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— [6ine Scene an der Wiener Unirersität-I Am Freitag versammelte» sich in Wien um die Zeit, als Professor Lorenz lesen sollte, voc dem Hörsaale eine große Menge Stadirender. Kaum hatte Professor Brentano seine Vorlesung geschloss.m, als Professor Lorenz vor Ablauf des cckaberrnschen Viertels mit einem Diener vor dem Hörsaale erschien, durch die Menge schritt und den Hörsaal betrat- Er richtete an die Anwesenden ungefähr folgende Worte: „Es ist Mir die Nachricht zugebracht worden, haß der deutsch-österreichische Leseverein eine Kundgebung mit Percats gegen mich beabsichtigt. Nun, ich habe nichts gegen diese kleinen Vergnügungen. Ich habe einen Freund an einer kleinen Universität; diesem wurde zum Namenstag ein possirltcher Papagei geschenkt. Nach einiger Zeil war der Vogel angelernt, „Peieat" zu schreien. Niemals in meinem Leben habe ich mehr gelacht, als über dieses Percat- Nach und nach gewöhntm wir uns daran und ließen uns durch den läppischen eingelernten Ruf nicht aufregen. Nichts wird mich in Bezug auf mein Lehramt längsten, ich werde eS immer verwalten, ohne Rücksicht auf alle äußeren Umstände. In dieser Ueberzeugung sttze ich beute in aller GemÜthSiuhe meine Vorlesung über Deutsche und Böhmen fort. Es hat mich Immer gefreut, wenn die frubtrenbe Jugend mir liebenswürdig entgegen- kommt; na, wenn dies nicht geschieht, ist es kein Unglück. Ich gehr nicht davon, obgleich ich oft dazu Gelegenheit hotte, obgleich, sage ich, ich es auch könnte. Ich bin in der glücklichen Lage einer Opernsängerin. Ich kann in Berlin,', in Jena (Zurufe: In Prag!), wo nur Deutsch gesprochen wird, meinen Gegenstand fingen; mein großes Gefühl ist, daß ich nicht blos an Wien gebunden bin, daß ich einer Nation angehöre, einem Lande, wo Wien nur ein kleiner Punkt, ein schönes großes Nest ist, das manchmal auch in der Literatur irgend eine kleine Nolle gespielt hat- (Nach einer anderen LeSart lautete die Stelle: Es ist ein elhebendes Gefühl, einer Nation anzugehören, wo man auf das in geschichtlicher und literarischer Beziehung nicht besonders angesehene Nest Wien nicht angewiesen ist) Selbstverständlich haben des Professors Äußerungen Über die Katserstadt die Studentenschaft wie die weiteren Kreise Wiens tief verletzt- Die anwesenden Studenten verhielten sich jedoch in Anbetracht der bedrohten Lage der Universität und dem jüngst dem scheidenden Rector gegebenen Versprechen gemäß durchaus ruhig. Noch der Vorlesung trat ber Obmann des deutsch- österreichischen Lesevereins auf Professor Lorenz zu und versicherte, daß btr deutsch- österreichische Lefeverein keinerlei Kundgebung geplant, im Gcgentheil bemüht gewesen sei, eine solche zu verhindern- Professor Lorenz dankte für diese Versicherung und
versprach, in der nächsten Vorlesung seine Bemerkungen zu berichtigen- Er kam auch dieser Pflicht nach, indem er seine Äeußerungen zurücknahm und um Verzeihung bat.
— (Auch eine Kindcrfreundm j Im »Haupt- Annoncenblatt" für Barmen- Elberfeld befindet sich folgendes Gesuch: „Gegen anständige Vergütung sucht eine hochgestellt; Dame täglich auf mehrere Stunden einige wohlgesittete, gutglkletdcte Kinder, nm einer kränk! chcn Kotze die Zett zu vertreiben."
Eingesandt.
Den Interessenten an der Erbauung einer Nübenzuckcrf-brlk bei Hungen wird e8 höchst bedauerlich sein, zu hören, daß leider gegen jrdes Erwarten die schon -um Vertrag gediehenen Verhandlungen Seitens der Zuckerfabrik Waghäusel abgebrochen worden sind. Es wird dieselben aber auch andererseits wiederum tnterefficen, zu vernehmen, daß, hauptsächlich nach einstimmigem Beschluß der Generalversammlung des landwtrth- schaftlichen Bezirksoe'eins Büd ngen, die für die Betreibung der Errichtung einer Zuckerfabrik an btr G-eßen-Gclnhauser Bahnlinie ernannte Commission nach Maßgabe jener Beschlüsse nunmehr bereits ihre Tbättgkeit dohrn gerichtet hat, die Erbauung einer solchen Fabrik auf Aciien in thunlichst kurzer Frist zu ermöglichen.
Die sämmtlichku Interessenten werden noch Erledigung der röthigen Vorarbeiten voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahrrs zu em?r Versammlung zusammenberufen werden, deren Ausgabe es sein wird, eine Actlengesellschaft zu besagtem Zwecke zu confHtufrm._____________________________________________________________________
O-Qnöei urw Verkehr.
Limburg, 5- December. Nother Weizen JL 17.25, weißer Weizen JC.—.— Korn </4 12.70, Gerste JL 10-20, Hafer <X 7.00, Erbsen JL —, Kartoffeln JL —.
6. Decbr., Nachmittags 2 Ubr — Mi-». i Telegraph'scher Coursbericht. Mitgctheili durch das Bankgeschäft Albert Kuufmonn in Gießen.) Creditacsten 236^8. Staatsbahnactien 263, G^lftier 243'/», Lombarden H7'/2, Nord- westbahnacticn 155'/«, Gotthardbahnactien 92 Vti, Darmstädter - Bankactien 154'/«, Disconto Commandit —, Oesterr. Silberrente 66t3/i6, 4% Ungar. Oolbrente —, 40/0 1880er Russen 7O's/)6, b°/y 1877r Russen 2. Orient-Anleihe —, 4o/o Spanier —, 5% ^mänische Rente —, 4% Uuific. Egppter 64%, 5% Türken
—, Marienburger 90'/i, Hess. Litdwigsbahnact. —. Tendenz: —.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Diejenigen hiesigen Einwohner, welche im Laufe dieses Jahres Hunde abgeschafft haben, wollen dies spätestens bis zum 31. December d. I. entweder schriftlich oder mündlich in Selbstperson bei der unterzeichneten Stelle anzeigen, indem sonst die Verbindlichkeit zur Entrichtung der Hundeabgaben auch im folgenden Jahre und so lange fortdauert, als diese Anzeige versäumt wird.
Gießen, den 6. December 1883.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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