Bredow, 5. Juni. Die von der Gesellschaft „Vulcan" in Bredow für die chinesische Regierung erbaute Panzer-Corvette „Ting-Auen" erreichte bei der heutigen Probefahrt in der Eckernsörder Bucht auf der gemessenen Meile der kaiserlichen Admiralität eine Geschwindigkeit von 15,334 Knoten gegenüber der contractlichen Geschwindigkeit von 14,5 Knoten.
Dresden, 5. Juni. Die Delegtrten-Conserenz der deutschen Gewerbekammern hat heute folgenden Antrag mit grotzer Majorität angenommen: 1) Die Einführung von Arbeitsbüchern durch Reichsgesetz für alle gewerblichen Arbeiter ohne Unterschied des Alters ist, insbesondere angesichts der völligen Legitimationslosigkeit des größten Theils aller wandernden Gewerbsgehülfen und Arbeiter dringend geboten und daher immer ausis Neue tn Eingaben an den Bundesrath und Reichstag zu befürworten. 2) Die Reichsregierung ift anzugehen, die Regierungen der Einzelstaaten zu veranlassen, daß die mit der Ausgabe von Arbeitsbüchern betrauten Behörden angewiesen werden, schon jetzt auch an solche Arbeiter, welche das einundzwanzigste Lebensjahr bereits überschritten haben, aus deren Ersuchen Arbeitsbücher unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreise zu verabfolgen und Eintragungen in diese zu beglaubigen. 3) Aufgabe der größeren gewerblichen Verbände mutz es inzwischen sein, nach dem in verschiedenen Gewerben bereits erfolgten Vorgänge Anordnungen zu treffen, datz die Gehülfen und Arbeiter der Verbandsmitglieder mit einem (Verbands-) Arbeitsbuche versehen und die Mitglieder verpflichtet werden, von einem nachher zu bezeichnenden Zeitpunkte an nur solche Ge- hülfen und Arbeiter zu beschäftigen, welche mit einem solchen Arbeitsbuche versehen sind. Die Arbeitsbücher der verschiedenen Verbände sind unter sich möglichst gleichmäßig und in Uebereinftimmung mit den Arbeitsbüchern für Arbeiter unter 21 Jahren einzurichten.
AranLreich.
Paris, 5. Juni. Die „Aqence Havas" empfängt aus Moskau folgende Mittheilung: In einer Unterredung des chinesischen Gesandten in Petersburg, Marquis Tseng, mit einem französischen Journalisten erklärte der Gesandte, die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und China seien noch nicht abgebrochen worden, sie würden aber sicher abgebrochen werden, wenn Frankreich ohne vorheriges Einvernehmen mit China in Tongking etwas unternehmen sollte. Tongking hänge von Anam ab, über welches China das unantastbare Recht der Suzeränität in Anspruch nehme. Tseng verspricht sich von der Mission Tricou's keinen Erfolg, Tricon werde noch weniger bieten, als in dem von Bouröe abgeschlossenen Vertrag geboten wurde und diesen habe China für unannehmbar erklärt. Möglicherweise werde es in China nicht sofort zu einer Aktion kommen, aber die Lage der Dinge werde gefährlich werden; es existire in China eine Kriegspartei, welche die Regierung mit sich fortreißen könne. China sei bereit, den Vertrag vom Jahre 1862 betreffs Cochin-China anzuerkennen und selbst den Vertrag von 1874 unter der Bedingung, daß Frankreich nur auf Verlangen des Kaisers von Anam intervenire und datz durch den Vertrag die Suzeränität Chinas über Anam nicht als ausgeschlossen angesehen werden würde. Tseng glaubt ferner, daß China sich damit einverstanden erklären würde, Aun-Ram den französischen Handel zu öffnen. Selbst ohne eine Intervention Chinas werde Frankreich zehnmal mehr Opfer bringen müssen, als man vermuthe. Der Gesandte scheint, nach Meinung des betr. Journalisten, ein friedliches Einvernehmen zwischen Frankreich und China zu wünschen; auch zweifle er wohl auch nicht an dem schließlichen Erfolge Frankreichs in Tongking, glaube aber, daß ein Einvernehmen für beide Länder von gleichem Interesse sei.
Mußkavd.
Archangel, 5. Juni. Die Sägemühle der Weißmeer-Cotupagnie am Maimaxafluß und das dazu gehörige Holzlager stehen in Flammen.
Telegraphische Depeschen.
Wolsf's telegr. Correspondenz-Bitreau.
Berlin, 6. Juni. Der Reichstag nahm heute nach unerheblicher Debatte die Reblausconveniion an. Die Petition e-ner Kemptener Firma um Entschädigung wegen ihr durch außeramtliche Intervention des Reichscommifsär Reuleux auf der Meibourner Ausstellung zugefügte Benachtheiligung, wird ungeachtet des Widerspruchs Seitens des Staatssecretärs v. Bötticher, der Reichsregierung zur Berücksichtigung überwiesen. — Die Pet^wn gegen den Impfzwang wurde entsprechend dem Commissionsantrage dem Reichskanzler mit dem Ersuchen überwiesen, eine Untersuchung der Jmpfein- rtchtungen und eine Jmpfstattstik herbeizuführen, sowie ein Seuchengesetz und die obligatorische Leichenschau anzuregen. Ein Antrag Reiniger auf Einsetzung einer Commission zur Untersuchung des Nutzens und Schadens des Impfzwanges wurde adgelehnt.
— Das Abgeordnetenhaus nahm heute § 1 der Canalvorlage nach der Fassung Hammacher in namentlicher Abstimmung mit 228 gegen 111 Stimmen an; ebenso die Resolution Berger, welche die Regierung zur Vorlegung eines Gesetzesentwurfs, betreffend den Anschluß des Emskanals an den Rhein und die Mtttelelbe und die Herstellung eines Berlin-Oberschlesischen Canals, auffordert. Die Regierung bekämpft die Resolution Berger. Der Rest der Vorlage wurde mit redactionellen Änderungen angenommen.
Hierauf wurde in zweiter Berathung der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Befugnisse der Stromverwaltung gegenüber den Uferbesitzern an öffentlichen Plätzen, zumeist in der Fassung der Commission angenommen. — Nächste Sitzung morgen 9 Uhr.
V erlitt, 6. Juni. Die Budget-Commission des Reichstags reducirte die Einnahmen aus Zöllen in Folge des deutsch-italienischen Handelsvertrags um 1 Million und erhöhte dieselben in Folge des neuen Zuckersteuergesetzes um BVa Millionen. _ Die Arbeiten der Budget-Commission werden voraussichtlich morgen beendet sein.
— Das Herrenhaus nahm heute das Zuständigkeitsgesetz nach den Anträgen der Commission an. Der Minister des Innern hatte der von der Commission beantragten Streichung des § 13, betr. die Bestätigung der Wahl der Gemeindebeamten, zugestimmt.
Kiel, 6. Juni. Die Königin von Schweden ist heute Nacht aus Neuwied hier eingetroffen und setzte ohne Aufenthalt ihre Reise mittelst des dänischen Postdampfers „Danneskjold Somsoe" nach Korsör fort.
London, 6. Juni. Der Graf von Roseberry, Oberstaatssecretär im Departement des Innern, hat in Folge des vom Unterhause zu erkennen gegebenen Wunfches, daß die Unterstaatssecretär-Stellen nur von Personen bekleidet werden möchten, die dem Parlament als Mitglieder angehören, seinen Posten niedergelegt.
Moskau, 6. Juni. Heute wurde deni Kaiser vom Fürsten von Bulgarien itn Beisein der hier anwesenden bulgarischen Minister und Deputationen ein kostbares Geschenk überreicht. — Der Fürst von Montenegro empfing gestern den Metropoliten von Moskau und Kolomna, Johannikius, und nahm ein ihm von demselben verehrtes Heiligenbild entgegen. Der Fürst dankte dent Metropoliten und sprach dabei zugleich seine hohe Freude über die Brüderlichkeit aus, die den Montenegrinern von den Russen entgegengebracht werde.
Lokales.
Gießen, 7. Juni. Unsere Landesuniversität, welche im Wintersemester 1882/83 von 447 immatriculrrten Studirenden besucht war, zählt in diesem Semester deren 464. Diese Zunahme kommt hauptsächlich der theologischen Facultät zu Gute, welche starr 58 Studirende deren in diesem Semester 68 zählt. Zugenommen hat auße-d^m die Zahl der Studirenden der Cameralwissenschaft (25 statt 13), der neueren Philologie (30 statt 24) und der Naturwissenschaften (33 statt 31). Nebenbei sei bemerk!, datz unsere Universität in den letzten Jahren genau im gleichen Procentfatz eine Erhöhung ihrer Frequenz erfahren hat wie die Nachbarun versität Marburg.
Gießen, 7. Juni. Gestern Abend V» nach 8 Uhr stürmte es wiederum in unserer Stadt. Es brannte unter einem Dachstuhl im Löver'schen Hofe in der Neustadt. Glücklicherweise gelang es rasch das Feuer zu dämpfen, ohne daß größere Hilfe in Anspruch genommen zu werden brauchte. Bei der eben herrschenden tropischen Hitze ist strengste Vorsicht bei Brennmaterialien dringend am Platze und dürfte es rathsam fein, Nachts über gefüllte Wasserbehälter im Hause stets zur Hand zu haben.
— Eine Dienftmagd, welche dahier schon mehrfach geschwindelt, wurde gestern Abend verhaftet, weil sie wiederholt auf den Namen ihrer gewesenen Herrschaft Fleisch und Wurst bei einem hiesigen Metzger erschwindelte.
Vermischte s.
Mainz, 4. Juni. Am Samstag Nachmittag befanden sich, unter Begleitung des Herrn Provinzialdirectors Küchler, Herr Staatsminister Freiherr v. Starck, Herr Ministerialpräsident Schleiermacher, sowie Herr Ministerialrath Fink in unserer Stadt, um die Brückenbauten einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen, desgleichen besuchten diese Herren auch die Ausstellung in der Mainzer Jndustriehalle und sprachen sich sehr anerkennend über die Leistungen der Mainzer Industrie aus. Die Brücken
bauten wurden ferner noch am Samstag von dem Vorstand des mittelrheinischen Architekten- und Ingenieur-Vereins besichtigt.
— Am Sonntag haben sich wieder zwei bedauerliche Unglücksfälle in unserer Stadt ereignet. Als am Nachmittag eine Anzahl Turner über d'e Rhinstraße zogen, wollte auch ein Arbeiter der Hessischen Ludwigsbahn, Felix Beck von Gelnhausen, sich den Zug ansehen. Um diese Zeit fuhr gerade ein Rang'rzug dem Fischerthor zu uno um rascher nach dem dortigen Uebergang zu gelangen, wollte der Arbeiter auf das Trittbrett des dahinfahrenden Zuges springen, glitt aber aus und fiel zwischen die Wagen. Dem Unglücklichen wurden beide Beine und der rechte Arm abgefahren. Nachdem ihm ein Nothverband angelegt war, wurde er mittels einer Tragbahre in das Hospital geschafft, jedoch nur als Leiche, indem derselbe während des Transportes verschied. — Heftern Nachmittag badeten 2 junge Leute von hier in der Nähe der städtischen Badeanstalt; dieselben wagten sich aber zu weit vor und hülferusend sanken sie, da sie nicht schwimmen konnten, unter; ein in der Nähe befindlicher Mann sprang den Beiden nach, doch gelang cs ihm nur einen der Unglücklichen zu retten, der Andere, em junger Mann von 16 Jahren, verschwand in den Wellen.
— Zu dem gestern gemeldeten Brand der Holzhofkaserne ist noch Folgendes nachzutragen: Eine große Noth hatte man mit den tn der Kaserne untergebrachten Pferden. Als die Thicre die Flammen und den Rauch sahen, wollten sie sich durchaus nicht aus ihren Ställen bringen lassen, so daß ihnen eift mittels Decken die Augen verhüllt werden mußten. Em Kaminfeger aus Dieburg, A. Brahm, rettete mit eigener Lebensgefahr das letzte Pferd aus dem brennenden Stalle. Der Schaden, den das Feuer verursachte, ist nicht unbedeutend, indem eine große Anzahl Militär.Requisiten, Uniformen re., thells durch Feuer, theils durch Wasser zerstört wurden, auch Fonrage- Gegenstände gingen zu Grunde.
— In Drais fand gestern eine Hochzeit statt und wurde dazu, da der Bräutigam selbst Turner ist, auch eine Anzahl Turner geladen. - Nachdem die Leute ziemlich viel getrunken, entspann sich ein Streit zwischen rhnen, wobei ein junger Mann Namens Mai aus Drais einen solch gefährlichen Stich erhielt, datz derselbe auf der Stelle tobt war; ein anderer junger Mann erhalt ebenfalls eine gefährliche, wenn auch nicht lebensgefährl'che Verletzung. Wegen dieses Verbrechens wurden noch heute Nacht die Thäter, 2 Finther Burschen — Ludwig Bohl und Joseph Simon — verhaftet und heute Morgen in das hiesige Untersuchungsgefängnitz abgeliefert. Die Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichter haben sich heute Morgen bereits nach dem Orte des Verbrechens begeben.
— Die Besitzer von bissigen Hofhunden seien hiermck darauf aufmerksam gemacht, daß Briefträger ein Gehöfte, wo ein Hund frei umherläuft, nicht zu betreten brauchen und eventuell die betreffenden Postsachen als „unbestellbar" wieder mit zurücknehmen können.
Berlin. (Einer, der zum Kaiser geht.) Machen Sie doch nicht so viele Umschweife — so ermahnte im Laufe des Verhörs der Richter den Arbeiter Ruft, der unter der Anklage des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beamtrnb.leidigung vor dem Schöffengericht stand. — Angeklagter: Ick wüßte nich, wohin ick schweifen thue, der Mensch -s doch am Ende keen Affe nich. — Präsident: Die Sache legt sehr einfach: Sie sind am 21. März wegen Skaudalsucht von einem herbeig rufenen Schutzmann ans e-ner Brauerei epnittirt worden und haben dabei roie ein wildes Thier um sich geschlagen und den Schutzmann gröblich insultirt. — A.: Ick weeß von ga'- nicht. — P : Was wollen Sie bannt sagen? — A : Na, wat der Mensch in der Besoffenheit thut, bet jeth doch manchmal nich uff 'ne Kuhhaut. — P-: Die Zeugen haben aber nichts von ihrer Trunkenheit bemerkt. — A-: Dann verstehen die Leute nich zu toxiren, wat ’n richtiger Affe is. — P.: Wie kommen Sie dazu, sich schon Mcktags 12 Uhr in solcher Weise zu betrinken? — A : Wir hatten den janzen Vormittag Treber uffjeladen und bet wär ja doch woll noch verrückter, wenn man dabei nich ordentlich eenen uff be Lampe jießen wollte. So ’ne neue Mode köante uns doch nich passen — P.: Dann haben Sie sich die Folgen Ihrer Trunkenheit zuzuschreiben. — A: Mein Name is Rust; ick weeß feen Atom, nich ’ne Idee von’n Jedanken. — P.: Ich habe Ihnen schon gesagt, daß Sie sich höchst ungebührlich benommen haben. — A.: Det kann jeder sagen. Wenn mir der Schutzmann be janzen Loden von’ Leib reißt, so is so wat dock ooch nich nett. Aber ick bin darum beim Kaiser jewesen Ick will 'n neuen Kittel haben. — P : Und was haben Sie beim Kaiser ausgerichtet? — A : Ick bin bireftemang int Palais jejarigen und habe jesagt: Mein Name ts Rust un wünsche meinen Kaiser zu sprechen, von wegen meinem Kittel, un da haben Se mir jesagt, ick müßte mir en ander Mal ’ne Audienz erbitten. — P.: Das ist ja auch ganz schön, wir müssen hier aber den Vorfall nn sich verhandeln. - A: Ick kann Ihnen blos sagen, daß ick enen Brief an den Kaiser uffjesetzt habe', der nich von Pappe is. Der Schutzmann wird mir schon n’ neuen Kittel blechen müssen. - Da die Zeugen vollkommen den Inhalt der Anklage bestätigen, oerurtbeilt der Gerichtshof den Angeklagten zu 14 Tagen Gefängn'ß — Angekl.: Det Uebrlge wird der Kaiser sprechen. Ick kämpse die Sache durch!
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fü, Landwirthe, Arbeiter, Gewerbtreibende und Techniker, vor Allem aber für weibliches Personal als Hand- und Stubenmädchen, Köchinnen, Wirthschafterinnen, Lehrerinnen u. s. w. enthalt lebe Nummer der Sonntag in Dresden illustrirt erscheinenden deutsch- amelikanischen Wochenschrift „Der Auswanderer." Das Abonnement auf den „Auswanderer" betragt für 3 Monate 1 Mark und nehmen fämmtliche Deutsche Postanstalten Abonnements jederzeit entgegen; die bereits im Quartale erschienenen Nummern werden gratis und franco nachgeliefert. Die Tendenz des „Auswanderer" ist einmal vor allen jenen Firmen und Agenturen zu warnen, welche unter falschen Vor- b-<.r^6jrDreTleiten' - -weitens richtige Vorstellungen über Nord- ®ftbamerifanifcbe Verhältnisse zu verbreiten Abonnenten erhalten alle Auskunft über Amerika gratis und franco. „Der Auswanderer" weist ferner zahlreiche billigere h I ?! m ?? nach' sowie für besonders geeignete Personen unentgeltliche
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