in Tyrol mit dem Siege der Klerikalen geendet. Wie der Wahlkamps in Böhmen wo sich Deutsche und Czechen, und in Kram, wo sich Deutsche und Slo- venen aeqenüberstehen, enden wird, läßt sich mit ziemlicher Gewißheit voraussehen die Landstuben von Prag wie von Laibach werden künftig eine slavische Majorität aufweifen. Während aber die deutsche Partei in Kram die Flinte in's Korn wirst, d. h. sich im Allgemeinen der Wahl enthalten will, sind die Deutsch-Böhmen entschlossen, selbst unter den gegenwärtigen ungünstigen Umständen den Wahlkampf durchmfechten, wie ihr Wahlaufruf besagt und da die Czechen Alles ausbieten, um sich die Majorität zu sichern, so kann man trotz Allem dem Ausgange der Wahlen im Lande der Wenzelskrone mit einiger Spannung entgegensehen.
In Paris feierte diePolitik trotz Tongking und Madagaskar auf einen Tag vollständig, und zwar anläßlich des am Sonntag zu Longchamps stattgefundenen großen Preiswettrennens. Seit Jahren concurriren hier die besten französischen und englischen Renner miteinander und so hat sich dieses Rennen zu einem großen Pariser Volkssest herangebildet, bei welchem die Politik vollständig schweigt. Das Ergebniß des diesjährigen Rennens bestand in dem Siege des französischen Renners „Frontm" über seinen englischen (Eoncurrenten „Saint-Blaise", was die Pariser natürlich in einen wahren Taumel des Entzückens versetzte; nun, dieser Sieg auf dem Turfplatz ist den Franzosen wohl zu gönnen. Im Uebrigen lauten die Nachrichten aus Tongking jetzt beruhigender ; die Besatzung von Hanoi hält sich noch und wurde das Eintreffen der von Saigon abgesendeten Verstärkungen vor Hanoi täglich erwartet. Was den Ausfall aus Hanoi am 19. Mai d. Js. anbelangt', so liegt hierüber jetzt ein neuer Bericht vor, demzufolge der Commandeur Riviäre bei dem Versuche, das an der Spitze der Truppenabtheilung befindliche Geschütz zu retten, gelobtet wurde. Die Nachricht, daß Riviöre mit 15 seiner Untergebenen gefangen genommen und gepfählt worden sei, hat sich demnach als unwahr erwiesen; die, Franzosen haben überhaupt keine Gefangenen verloren und nur ihre Tobten beim Rückzüge zurücklaffen müssen.
Aus England liegen seit einiger Zeit keinerlei Nachrichten von Belang vor. Die Verhandlungen des Parlaments sind interessenlos und in den irischen Angelegenheiten ist es ganz still geworden. Einige Aufmerksamkeit verdient dagegen die Haltung Englands in der Madagaskar-Affaire. Der englische Consul in Tamatave (Madagaskar) ist im Verein mit den Commandanten der vor Tamatave liegenden Kriegsschiffe „Dryab" und „Dragon" angewiesen worden, geeignete Maßregeln zum Schutz von Leben und Eigenthum der englischen Untertanen aus Madagaskar zu treffen. Die Regierung des Herrn Gladstone scheint demnach einen ernsten Angriff der Franzosen auf Madagaskar zu besorgen.
Die Moskauer Krönungsfeierlichkeiten nahen sich ihrem Ende, gleichwohl aber bringt noch jeder Tag eine glänzende Festlichkeit. Auf das Volksfest am Sonnabend folgte am Sonntag große Gala-Vorstellung im Theater und am Montag die 200jährige Jubelfeier der Garde-Regimenter Preobraschenski und Semenoff, woran sich am Abend ein äußerst glänzender Hofball im Kreml schloß. Die Abreise des kaiserlichen Paares nach Gatschina wird dem Vernehmen nach am 11. Juni erfolgen.
Darmstadt, 7. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 27. Mai den Hauptsteueramts-Assistenten 2. Klasse bei dem Hauptsteueramte Mainz Konrad Fuchs zum Hauptsteueramts-Assistenten 1. Klasse, sowie am 30. Mai den Hauptsteueramts-Assistenten 1. Klasse bei dem Hauptsteueramte Darmstadt Heinrich Daniel Rausch zum Revisions-Controleur bei diesem Hauptsteueramte zu ernennen.
— Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 30. Mai den Director des Gymnasiums uno der Realschule zu Worms Dr. Adalbert Becker zum Director des Ludwig-Georgs-Gymnasiums zu Dar mstadt,
am 6. Juni den Lehrer am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Dr. Karl Boßler zum Director des Gymnasiums und der Realschule zu Worms — beide mit Wirkung vorn 1. October 1883 an — zu ernennen.
— Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 26. Mai dem Kreisarzt des Kreisgesundheitsamtes Dieburg, Medici- nalrath Dr. Hermann Kaiser aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
Wolf stehl, Letzterer namentlich mit dem Hinweis darauf, daß die Annahme dieses Artikels dem Zustandekommen des ganzen Gesees große Schwierigkeiten bieten würde, welcher Bemerkung sich Ministertalpräsident Sckletermacher anschließt. Art-2» wird mit 21 Stimmen angenommen. — Art 3 enthält die Bestimmung, daß dem Großherzoglichen Staatsverbande nicht ungehörige Personen dieser Steuer nur dann unterliegen, wenn sie im Großherzogthum wohnen und daselbst eine mit Erwerb verbundene Beschäftigung ausüben oder ausgeübt haben — Schaum beantragt, Ausländer zuzuzteben, wenn sie em Jahr im Großh-rzogthum wohnen. — Nach kurzer- Debatte wird der Artikel ohne den Antrag Schaum angenommen, ebenso ohne Debatte Art. 4. — In Art 5 sind Bestimmungen getroffen, wer von der Kapitalrentensteuer ausgenommen ist. Es sind wes nach dem Entwurf u. A- die Mitglieder Großherzogl- Hauses, ferner nach pos. 7 diejenigen Personen, deren steuerbare Zinsen die Summe von 100 X jährlich nicht erreichen und nach pos. 8 Wittwen, elternlose Minderjährige und erwerbsunfähige Personen bei einem Gesammteinkommen von weniger als 1100 JL, wenn ihre Bezüge an Kapitalzinsen die Summe von 550 nicht erreichen. - Schaum, Arnold und Ellenberger beantragen Abänderung der in pos. 8 genannten Summen in 1500 und 750 ^; Böbm wll pos. 7 und 8 gestrichen und dafür gesetzt haben: „Diejenigen Personen, deren Gesammteinkommen weniger als 1500 JL beträgt". — Schröder will in pos. 7 statt 100 JL den Betrag von 200 JL. gesetzt sehen. Endlich beantragt der Ausschuß, nur das Staatsoberhaupt von der Steuer auszunehmen. — Geh. Obe'fteuerrath Baur wendet sich Namens der Negierung namentlich gegen den Antrag Böhm, welcher auch gegen 5 Stimmen abgelehnt wird. Der Antrag Schröder wird mit 20 gegen 20 Stimmen abgelehnt, der Antrag Schaum und Genossen gegen 3 (Stimmen angenommen, ebenso der Antrag des Ausschusses gegen 2 Stimmen. — Die Art. 6-10 werden ohne Debatte angenommen.
Fortsetzung der Berathung morgen.__________________________________________
Telegraphische Depeschen.
Wolff's lelegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 7. Juni. Der Reichstag genehmigte heute in 2- Lesung den Marineetat. Der Antrag Richter's, die Berathung des Kapitels über Natural- verpfleguug bis nach der Ernte abzufetzen, war abgelehnt worden, nachdem der Bunbescommiffar, v. Bennigsen unb Windthorst sich dagegen ausgesprochen hatte. Ebenso werben bie Etats des Reichseisenbahn-Arnts, des Rechnungshofes, des Auswärtigen Amts und des Reichsamts des Innern genehmigt. Vorher war das Zuckersteuergesetz in 3. Lesung unverändert angenommen.
— Die Budget-Commission des Reichstags beendete heute bie Etatsbe- rathung. Durch Abstriche resp. Höheransetzung verschiebener Einnahmeposten wird bas Gesa'.nmtplus 18'Az Millionen betragen.
— Das Abgeorbnetenh aus nahm heute in 3. Lesung das Gesetz über die Landesbank in Wiesbaden, das Staatsschuldbuch unb die ßanbgüterorbnung für die Provinz Brandenburg an. In 2. Lesung würbe die evangelische Kirchen- versassung für Hannover unverändert genehmigt, nachdem sie von Köhler, Bruel unb v. Schorlemer-Alst bekämpft worden war.
Koblenz, 7. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern Abend kurz nach halb 10 Uhr wohlbehalten hier eingetroffen.
Moskau, 7. Juni. Gestern Abend brachte die aus 52 Sängern bestehende deutsche Liedertafel Moskaus dem Kaiser und der Kaiserin eine Serenade im Kreml bar. Die Allerhöchsten Herrschaften waren im engsten Familienkreise unb hörten den eine Stunde währenden Gesangsvorträgen mit großer Aufmerksamkeit zu. Es wurden im Ganzen 9 Piecen vorgetragen, darunter das namentlich von der Kaiserin gewünschte Lieb: „Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben". Eröffnet wurde die Reihe der musikalischen Vorträge mit der dänischen Volkshymne, geschloffen wurde dieselbe mit der irussischen Vo'lkshymne. Bei dem Schluß dankten die Majestäten dem Dirigenten I Professor Malm in der verbindlichsten Weise. Für^die Mitglieder der Lieder- I täfel wurde daraus in dem anstoßenden Saale ein Souper servirt.
Moskau, 7. Juni. In dem anläßlich der Jubiläumsfeier des Preobraschenskt- schen und des Semenoff'schen Garderegiments erlassenen Tagesbefehl, mittelst dessen den betreffenden Regimentern Jubiläumsfahnen verliehen werden, spricht der Kaiser zugleich allen Truppen ohne Ausnahme feine Anerkennung dafür aus, daß sie durch ihre unerschütterliche Ergebenheit für den Thron und durch ihren glänzenden, selbft- verleugnenden Dienst für das Vaterland im Laufe von 200 Jahren den Ruhm und die Macht Rußlands mitbegründeten und ehrlich und brav das Vermächimß Peters detz Großen ausgesührt haben. Der Kaiser spricht die Ueberzeugung aus, daß die Treue n^b das Pflichtgefühl auch ferner in seiner Armee erhalten bleiben werden.
Petersburg, 8. Juni. (Privat-Depesche). Der „Regier.-Anz." veröffentlicht ein kaiserlicherseits sanctionirtes Reichsraths-Gutachten, wonach vom 1. Januar 1884 ab bie Kopfsteuer-Erhebung von ben ärmsten Bauernklaffen gänzlich einzustellen, bie Kopfsteuern für bie anberen Bauernklaffen unb bie übrigen Steuerpflichtigen um bie Hälfte resp. ein Zehntel zu verringern ist. Der Minister bes Innern wirb gleichzeitig ersucht, einen Gesetzentwurf einzureichen , welcher obigen Volksklassen größeres Maß von Freizügigkeit gewährt.
m Darmstadt, 7. Juni. In heutiger Sitzung der zweiten Kammer wird als neu eingelaufen eine Vorlage der Regierung verkündigt, betreffend die Bewilligung emes weiteren, auf dem Wege des Anlehens aufzubrtngenden Betrages von 125,000 zur Gewährung einer Staatshülfe an bie durch die Ueberschwemmungen des letzten Winters geschädigten Einwohner und die Bewilligung eines Darlehens von 30,000 au bte Gemeinde Trebur aus Staatsmitteln. Die Dtrcctton der Spar- und Lethkasse für die Landgemeinden des Kreises Mainz wendet sich in einer Eingabe gegen den viel- g mannten Art. 11 des Einkommensteuergesetzes.
Rach mündlichen Berichterstattungen des Abg. Hetnzerling für den dritten Ausschuß tritt die Kammer in die Berathung des Gesetzesentwurfs, die Kapitalrentensteuer betreffend, ein. Die Abgg. Schade und Genossen beantragen, tm Eingang des Gesetz t die Worte: „insbesondere zur Ermäßigung der seitherigen Grund- und Gewerbesteueransätze" zuzufügen, sowie als Art. 2a etnzuschalten: „Die söge- bildeten Steuerkapitalien sollen procentualiter zur Herabsetzung der Grund« und Ge- Werbesteuerkapitalien verwandt werden". — Mlnisterialpr äsident Schleier macher erklärt sich mit d<m ersten Anträge einverstanden, ist jedoch gegen ben zweiten, da die Stände es jeweilig in der Hand haben, die Absicht, gewisse Kategorien von Steuerpflichtigen zu entlasten, durch geeignete Vereinbarung über die Coefsicienten des Steuerausschlags zum Ausdruck zu bringen. Der Eingang des Gesetzes wird hierauf mit dem Anträge Schade angenommen. t
Zu Art. 1 des Entwurfs bemerkt Falk, nachdem man bei der Einkommensteuer die Progression eingeführt habe, halte er es für gefährlich, bei der Flüchtigkeit des Kapitals gerade jetzt diese Steuer elnzusühren. Er weist namentlich auf die Verbält- nfffe der Städte Mainz und Darmstadt hin. — Metz wird bei der Aussichtslosigketi seiner in der Generaldebatte ausgesprochenen, auf Verschiebung dieser Gesetzgebung gerichteten Ansicht für die Vorlage stimmen. — Auf desfallsige Anfrage Heinzerling's constatiren die Regterungsvertreter, daß Passivzinfen von der steuerbaren Kapitalrente in Abzug gebracht werden sollen, woraus Wolfs kehl nicht unbedeutende Hinter- ziehungen befürchtet, wie überhaupt der Ausschuß gegen diese Bestimmung ist. — Präsident Kugler motivirt seine Abstimmung dahin, daß er es nicht für zweckmäßig und politisch halte, diese Steuer in Hessen einzuführen, so lange sie nicht in Preußen eingesührr sei. Art. 1 wird hierauf angenommen, ebenso Art. 2 entgegen einem auf Strich der Bestimmung, daß Dividenden und Zinsen von Actien der tm Großherzog- thum gewerbstkuerpflichtigen industriellen und Handelsunternehmungen bei der Kapitalrentensteuer außer Betracht bleiben, gerichteten Antrag Möllinger's. — Für den von Schade unb Genossen beantragten Art. 2 a sprechen Schade, Schröder, Psannstiel unb Haustein, dagegen Ellenberger, Metz, Maurer und
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Gießen, 8. Juni. [8. Sitzung der Großh. Handelskammer am 8. Mai.) Anwesend die Herren Ed. Silbe reisen, L Georgi, S. Heichelheim, F. C- B. Koch, A- Katz, A. Kraatz und R. Scheel.
Das Großh Ministerium des Innern und der Justiz beantwortet die frühere Eingabe der Kammer betr. das tägliche Aichen der Fäffer rc. ablehnend, die Kammer beschließt, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.
Von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz wird der Kammer mit- getheilt, bie englische Regierung habe Beschwerde darüber erhoben, daß deutsche Fabrikanten ihre Waare mit englischen Firmenmarken bezeichneten und erklärt, künftig einen solchen Mißbrauch englischer Ursprungszeichen ahnden zu müssen. Die Kammer nimmt Kenntniß hiervon.
Eine Zuschrift des Reichskanzleramts erklärt, daß die von der Kammer unterm 12. Juli v. I an ben Bundesrath gerichtete Eingabe betr. die Beseitigung der postalischen Verschiedenhe'ten im Deutschen Reiche, dem Bundesrath vorgelegt worden sei. Derselbe habe beschlossen, dieser Eingabe keine Folge zu geben, nachdem zwischen der Reichspostverwaltung, der Königl. bayer'schen und der Königl. württemberg'schen Post- verwaltung ein Übereinkommen getroffen sei, demzufolge, vom 1. April beginnend, innerhalb des Reichsgebiets sich bewegende Postkarten, welche nicht mit der Marke des Aufgabegebiets, sondern mit derjenigen einer anderen deutschen Verwaltung versehen sind, gegen Erhebung von 5 Pfg. Porto und 5 Pfg. Zuschlaggebühr befördert werden unb die unrichtig öermenbeten Werthzeichen des Bestimmungsgebietes dem Empfänger gut gerechnet werden.
Die Kammer trat hierauf in die Berathung der Anträge der Handelskammer Offenbach für den 3. hessischen Handelskammertag, betr. die Steuergesetzvorlage und die Secundärbahn-Vorlage ein unb genehmigt die in dieser Beziehung von der dafür nicdergesetzten Commission gemachten Vorschläge. Dieselben sind gleichlautend mit den bereits in der 6. Sitzung d. I. gestellten und von der Kammer angenommenen Anträgen (s. Protokollauszug über die Verhandlungen der Sitzung vom 19. März).
Eine Eingabe der Handelskammer Altena, betr. Eisenbahntarifreformen, wird dem Delegirten zu den preußischen Bezirkseffenbahnräthen überwiesen.
— [9. Sitzung der Großh. Handelskammer am 81. Mai.) Anwesend die Herrrn Ed. Silbereisen, L Georgi, S. Heichelheim, F. C. B. Koch, A. Kraatz, R- Scheel, G. H. Schirmer, A. Zinßer.
Die bereits früher in der Kammer in Anregung gebrachte Frage, ob das hiesige Atchamt nicht veranlaßt werden könne, täglich Faßatchungen vorzunehmen, wird neuer-
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