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Samstag den 8. September

1883.

vureau r Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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ülerschule.

1. Haarmann.

Ausweisung aus Frankreich wäre die sofortige Folge dieses Schrittes. Der berühmte russische Schriftsteller, Iwan Turgeneff, ist am Montag in Bougival bei Paris gestorben. Nach einer Depesche desReuter'schen Bureaus" aus Hongkong haben 15,000 Mann chinesische Truppen die Grenze von Tongking bei Ptongkai überschritten und marschiren auf den von den Franzosen erst un­längst besetzten- Ort Haidzuong. Es würde dies den Ausbruch des offenen Kampfes zwischen Frankreich und China bedeuten; auf der chinesischen Botschaft in Paris will man aber noch keine Bestätigung dkser Nachricht erhalten haben.

Aus Irland wird ein neues schändliches Verbrechen ge­meldet, was jedenfalls aus die Rechnung der irischen Nationalpartei zu setzen ist. Auf einem Gute bei New-Roß wurde der Versuch gemacht, 40 Ernte­arbeiter zu vergiften, weil sie sich geweigert hatten, ihren Arbeitgeber bei seinen Erntearbeiten im Stiche zu lasten. Von den bedauernswerthen Leuten sind bereits 2 gestorben, 36 liegen noch schwer krank darnieder. Es ist dies ein neuer Be­weis, zu welchen verwerflichen Mitteln der Terrorismus der irischen National- Liga sich versteigt.

Der Aufstand des Mahdi oderfalschen Propheten" im Süden Egyptens ist noch immer nicht unterdrückt und sollen nunmehr die Eng­länder hier helfend eingreisen. Wie es heißt, würden demnächst von den eng­lischen Garnisonen in Kairo und Alexandrien Truppen zur Unterdrückung des Aufstandes nach dem Sudan abcommandirt werden.

Die Veränderungen, welche die Sunda-Straße in Folge der in ihr stattgefundenen furchtbaren Eruptionen erlitten hat, haben die englische und die nordamerikanische Regierung veranlaßt, Kriegsschiffe nach der Sunda- Straße zu entsenden, um die dortige Lage zu prüfen. Amtliche Meldungen aus Batavia bestätigen, daß die Schifffahrt durch diese vielbefahrene Meerenge sehr gefährlich geworden ist, obwohl die Leuchtthürme vomEerste Punt" und Vlakke Hoek" noch aufrecht stehen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlehi'. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Wlarf 50 Pf.

Politische Ueberstebt.

Gießen, 7. September.

Der deutsche Kronprinz ist in der Nacht vom Dienstag zum Mitt­woch von der Reise, die er behufs Jnspicirung verschiedener bayerischer Garni­sonen unternommen hatte, wieder nach Berlin zurückgekehrt. Dem hohen Herrn ist allerorten, wo er auf seiner Reise weilte, der herzlichste Empfang zu Theil geworden und überall hatten sich auch die Krieger- und Militär-Vereine ausge­stellt, um ihn zu begrüßen. Unter ihren Mitgliedern giebt es ja noch so viele Kämpfer aus dem Kriege von 1870, die unter der Führung des ritterlichen Erben des deutschen Kaiserthrones bei Weißenburg und Wörth mitgestritten und mitgesiegt haben und daß die Erinnerung an diese ruhmvollen Tage auch unter dm alten bayerischen Soldaten' noch lebendig ist, beweist der jubelnde Empfang, welchen sie ihrem ehemaligen Führer allerwärts bereiteten.

Es ist recht bezeichnend für unsere Parteiverhältnisse, daß selbst ein so schmerzliches Ereigniß, wie die Steglitzer Eisenbahn-Katastrophe, mit in das Gezänk der Parteien hineingezogen wird. Von links und rechts beschuldigt man sich förmlich gegenseitig, an jener Katastrophe mittelbar mit Schuld zu sein und macht im Speciellen die Majorität des preußischen Abgeordnetenhauses, welche in der Sitzung vom 19. April d. Js. das Regierungsproject bezüglich der Er­weiterung des Steglitzer Bahnhofes zu theuer fand, mit verantwortlich. Mit . dieser Majorität stimmten außer Liberalen und Centrums-Mitgliedern auch Con- jervative und schon deshalb mären die gegenseitigen Vorwürfe nicht angebracht Außerdem constatirt aber dieNat.-Ztg.", daß der Negierungs-Commissar Schröder in der erwähnten Sitzung bemerkte, der beabsichtigte Umbau würde mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen; selbst wenn also das Negierungs- prcject die Zustimmung des Hauses gesunden hätte, so würde doch das erschüt­ternde Ereigniß hierdurch nicht verhindert worden sein.

Auf dem Gebiete der hohen Politik find es noch immer die Salzburger Conferenzen zwischen Fürst Bismarck und Graf Kalnoky, welche die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Ueber das, was der deutsche Reichskanzler mit dem Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns zu Salzburg verhandelt hat, ist natürlich nichts Positives bekannt, doch wird man mcht irren, wenn man annimmt, daß neben den deutsch-österreichischen Be­gehungen und anderen speciellen Fragen auch die allgemeine europäische Lage ein Gegenstand der Salzburger Conferenzen gewesen ist. Mit letzteren wird man wohl auch den Umstand in Verbindung zu bringen haben, daß der rumä- msche Ministerpräsident Bratiano ain Dienstag in Wien eingetroffen ist, wo er mt dem Grafen Kalnoky längere Zeit conserirte.

In der habsburgischen Doppel-Monarchie beansprucht die ungarisch-kroatische Streitfrage noch immer das allgemeinste Interesse, welches 'elbst durch das freudige Familien-Ereigniß am Wiener Kaiseryofe die Ent­bindung der Kronprinzessin Stefanie von einer Tochter nicht abgeschwächt ! Arden konnte. Am Sonntag hat in Wien bezüglich der kroatischen Ängelegen- Men abermals ein gemeinsamer Ministerrath stattgefunden, in welchem die Entscheidung gegen Kroatien gefallen ist. Die Beschlüsse, welche die ungarische Regierung behufs derPacificirung" Kroatiens gefaßt, sind vom gemeinsamen mmsterrathe genehmigt worden und haben auch die Sanction des Kaisers ^halten. In Folge dessen sind die Zügel der gesammten Negierungsgewalt in Rroatien in die Hände emes Militärs, des commandirenden Generals Baron Ram- okrg, gelegt worden, welcher bereits die Wiederanbringung der herabgerissenen ungarischen Wappen angeordnet hat. Unter dem Drucke der Militär-Dictatur Ard nun wohl die nationale Bewegung in Kroatien jetzt niedergehalten werden, vielleicht aber nur, um später desto mächtiger hervorzubrechen.

Seit Montag ruhen die sterblichen Ueberreste des Grafen chambord in der Gruft der Klosterkirche Castagnavizza in Görz und hoffend chlen sich nun die Blicke der französischen Royalisten auf seinen politischen Erben, den Grafen von Paris. Einen Moment schien es allerdings, als ob Ach an dem Sarge des verblichenenRoy" in Folge einer bedeutungslosen Mettefrage eine plötzliche Kluft zwischen Orleanisten und Legitimisten einreißen lollte; die Gräfin Chambord hatte angeordnet, daß die orleanistischen Prinzen M Vorrang bei den Trauerfeierlichkeiten einem der nächsten Anverwandten des masen Chambord überlassen sollten, was den Gra en von Paris und seine Leiter veranlaßte, nicht nur den Beisetzungsfeierlichkeiten in Görz sernzu- lnben, sondern auch sofort die Heimreise nach Frankreich anzutreten. Indessen Agen jetzt bereits Erklärungen der in Görz versammelt gewesenen Anhänger ves Grafen Chambord, wie des Grafen Monti, des Generals Charette und Ad.erer legitimistischer Größen vor, wonach sie den Grafen von Paris rückhalt- m als alleinigen Repräsentanten des französischen Königthums anerkennen. Eläufig wird sich derselbe, aber hüten, seine Rechte auf den französischen üvNgsthron geltend zu machen, denn seine und der übrigen orleanistischen Prinzen

Deutschland.

Darmstadt, 6. Septbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog wohnten heute Vormittag auf dem Griesheimer Artillerie-Schießplatz der von Sr. Excell. dem commandirenden General des 11. Armee-Corps, General der Kavallerie Freiherrn v. Schlotheim, abgehaltenen Besichtigung der 25. Kavallerie- und 49. Infanterie-Brigade bei.

Berlin. Nach dem gründlichen Fiasko, welches die von Frankreich prottgirtert spanischen R.voluttoi äre erlitten Haden, regnet es auf den französischen Chauvinismus Desaveus von allen Setten. Diekalten Wasserstrahlen" derNordd. Allg. Ztg " sind im Auslande nicht unbemerkt geblieben und hab>n den Anstoß zu Reflexionen ge­geben, welche, wie der Sedan Arlik l des LondonerStandard" den großen Verdiensten volle Anerkennung zollen, die Deutschland sich um die Erhaltung und Befestigung des emopäischrn Friedens erworben hat. Von den Franzosen ist in dem betreffenden Standard"-Artikcl direkt keine Rede; was derselbe verschweigt oder nur zw sch^n den Zeilen durchblick, n läßt, ist eben von derMoskauer Zeitung" des Herrn Kalkoff aus­genommen und zu einer in wenig schonender Form sich bewegenden Absage an die Adresse der Pariser Revanchefanatiker verarbeitet worden. DieMoskauer Zeitung" besitzt in Rußland hinreichendes Ansehen, um hre Auslassungen der Beachtung werlh erscheinen zu lassen. Man darf einigermaßen gespannt sein, was die französische Empfindlichkeit und Arroganz zu der wegwerfenden Verachtung sogen wird, mit welcher dieMoskau-r Zeitung" von der Eventualität eines gegen Deutschland gerichteten russisch-französischen Bündnisses spricht. Wahrscheinlich werden die französischen Blätter mit der cffektirt treuherzigsten Miene versichern, daß es keinem Menschen in Frankreich je int Traume eingefallen sei, auf ein ruisisches Bürdniß zur Btkriegung Deutschlands zu spcculiren, daß Frankreich stark sei im Bewußtsein seiner loyalen Politik und seine republikanische Regierungsform die sichersten Friedens-Bürgschaften enthalte. Tags darauf geht dann das alte Spiel in der alten Weise fort.

Inzwischen bereiten sich in Ostasien für die Franzosen ernste Dinge vor. Der Fr'edcnsoertrog non Hue hat dim Fasse der chinesischen Langmuth den Boden aus- geschlagen. Die Ueberschreitung der Grenze von Tongking durch chinesische Truppen in größerer Zahl kann gar nicht anders gedeutet werd-n als im Sinne einer selbst­ständigen chincsischen Aktion zur Wahrung der in Tongking gefährdeten Interessen. Zwar setzt Marquis Tseng die Verhandlungen in Paris fort, aber wohl mehr zu dem Zwecke, um Zeit zu gewinnen, als daß er sich efnm reellen Erfolg von denselben ver­spräche. Auch Frankreich braucht noch Z it, bis die signalisirienbeträchtlichen Ver- stäikungen" seiner in Tongking stehrnden Sire tkraste an Ort und Stille angelangt sein werden. Dann kann die Comödie enden und offen Farbe bekannt werden.

Hesterreich.

Agram, 5. September. Auch in Beduja haben Bauern-Unruhen statt­gesunden, eine halbe Eskadron Husaren ging gegen die Ruhestörer vor, mußte sich aber zurückziehen, um Verstärkungen abzuwarten. Bei einem Angriff der Bauern auf die gegen sie gesandte Infanterie gab es auf beiden Seiten Todte und Verwundete.

In Krapina haben Zusammenstöße zwischen Bauern und GenSd'armen stattgefunden, wobei ein Bauer getödtet und mehrere andere verwundet wurden.

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Bekanntmachung.

Nachdem die rotzigen Pferde des Johannes Roth in Nonnenroth getödtet worden sind und die erforderliche Desinfection stattaefunden hat Md Die Sperrmaßregel wieder aufgehoben worden.

Gießen, den 4. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________________ Dr. Boek mann.

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Gießener Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

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