Ne. 7. Mittwoch den 10. Januar 1883
Gießener Anzeiger
Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau: Schulstraße 7,
K n o3r r.
de Beauclair.
Betreffend: Die Aufnahme der Binder in die Volksschule, inschsondere das zur Aufnahme erfo^derUche"Älter ° $anuar l88!' Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen an die Schulvorstände des Kreises.
Wir therlen Ihnen nachfolgendes Ministerial-Ausschreiben zur Rachachtüng und Bedeutung der betr. Eltern mit.
Dr. Boekmann.
... ■> Ä M. WL
Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz
Abtheilung für Schuiangrlegenhkitrn
on Großherzoglicben Kreis - Schulcommifstonen.
2-° ?on’.1G' 3™ 1874, das Vvlksschulwesen im Großherzogthurn betreffend, bestimmt in seinem ersten Absätze baß die
Austiahme der Kinder ni die Volksschule einmal im Jahre nach O,iern bei Beginn des neuen Schuljahres statt-,»finden l,at>und datz -u diesem'^eitvunkt ledesmal dieienigen Kinder in die Schule aufzunehmen sind, welche bis dahin das sechste Lebensjahr vollendet haben ’ 3 P
„ J™/1 °eni 2. Absätze dreies Artikels 20 ist cs zugelassen, daß auf Wunsch der Eltern oder deren Stellvertreter auch solche aeistia und leiblich nickt
vollendem ^ bemerften 3e,tpunttc in bie Schule ausgenommen werden, welche bis zu dem 30. September desselben Jahres das sechste Lebensjahr
auä9evWnaUfM'"e n’e^e erfi nad) bcm 30’ September des betr. Jahres das sechste Lebensjahr zurücklegen, ist hiernach unbedingt
dem geinacht, daß diese Bestimmungen nicht von allen Schulvorständen pünktlich beachtet worden find, daß auck nach
h., gr_. rin.t.^rCrrUJ^ 'U J?fr Aufforderung an Sie veranlaßt, bei den Schulvorständen die pünktlichste Beachtung bet angeführten Bestimmunaen
s Nachdruck ,chst einzuschärfen. Insbesondere wollen Sie denselben bemerken, daß Gesuche um Dis^n ä w ^. «m "™
S ft e 4-?k’taU,ÄW nud^ daß das betr. Kind den Bestimmungen des Gesetzes zuwider eine verfrühte Au^ahn.e in du Pocksschule aefimd n Ä” *"** ***• - •“ " - »***'■«• •* - 14 e»N* •#>»«»
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. vierteljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
____ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
eine Berlmstuna^vo»1 ’br.r "^"^beschädigten der Umgegend von Alain-, ist die Erlaulmiß ertheilt worden, zu Gunsten dieser Beschädigten eine ^enocffung von Gebrauchs- und Kunstgegenstauden mittelst 50000 Loosen zu 50 H zu veranstalten.
® M en°9amC8 Innern und der Justiz hat den Verkauf der Loose im ganzen Umfang des Großherzogthums gestattet.
legen, am 8. Januar 1883. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
------------------------- Dr. Boek mann.
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unseren Ä" Vorladungen sind die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechen. Anträge bei
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©iefeen, den 6. Januar' 1882. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.
. - angüdorfs. _____________________________
Politische Ueberskcht.
m Gießen, 9. Januar.
e ^blchstag tritt bekanntlich diesen Dienstag, den 9. Januar, für
“6Wir @C 10n "'^er zusammen, und wichtige Entscheidungen erwarten vAitÄ>^ I, k'' «“V?" bte Erhöhung der Üolzzölle und andere zoll- ÄfiÄ Einführung der Arbeitsbücher, das Verbot des Lehr- b« (KwrhJ\r N'cht'nnungsmeister, dann an die tiefgreifenden Abänderungen der Gewerbeordnung und an die procentuale Börsensteuer. Außer diesen Borows ^rMiinhbCn ”od) einc '■Uic"9e Anträge untergeordneter Bedeutung, S ,mA hh?renf?l er^Uatl0,kmrbe^iifti8en' i° d»ß voraussichtlich der Reichs- ^p n^nnrf! h,? trL Jlk1QU6 »usammenbleiben dürfte. Durchaus zweifelhaft n ben ^rMenbhprL5 d|Clbun0 bv6 ^mt|co in bc" wichtigeren Fällen, namentlich m den Qiagen der Abänderungen der Gciverbeorduung, der procentualen Bör- b»r e,Uton“nb berRr'atbei!i6b!,llI)er' da dieselbe von einigen wenigen Stimmen und oer zusalllgen größeren Vollzähligkeit dieser oder jener Partei' abhängen bürste ckre DQnrb[QmentorH(fie$fl^a^?e b)erv<^tiÖt- daß unsere Vertreter im Reichstage dluck ersüllm werden. C" toniu,c,,bc" Wochen mit besonderen. Rach-
An. Tage nach dem Wiederbeginn der Rcichstagsverhand.
' “ ’° n™J ' 3?nl!Qr' wird auch das preußische Abgeordnetenhaus ^ .S'Vm'st-" w'eder aufnehmen. Die „Kreuz-Ztg." rechnet aus, daß die L alsberaihung allem noch 15 b.s 20 Plenarsitzungen in Anspruch nehme,, « . . !r rT roieberum beJ ^öbte Theil durch die Beraihnng des Eultuseiats m An pruch genommen werden würde. Wenn sich schon die Debatten über den Eia so lange Zett hinziehen werden, dann kann man wo», mit Recht ragen, zu welcher Zett dann eigentlich die übrigen Beraihungü.Gcgenstände de« Abgeordnetenhauses erledigt werden solle» ; unter allen Umständen wirb man sich aber aus ein längere« Rcbencinandcrtagen bc« Reichstage« und des preußischen Abgeordnetenhauses gefaßt machen müssen.
Am Freitag hat unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Köln eine amtliche Conserenz unter Theilnahme von Com- missarien der Ressortminister anläßlich der Rheinüberschwemmungen stattgefunden. Es handelt sich darum, die Vorbereitungen zu den Vorschlägen, welche dem preußischen Landtage wegen Gewährung von Staatühülse für die überschwemmten Landeütheile gemacht werden sollen, zu Ende zu führen. Den Verhandlungen der Conferenz sind die mittlerweile gesammelten Nachrichten über den Umfang der durch die jüngsten Ueberschwemnmngen angerichteten Schäden zu Grunde gelegt worden.
Der russische Gesandte in München, Graf v. d. Osten- Sacken, ist abberufen worden, da er in das Petersburger Auswärtige Amt eintreten wird.
Wie tief der Name Gambetta im Herzen des französtfchen Volkes wurzelt, davon legten die ungeheuren Menschenmassen Zeugniß ab, welche sich in den letzten Tagen nach Ville d'Avrey und nach der erfolgten Ueberführung der Leiche Gambetta'ü in das Palais Bourbon nach letzterem bewegten. Taufende mag hierbei blos Schaulust und Neugierde getrieben haben, Tausende und Abertausende werden jedoch auch zu dem Sarge Gambetta's gewallsahrtet sein, um dem tobten Ratioualheros ihre letzte Huldigung darzubringen. Die französische Regierung selbst hat angeordnet, daß die Thore und Säle im Palais Bourbon in so großartiger Weise decorirt wurden, unzählige Blumenkronen, Kränze und Bouquets bedeckte« den Katafalk, unter welchem der Sarg ruhte. Die Leichenfeier am Sonnabend ist nach dem aufgestellten Programm ohne Zwischenfall verlaufen.
General Chanen ist in Folge eines Schlagstusses in der Nacht vom I. zum 5. ds. zu Paris verschieden. Die Leichenfeier findet in Chalons' für - Marne statt, mo Chauci) die Stellung eines eommandirenden Generals bekleidete. General Chaney, während der Dictatur Gambetta's Befehlshaber der Loire- Armee, hat es noch am besten verstanden, die militärischen Operationen Frankreichs gegen die deutschen Heere nach der Schlacht von Sedan zu leiten. Wie


