Stockwerk höher, um den Herrn R. zu Hülse zu hole«. Herr R- rief laut, klopfte wiederholt an der Thüre, aber auch er erhielt keine Antwort- Er öffnete nun das Zimmer — baö Gas strömte ihm entgegen und benahm ihm den Athem. Da sah er die Frau in dem einen Bette liegen, tu ihren Armen htelt sie eines der Kinder krampfhaft umschlungen. Die Züge des Kindes waren entstellt, die der Frau ebenfalls. In einem andern Bette lag der Vater, ein noch ziemlich junger Mann, und htelt das andere Kmd in den Armen. Der Kops des Unglücklickcn hing vom Bette herunter und war blau. Die Füße lagen oben auf der Bettstelle. Herr R- kroch nun auf Händen und Füßen nach dem Fenster und öffnete es. Da er auf diesem Wege febr Diel Gas einalhmen mutzte und der Anblick der Tobten ihn tief erschüttert hatte, so konnte er nur mit Hülfe des Mädchens das Zimmer wieder verlassen. — Soeben wurden die Veicben auf einem Todtcnwägelchcn des Heiliggetstspital tn's Konigswarter- Spttal überführt.
— lieber die Familie Halberstadt und deren Tod erfährt die „Frank. Zig" noch einige Details: In dem Schlafzimmer, in welchem die Tobten gesunden wurden, befinden sich vier Betten. Jedes der beiden Kinder hatte fein eigenes Bett und schlief auch jede Nacht in demselben Nur in der letzten, der verhängnißvollen Nacht, schliefen die Kinder in den Betten der Eltern- Der Vater war ein Mann von 38 Jahren und von einnehmendem Aeußern. Die Mutter der Kinder zählt kaum 30 Jahre und ist in den Kreisen ihrer Bekannten als brave, intelligente und steißige Hausfrau allgemein geachtet- Das älteste Kmd ist ein Mädchen von 13 Jahren, besuchte die 4 Klasse der Elisabethenschule und zählte zu den fleißigstn und aufgewecktesten Schülerinnen. Das andere Mädchen von 10 Jahren war ebenfalls stets eine der ersten in der Klasse und besuchte ebenfalls die Elisabethenschule Beide Kinder waren noch vor zwei Tagen bei der Feier des Geburtstags eines Verwandten zugegen- Die Leichen wurden heute Mittag eingesargt, jedoch ist man über die Zeit der Beerdigung noch nicht ganz einig. Der Vater des Vorstorbenen, ein Mann von 84 Jahren, der m Münzenberg ansässig ist, wurde heute Morgen per Drabt hierher gerufen. Als er die Leiche seines Sohnes erblickte, verfiel er in convulsioes Zucken und Ohnmächten, so daß man ihn aus Wunsch der Angehörigen sofort wieder nach Münzenberg zurückbringen mußte. Von den Eltern der Frau Halberstadt lebt nur noch die Mutter in Mergentheim, welche noch nicht ein- getrorren ist. Frau Halberstadt befindet sich immer noch in demselben Zustande wie beute Mittag um 3 Ubr. Die Meinung der Aertte geht dahin, daß der Zustand nur noch einen ober zwei Tage lang so anhalten könne.
Die Lebensversicherungs- und Ersparniß-Bank in Stuttgart batte im Jahre 1882 auf Todesfall 4u72 Anträge mit JL 24 893 300 zu erledigen.
Davon mutzten 813 Anträge mit „K 5 122 900 abgelehnl dezw. zurückgestellt werden und 3225 Anträge — 79,20 pEt mit JL 19 524 300 — 78,43 oSt- konnten ausgenommen werden. Die weiteren Anträge wurden dem Jahre 1883 zur Erledigung überwiesen.
Im Laufe des Jahres 1882 waren 35 571 Personen mit JL 193 198 312 auf Todesfall versichert.
Der Tod forderte 500 Personen mit JL 2 463 358. Darunter sind aber 21 Selbst- n ordsfälle mit JL 280 257, welche nur mit ca. 67 000 abzufertigen waren, inbegriffen. Die Bank gibt beim Selbstmord in allen Fällen die sämmtl'.chen Einlagen wieder zurück und je nach Lage des einzelnen Falles werden noch höhere AuSzablungen gewahrt. Diese meist mit höheren mummen beteiligt gewesenen und mit wenig Ausnahmen hem Handelsstande angehorenden Selbstmordssalle (her Durchschnitt berechnet sich auf üoer JL 13000 per Kopf) kennzeichnen so recht deutlich die schlimme Geschäftslage des vergangenen Jahres.
Wegen Ablaufs der Versicherungsbauer gingen 31 Personen mit JL 203 456 und in Folge Rückkaufs, Unterlassung der Prämienzahlung und Umwandlung 589 Personen mit JL 3 331205 ab.
Gegenüber den im Lause des JahreS versichert Gewesenen stellt sich dieser Abgang auf nur wenige 1,66 pCt. zur Personenzahl und auf 1,72pEt. zur Versicherungssumme, in Berücksichtigung der sehr kritischen Zeitverhäliniffe, die so manchem Familienvater die Fortzahlung der Prämien unmöglich machten, ist dieses Ergedniß als sehr mäßig zu bezeichnen-
Den wegen unterlaßener Prämienzahlung Ausgeschiedenen w irden seit 1. Juli 1862 aut Grund der an diesem Termin m Kraft getretenen neuen Statuten die gleich hohen Rückvergütungen wie bei der Kündigung gewährt.
Am Ende des Jahres 1882 waren 34 447 Personen mit JL 187 200 300 auf Todesfall versichert, und da zu Anfang des Jahres Versicherungen für 32 727 Personen mit JL 173 674012 in Kraft standen, so ergibt sich für diese Versicherungsart für das Jahr 1882 ein reiner Zugang von
1720 Personen mit JL 13 526 278.
Die Alters- ober Aussteuer-Versicherungen find auf X 6 027 202 angewachsen
Der Gesamwtstand der Versicherungen erreicht per 31. December 1882 die Summe doh JL 193 227 493 und als reiner Zugang ergeben sich JL 13 847 411.
Die Rechnungs-Ergebnisse sind noch nicht fertig gestellt, solche werden aber günstig ausfallen und die Vertheilung einer gleich hohen Dividende wie bisher ermöglichen.
Kandel und Verkehr.
Gießen, 10. Februar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter -.er Pfund JL 1.00—1.08, Hühnereier ver Stück 5—6Käse per Stück 4—9 xäfematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liker 28 Tauben
e as Paar JL 1.00—1.20, Hühner per Stück -r. 1.70—2.50, Hahnen per Stück JL 1.30 Liß JL 2.00, Enten per Stück JL 2.00—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 66-70 ttuh- und Rindflench 56—60 Kalbfleisch 54—56 H, Schweinesleisch 62—64 . ?ammelfleisch 66—70 Kartoffeln per 100 Kilo JL 8.00—9-00, Zwiebeln per Gentner . .‘L 7.00-8, Milch per Liter 14—18
— Den neuen Fünfzigmarkscheinen gegenüber erscheint ganz besondere Vorsicht geboten. Die Scheine haben nämlich in Folge des Faserpapiers, aus welchem sie her- gestellt sind, die Etgenthümlichkeit, leicht zusammenzukleden, so daß es, wenn man mehrere aufeinanberliegenbe Scheine abzuzählen bat, sehr leicht oorfommen kann, baß man zwei zusammenklebenbe Scheine für einen hält. Es dürfte sich daher beim Auf, r fhlen dieser Scheine die größte Sorgfalt empfehlen.
frtantfttrt a. M., 10. Februar, Nachmittags 3 Uhr — Mfn. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäst Albert Kaufmann in Gießen.) (>:rebitactten 254%, Staatsbahnactien 281%, Galizier 255%, Lombarden 119, Rord- weftbahnactien 174, Darmstädter-Bankactien 151, Oberschlesische E.-B.-Act. —, Oesterr. Silberrente 66%, 4% Ungar. Goldrente 737/e, 4% 1880er Russen 70%« 50/0 1877r Russen 88%, 2. Orient-Anleihe 56%, Spanier 60%, 5% Rumänische Rente 92%, 4% Uniftc. Egypter 71, Disconto Comm. 191%, Gotthardbahnactien 106%. Tendenz: matt.
Auszug aus deu Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Aufgebote.
Februar. 7. Posthilfsboie Ebri Hard P.lei Ruhl von Herbstein mit Marie Sophie Mehler, geb. Faust, Wittwe bcs Taglöhners Polykarp Mehler von Fulda. 9. Schlosser Leopold Atztthöser, Wittwer, mit Emma Auguste Amalie Wilhelmine Adolph, Tochter des Sparkassedieneis Karl Adolph von Gladenbach.
_, ~ Eheschließungen.
Februar. 7. Friedhofsaufseher Jacob Daniel Christian Karl Noll, Witwer von Gießen mit Karoline Friedeiike Therese Marie Zöllner, W ttwe des Maurers Johann Gottlob Zöllner von Jena. 7. Steinhauermetster Emil Kalbfleisch, Wittwer von Gttßen, mit Mai ie Katharine Schwalb von Annerod. 9. Bierbrauer Pius Preis von Mardorf mit Katharine Keller, Tochter des verstorbenen Waldschützen Konrad Keller II. von Ober-Bessingen. 9. Dachdecker Karl Heck von Gladenbach mit Elisabethe Althof, Tochter des v rftorbenen Zimmermanns Johann Georg Althof von Ehringshausen.
Geborene.
Januar. 27. Eine Tochter von auswäits, Katharine. 27. Ein Sohn von auswärts, Heinrich. 29. Dem Feldwebel im II Großherzoglich Hessischen Infanterie- Regiment Nr. 116 Johannes Dtttmann ein Sohn. 29. Ein Sohn von auswärts, Otto- 30. Eine Tochter von auswärts, Johanna. 30. Eine Tochter von auswärts, Marie Emilie. 31. Eine Tochter von auswärts, Marie Therese. 31 Eine Tochter von auswärts, Albertine. Februar. 1. Dem Heizer bet der rechtsrheinischen Bahn Karl Bindewald ein Sohn. 1- Ein Sohn von auswärts, Georg. 1. E ne Tochter von auswärts, Clara. 2 Dem Gastw rth Ludw g Herbert III. ein Sohn, Emil August. 3. Dem Schäfer Ludwig Adam Beimborn eine Tochter, Katharine Elffabethe Karoline. 8. Dem Gaftwirth Christian Noll III. eine Tochter.
Gestorbene.
Februar. 2. Marie, 7 Jahre alt, Tochter des Nedacteurs Dr. Julius Engelmann. 2. Taglohner Konrad Bocher, 23 Jahre alt. 3. Henriette Charlotte, 1 Jahr alt, Tochter des Nedacteurs Dr. Julius Engelmann. 4. Christian, 4 Jahre alt, Sohn des Schmieds Heinrich Gerhard Heiderich von Widderstein. 4 Otto, 3 Jahre alt, Sohn beö Wagners Loms Faber. 5. Georg Johann Christian Theodor, 5 Jahre alt, Sohn des MetzgermeisterS Ludwig Pirr. 5. Emilie, 9 Jahre alt, Tochter des Redacteurtz Dr. Julins Engelmann. 7. Rentner Johannes Heinrich Schäfer, 79 Jahre alt- 7. Hilfsheizer Heinrich Spengel 35 Jahre alt. 8. Dienstmann August Schwengber, 52 Jahre alt. 8. Zinngießcr Johann Tagim, 33 Jahre alt, von Colatza, Provinz Novara in Italien.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 8. Februar. Emil Kalbfleisch, Stemhauermcister zu Gießen, ein Wittwer, und Marie Katharine Schwalb aus Annerod.
Getaufte.
Den 3. Februar. Dem Telegraphen Sekretär Johann Joachim Wiese eine Tochter, Marie Margarethe Christine Elisabeth, geboren den 9- September 1882.
Den 4. Februar. Dem Schmelzmeister Friedrich Klinke! eine Tochter, Marie, geboren den 4. Januar-
Denselben. Dem Briefträger Heinrich Ohly ein Sohn, Heinrich August Otto, geboren den 9. Januar.
Denselben. Dem Schmied Wilhelm Nachtigall eine Tochter, Marie Elise, geboren den 3. Januar.
Denselben. Dem Posthilfsboten Wilhelm Müller eine Tochter, Johanna Christiane Minna, geboren den 28 Dec.mber 1882.
Denselben. Dem Vicefeldwebel Carl Martin Schott ein Sohn, Friedrich, geboren den 8. Januar.
Denselben. Dem Tagelöhner Gustav Schuchard ein Sohn, Heinrich, geboren den 21 December 1882
Denselben. Dem Schreiner Philipp Steinmetz ein Sohn, August Christian, geboren den 25. December 1882.
Denselben. Dem Kutscher Cail Stroh ein Sohn, Carl Julius, geboren den 23. December 1882
Denselben. Dem Schaffner Carl Andreas Müller ein Sohn, Georg Wilhelm, geboren den 16. December 1882.
Denselben Dem Bremser Peter Rink ein Sohn, Adolf Carl, geboren den 10. Januar.
Dens-Iben. Eine außereheliche Tochter, Sophie Ottilie, geboren den 20. Januar. Beerdigte.
Den 9. Februar. Johann Heinrich Schäfer, Kammmacher, alt 80 Jahre, starb 7. Februar.
Denselben. Katharine Hauß, geb. Heil, Wittwe des PostkonducteurS Louis Hauß, alt 65 Jahre, starb 5- Februar zu Frankfurt a. M-
Brodpreise
vom 11. bis 25 Februar 1883.
der Bäcker
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . . . .
2 „ (4 )
1 „ (2 „ 1 Schmarzbrod 1. Sorte 2 » (■! if ) „ „
1 11 (~ ii ) n 2. „
3 „ (6 Pfd.) Schmarzbrod 2. Sorte
bei Fr. W. Hartmann, L. Keil, Karl Wallenfels II., Martin Lenz, L. Kroneberg, L. Schneider und Konrad Haas, H. Vogt, Gg- Müller
der Brodverkäufer 4
Kgr. f2
H (4
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Pfd.) Weißbrod . . . . ", ] Schmarzbrod 1. Sorte bei Hch. Rain „ ) Schmarzbrod 1. Sorte bei Hch. Rain „ 1 Schmarzbrod 1. Sorte „ ) Schmarzbrod 2. Sorte bei Hch. Rain lf ) Schmarzbrod 2. Sorte bei Hch. Rain „ ) Schmarzbrod 2. Sorte
3"
69
27
23
54
46
2'-
22
48
Gießen, den 10. Februar 1883.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen Fresenius.
Allgemeiner Anzeiger.
Pfennigsparkasse.
Die Einleger, welche noch Sparkaffescheine in Händen haben, werden um Weiterungen zu vermeiden, dringend ausgefordert, den nächsten
. Mittwoch den 14. I. Mts
qxT ^er Sparkasse vorzulegen, damit die Zinsen der eingelegten
Beiträge entweder denr Kapitale beigeschrieben oder ausbezahlt werden können.
Gießen, den 9. Februar 1883.
DaS Curatorium.
—--------- ___________ Vogt._________
DfwL Dienstmädchen gesucht für I 949 Eine zweitstillende rlmme sucht ^Uern. Bleichstraße 1. 1 Stelle. Schillerstraße 11.
Montag dm 12. und Dienstag den 13. d. Ms., Vormittags um 9, Nachmittags um V23 Uhr anfangend, wird mit der
Weißwaaren - Versteigerung
im Saale der Restauration Bramm
fortgesahren.
Gießen, den 10. Februar 1883. Bühner,
978____________________________________________Großh. Gerichtsvollzieher.
950 Ein Garten am Nahrungsberg LehrlingSstelle
zu verpachten oder zu verkaufen- offen bei H. Kactz Nachf., Manusactm
Näheres bei M. Wallbott, Bahnhof. maaren-Handlung, Gießen. 942
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