 
10.5.1883 Zweites Blatt
 
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1883

Nr. 106. Zweites Blatt. Donnerstag den 10. Mai

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheit.

Betreffend: Statistische Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Deutschen Reich.'

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

~ r unserem gedruckten Ausschreiben vom 12. März l. I., mit welchem wir Ihnen die in obigem Betreff nöthigen Formulare überschickt haben, ist mn Schlüsse bemerkt, daß zur Ermittelung der für Formular 1 und 2 bestimmten Flächenangaben u. s. w., sowie zur Ermittelung der in Formular 2 und 3 aufzunehmenden Durchschmtts-Erträge pro Hektar, Ihnen nähere Weisung zugehen werde.

a <2Bä^Qlten erä fürr baS Zweckmäßigste, wenn diese Ermittelungen von einer dieserhalb zu bildenden Commission stattfinden, deren Vorsitzender der betreffende Bürgermeister ist. 1 y

k, sind daher alsbald solche Commissionen zu bilden, wie dies auch in den vorhergegangenen Jahren geschehen ist und wollen Sie uns soweit

bieö Mittlerweilen Nicht bereits erfolgte die Namen der Commissionsinitglieder angeben.

Wie in dem Ausschreiben vom 12. März l. I. bemerkt ist, sind die ausgefüllten Formulare längstens bis zum 1. November einzuschicken.

Dre 3 Formulare sind Ihnen in doppelter Ausfertigung zugegangen, damit Sie ein Exemplar derselben bei Ihren Acten behalten können.

Dr. Boekmann.

für den

11. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mörfelden mit einem nach deni Dienstaller sich bemessen­den Gehalt von 1000 bis 1200 <#. Die evang. Pfarrstelle zu Ettingshausen; dotationsmäßiger Gehalt 1433 <X; das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Fürsten von Solms-Lich zu.

12. Sterbefälle:

Gestorben sind: Am 9. Decbr. 1882 ver Schullehrer an der Gemeinde­schule zu Offstein Karl Arnheiter; am 21. Januar 1883 die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Elise Christmann; am 25 Januar der vortragende Rath bei den Abtheilungen des Ministeriums der Finanzen Oberfinanzrath Hofmann; am 9. Febr. der evang. Pfarrer Leopold Kornmesser zu Höchst; am 13. Febr. der Rentamtmann i. P. Karl Königer zu Darmstadt; am 18. Febr. der Schul­lehrer Peter Metzler zu Münzenberg; am 19. Febr. der Districtseinnehmer Heinrich Wenzel zu Mainz; am 24. Febr. der Generalmajor ä la suite Friedr. Frhr. v. Hausen und Gleichenstorff zu Darmstadt.

2. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz das Etatsjahr 1883/84 zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in Gemeinden des Kreises Worms genehmigten Umlagen.

3. Ordensverleihungen.

Darmstadt, 3. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 8) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Offenbach, den Steuerausschlag zur Bezahlung des Gehalts des Rabbinen zu Offenbach für das Jahr 1883/84 betreffend.

Ueber Kleinmotoren für die Kleinindustrie

macht E Blum in b.n Behandlungen des $erein§ zur Beförderung des Gewerbe- fletßes (2. Htft, S. 77) Millhrilungen, denen wir Folgendes entnehmen:

Die Nachfragen nach guten Motoren für das Kleingewerbe ist stets im Steigen. D>e vo>zügbch< Conftruciion des Otto'schen Motors, welche rhrem Erfinder das Ehren- doclo diplom der U toersität Würzburg eingetragen hat, hat diesen Motor über alle andern concuriirenden gestellt. Die Deutzer Gasmotorenfabrik muß zur Zeil ihre um­fangreichen Werkliätt'N vergrößern, trotzdem sie brsher schon in der Lage war, jährlich 600 Motoren zu fabrictren.

Neben dletem Moior konnte Mn anderer Gasmotor einen nennenswerthen Absatz erzülen.^ Der Simon'sche Motor, welcher in Bezug auf geringen Gasverbrauch con- currenziähig zu se n schien, scheiterte an dem complicirten Apparat. Bon den in Deutschland abgesetzt^n Exemplaren ist nur noch eine geringe Zahl in Betrieb. Die Hauptbedingung für einen Kleinmotor ist und bleibt möglichst große Einfachheit und möglichste Zuverlässigkeit des Betriebes. Die Motoren sollen, ohne eines speciellen Wärters zu bedürfen, meistens sogar ganz ohne Aufsicht, ihren Zweck erfüllen. Des­wegen können Motoren von so compltcirter Bauart wie der Simon'sche sich der Ein­fachheit des Otto'schen Motors gegenüber nicht behaupten.

Die Hauptbedtngung für eine wette Verbreitung des Otto'schen Motors ist billiges Gas. Dieser Frage ist zuerst von dem Director der deutschen Con- ttnental-Gasgesellschaft, Oechelhäuser, näher getreten worden. Derselbe wies darauf hin, wie durch billigeren Gaspreis die Verbreitung der Gasmotoren zunehmen müsse und daß es somit das eigene Interesse der Gas­anstalten erfordere, diesen Motoren durch Gewährung entsprechend reductrter Gaspretse Eingang zu verschaffen. In der That ist den Gas­anstalten eine solche Reduktion möglich, ohne ihr Interesse nach anderer Richtung zu schädigen. Der Absatz des Leuchtgases verthetlt sich auf wenige Abendstunden und demgemäß bedürfen die Gasanstalten größerer Gasbehälter und größerer Rohrleitungen, als sie gebrauchen würden, um die gleiche Quantität Gas über den ganzen Tag ver- theilt abzugeben. Es ist hieraus ersichtlich, daß die Gasanstalten eine Vermehrung des Tagesconsums (und einen solchen bringen die Gasmotoren) zu erstreben haben. Sie können dann mit demselben Röhrennetz, mit demselben Fassungsraum der Gasbehälter mehr Gas abgeben, als dies lediglich für Leuchtzwecke der Fall sei» könnte.

Für dieses Plus bedarf es also keiner besonderen Amortisation von Anlage­kapital und aus diesem Grunde sind die Gasanstalten sehr wohl in der Lage, Motoren­gas billiger abzugeben a!8 Leuchtgas. Dem vorerwähnten Beispiele sind eine große Zahl von Gasanstalten gefolgt. Während beispielsweise in Berlin der Preis des Leuchtgases pro Cubikmeter 16 betragt, gibt die Gasanstalt Köln Kraft- maschtnengaS für 13 H, Breslau für U ab. Daß diese Ermäßigung den Absatz in Gasmotoren gefordert hat, ist zweifellos. So haben dieKölnische Zeitung" in Köln, dieBreslauer Morgen-Zeitung", dieSchlesische Zeitung" und andere Buch- druckereten ihre Dampfmaschinen durch Gasmotoren ersetzt, welche für diese periodischen Betriebe ganz entschiedene Vorzüge mit sich bringen.

Einzelne Gasanstalten, unter denen ich Altona, Thorn, Tilsit nenne, sind soweit gegangen, daß sie die Motoren den Handwerkern auf Abzahlung über­lassen, so daß auch kleineren und unbemittelten Handwerkern die Anschaffung des heute fast unentbehrlichen Motors ermöglicht wird. In der Stadt Thorn, welche sicherlich nicht als Industriestadt bezeichnet werden kann, arbeiten heute von Otto'schen Motoren: ein einpfcrdtger in einer Schleiferei, ein ein­pferdiger in einer Buchdruckerti, ein zwe'pferdiger bet einem Silberarbeiter, ein zwet- pferdiger bet einem Feilenhauer, ein zweipferdiger bet einem Conditor, ein vterpserdiger bet einem Tischlermeister und ein vterpferdtger bet einem Schlossermeister. Diese Zu­sammenstellung beweist zur Genüge, daß es sich hier in der That um Kleingewerbe

4. Namensveränderungen.

5. Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft:

Am 18. April wurde Rechtsanwalt Ferdinand Eberwein zu Benshefin zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgerichte Lorsch zugelassen.

6. Ausgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:

Rechtsanwalt Ferdinand Eberwein zu Bensheim hat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgerichte Zwingenberg aufgegeben.

7. Dienstnachrichten:

Am 4. April wurde dem Schullehrer Friedrich Crößmann zu Gadernheim eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Gimbsheim, am 5. April wurde dem provisorischen Gesanglehrer Georg Weis aus Armsheim, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestellten Volksschullehrers, die erledigte Gejanglehrer- stelle an der kath. Schule zu Bingen, an dems. Tage wurde dem Schulamts- asptranten Karl Krauß aus Eberstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen übertragen; am 6. April wurde der von dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Büdingen auf die Lehrerstelle an der Gemeinde­lchule zu Büches präsentirte Schullehrer Johannes Diegel zu Deckenbach für ttese Stelle bestätigt; am 7. April wurde dem Jacob Porth aus Wackernheim das Patent als Geometer 1. Klasse für den Kreis Bingen ertheilt; an deins. Tage wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Fürth Gg. Schweitzer zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Darmstadt II und der Stadt- genchtsdiener-Substitut Adam Fey zu Darmstadt zum Amtsgerichtsdrener bei oem Amtsgerichte Fürth ernannt; am 10. April wurde dem Schulamts- lffptranten Peter Joseph Rehm aus Finthen eine erledigte Lehrerstelle an der Mmemoeschule zu Unter-Schönmattenwaag übertragen; am 12. April wurde ber von dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach auf die erledigte zweite Lehrer­stelle an der Gememdeschule zu Brensbach präsentirte Schullehrer Heinr. August Escher zu Schönnen für diese Stelle, am 15. April wurde der von dem Herrn Fürsten zu Nfenburg und Büdingen in Büdingen aus die erledigte erste Lehrer- stelle an der Gememdeschule zu Mittel-Gründau präsentirte Schullehrer Jacob für diese Stelle bestätigt; am 17. April wurden den Schullehrern August Lenz zu Merlau und Andreas Winn zu Londorf die Leh- ber M Stammheim, an demf. Tage wurde dem

^chulamtsasptranten Johann Rieß aus Neu-Bamberg eine erledigte Lehrerstelle an der kath. Schule zu Hirschhorn übertragen

8. Charakterverleihung:

7 grnr^e" ?er Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am

7 . April dem Pnvatdocenten an der technischen Locksckule ^naenimr «pn m Willmann den Charakter alsPr°fessV'7u J

9. Dienstentlassung. v

10. Ruhestandsversetzungen:

9lm 23. 3auuar wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Rül- imrod Hemnch Luowig Rabenau auf fein Nachsuchen, am 7 Februar wurde ionn^nm 28 S und der Realschule zu Worms Otto Zimmer-

eiann, am 28. Marz wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule m Raben- aUoo ^mtann ®eoJ9 auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1 Mai an, «u9' der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Heimersheim

Walter Sander auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner länajähriqen am 17. April wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule' zu Mttersbach Heinrich Schuster auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom l Mai NN, in den Ruhestand versetzt.