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-rr. 288. Freitag den 7. December 1888

Weßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Buremit Schulstraße 7.

Erscheint tätlich mit Butznahme deS MoutagH.

Drei- vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlvhn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, am 5. December 1883.

Betreffend: Die Vollziehung des Gesetze» vom 6. Juni 1853, die Versicherung der Gebäude gegen FeuerSgesahr und die Vergütung der Brandschäden.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS.

Diejenigen, welche mit der Berichtserstattung in rubr. Betreff noch im Rückstand sind, werden hiermit wiederholt an baldige Erledigung erinnert.

______________ Dr. Boekmann.______________________________________ ________________

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat auf Nachsuchen des Pferdemarkt-Vereins zu Darmstadt genehmigt, daß im Frühjahr und Herbst 1884 je ein Fohlen- und Pferdemarkt zu Darmstadt abgehalten wird und mit diesen beiden Märkten Verloosungen von Fohlen und Pferden, dann voN Pferdegeschirren, landwirthschaftlichen Gerätschaften, sowie sonstigen Gegenständen, nach dem vorgelegten Verloosungsplane verbunden werden. Diesem Plane gemäß stnd bei jeder der zwei Verloosungen höchstens 20,000 Loose das Loos zu 2 auszugeben und wenigstens 60% der Brutto-Einnahmen

zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden. Zugleich ist der Vertrieb der fraglichen Loose für den Umfang des Großherzogthums gestattet worden.

Gießen, den 5. December 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

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wurde vom Alcalden (Ober­

hat am Montag die Special-

Politische Ueberfkcht.

Gießen, 6. December.

stnche^wurden.^ ^^^^ger Senate ist am Montag die Verhandlung in der Cimbria-Affaire wieder ausgenommen worden. Aus den zahlreichen Heuaen-Ausfaaen läßt sich jedoch die eigentliche Ursache der Katastrophe nicht mit Sicherheit^entnehmen, sodaß eine Freisprechung des Kapüans desSultan gerade nicht unwahrscheinlich ist. Der Spruch soll in lL ^agen erfolgen.

(T'ie Neu-Ernennung eines Banns für Kroatien und die Enthebung des Generals v. Ramberg von seinem Posten als außerordentlicher Commissar für Kroatien deuten darauf hin, daß in diesem Lande die früheren gesetzmäßigen Zustände wieder eingetreten sind. Der Posten des Banns ober Statthalters ist jedoch wider Erwarten nicht Dem Feldzeugmeister Baron Phr- lippovies, sondern dem Grafen Khum Hcdervary übertragen worden, dessen Äame außerhalb der Grenzen Transleithaniens noch so gut wie unbekannt ist.

Der Zeitpunkt, an dem der deutsche Kronprinz Spanien wieder zu verlassen gedenkt, naht allmälig heran, nur scheinen bezüglich des Tages seiner Abreise noch immer keine bestimmten Dispositionen getroffen zu fein. Auch die mit vieler Bestimmtheit aufgetauchte Nachricht, der Kronprinz würde diesen Donnerstag oder Freitag Spanien verlassen, bestätigt sich nicht, vielmehr ge­denkt er in Den nächsten Tagen seinen Ausflug nach dem spanischen Süden, nach Andalusien, anzutreten. Dagegen ist es richtig, daß die Einschiffung nach Genua diesmal in Barcelona erfolgt, wo derPrinz Adalbert" und die Sophie" am Sonntag eingetroffen sind und treffen die Behörden dieser Stadt bereits umsaffende Anstalten, um dem Kronprinzen ein großes Fest zu geben. Die Festlichkeit, welche die Municipalität von Madrid am Sonntag Abend zu Ehren des deutschen Kronprinzen veranstaltet hatte, ist in glänzender Weise ver­laufen. Die Elite der Madrider Gesellschaft war in Den electrisch erleuchteten Räumen des Stadthaufes anwesend; der Kronprinz wurde vom Alcalden (Ober­bürgermeister) seierlichst empfangen und verweilte mit der königlichen FamUie bis nach Mitternacht.

Das preußische Abgeordnetenhaus , debatte über den Etat mit der Berathung des landwirthschaftlichen Theiles des- selben begonnen. Gleich der Etat der Domänen-Verwaltung gab zu einer weit ausqesponneneu Debatte Veranlassung; der secesstonistische Abg. Rickert eröffnete dieselbe mit einer Rede, in welcher er eine steigende Besserung in den lanD- wirthschastlichen Verhältnissen coustatirte. Ihm erwiderte der Minister für Landwirthschaft, Dr. Lucius, daß die Steigerung in den Einnahmen aus der Domänen-Verpachtung noch nicht auf eine allgemeine Prosperität m der Land- wirthschaft schließen lasse. In längerer Weise führte dann der Minister aus, daß die Klagen aus den Kreisen der ländlichen Bevölkerung über die zuneh­mende Belastung mit Conimunal- und Schulsteuern begründet seien und über­stiegen diese Lasten oft den Reinertrag der Grundsteuer. Es sei daher eine Revision in der Grundsteuer-Einschätzung angezeigt, auch werde die Regierung zu erwägen haben, ob nicht ein Theil der Grund- und Gebäudesteuer auf die Communen zu Übertragen sei. Eine Vermehrung der Domänen-Parzellirung halte er nicht für vortheilhaft, vielmehr müsse der Staat dielen werthvollen Besitz in der Hand behalten. Nach dieser bedeutendsten Rede des Tages griffen noch eine Reihe anderer Redner in die Debatte ein so daß sich dieselbe von Vormittags 11 bis in die fünfte Nachmittagsstunde hmemzog und bestand das praktische Resultat der langen Debatte lediglich darin, daß Tit. 1 und ll des Cap 1 Der Einnahmen des Domänen-Etats genehmigt, der Rickert iche Antrag, iv Erträgnisse aus Domänen-Grundstücken, Mühlen und Fischereien 4 787 472 "m. an Die Budget-Commission zu verweisen, abgelehnt wurde

' Dem preußischen Abgeordnetenhause steht in nächster Woche eine aroße Culturkampf-Debatte bevor, da Die Centrums-Fraktion einen Antrag auf Wiederherstellung der drei kirchenpolitischen Artikel der Vertassung einzu- bringen'beabsichtigt^welche behufs Der Durchführung Der Falk'schen Gesetze g°-

Jn nächster Zeit wird außerdem auch Der kroatische Landtag wieder zusammen- treten, womit bann her Ausnahmezustand in Kroatien faktisch sein Ende erreicht hat.

In dex französischen Deputirtenkammer steht für kommenden Freitag die große Debatte über die Kredit-Vorlage für Tonking bevor, der die politische Welt Frankreichs mit Spannung entgegensieht. Es ist leicht begreiflich, daß das Cabinet Ferry bis zu diesem Zeitpunkt das Eintreffen möglichst gün­stiger Nachrichten aus Tongking wünscht, um hierdurch auf das Abstimmungs- Resultat im Sinne der Regierung einzuwirken, aber gerade sind in letzter Zeit recht spärliche Nachrichten aus Tongking eingetroffen. Eine Depesche Courbet's vom 27. November meldet nur, daß in Haidzuong der Belagerungszustand erklärt worden ist und daß die Mandarinen in Haidzuong und Kuangyen des Einverständnisses mit den chinesischen Banden überführt und festgenommen wor­den sind. Von einer angeblich bei Haiphong stattgefundenen großen Schlacht weiß die Depesche nichts zu melden und hat man es hier jedenfalls nur mit einem jener unbegründeten Gerüchte zu thun, von denen schon so manches über die Tongking-Affaire verbreitet worden ist.

Mit Argus-Augen verfolgt die englische Regierung die Vorgänge in Ostasien und trifft bereits, ihre Vorkehrungen für den, Fall eines Krieges zwi­schen Frankreich und China. Zu den ersten derselben gehört die Absendung des Transport-DampfersHankow", welcher demnächst behufs Verstärkung der britischen Stationen in China mit 900 Mann, Geschützen und Kriegs-Munition von Portsmouth nach den chinesischen Gewässern abgehen soll. Außerdem ge- denkc sich aber England mit den andern europäischen Mächten, welche mehr oder weniger Handels-Interessen in China haben, in's Einvernehmen zu setzen. Eine Verständigung Über die Maßregeln zum Schutz der Europäer in China ist zvischen England, Deutschland, Rußland und Frankreich bereits im Gange und nimmt hieran auch Nord-Amerika Theil. Vorerst ist die Bildung einer gemnnsamen Flotille von Kanonenbooten in Aussicht genommen, welche an dem Gestade von Kanton ftationirt werden soll. - Das Commando über dieselbe soll derjsiigen Macht übertragen werden, welche die größten Seestreitkräfte in den chinksischen Gewässern besitzt. O'Donnel, der Mörder des Kronzeugen Carey, ist zrm Tode verurtheilt worden.

Nach officiellen in Barcelona eingegangenen Depeschen würde der deutsche Kronprinz daselbst nicht vor dem 14. oder 15. December eintreffen, da r zuvor noch einige Städte Andalusiens besuchen wird.

Aus dem Sudan liegen jetzt Nachrichten jror, denen zufolge sich die Mit Heilungen von der Vernichtung des egyptischen Heeres nur theilweise bestä- tigei. Es soll nur ein Drittel des Heeres einschließlich Der englischen Officiere und des Generalstabes niedergehauen worden, der übrige Theil dagegen ent- komnen sein und bei Rahad lagern, um Verstärkungen zu erhalten. Die Stadt Khatum sei ruhig. Diese Mittheilungen sind dem österreichischen diplomatischen Ageiten in Kairo vom österreichischen Consul in Khartum zugegangen, eine Be­stattung derselben ist indesfln bei der egyptischen Regierung selbst noch nicht eingtroffen.

In Washington ist an; Montag der Congreß ohne besondere Feier- lichktten eröffnet worden. _____ _

Berlin, 4. December. Die gegenwärtig hterselbst im Zuge bchndltchen Ver- hankungen bchufs Abschlusses einer literarischen und artistischen Convention zwischen oemDmtschen Reich und Belgien bezwecken, an Stelle der derzeitigen zwischen Belgien und )reizrhn deutschen E-nzelstaaten bestehenden Abmachungen eine, einzige Ueberem- tuns zu setzen. Wie wir vernehmen, wird die Convention mit Belgien auf analogen Grudlagen wie jene mit Frankreich abgeschlossen werden, unter Hinweglasiung einiger unntzer Formalitäten und Hinzufügung neuer Erleichterungen im Interesse der Ver­breit vg wissenschaftlicher Kenntnisse und des öffentlichkn Unterrichts.

Bis jetzt haben zwei Conferenzen stattgefunden, eine dritte dürfte in der laufenden WoL gehalten werden; man nimmt an, daß eine beiderseits befriedigende Verständigung ohnegroßen Zeitverlust sich werde erzielen lassen.

Die auf Deutschlands Initiative beschlossene Formirung einer internationalen Kanncnflotille in den Gewässern Kantons charakterisirt sich als ein Akt der maritimen