Urlaub und zwar nach Kanncs, um dort leine schwankende Gesundheit wieder herzustellen. ge^ommte ^^^sche Partei scheint sich wieder einmal in Thätigkeit zu befinden. Die Explosionen auf der Londoner unterirdischen Eisenbahn sind ein Beweis, daß die Partei ihrer Parole: Bekämpfung der englischen Regierung und der englischen Gesellschaft mit allen Mitteln, treu bleibt; leider ist es der Polizei trotz der eingehenden Untersuchungen noch immer nicht gelungen, über die unmittelbaren Urheber jener fluchwürdigen Attentate etwas Näheres'zu eruiren. Auch jenseits des Oceans rüsten sich die Fenier anscheinend zu einem verbrecherischen Anschlag, welcher gegen den General-Gouverneur von Canada, Marquis Landsdowne, gerichtet ist. Demselben sind mehrere Briefe, in welchen er mit dem Tode bedroht wird, zugegangen und es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese Briese senischen Ursprungs sind. Wodurch sich Marquis Landsdown den Haß der Fenier zugezogen hat, ist nicht bekannt; vielleicht, vaß sie hoffen, durch die Beseitigung des ersten Beamten Canadas Verwirrung zu erzeugen und diese dann zur Förderung ihrer dunkeln Pläne zu benutzen.
Anläßlich derAbberusung des bisherigen französischen Botschafters in Petersburg, Jaurös, hatte daselbst auf der französischen Botschaft ein Abschieds-Diner stattgefundn, dem auch Kaiser Alexander beiwohnte. Auf demselben sollte der Kaiser einen für Frankreich äußerst wohlwollenden Toast ausgebracht haben; das „Journal de St. Petersbourg" dementirt indeffen diese Nachricht auf das Entschiedenste.
In Serbien, und namentlich auf dem platten Lande, gährt es in bedenklicher Weise und ist diese bedenkliche Stimmung dem Anschein nach durch verschiedene verkehrte Maßregeln des abgetretenen Ministeriums Pirotschanatz hervorgerufen worden. In Folge dieser ernsten Situation hat die serbische Regierung den Beschluß gefaßt, die Preß-, Vereins- und Versammlungsrecht- Freiheit aufzuheben und in Preßsachen die Präventiv-Censur einzuführen, lieber eine große Anzahl von Bezirken ist bereits der Belagerungszustand verhängt und den Bewohnern für die Dauer desselben die Erhaltung der Truppen aufgegeben worden; gleichzeitig ist den Officieren und Unterofsicieren das doppelte Gehalt zugesichert worden.
In den ehemaligen Sclavenstaaten der nordamerikanischen Union scheint noch vielfach ein feindseliges Verhältniß zwischen Weißen und Negern zu herrschen. So kam es vor einigen Tagen in Danville, Virginia, zu einem politischen Tumult zwischen Weißen und Negern, bei welchem 5 Neger gelobtet und eine Anzahl verwundet worden sein sollen; von den Weißen wurden angeblich nur zwei verletzt.
In Afghanistan herrscht wieder einmal Anarchie. Die kriegerischen Bergstämme der Ghilsais sollen sich der Herrschaft bemächtigt und dm Emir von Afghanistan, Abdurrhaman Kahn, vollständig in Händen haben.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Gor«esKoWSem-Wrrrsarr.
Berlin, 7. November. Der „Deutschs Reichsanzeiger" widmet dem Grafen v. Rebern einen Nachruf, worin es zum Schlüsse hecht: Hingebung und Treue bestimmten seine Stellung zu dreien Königen, denen er gedient; reiche Erinnerungen waren ihm geblieben aus den nahen Beziehungen zu ihnen. Einen edlen milden Smn, große Herzensgüte und achtes Wohlwollen hat der Heimgegangene während seiner langen, vielbewegt-n Laufbahn nie verleugnet. Der Dank dafür wurde ihm in der aufrichtigen und ungeheuchelten Hochachtung und Verehrung aller Derer, die ihn kannten und denen sein Andenken theuer und unvergeßlich bleibt.
— Ein Brand in der Treitel'schen Schneidmühle, Alte Jacobstraße 20, welcher gestern Abend gegen 11 Uhr ausgebrochen war, wurde im Laufe des heutigen Vormittags bewältigt .
Frankfurt a. M., 7. November. Ihre K- K. Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin trafen in Begleitung des Regierungspräsidenten v. Wurmb beute Mittag aus Wiesbaden hier ein und besuchten unter Führung des Vorsitzenden Dr- v. Brüning die permanente Ausstellung des mitteldeutschen Kunstgewcrbevereins.
Wien, 7. November. Der Budget-Ausschuß der Reichsraths- Delegation bewilligte das ordentl-che Heereserforderniß ohne irgend welchen Abstrich, nachdem der Kriegsminister die Vorwürfe des Abg. Sturm wegen Ucberschreitung der Voranschläge eingehend widerlegt hatte.
— Die ungarische Delegation hat im weiteren Verlauf der heutigen Sitzung auch die Budgets der Marine, des Reichssinanzministeriums und des obersten Rechnungshofes, sowie die Schlußrechnung des Jahres 1881 angenommen.
Paris, 7. November. Der chinesische Botschafter Tseng hat dem Minister des Auswärtigen eine vom 5. d. M- datirte Noie zustellen lassen, in welcher die chinesische Regierung ihrem Erstaunen Ausdruck gibt über das dem Vicekönig Li Hung Tschang zugeschriebene Benehmen und in welcher dieselbe gleichzeitig die Haltung des Botschafters Tseng billigt.
London, 7. November. Nach einer Meldung aus Accrington (Grafschaft Lancaster) hat heute früh in der Kohlengrube Monkfield eine Explosion stattgefunden; von den 110 Bergleuten, welche sich, als die Explosion erfolgte, in der Grube befanden, sind bis jetzt nur 6 aufgefunden.
— Weiteren Nachrichten aus Accrington zufolge sind von den 110 Bergleuten, die sich während der Explosion in der Kohlengrube zu Monkfielv befanden, bis heute Mittag gegen 50 Bergleute, die sämmtlich verwundet sind, herausgeschafft worden; die übrigen 60 Bergleute befinden sich noch in der Kohlengrube.
Rom, 7. November. Der Papst empfing heute den preußischen Gesandten v. Schlvzer, welcher sich sodann zum Kardinal Jacobini begab und demselben einen Besuch abstattete.
Lokales.
Gießen, 8. November. In Folge einer Besprechung mit den Vertretern der Studentenschast, der Lehranstalten und der Vereine, die ihre Betheiligung an dem zur Feier des Lutherfestes am nächsten Samstag stattfindenden Festzug zugesagt haben, wurde theils durch gegenseitige Verständigung, theils durch Entscheidung des Looses folgende Zugordnung festgesetzt:
1. Gießener freiwillige Feuerwehr, welche den Zug eröffnet.
2. Musikcapelle.
3. Studentenschaft:
a. Verband wissenschaftlicher Vereine; b. Verbindung Wingolf; c. Burschenschaften Alemania und Germania; d. Reformverbindung Adelphia; e. Keiner Corporation angehörende Studenten.
4- Lehranstalten:
a. Gymnasium; b. Realschule; c. Stadtknobenschule; d. Stadtmädchenschule; e. Höhere und erweiterte Mädchenschule.
5. Der Wagen mit der Linde.
6. Stadt-, Schul- und Kirchenvorstand.
7. Gemeindevertretung.
8. Das große Comitö.
9. Staats- und Gemeinde-Beamten.
10- Gesangvereine:
a. Akademischer und Kirchen-Gesangverein'; b. Sängerkranz - Gesangverein; d. Liederkranz; e. Harmonie. '
11. Schützenverein.
12. Kriegerverein.
13. Turnverein.
Bauer'schec
14. Die Bürgerschaft.
15. Freiwillige Gail'sche Feuerwehr, welche den Zug abschließt.
Aufstellung in Oswald's Garten präcis 2 Uhr; durch Schilder sind bie$15, der einzelnen Vereine re. bezeichnet- * ■
Gießen, 8. November. (Theater) Hasemanns Töchter. Driniimr Volksstück von L'Arronge. ' 8 a '
Mit „Mein Leopold" hatte L'Arronge einen glücklichen Griff gethan. An der ausslerbenden Posse stellte er als ein Mittelding zwischen dieser, beziehentllcb Schwanke und dem Lustspiele die Spec alität des Volksstückes auf. Der aus nahmSlose Beifall, der ihm deswegen zu Theil wurde, ließ ihn in diesem Genre seine besondere Begabung erkennen und ermunterte ihn, die eingeschlagene Bahn weiter w verfolgen; mit welchem Glück er dies gethan, beweisen die Namen „Hasemanns Töchter" und „Dr. Klaus", durch welche er sich den Ruf eines Meisters dieser Gattung von Bühnenwerken erwarb. Diese Werke sind so populär geworden, ihre allg-.uieme Beliebtheit ist so unbestritten, daß es keines Zeugnisses mehr für sie bedarf. Die heutige Besprechung hat daher nur den darstellerischen Leistungen zu gelten. — Obenan stand Herr F. Brautlech t als der Kunst-undHandelsgärtner Anton Hasemann. Er wußte dieser prächtigen Gestalt so viel Humor und Leben einzuflößen, daß man diesen alten Hasemann ordentlich Leb gewinnen mußte. Da war Ton, Miene und Haltung von echter Komik und mit seinem Auswendiglernen des Cursbuches, überhaupt mit allem, was mit Hasrmanns Reise-Manie zusammenhängt, ries er jederzeit herzliches Gelächter hervor. Einen Glanzpunkt seiner Darstellung bildete die große Scene mit Frau Hasemann, in der er d n Pantoffelhelden auszieht und durch sein entschiedenes Auftreten seiner Frau die Herrschaft im Hause entwindet und selber als der Herr des Hauses und der Situation auftritt. Er traf da in Stimme, Gesten und Geberden derart das Richtige, daß keine Illusion mehr auskommen konnte, wie sehr er seiner Frau imponirte. — Eine würdige Partnerin hatte er in Frau Bred e, welche die eitle hochfahrende Mutter Hasemann gleichfalls höchst wahr und trefflich zeichnete. — Dem Elternpaare ebenbürtig sich anzureihen verstanden: Fräulein Pögner I. (Emilies Fräulein Kohrsen I. (Rosa) und Fräulein Kohrs en II. (Franziska). Fräulein Pögner I gab die natürliche, einfach frische, temperamentvolle Schlosserssrau zur Zufriedenheit. — Fräulein Kohrsen I. hatte wie immer für das herzliche Gefühl warme Accente. — Fräulein Kohrsen II- war kein übler Backfisch, dem die Ungezogenheit — ich wollte sagen Verzogenheit — sehr gut zu Gesichte stand.
Von Herrn Schölermann (Fabrikant Körner) sind wir eine distinguirte Repräsentation gewohnt; er schlug in der Scene des dritten Actes, wo er sich mit seiner Gattin auseinandersetzt, ergreisende, innige Töne an. Da er im vierten Acte nur die erste Zeile des an feine Frau gerichteten Briefes las, machte er seine plötzliche Umwandlung etwas unverständlich. — Herr Voigt stellte den biderben, innerlich braven, aber in den Umgangsformen ungeschliffenen Schlossermeister Knorr recht befriedigend dar. — Die poetische F gur des sentimentalen, lispelnden Provisors Klein lag bei Herrn de Valdez, der dieser kleinen, aber dankbaren und ansprechenden Partie durchaus gerecht wurde. — Die übrigen Rollen sind untergeordneter Natur, gelangten aber in einer Weise zur Darstellung, die ein zufriedenstellendes, nur mitunter durch kleine Kunstpausen unterbrochenes Ensemble herbeiführte.
Gietzen, 8. November. (Theater). Ueber die Aufführung der Karls schü.ler, welches Schauspiel uns am Freitag Abend geboten werden soll, entnehmen wir einem Berichte aus Suhl, woselbst die Gesellschaft des Herrn Brautlech t in diesem Frühjahr spielte, das Nachstehende:
Die Karlsschüler. Schauspiel in 5 Akten von H. Laube. Nach langem Harren endlich das erste Schauspiel. Das volle Haus wird die Direciion belehrt haben, daß der Geschmack unseres Publikums ein gediegener sei, denn wenn auch ein großer Aniheil an dem guibesetzten Hause der Beliebtheit des Benefizianten zuzuschreiben ist, so hat doch jedenfalls die Aussicht, endlich einmal sich dem Genüsse eines ernsten Schauspiels hingcden zu können, viele ins Theater getrieben. Und da war keiner, der nicht befriedigt und erhoben den Saal verlassen hatte und im Innersten überzeugt gewesen wäre, daß der Schwerpunkt her Schauspielkunst, wenn sie auf die Massen wirken soll, auch heute noch im höheren Schauspiele liegt Vor Allem unserem trefflichen Schiller, Herrn Schönwasser, Dank! Der junge Künstler spielte mit einem Feuer und einer edlen Begeisterung, die auf jeden empfänglichen Zuschauer die Wirkung ausübte, daß er in der Erinnerung an den Manen unseres hohen Dichterheroen versenkt, aus einige Zeit der Welt und ihres Getriebes vergaß und sich in höhere Regionen versetzt wähnte. Wir wollen an dieser Leistung nicht kritteln und mäkeln, das mögen später andere mehr Berufene thun, hier hat der junge Mann jedenfalls mit seinem Schiller aller Herzen im Fluge erobert und wird Nicht so bald vergessen werden. Jetzt müssen wir zunächst des geehrten Benefizianten. Herrn Oberreg sseur Muff, gedenken, der uns durch die Ausführung seiner Partie ebenso wie durch die Auswahl des Stückes zu hohem Danke verpflichtet hat- Sein Herzog Karl war ein energischer, in seinen Grundsätzen verbissener Fürst und Soldat und dabei doch ein Mensch, den man, wie er es von sich selbst sagt, eigentlich nichts vorwerfen kann, als daß er seine verdammte Schuldigkeit gethan. Eine liebliche Erscheinung zwischen all' bem (Seroirre von soldatischer Derbheit und höfischer Schlauheit war die einfache, herzliche Laura des Fräulein Kohrsen I-, die leider nur in utopischen Träumen ihres heißgeliebten Dichters gedenken kann, nachdem sie uns diese Liebe so rührend dargestellt hat- Herr Schreiner war ein trefflicher Rieger, der Ton des verknöcherten Betbruders wurde vorzüglich wiedergegeben und auch die TrunkenheitSscene, sonst eine Klippe bei der Darstellung dieser Rolle, wurde mit Tact und Maß und doch wirkungsvoll durchgesührt. Eine prächtige, bis in die feinsten Nuancen ausgearbeitete Leistung war der Hauptmann Silberkalb des Herrn Schölermann- Die große Scene mit Laura im 4. Akt wurde von dein Künstler geradezu entzückend gespielt, sowie überhaupt Ton und Haltung ein köstliches Ensemble abgaben. Auch die übrigen Mitwirkenden spielten mit voller Hingabe und gebührt auch ihnen alle Anerkennung.
— Die Sammlung von Beiträgen zur Erbauung einer zweiten evangelischen Kirche dahier nimmt in erfreulicher Weise ihren Fortgang.
Am ersten Sammeltage gingen ein . • • • 1033,70 Jü
„ zweiten „ „„.... 2176,65 „
„ dritten „ „ „ . 848,40 „
zusammen 4058,75
Vermischtes.
Darmstadt, 6. November. Zu der Samstag den 10., Sonntag den 11. und Montag den 12. November in der Turnhalle am Woogsplatz stattfindenden Vogefi und Geflügelausstellung des älteren Vereins für Vogel- und Geflügelzucht sind die Anmeldungen über Erwarten reichlich eingegangen. Es wurden angemeldet circa 70 Stämme Hühner, 5 Stämme Gänse, 8 Stämme Enten, ein Paar Pfauen, ein Paar Truthühner, 5 Paare Fasanen, letztere theils eigene Zucht des Ausstellers- Weiter 216 Paar Tauben aller Racen, eine große Anzahl Canarien, Exoten, Papageien und sonstiger Sing- und Schmuckoögel. Sodann Käfige, Aquarien, Futtermittel aller Art, Literatur re. Erwähnt fei vorerst nur, daß auch ein hier gezüchteter, durch Fütterung mit Cayennepfeffer wunderschön rotb gefiederter Canarienvogel zur Ausstellung gelangt, der die englischen Farbeneanarien, welche s. Z- so großes Aussehen erregten, an Schönheit weit übertrifft — Zur Prämiirung sind neben Geldpreisen und Diplomen von Vereinsmitgliedern noch eine Anzahl Ehrenpreise gestiftet worden- — Im Ausstellungslocal ist ein Glücksrad aufgestellt, aus welchem die Besucher hübsche Gewinne, bestehend in Gänsen, Hühnern, Tauben, Canarien rc- ziehen können-
Hanau, 5. November- (Bergrutsch) Gestern Morgen lösten sich, von dem Regenwetter drr letzten Tage erweicht, von den Bergen, an welchen die dem Gastwiith Hoffmann in Alzenau gehörigen Wirthschaftsgebaude angebaut find, größere Fels- und Erdmassen los, zertrümmereen Dach und Wände einer.Sch-une rissen außerdem einen großen Theil der sich direkt an den Berg anlehnenden K-gelbahn
- Die Universität Leipzig scheint sich nach wie vor als die ftörfft frequentlrte Hochschule Deutschlands behaupten zu wollen. In diesem Wintersemester sind bis sitz


