Dienstag den 9. October
1883
Nr. 234
Erschemt taaHd) mit Ausnahme des Montags.
Nttveau: Schul st raße 7.
Gießen, am 5. October 1883.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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und Freundschaft
Homburg vor der Höhe, den 26. September 1883.
Dr. Boekmann.
Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter und Bruder!
Nach den Mr zugegangenen Meldungen haben die Truppen des 11. Armee-Corps während der diesjährigen großen Uebungeu in Euer Königlichen Hoheit Landen, soweit diese dabei berührt worden sind, überall eine gute und freundliche Aufnahme gesunden. Ich kann es Mir daher nicht versagen Eurer Königlichen Hoheit Meine Freude und Meinen angelegentlichen Dank dafür auszusprechen. Ich verbleibe mit den Gesinnungen unveränderlicher Hochachtung
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstande der Gewerbehalle zu Worms die Erlaubniß zu einer im Laufe des Monats December d. I. auf Grund des vorgelegten Verloosungsplans abzuhaltenden Verloosung von Mobiliargegenständen unter der Bedingung ertheilt, daß höchstens 11,000 Loose ä 1 ausgegeben werden und der Werth der Gewinngegenstände mindestens 80% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose beträgt.
Es rst der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.
Gießen, den 6. October 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Eurer Königlichen Hoheit freundwilliger Vetter und Bruder Wilhelm.
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Spanien.
Madrid, 6. October. Dem Könige wurde heute eine Protesterklärung
baudin's: Die Organe der gemäßigten Republikaner und der Monarchisten billigen dieselbe. Die „Republique franyaise" sagt, die Belassung Thibaudin's auf feinem Posten würde jede reguläre Beziehung zu den benachbarten Nationen unmöglich gemacht haben. „La Paix" hatte gewünscht, daß diese Maßregel weniger unerwartet ergriffen worden wäre. Der „Gaulois" schreibt, Thibaudin sei ein dem allgemeinen Frieden gefährlicher Kriegsminister gewesen. Die Journale der Intransigenten greifen das Ministerium heftig an und hoffen, der Rücktritt Thibaudin's werde nur von kurzer Dauer sein. Der „Voltaire" dementirt die Nachricht, daß S. amen die Entlassung Thibaudin's verlangt habe. — Mehrere Morgenblätter melden, Thibaudin werde sich von der äußersten Linken in einem ähnlichen Wahlkreise für die Deputirtenkammer aufstellen lassen.
— Das „Journal officiel" veröffentlicht folgende Note: Es sind verschiedene Versionen in Umlauf gesetzt worden hinsichtlich der Worte, welche bei dem Besuche ausgetauscht wurden, den der Präsident der Republik am letzten Sonntage dem Könige von Spanien machte, um demselben seiner Gesinnungen und derjenigen des Landes zu versichern. Die einzige authentische Wiedergabe ist diejenige, die den Zeitungen durch die „Agence Havas" mitgetheilt worden und die als officiell anzusehen ist.
— Der Marineminister hat aus Hongkong ein Telegramm von gestern vom Admiral Courbct empfangen, wonach der Admiral, der Civilcommissar und der Truppen-Commandant in einer am 30. Septbr. abgehaltenen Conferenz einstimmig zu der Ueberzeugung kamen, daß der schlechte Zustand der Wege active Operationen unmöglich mache, daß aber die Truppen die Ankunft der avisirten Verstärkungen in vollkonunener Sicherheit abwarten könnten. Der Admiral hat sich nach Tourane zurückbegeben.
Paris, 6 Oüooer. Das Journal „Parts" schreibt, die französische Regierung, welche fttzl die Dispositionen Chinas k nne, glaube ncht daran, daß die Verhandlungen zum Siele führen, Ch'na hoffe noch günstigere Bedingungen zu erhalten, indem es %■ Verhandlungen in die Länge ziehe und rechne auf eine Veränderung der Politik des Mnisteriums oder auf eine französische Niederlage in Tongkmg. Das Journal fügt hinzu, die Ereign sse würden die chinesischen Illusionen schon zu zerstören missen.
— Einer Depesche aus Bangkok zufolge sollen chinesische Räuberbanden einen Einfall in die Nordostprovinz von Siam gemocht haben.
— Nachrichten aus Hanoi vom 28. September melden, daß eine weitere Anzahl Mandarinen dem Civllkommissar Harmand ihre Unterwerfung angeboten hätten, die „schwarzen Flaggen" seien durch Krankheiten und die letzten Kämpfe dezimirt, die Strecke von Hanoi nach Sontay sei von denselben gesäubert, auch die Banden in der Umgebung von Namdinh hätten sich zurückgezogen.
Italien.
Rom, 6. October. Der Fürstbischof von Breslau, Dr. Herzog, ist hier eingetroffen.
Betreffend: Die großen Herbstübungen des XL Armee-Corps in 1883.
Bekanntmachung.
In Folge Allerhöchster Weisung wird das abschriftlich nachstehende an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtete Handschreiben Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen vom 26. v. M. hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
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Darmstadt, 6. October. Se. Maj. der Kaiser hat an den Commam deur der 25. (Hess.) Division, Prinzen Heinrich von Hessen, Großh scheit, nachstehendes Schreiben erlassen:
„Ich wünsche Em. Groß!). Hoheit ebensowohl Meine Anerkennung Ihrer Leistungen als Divisions-Commandeur, wie Meine ausrichtige Wohlgewogenheit iu bethätigen, indem Ich Sie hierdurch ä la suite Niemes Husaren-Negiments (1. Rheinisches Nr. 7) stelle, mit welchem Sie bereits die Erinnerung mehrerer Dienstjahre und insbesondere die an einen ehrenvollen Feldzug verbindet.
An Se. Großh. Hoheit den Prinzen Heinrich von Hessen und bei Rhein.
Berlin, 7. Dctober. Nach der „NauoncrlzMung" toll b-r König vou Spanien nn ungemein herzliches Antwortschreiben an den Kaiser auf em anläßlich der Pariser yorfäUi-. an ihn gesandtes Telegramm gerichtet haben.
Zittau, 7.Octoder. 'Das gesummte Personal der Redaction der „Morgenztg.", Mr Personen, wurden wegen Verweigerung des Zeugnisses über den Ursprung einer anonymen Correspondenz, betr. die Ebersbacher Gftängnitzaffaire, verhaftet.
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GdietaLladung.
Nachdem Fuß-Gendarm Heinrich Schäfer des Großherzoglichen Gendarmerie-Corps, geboren am 25. Januar 1846 zu Mainzlar, Kreis Gießen, illletzt stationirt zu Schotten, sich im August d. I. heimlich aus seiner Station entfernt hat und auf Grund der darauf erfolgten Feststellung des That- bestandes der förmliche Desertionsprozeß wider ihn eröffnet morden ist, wird derselbe hiermit an^gefordert, sich wieder zu gestellen, spätestens aber in dem auf
Dienstag den 8. Februar 188£, Vormittags 10 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Termin zu erscheinen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschlossen, er in contumaciam für sahnenflüchtig erklärt und in eine Geldstrafe von 150 bis 3000 Mark verurtheilt werden wird.
Darmstadt, den 5. October 1883. Großherzogliches Gendarmerie-Corps-Gericht.
Irankreich.
Paris, 6. October. Die Morgenblätter besprechen die Entlassung Thi- I
Oesterreich.
Wien, 6. October. Die Delegationen sind auf den 23. d. Mts. nach
1 Men einberufen.
; Wien, 4. October. Einhelliger als jetzt anläsjl.ch der Besprechung der Vor- gonge in Paris zur Zeit der Anwesenheit des Königs von Spanien war die hiesige Msse noch nie. soweit es sich um auswärtige Dinge handelt- Wie sämmtl'che Blätter j*£T übrigen gebildeten Welt, so betonen auch die unsrrgen, daß die französische Republik die pöbelhaften Scenen, welch:b.j Ankunft König?Alpt'ors in Gang gesetzt wurden, M selbst am mersten geschädigt habe, nicht nur in ihrem Ansehrn bei den übrigen ^Mten, sondern auch im Innern selbst. Daß in den Herzen der stolzen Spanier, die iPutzer manche Sympathicen mit Frankreich gehabt haben mögen, diese vollständig cr- Mben sind und auch durch die ztiml ch klägliche Entschuldigung, zu der Herr Grcvy, „der Noth gehorchend als dem eigenen Trieb", sich veranlaßt sah, nicht wieder rveckt werden können, ist natürlich. Selbst jene Vertreter eines zurückgebliebenen u»erulismus, denen bei jeder Gelegenheit die Sympathie für die französische Republik alle Poren schwitzt, beginnen jetzt an ihren französischen Freunden irre zu werden, hat, wenn auch wider Willen, wieder einmal seinen Ruf, daß es das für ^übrigen Völker interessanteste Land sei, bewährt; ob jedoch nach solchen Ere-gnissm r cutunß seiner Sftmme im europäischen Concert steigen oder auch nur aufcecht- lWlten robben kann, ist füglich zu bezweifeln.
Pesth, 6. October. Die Mörder des judex curiae Majlath: Spanga, und Berecz sind von dem Gerichtshöfe zum Tode verurtheilt worden, ä-lle drei haben Appellation eingelegt.
Laibach, 6. October. Der Landtag hat entsprechend dem Anträge des . ..Schusses die Mandate der verfassungstreuen Abgeordneten des Großgrund- vchtzes agnoscirt. Die Mehrzahl der Mitglieder der slovenischen Aiajorität Immmte mit den Deutschen.
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